Lebensdaten
1872 bis 1941
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Vaison-la-Romaine (Südfrankreich)
Beruf/Funktion
sozialistischer Publizist ; Diplomat
Konfession
jüdischer Vater
Normdaten
GND: 140225501 | OGND | VIAF: 103765516
Namensvarianten
  • Pohl, Otto

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Zitierweise

Pohl, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd140225501.html [22.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (jüd.), Bankier;
    M N. N.;
    1) 1900 Charlotte Glas (1873–1943), Schriftst., Sekr. d. SAI, 2) Lebensgefährtin (seit 1919) Margarete Schwarz, geb. Kallberg (1878–1941, Dr. Leo Schwarz, um 1873–1903. Arzt in P.), Malerin;
    1 T aus 1) Annie ( 1941), Malerin, 1 Stief-T Lotte Schwarz (* 1902), Dr. oec. publ., Journalistin, Übersetzerin, 1929-33 in d. Kulturred. d. „Moskauer Rdsch.“ (s. BHdE I; W).

  • Leben

    P. absolvierte in Prag das Gymnasium und studierte an der Deutschen Universität Rechts- und Staatswissenschaften (Dr. iur.). Schon als Student bekannte er sich zur Sozialdemokratie und schloß sich dem „Verband jugendlicher Arbeiter“ an. Die frühe Freundschaft mit den nordböhm. Abgeordneten zum Reichsrat, Josef Strasser (1870–1935) und Karl Kreibich (1883–1966), die im 1. Weltkrieg zum linken Flügel der österr. Sozialdemokratie und im November 1918 zu den Mitbegründern der KPDÖ zählten, hatte großen Einfluß auf seine politische Haltung. Von Victor Adler (1852–1918) Anfang 1895 als Prager Korrespondent der „Arbeiter-Zeitung“ gewonnen, übersiedelte P. 1898 nach Wien und war bis 1918 außenpolitischer Redakteur und zeitweilig auch Korrespondent (Paris, Amsterdam) des Zentralorgans der österr. Sozialdemokratie. Daneben gab er seit 1897 die deutsch-tschech. Zeitschrift „Die Akademie“ heraus, die sich an die sozialistische Jugend richtete und in der neben Politikern wie Karl Renner und bekannten Journalisten wie Stefan Grossmann oder Karl Tschuppik, später Chedredakteur des „Prager Tagblatt“, auch tschech. Autoren zu Wort kamen. Im 1. Weltkrieg schloß sich P. dem Kreis der „Linken“ um Friedrich Adler (1857–1938) an. Im November 1918 wurde ihm die Leitung der Presseabteilung des Außenministeriums übertragen; in dieser Funktion gehörte er auch der österr. Delegation bei den Friedensverhandlungen von St. Germain an. Im Juli 1920 wurde er aufgrund des Kopenhagener Vertrags mit der Sowjet. Regierung Leiter des österr. Kriegsgefangenen- und Zivilinterniertenamts in Moskau. Nach Auflösung der Mission im April 1922 wurde er zum ersten bevollmächtigten Gesandten Österreichs in Moskau ernannt und am 6.6.1924 erfolgte seine definitive Bestellung. In Moskau gelang es P. rasch, enge Kontakte zu den wichtigsten Vertretern der sowjet. Regierung und führenden Vertretern der Komintern zu knüpfen (Lenin, Trotzkij, Litwinow, Lunatscharskij, Radek); besondere Kontakte pflegte er zum Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten Georgij W. Tschitscherin (1872–1936). Seine Berichte über die innen- und außenpolitische Entwicklung waren geprägt von Sympathie für den Aufbau des Sowjetstaates, ohne jedoch die notwendige kritische Distanz vermissen zu lassen. Auch führende Vertreter der literarischen und künstlerischen Avantgarde, wie Majakowskij, Meyerhold oder Eisenstein, zählten zu seinem Bekanntenkreis und waren wiederholt Gäste der österr. Botschaft. Infolge der innenpolitischen Erschütterungen (Brand des Wiener Justizpalasts am 15.7.1927 etc.) wurde P.s Position immer mehr in Frage gestellt, so daß sich P. im Oktober 1927 zur Resignation entschloß. Nach Übergabe der Amtsgeschäfte kehrte er (privat) nach Moskau zurück. Im April 1929 gründete er mit seiner Stieftochter Lotte Schwarz die „Moskauer Rundschau“, die über wichtige politische, kulturelle und wirtschaftliche der RFSR berichtete, aber auch kritisch zur Rechtsentwicklung in Österreich Stellung nahm. Unmittelbar nach dem Verbot der Sozialdemokratischen Partei Österreichs im Februar 1934 wurde gegen ihn ein politisch motiviertes Disziplinarverfahren eingeleitet. P., der sich sehr um die nach Moskau geflüchteten Schutzbündler bemühte, entschloß sich im Herbst 1934 zur Einstellung der „Moskau|er Rundschau“ und ging nach Prag. In den folgenden Jahren besuchte er die Schweiz, Finnland, Spanien und Frankreich, wohin er 1937 als Reaktion auf die Moskauer Prozesse endgültig übersiedelte. 1938/39 war er Mitarbeiter der „Pariser Tageszeitung“ und der „Nouvelles d'Autriche“, in denen er zahlreiche Beiträge über Österreich verfaßte. Im Mai 1941 schied er gemeinsam mit seiner Frau auf der Flucht vor nationalsozialistischer Verfolgung aus dem Leben.|

  • Auszeichnungen

    Gr. Goldenes Ehrenzeichen f. Verdienste um d. Rep. Österr. (1927).

  • Werke

    u. a. Die Arbeiter im kapitalist. Staat u. in d. sozialist. Ges., 1902. – Zu Lotte Schwarz: Je veux vivre jusqu'à ma mort, 1979.

  • Literatur

    R. v. Mayenburg, Blaues Blut u. rote Fahnen, 1969;
    K. R. Stadler, Opfer verlorener Zeiten, Gesch. d. Schutzbund-Emigration 1934, 1974;
    BHdE I.

  • Autor/in

    Theodor Venus
  • Empfohlene Zitierweise

    Venus, Theodor, "Pohl, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 585 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd140225501.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA