Lebensdaten
1898 bis 1959
Geburtsort
Raguhn (Anhalt)
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Nationalökonom
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118740199 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Peter, Hans
  • Pether, Hans

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Peter, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118740199.html [17.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand, Mühlendir.;
    M N. N.;
    1) 1923 Else Strippel ( 1940), 2) 1942 Annemarie Seeberger;
    1 S aus 1).

  • Leben

    Nach dem Abitur 1916 am humanistischen Gymnasium in Hamm (Westfalen) begann P. noch als Soldat im Sommersemester 1918 an der Univ. Berlin ein Studium der Philosophie, Mathematik, Geschichte und Volkswirtschaftslehre, das er in Halle, Göttingen und Tübingen fortsetzte. Dort wurde er 1921 promoviert mit der Schrift „Grundsätzliches zu den Problemen des Armenrechts vom Standpunkt der Friesschen Schule“, die den starken Einfluß des Göttinger Philosophen Leonard Nelson (1882–1927) und dessen ethische Kernpostulate reflektiert. Nach einer kaufmännischen Tätigkeit 1922-24 war P. 1925-27 Lehrbeauftragter für Soziologie an der Handelshochschule in Nürnberg, arbeitete sich stärker in die Statistik ein und verfaßte die Schrift „Kritisches zur mathematischen Behandlung der ökonomischen Werttheorie“ (als Bd. I seiner „Grundprobleme“ 1933 publiziert), mit der er sich 1928 in Tübingen, seit 1927 dort Assistent, habilitierte. Dieses Werk verdeutlicht P.s frühe Neigung zur mathematischen Wirtschaftstheorie ebenso wie sein starkes Interesse für die Theorien von David Ricardo und Karl Marx, wozu er auch durch Franz Oppenheimer und Ladislaus v. Bortkiewicz angeregt wurde.

    P. arbeitete zeitlebens an der quantitativen Erfassung ökonomischer Zusammenhänge. Die Tübinger Fakultät betraute ihn 1930 mit der Vertretung des Faches Statistik. Zusammen mit Erich Schneider (1900–70) und Heinrich v. Stackelberg (1905–46) gründete er 1935 das „Archiv für mathematische Wirtschafts- und Sozialforschung“, das 1942 sein Erscheinen einstellen mußte. Neben seinem dreibändigen Hauptwerk „Grundprobleme der theoretischen Nationalökonomie“ (I: Wert, Preis, Profit, 1933, II: Der Gesamtprozeß in d. Entwicklung, 1934, III: Automatischer Prozeß u. gestaltete Volkswirtsch., Fragen d. angewandten Theorie, 1937) entstanden in den 30er Jahren zahlreiche Schriften zu statistischen Methoden, der Kapitaltheorie sowie der Kreislaufanalyse. Gleichwohl wurde dem „freiheitlichen Sozialisten“ (Weisser) aus politischen Gründen wie aufgrund des „starken jüd. Einflusses“ auf sein wissenschaftliches Werk eine beamtete Professur verweigert (Brintzinger, S. 319 ff.). Daraufhin wechselte er Anfang 1939 als Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in die Kreditabteilung des Reichswirtschaftsministeriums. Auf Vermittlung Stackelbergs ging P. Ende 1940 an das Arbeitswissenschaftliche Institut (AwI) der „Deutschen Arbeitsfront“, wo er Leiter des Volkswirtschaftlichen Referats war; er arbeitete auch mit in einer volkswirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft der Akademie für Deutsches Recht. 1942 erhielt P. neben seiner Tätigkeit beim AwI eine apl. Professur in Tübingen. Seit Dezember 1945 dort wieder als Dozent tätig, 1946 als Vertreter auf dem volkswirtschaftlichen Lehrstuhl, wurde P. 1947 in Tübingen zum Ordinarius ernannt (Dekan 1955/56).

    Hier nahm er vor allem seine Forschungen zur Kreislaufanalyse wieder auf, die in der „Mathematischen Strukturlehre des Wirtschaftskreislaufes“ (1954) und der postum erschienenen „Strukturlehre der Volkswirtschaft“ (1963) kulminieren. Zusammen mit Carl Föhl (1901–73), mit dessen bedeutsamer Analyse des Wirtschaftskreislaufes sich P. ebenso wie mit derjenigen von Keynes auseinandergesetzt hatte, gründete er 1958 das „Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung“ in Tübingen. Der vielleicht bekannteste Aufsatz P.s, der als Pionier der Kreislaufanalyse frühzeitig mathematische Wachstumsmodelle formulierte, ist der auch ins Englische übersetzte Artikel über Marx und Keynes (1950).|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Econometric Soc. (1935), Fellow (1956); Gründungsmitgl. d. Wiss. Beirats d. Bundesmin. f. Wirtsch.

  • Werke

    Weiteres W Dynam. Theorie b. Marx u. b. Keynes, in: Jbb. f. Nat.ök. u. Statistik 162, 1950, S. 260-77 (engl. in: Internat. Economic Papers 3, 1953, S. 240-55).

  • Literatur

    C. Föhl, Geldschöpfung u. Wirtsch.kreislauf, 1937;
    H. Haller, H. P. u. sein Werk, in: Weltwirtschaftl. Archiv 85, 1960, S. 155-209 (W-Verz.);
    W. Koch, Ethik u. Ökonomik, H. P. in memoriam, in: Zs. f. d. gesamte Staatswiss. 117, 1961, S. 577-609;
    U. Schleehauf, Die „Strukturlehre d. Volkswirtsch.“ in H. P.s Gesamtwerk, in: Jbb. f. Nat.ök. u. Statistik 176, 1964, S. 97-128;
    G. Weisser, in: Hdwb. d. Sozialwiss. VIII, 1964, S. 281-33;
    K. H. Roth, Intelligenz u. Sozialpol. im „Dritten Reich“, 1993, bes. S. 214 f.;
    K.-R. Brintzinger, Die Nat.ök. an d. Universitäten Freiburg, Heidelberg u. Tübingen 1918-1945, 1996.

  • Autor/in

    Harald Hagemann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hagemann, Harald, "Peter, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 233-234 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118740199.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA