Lebensdaten
1835 bis 1921
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Sozialpolitiker ; Bankier ; Schriftsteller
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119102714 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pfeiffer, Gotthilf Eduard
  • Pfeiffer, Eduard
  • Pfeiffer, Gotthilf Eduard
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Zitierweise

Pfeiffer, Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119102714.html [19.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Hoffaktorenfam. Marx, später „Pfeiffer“ gen., d. seit Mitte d. 18. Jh. am Hof d. Fürsten v. Hohenlohe in Weikersheim e. bevorzugte Stellung innehatte;
    V Marx (1785–1842, 1] Henriette, 1812, T d. Jacob Raphael Kaulla, 1810, Bankier u. kaiserl. Rat, Hofbankier in Hechingen u. St., s. NDB XI*, 2] Dorothea, 1822, T d. Wolf(f) v. Kaulla, 1768–1841, württ. Personaladel 1814, Hofbankier u. kaiserl. Rat in Hechingen u. St., s. NDB XI*), Hoffaktor, seit 1808 in St., erwarb dort als e. d. ersten Juden d. Wohnrecht, Mitgl. d. Direktoriums d. Württ. Hofbank, seit 1822 Vertr. d. Fam. Kaulla in d. ersten bedeutenden württ. Privatbank, Hofrat, Mitgl. d. Isr. Oberkirchenbehörde, S d. Marx Ezechiel (1766–1827), Hofagent in Weikersheim, u. d. Gela Haye ( 1824);
    M Pauline (1802–67), T d. Samuel Wittersheim (1760–1831), Oberrabbiner in Metz, u. d. Esther Mayer Marx ( 1826) aus Nancy;
    Stief-B Joseph Max v. P. (1822-97, österr. Rr. 1872), Bankier, württ. Konsul in Wien, 1873 Ehrenritter d. Ordens d. württ. Krone;
    Baden-Baden Julie ( 1926), Wwe d. Bankiers Louis Ferdinand Victor Benary (* 1843) in Paris, T d. Eduard Kann u. d. Stephanie Bär; kinderlos.

  • Leben

    1857 an der „Ecole Centrale des Arts et Manufactures“ in Paris zum Diplomingenieur für Chemie graduiert, studierte P. anschließend Nationalökonomie und Finanzwissenschaft in Berlin, vermutlich auch in Heidelberg und Leipzig; seit 1868 führte er den Doktortitel. Auf Bildungsreisen durch Frankreich, Italien, England und andere europ. Länder beeindruckte ihn das engl. Genossenschaftswesen, wo er wichtige Ansätze für sein späteres Lebenswerk fand. In seinem Buch „Über Genossenschaftswesen“ (1863) entwarf er eine Theorie des Genossenschaftswesens als Mittel zur Lösung der sozialen Frage. 1864 war er Mitgründer (und bis 1871 Geschäftsführer, 1871-75 Aufsichtsratsvors.) des Stuttgarter Konsum- und Ersparnisvereins auf der Basis des von ihm entwickelten Organisationssystems. 1867 gründete P. den „Verband deutscher Konsumvereine“, dem sämtliche inzwischen nach seinem System errichteten deutschen Konsumvereine beitraten. Er übernahm die Leitung und publizistische Tätigkeit des Verbandsorgans. 1869|rief er die erste Großeinkaufsgenossenschaft in Mannheim ins Leben, die wegen mangelnder Resonanz auf scharfe Kritik bei den Führern der Schulze-Delitzschen Genossenschaftsbewegung stieß. 1872 schloß sich der „Verband deutscher Konsumvereine“ dem „Allgemeinen Genossenschaftsverband“ an, womit die Abkehr von P.s System vollzogen wurde. Dennoch warP. wichtigster Wegbereiter, Theoretiker und Organisator der gesamtdeutschen Konsumvereinsbewegung. 1864 trat er dem Stuttgarter Arbeiterbildungsverein bei, dessen nationalliberale, auf die „geistige und materielle Hebung des Arbeiterstandes“ abzielende Richtung er als Finanzier und Förderer zeit seines Lebens bestimmte. Dank der finanziellen Zuwendungen P.s und seiner 1904 gegründeten Stiftung besteht dieser als einziger seiner Art in Württemberg bis heute, ebenso wie das Vereinshaus (Eduard-Pfeiffer-Haus).

    P. war auch als Politiker sowie als Bank- und Wirtschaftsfachmann tätig. Als einer der aktivsten Nationalliberalen in Württemberg (1863 Mitgl. d. Fortschrittspartei, danach d. 1866 gegr. Dt. Partei, seit 1963 Mitgl. d. Komitees d. Befürworter d. preuß.-franz. Handelsvertrags v. 1862) kämpfte er für die deutsche Einheit unter preuß. Führung. Er übernahm 1866 das Parteipresseorgan, die „Schwäb. Volkszeitung“, zusammen mit dem Fabrikanten Gustav Siegle und dem Großkaufmann Gustav Müller als Miteigentümer. 1868-76 erster jüd. Abgeordneter im Württ. Landtag (Stadt Ulm), war er dort Spezialist für Wirtschafts- und Finanzpolitik; er erreichte, daß Staatsanleihen nur noch mit einheimischen Banken statt mit dem Bankhaus Rothschild in Frankfurt/M. abgeschlossen wurden. Entscheidend wirkte er mit an der Gründung der Württ. Notenbank 1871 und, neben Kilian Steiner, der Württ. Vereinsbank 1869. An letzterer war er beteiligt und leitete sie in der Aufbauphase 1869-72 als Vorstand. Danach war er Mitglied des Aufsichtsrats und dessen Geschäftsführender Kommission, schließlich Aufsichtsratsvorsitzender und nahm damit maßgebenden Einfluß auf die Entwicklung der Vereinsbank zur führenden Kreditbank im Land, die den Anstoß zu zahlreichen bedeutenden Unternehmensgründungen gab (Bad. Anilin- u. Sodafabrik, Württ. Metallwarenfabrik Geislingen, Köln-Rottweiler Pulverfabriken, Dt. Verlagsanstalt Stuttgart). Seit seiner schweren Niederlage bei der Reichstagskanditatur 1877, die wohl mit seiner 1876 erhobenen Forderung nach Überführung der württ. Staatsbahnen in die Reichskompetenz und seiner Oppositionshaltung innerhalb der Deutschen Partei zusammenhing, strebte er keine politischen Ämter mehr an.

    Als Gründer und Vorsitzender des Stuttgarter „Vereins für das Wohl der arbeitenden Klassen“ (1866) regte P. zahlreiche soziale Projekte an, wie die nach seinen Plänen gebaute Musterkolonie Ostheim mit 1267 Wohnungen. 1917 brachte das Ehepaar sein Vermögen – P. zählte vor dem 1. Weltkrieg zu den reichsten Männern in Württemberg – in eine bis heute tätige Stiftung ein.|

  • Auszeichnungen

    Geh. Hofrat (1894); Ehrenkreuz d. Ordens d. württ. Krone, (1900); Komturkreuz, dritte Stufe d. Kronenordens (1904); Friedrichsorden (1906): Ehrenbürger v. Stuttgart (1909); Titel Exzellenz (1917).

  • Werke

    Weitere W Vgl. Zustellung d. europ. Staatsausgaben, 1865;
    Die Consumvereine, Ihr Wesen u. Wirken, Nebst e. prakt. Anl. zu deren Gründung u. Errichtung, 1865;
    Die Staatseinnahmen, Gesch., Kritik u. Statistik, 2 Bde., 1866;
    Eigenes Heim u. billige Wohnungen, Ein Btr. z. Lösung d. Wohnungsfrage mit bes. Hinweis auf d. Erstellung d. Kolonie Ostheim, 1896.

  • Literatur

    K. Bittel, E. P. u. d. dt. Konsumgenossenschaftsbewegung, 1915, Nachdr. 1992;
    H. Kaufmann, Kurzer Abriß d. Gesch. d. Zentralverbandes dt. Konsumvereine, 1928, S. 23-27;
    90 J. Konsumver. Stuttgart 1864-1954, 1954 (P);
    E. Hamburger. Juden im öff. Leben Dtld.s 1848-1918, 1968, S. 232-35;
    H.-R Huß, Gründung u. Entwicklung d. württ. Konsumvereine, 1977, S. 250 ff.;
    W. Schmierer, in: Lb. Schwaben, XV, 1983, S. 316-55 (Qu, W, L, P);
    B. Langner, Gemeinnütziger Wohnungsbau um 1900, 1994;
    W. A. Boelcke, Millionäre in Württ., 1997, S. 45.86, 91, 243.

  • Autor

    Anne Hermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hermann, Anne, "Pfeiffer, Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 316-317 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119102714.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA