• Genealogie

    V Hermann Emil Otto ( 1924), Werkmeister;
    M Auguste Emilie Seifert;
    1) 1918 Margarete, 2) 1942 Eleonore Holtz (* um 1904), verw. Rütger u. Brüning, aus Davos;
    3 T, 1 S, 4 Stief-K.

  • Leben

    Nach dem Abitur trat P. 1912 in die Marine ein und diente bis 1918 als Marine-Zahlmeister im Rang eines Leutnants zur See. Eine ähnliche Funktion nahm er 1920 kurzzeitig in der Freikorps-Brigade Loewenfeld wahr. P. blieb in der Marine der Reichswehr. Nach einer ersten Mitgliedschaft 1922 trat P. 1926 erneut der NSDAP und gleichzeitig der SA bei. Auf Vermittlung von Wilhelm Canaris wurde er im Januar 1934 als Leiter des SS-Verwaltungsamtes im Range eines Standartenführers aus der SA in die SS übernommen. Im Juni 1935 stieg er offiziell zum Verwaltungschef der SS auf, seit April 1939 in Personalunion als Ministerialdirektor im Reichsministerium des Innern. Nominell hatte er 1942/43 einen Sitz im Reichstag.

    Als Leiter der beiden SS-Hauptämter Haushalt und Bauten sowie Verwaltung und Wirtschaft war P. einer der engsten Mitarbeiter Heinrich Himmlers. Seit dem 1.2.1942 stand er der zusammengeführten Wirtschaftsbehörde der SS, dem neuen Wirtschaftsverwaltungshauptamt, im Rang eines Generals der Waffen-SS und SS-Obergruppenführers (seit 20.4.1942) vor. Damit unterstanden ihm seit dem 16.3.1942 auch die Inspektion der Konzentrationslager, die fortan als Amtsgruppe D ressortierte, und – wie bisher – die Wirtschaftsbetriebe der SS, die meist an Konzentrationslager angegliedert waren. Der Versuch der SS-Führung, selbst größere Teile der Rüstungsfertigung zu übernehmen, scheiterte jedoch schon 1942 am neuen Rüstungsminister Albert Speer. Ebenso blieben viele eigene Wirtschaftsgründungen – wie die Ostindustrie GmbH – in ihren Anfängen stecken.

    P. war verantwortlich für das Konzentrationslagerwesen, seit 1938 für deren Werkstätten und Verwaltung, seit 1941 auch für den Arbeitseinsatz, seit 1942 für die gesamte Organisation. Auf dem Höhepunkt seiner Expansion erfaßte das KZ-System Anfang 1945 mehr als 714 000 Häftlinge; während P.s Amtszeit wurden die Lager „ökonomisiert“, d. h. die Bedingungen für arbeitsfähige Häftlinge etwas verbessert, die zu „Arbeitsunfähigen“ abgestempelten jedoch systematisch ermordet. Etwa eine Million Häftlinge fielen unter P.s Amtsführung den Morden in den Lagern zum Opfer, nicht gerechnet die unregistriert Eingelieferten der „Endlösung der Judenfrage“ in Auschwitz und Majdanek. P. übernahm zudem die Verwertung des von Juden geraubten beweglichen Eigentums; Wertsachen mußte er an die Reichsbank abführen.

    Bei Kriegsende tauchte P. zeitweise unter falschem Namen unter, bevor ihn im Mai 1946 die brit. Militärpolizei verhaftete. Als einer der am schwersten belasteten NS-Verbrecher wurde er am 7.3.1947 in Nürnberg im sog. Fall 4 vom amerik. Militärgericht Nr. II zum Tode verurteilt und vier Jahre später gehängt.

  • Werke

    Credo, Mein Weg zu Gott, 1950.

  • Literatur

    E. Georg, Die wirtschaftl. Unternehmungen d. SS, 1963;
    P. F. Koch, Himmlers graue Eminenz, O. P. u. d. Wirtsch.verw.hauptamt d. SS, 1988 (P);
    ders., Die Geldgeschäfte d. SS, 2000;
    M. T. Allen, Engineers and Modern Managers in the SS, The Business Administration Main Office (Wirtsch.verw.hauptamt), Diss. Pennsylvania 1995;
    ders., in: Die SS, hg. v. R. Smelser u. E. Syring, 2000, S. 394-407 (P);
    W. Naasner (Hg.), SS-Wirtsch. u. SS-Verw., 1998;
    K. Orth, Das System d. nat.soz. KZ, Eine pol. Organisationsgesch., 1999;
    J.-E. Schulte, Verw. d. Terrors, O. P. u. d. SS-Wirtsch.-Verw.hauptamt 1933-1945, 2001. |

  • Quellen

    Qu BA Berlin (Dienstakten in Beständen NS 3 u. NS 19; Personalakte im Bestand BDC); Prozeßmaterialien u. Urteil in: Trials of War Criminals before the Nürnberg Military Tribunal. V: The Pohl Case, 1950.

  • Autor/in

    Dieter Pohl
  • Empfohlene Zitierweise

    Pohl, Dieter, "Pohl, Oswald" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 584 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118861530.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA