Lebensdaten
um 1355 bis 1405
Sterbeort
Brünn
Beruf/Funktion
Markgraf von Mähren
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137788185 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Procop
  • Procop von Mähren
  • Prokop von Mähren
  • mehr

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Zitierweise

Prokop, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd137788185.html [24.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Luxemburger (s. NDB 15); V Johann Heinrich, Gf. v. Tirol, Mgf. v. M. (1322–75, s. ADB 14), S d. Kg. Johann v. Böhmen (1296–1346, s. NDB X); M Margarethe ( 1363), T d. Nicolaus II., Hzg. v. Troppau u. Ratibor ( 1365); Ov Ks. Karl IV. (1316–78, s. NDB XI); B Jost (Jobst, Jodocus, Jodok), Mgf. v. Mähren u. v. Brandenburg, gewählter röm.-dt. Kg. (1354–1411, s. NDB X), Johann Soběslav (1355-94), Patriarch v. Aquileja (s. ADB 14), Schw Katharina (1353–78, Hzg. Heinrich v. Falkenberg, 1382), Elisabeth ( 1400, Mgf. Wilhelm v. Meißen, 1406 ?), Anna ( vor 1405); Vt Kg. Wenzel (1361–1419), Ks. Sigismund (1368–1437); – ledig; 1 unehel. S Georg ( 1457), Benediktiner.

  • Leben

    P. genoß eine grundlegende Bildung und beherrschte Latein. Sein politisches Wirken war durch das wechselhafte Verhältnis zu seinem älteren Bruder Jost und zu seinen mächtigen Vettern Wenzel IV. und Sigismund bestimmt. Zeitweise getrieben von einem Gefühl der Benachteiligung, war er ein entscheidender Faktor in der verwandtschaftlichen Konstellation der Luxemburger und bei der Demontage der v. a. von Ks. Karl IV. begründeten luxemburg. Vormachtstellung in Mitteleuropa. P. erhielt nach dem Tod des Vaters 1375 wie sein Bruder Soběslav den Titel eines Markgrafen von Mähren und eine Ausstattung aus bestimmten Burgen und Städten, während Jost die eigentliche Herrschaft in der finanziell einträglichen Markgrafschaft innehatte. Der militärisch und diplomatisch begabte P. war ehrgeizig genug, um sich dem politisch ambitionierten Jost entgegenzustellen, doch brachen schwerwiegende Auseinandersetzungen nach einer ersten Fehde von 1381 erst seit 1390 aus. Konflikte wegen strittiger Besitzungen trug P. auch mit dem Olmützer Bischof und Kapitel aus. P.s Stellung im Schisma ist nicht eindeutig faßbar, so daß er weder als Anhänger des röm. noch des avignones. Papstes gelten kann. 1385/86 unterstützten P. und Jost gemeinsam Sigismunds erfolgreiche Bemühungen am die Krone Ungarns, der ihnen als Gegenleistung 1388 die Mark Brandenburg verpfändete, wobei dort die faktische Herrschaft von Jost ausgeübt wurde. Als Jost und Sigismund seit 1390 in verschiedenen Bündnissen mit dem böhm. Adel, den Wettinern und den Habsburgern gegen Wenzel IV. vorgingen, stand P. diesem militärisch bei und wurde zeitweise mit der Herrschaft in ganz Mähren und mit der Regentschaft im Kgr. Böhmen betraut. 1396 wurde von Jost, P, mähr. Herren und dem Olmützer Bischof Nikolaus v. Riesenburg ein bedeutender Landfriede für Mähren erlassen. Im Zuge der Ereignisse vor der 1400 erfolgten Absetzung Wenzels vom röm.-deutschen Thron geriet P. in die Schußlinie eines von Sigismund, Jost und einer Adelspartei 1399 abgeschlossenen Bündnisses, das seine Vernichtung (in sui finale exterminium) anstrebte. Im selben Jahr verhängte Bonifaz IX. nach Klage des Olmützer Kapitels über P. den Kirchenbann. 1401 vereitelte P mit diplomatischem Geschick einen militärischen Einfall Kg. Ruprechts in Böhmen und distanzierte sich von Wenzel, wurde aber 1402 von Sigismund unter Bruch freien Geleits gefangengenommen und in Wien und Preßburg inhaftiert. Jost trat jedoch mit eigenen Ambitionen auf die böhm. Krone Sigismund entgegen und setzte sich an die Spitze der Partei Wenzels im Kgr. Böhmen, so daß der 1403 militärisch in Böhmen operierende Sigismund ohne wirklichen Erfolg blieb. Nach einer 1404 zustande gekommenen Aussöhnung zwischen Hzg. Wilhelm von Österreich, Wenzel und den mähr. Markgrafen wurde P. spätestens im Juni 1405 aus der Haft entlassen und starb an deren Folgen wenige Monate später in Brunn. Einige lat. Verse, die er während seiner Haft schrieb, sind erhalten geblieben (abgedr. in: F. Palacký, Dějiny národu českého w Čechách a w Morawě II/2, 31876, S. 367 f.).

  • Literatur

    ADB 26; Th. Lindner, Gesch. d. dt. Reiches unter Kg. Wenzel, I-II, 1875/80; J. Spěváček, Václav IV. 1361-1419, K předpokladům husitské revoluce, 1986; I. Hlaváček, Brünn als Residenz der Markgrafen d. luxemburg. Sekundogenitur, in: Fürstl. Residenzen im spätma. Europa, hg. v. W. Paravicini u. H. Patze, 1991, S. 361-420; J. Válka, Středověká Morava, Dějiny Moravy díl I, 1991, S. 103-10; T. Baletka, Dvůr, rezidence a kancelář Moravského markraběte Jošta (1375-1411), in: Sborník Archivní Prácí 46, 1996, S. 259-536; J. Mezník, Lucemburská Morava 1310-1423, 1999, S. 207-86; Ottův slovník náuční 20; Lex. MA.

  • Autor

    Karel Hruza
  • Empfohlene Zitierweise

    Hruza, Karel, "Prokop" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 740-741 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd137788185.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Procop von Mähren, aus dem Hause Luxemburg, jüngster Sohn des Markgrafen Johann Heinrich von Mähren aus dessen zweiter Ehe mit Margaretha von Troppau, geboren zwischen 1350 und 1360, am 24. September 1405. Er hatte nur einen Theil des väterlichen Landes unter der Oberhoheit seines älteren Bruders Jost zur Regierung, ein Verhältniß, das bei dem habsüchtigen Charakter beider Brüder sie nicht lange in Freundschaft mit einander leben ließ. Schon 1382 sind sie in Fehde. Bei der Verpfändung der Mark Brandenburg an den kinderlosen Jost 1388 wird indeß Procop's Anfallsrecht anerkannt und demselben darauf gehuldigt. Jemehr sich sonst Jost seinem Vetter König Sigismund von Ungarn anschloß, destomehr hielt sich P. zu König Wenzel von Böhmen. Schon 1387 und 1388 erscheint er als Vorsitzender des obersten Landgerichts in Böhmen, 1393 hat er an dem Streite des Königs mit dem Erzbischof Johann von Prag einen sehr lebhaften Antheil. Eben damals brach auch zwischen ihm und seinem Bruder Jost offener Krieg aus, wobei Jost die dem Bruder von der Mark geleistete Erbhuldigung für ungültig erklärte. Im März 1394 finden wir ihn als Gesandten Wenzel's am polnischen Hufe. Im J. 1395 sind beide Brüder wiederum im Kriege gegen einander, gegen dessen ungünstige Folgen wohl Wenzel den Vetter schützte. Im folgenden Jahre übertrug dieser ihm während seines Zuges ins Reich die Statthalterschaft in Böhmen; auf ihn setzte der argwöhnische König noch das meiste Vertrauen. Es zeugt nun freilich von einem geringen Vertrauen Procop's in Wenzel, wenn der erstere am 23. Mai 1398 mit dem Markgrafen Wilhelm von Meißen einen Vertrag abschließt, wonach sie Wenzel im Königreich Böhmen getreuen Beistand leisten wollen, insofern er ihnen folgen wolle; wolle er ihnen aber nicht folgen, so sollen Beide seinen Dienst aufgeben. Wenzel konnte indeß bei seinen zerfahrenen Verhältnissen Procop's gar nicht entbehren. Ende 1398, als er mit Jost in neuen Streit über die Lausitzen gerathen war, ernannte er ihn wieder zum Statthalter Böhmens. Als P. dann Truppen zum Kriege sammelte, ließ ihn allerdings der König im Stich und schloß in Böhmen einen Waffenstillstand mit Jost, während P. in der Lausitz lag. Ohne Ruhm geerntet zu haben, zog er von da im Juli über Schlesien nach Mähren zurück, wo er nun auch mit dem Bischof von Olmütz in eine Fehde gerieth, die ihm schließlich den Bann eintrug. Auch Sigismund schloß sich jetzt seinen Feinden an, der Krieg zog sich bis ins Jahr 1400 hinein, erst Wenzel's Absetzung vom Reiche brachte den Streit der Brüder vorübergehend zur Ruhe. Trotz Wenzel's Unthätigkeit hielt P. doch auch in der Folge weiter zu ihm und trat 1402, als Sigismund den Bruder gefangen nahm und aus Böhmen wegführte, an die Spitze der königlichen Partei in Böhmen, sogar in Verbindung mit König Ruprecht, dem Nachfolger des abgesetzten Wenzel. Da lockte ihn Sigismund durch die Zusage freien|Geleits aus seiner Hauptburg Pöfing und nahm ihn hinterlistig gefangen, am 3. Juni. Eine Zeit gab er ihn an Jost zur Verwahrung, führte ihn dann aber mit sich nach Preßburg, wo er ihn über Jahr und Tag in Gefangenschaft hielt. Man hat noch Proben von lateinischen Versen, mit deren Abfassung und Niederschreibung sich der Gefangene die Langeweile vertrieb. Er muß darnach doch früher eine gelehrte Erziehung genossen haben. Als es Wenzel gelang, aus seiner Haft in Wien zu entkommen, war P. schon frei. Jetzt einigten sich P. und Jost mit Wenzel zum Kampfe gegen Sigismund, der ihrer aller Selbständigkeit bedrohte. Während dessen starb P. unvermählt am 24. September 1405, worauf seine Besitzungen an Jost fielen. Man wird kaum Unrecht thun, wenn man auch P. einen Theil der Schuld an der schlimmen Zwietracht des luxemburgischen Hauses zuschreibt; blieb doch fortan das Einvernehmen zwischen Jost und Wenzel bis zu des ersteren Tode ungestört.

    • Literatur

      Nach Lindner, Geschichte des deutschen Reichs unter König Wenzel I, II. — Palacky, Geschichte Böhmens III, 1 etc.

  • Autor

    Markgraf.
  • Empfohlene Zitierweise

    Markgraf, "Prokop" in: Allgemeine Deutsche Biographie 26 (1888), S. 624-625 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd137788185.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA