Lebensdaten
1769 bis 1832
Geburtsort
Lublinitz (Schlesien)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
revolutionärer Publizist ; Bankier
Konfession
jüdisch,katholisch
Normdaten
GND: 116143193 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pappenheimer von Kerstorf, Heymann Salomon
  • Kerstorf, Heinrich Sigmund Friedrich Edler von (seit 1817)
  • Pappenheimer, Heymann Chaim Salomon (bis 1817)
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Zitierweise

Pappenheimer von Kerstorf, Heinrich Sigmund, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116143193.html [28.03.2017].

CC0

Pappenheimer, Heymann (Chaim) Salomon (seit 1817 Heinrich Sigmund Friedrich Edler von Kerstorf)

revolutionärer Publizist, Bankier, * 12.4.1769 Lublinitz (Schlesien), 2.7.1832 München. (jüdisch, seit 1817 katholisch)

  • Genealogie

    V Salomon Seligmann (1740–1814), Rabbiner, Schriftst.; M Fridoline Heymann; B Seligmann (1767–1844), Kaufm. in Hamburg; Schwäger David (1776–1851) u. Simon Frhr. v. Eichthal (1787–1854), beide Bankiers (beide s. NDB IV); – 1802 Fanni (seit 1817 Franziska Luise, 1774–1854), T d. Aron Elias Seligmann (1814 Frhr. v. Eichthal, 1747–1824, jüd., seit 1819 kath.), bayer. Hoffaktor (s. NDB IV*), u. d. Hintele Levi (1746–1831); 3 S Felix (1803–39), Friedrich Ferdinand (1804–80), Ludwig (1811–36), alle Kaufleute u. Bankiers, 4 T u. a. Friederike (* 1805, Nikolaus Ludwig Planat de la Faye, Eskadronchef), Maria (1806–91, 1828 Karl Frhr. v. Aretin, 1798–1846, bayer. Kämmerer u. Appellationsger.rat), Henriette (1807–54, Alexander Frhr. v. Könitz, 1790–1859, bayer. Kämmerer u. Oberst).

  • Leben

    P., ein Bewunderer Moses Mendelssohns und Hartwig Wesselys, genoß eine gediegene Bildung im Geist der Aufklärung. Seit Ende der 80er Jahre war er in Altona Hauslehrer bei dem reichen Pferdehändler Julius; dessen Sohn Nikolaus Heinrich (1783–1862) wurde später als Armenarzt und Philanthrop bekannt. Als glühender Befürworter der Franz. Revolution übersetzte P. deren Verlautbarungen und arbeitete 1792-96 an den Zeitschriften von Johann Wilhelm v. Archenholz mit, besonders an dessen „Minerva“, sowie 1794 an Heinrich Würzers „Historischem Journal“. Mit seinem Freund Heinrich Wilhelm v. Gerstenberg (1737–1823) stand er in Hamburg einem Klub vor, in dem über politische und philosophische Fragen (v. a. über Kant) diskutiert wurde. Er war Mitglied der christl.-jüd. Freimaurerloge „Einigkeit und Toleranz“, der „Philanthropischen Gesellschaft“ sowie des von Juden gegründeten Vereins „Ressource“; P. trat für die Emanzipation und Assimilation der Juden ein. 1798 zog er mit dem Altonaer Arzt Johann Christoph Unzer (1747–1809) als Propagandist der Revolution durch Holstein. 1795/96 führte eine Geschäftsreise P., der inzwischen Sozius des Pferdehändlers Julius war, nach Paris, wo er mit dem revolutionären Politiker Emanuel Sieyès zusammentraf, für den er fortan Agentendienste leistete. Als Georg Heinrich Sieveking (1751–99) im Auftrag des Hamburger Senats 1796 nach Paris reiste, begleitete ihn P. Er hielt sich fortan häufig als Geschäftsrepräsentant Sievekings in der franz. Hauptstadt auf, wo er sich u. a. mit dem Buchhändler und Schriftsteller Karl Friedrich Cramer (1752–1807) sowie mit Friedrich und Dorothea Schlegel anfreundete. Seit seiner Verehelichung 1802 Handlungsbevollmächtigter der Mannheimer Bankiers und Salzpächter Schmalz und Seligmann, zog P. 1803 mit seinem Schwiegervater nach München und wurde bayer. Hofbankier. Hier und in Paris traf er sich mit Heinrich Heine. Er schloß Freundschaft mit Schelling, der 1807/08 bei ihm wohnte, und stand in engem Kontakt mit dem Anatomen Samuel Thomas v. Sömmerring und dem Philosophen Friedrich Heinrich v. Jacobi. Sein Haus wurde zu einem geistigen Mittelpunkt Münchens.

  • Werke

    u. a. Sur la Situation politique et financière de l'Angleterre, 1798; Üb. d. Klagen d. Zeit, nebst einigen Bemerkungen üb. d. Bankprojekt in Baiern, 1822.

  • Literatur

    H. Schnee, Die Hoffinanz u. d. moderne Staat IV, 1963; W. Grab, Dem. Strömungen in Hamburg u. Schleswig-Holstein z. Z. d. ersten franz. Rep., 1966; A. Ruiz, Auf d. Wege zur Emanzipation, Der ideolog. Werdegang d. aufgeklärten „Gelehrten jüd. Nation“ H. S. P (1769–1832) bis zur Franz. Rev., in: Aufklärung u. Judenemanzipation, hg. v. W. Grab, 1980, S. 183-223; ders., Leben u. pol. Publizistik H. S. P.s in Hamburg z. Z. d. Franz. Rev., in: Jb. d Inst. f. dt. Gesch. XII (Tel Aviv), 1983, S. 129-87; ders., in: Gesch. u. Kultur d. Juden in Bayern, LI., hg. v. M. Treml u. W. Weigand, 1988, S. 71-75; Reinalter.

  • Autor

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Pappenheimer von Kerstorf, Heinrich Sigmund" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 55 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116143193.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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