Lebensdaten
1905 bis 1946
Geburtsort
Kudinowo bei Moskau
Sterbeort
Madrid
Beruf/Funktion
Nationalökonom
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118752391 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stackelberg, Heinrich Freiherr von
  • Stackelberg, Heinrich von
  • Stackelberg, Heinrich Freiherr von
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Zitierweise

Stackelberg, Heinrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752391.html [23.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst (1878–1925), aus Lassinorm (Estland), Dipl.-Ing., Chemiker, Fabrikdir., S d. Alexander (1837–1907), auf Lassinorm, Emmomäggi, Mohrenhof u. Laus (Estland), u. d. Marie-Ulrike v. Dehn (1846–1906);
    M Doña Luisa (Luisita) (1880–1967), aus Buenos Aires, T d. Don Enrique de Vedia y Correa (1851–1940), Mitbes. u. Dir. d. argentin. Tagesztg. „La Nación“, u. d. Josefa del Carmen Arce y Romero (1850–1927);
    Ur-Gvv Carl Heinrich v. Dehn (1816–78), auf Kono u. Tamsal (Estland), russ. Gen.lt. u. ksl. Gen.adjutant (s. Dt.balt. Biogr. Lex.);
    Ov Heinrich (Henri) (1869–1933), auf Mohrenhof, Laus u. Ladigfer (Estland), estländ. Kreisdeputierter (s. Dt.balt. Biogr. Lex.), Georg (1872–1934, 1] Carmen de Vedia, 1879–1929, Schw d. Doña Luisa de Vedia, s. o., 2] Camilla v. Voigt, 1895–1978), auf Kurküll, estländ. Kreisdeputierter, Friedensrichter (s. Dt.balt. Biogr. Lex.), Nikolai (1876–1941), auf Lassinorm u. Emmomäggi, Privatbeamter;
    Wargen (Kr. Fischhausen, Ostpreußen) 1936 Elisabeth (* 1917), aus Mednicken, Vors. d. Ev. Frauenhilfe in Dtld., T d. Friedrich Gf. v. Kanitz (1880–1945), Fideikommissherr auf Mednicken, u. d. Elisabeth Gfn. Finck v. Finckenstein (1884–1972);
    1 S Hans-Heinrich (1945–2006, ⚭ Friederike Freiin v. Hodenberg, * 1954), Dipl., 2 T Marie-Ulrike (* 1937,|⚭ Dedo Gf. Schwerin v. Krosigk, * 1933, Mitgl. d. Direktoriums d. DFG in Bonn, S d. Lutz Gf. Schwerin v. Krosigk, bis 1925 v. Krosigk, 1887–1977, Finanzpol., Reichsfinanzmin., s. NDB 24), Studiendir., Elisabeth (* 1939, ⚭ Ulrich Frhr. v. Stackelberg, * 1932, Dr. rer. nat., Reg.dir. an d. Bundesanstalt f. Geowiss. u. Rohstoffe in Hannover).

  • Leben

    S., dessen Vater in Rußland tätig war, verbrachte seine Kindheit zunächst nahe Moskau und – nach Kriegsausbruch – in Yalta auf der Krim. Er erhielt Unterricht von Hauslehrern. 1918/19 floh die Familie über Estland nach Deutschland und fand in Ratibor (Oberschlesien) vorübergehend eine neue Heimat. Hier besuchte S. 1919–23 das Gymnasium. 1923 zog die Familie nach Köln, wo S. 1924 das Abitur bestand. Er begann an der Univ. Köln das Studium der Mathematik, wechselte aber zur Volkswirtschaftslehre (1927 Dipl.Volkswirt). 1928–35 war er Assistent am Staatswissenschaftlichen Seminar und wurde 1930 mit der Dissertation „Grundlagen einer reinen Kostentheorie“ zum Dr. rer. pol. promoviert. Studienreisen nach Österreich und Italien führten 1932 zu Begegnungen mit herausragenden Theoretikern, darunter Luigi Amoroso (1886–1965). 1934 habilitierte sich S. in Köln mit der Arbeit „Marktform und Gleichgewicht“. Seine Behandlung von Existenz und Stabilität von Gleichgewichten auf oligopolistischen Märkten erfuhr weltweite Anerkennung, weniger die aus der Analyse gezogenen Folgerungen für die staatliche Wirtschaftspolitik. 1935 war S. mit Hans Peter (1898–1959) und Erich Schneider (1900–70) Begründer des „Archivs für mathematische Wirtschafts- und Sozialforschung“. Im selben Jahr Dozent an der Univ. Berlin, wurde er hier 1937 zum ao. Professor ernannt. In rascher Folge erschienen Arbeiten zur Preis-, Kapital-, Zins- und Wechselkurstheorie sowie zur Theorie des Sparens. Nach Kriegsausbruch wiederholt als Soldat eingezogen, war S. seit 1941 in Wehrmacht-Verwaltungsstäben im Osten eingesetzt (1942 Kriegsverw.rat). Die 1941 erfolgte Berufung auf eine o. Professur an die Univ. Bonn führte deshalb nicht zu ständiger Lehrtätigkeit. Doch konnte S. 1943 die „Grundzüge der theoretischen Volkswirtschaftslehre“ (21948, Nachdr. 1951, u. d. T. „Grundlagen d. theoret. Volkswirtsch.lehre“, engl. 1952) fertigstellen, das erste Lehrbuch in dt. Sprache, das systematisch in die neoklassische Theorie einführte. 1943 wurde S. von der Wehrmacht für die Wahrnehmung einer Gastprofessur am Instituto de Estudios Politicos der Univ. Madrid beurlaubt, wo er über das Kriegsende hinaus lehren konnte. 1946 erlag er einer Krebserkrankung. Herkunft, Familienschicksal und Zeitumstände haben dazu beigetragen, daß S. sich früh im völkisch orientierten „Jungnationalen Bund“ engagierte und 1931 der NSDAP, 1933 der SS beitrat. Konflikte, z. B. über seine kirchliche Eheschließung und die Religionspolitik, führten später zu wachsender Distanzierung vom NS-Regime. Seit 1939 hatte S. engen Kontakt zum Kreis liberal gesinnter Wirtschaftswissenschaftler um Walter Eucken (1891–1950) und Erwin v. Beckerath (1889–1964). Jedoch galt S.s vornehmliches Interesse der reinen Theorie, in der er auch nach internationalen Standards Hervorragendes geleistet hat.

  • Werke

    Weitere W Grundlagen e. reinen Kostentheorie, 1932;
    Marktform u. Gleichgewicht, 1934 (Faks.ausg. 1993);
    Probleme d. unvollkommenen Konkurrenz, in: Weltwirtschaftl. Archiv 48, 1938, S. 95–141;
    Das Brechungsgesetz d. Verkehrs, in: Jbb. f. Nat.ök. u. Statistik 148, 1938, S. 680–96;
    Theorie d. Wechselkurses b. vollst. Konkurrenz, ebd. 161, 1949, S. 1–65;
    Btr. z. Theorie d. individuellen Sparens, in: Zs. f. Nat.ök. 9, 1938/39, S. 167–200;
    Kapital u. Zins in d. stationären Verkehrswirtsch., ebd. 10, 1941, S. 25–61;
    Theorie d. Vertriebspol. u. d. Qualitätsvariation, in: Schmollers Jb. 63, 1939, S. 43–85;
    Elemente e. dynam. Theorie d. Kapitals, in: Archiv f. math. Wirtsch.- u. Soz.forsch. 7, 1941, S. 8–29 u. 70–93;
    La Ciencia y la Práctica de la Económia, 1946;
    Principios de Teoría Económica, 1946;
    – Gesammelte wirtsch.wiss. Abhh., hg. v. N. Kloten u. H. Möller, 2 Bde., 1992 (W, L, P);
    – Mithg.: Archiv f. math. Wirtsch.- u. Soz.forsch., 1935–42.

  • Literatur

    W. Eucken, in: The Economic Journal 58, 1948, S. 132–35;
    H. Möller, H. v. S. u. sein Btr. f. d. Wirtsch.wiss., in: ZStW 105, 1949, S. 395–428;
    K. O. W. Müller, H. v. S., Ein moderner bürgerl. Ökonom, 1965;
    H. Möller, H. v. S., Leben u. Werk, in: N. Kloten u. H. Möller (Hg.), H. v. S., Gesammelte wirtsch.wiss. Abhh., 1992, S. 1*-82*;
    J. Niehans, H. v. S., Relinking German Economics to the Main Stream, in: Journal of the Hist. of Economic Thought 14/2, 1992, S. 189–208;
    H. Möller u. a., Vademecum zu e. Klassiker d. Theorie d. unvollkommenen Konkurrenz, Kommentar z. Faks.ausg. v. „Marktform u. Gleichgewicht“, 1993;
    J. Konow, The Political Economy of H. v. S., in: Economic Inquiry 32,1, 1994, S. 146–65;
    J. V. Fuentes, S. and his role in the change of Spanish economic policy, in: Journal of Economic Studies 23, 1996, S. 128–40;
    F. Haslinger, H. v. S. u. d. Politik, in: J. Glombowski u. a. (Hg.), Zur kontinentalen Gesch. d. ök. Denkens, 1998, S. 13–35;
    H. Janssen, Nat.ök. u. Nat.soz., Die dt. Volkswirtsch.lehre in d. dreißiger J., 22000;
    B. Schefold, H. v. S.s Gleichgewichtsbegriff, Auf d. Suche nach d. evolutionär stabilen Marktverhalten, in: B. Schefold, Btrr. z. ökonom. Dogmengesch., 2004, S. 475–91;
    H. Möller, in: Hdwb. d. Soz.wiss. 9, 1956;
    W. Krelle, in: The New Palgrave IV, 1987;
    I. L. Collier, in: DBE2.

  • Autor/in

    Knut Borchardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Borchardt, Knut, "Stackelberg, Heinrich von" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 779-780 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752391.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA