Lebensdaten
1870 bis 1956
Geburtsort
Asch (Böhmen)
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Germanist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11878952X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Panzer, Friedrich
  • Panzer, Friedrich Wilhelm

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Zitierweise

Panzer, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11878952X.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav (1836–1923), Fabr. in A., S d. Joh. David (1813–74), Fabr., u. d. Johanna Marg. Kohler (1813–74);
    M Clara Aurelie (1842–73), T d. Joh. Christoph Holstein (1801–82), Fabr., u. d. Marg. Friederike Wilhelmine Schindler v. Grün (1813–84);
    Asch 1894 Helene (1874–1952), T d. Georg Hermann Klaubert (1851–1929), Fabr., u. d. Johanna Julie Antonie Unger (1853–92);
    3 S, u. a. Wolfgang (s. 2), Werner (1901–76), Mus.dir. in Danzig, 1. Vors. d. Ges. f. Natur- u. Umweltschutz Cuxhaven, 3 T u. a. Hilde (1895–1985, Hans Stempel, 1894–1970, Präs. d. Pfälz. Landeskirche), Helga (1903–88), Schausp.;
    E Wolf-Dieter Stempel (* 1929), Prof. f. roman. Sprachwiss. in München.

  • Leben

    P. studierte in Leipzig, Jena, München und Wien vor allem Germanische Philologie, Kunstgeschichte und Archäologie. Nach der Promotion bei Eduard Sievers (1850–1932) in Leipzig (Meister Rûmzlants Leben und Dichten, 1893) und der Habilitation bei Hermann Paul (1846–1921) in München (Lohengrinstudien, 1894) wurde er 1901 in Freiburg (Br.)|zum ao. Professor ernannt. Ein Ordinariat erhielt er 1905 an der Frankfurter Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften, deren Ausbau zur Universität er als Rektor (1911–13) maßgeblich voranbrachte (Geh. Reg.rat 1916). 1919 wechselte P. auf das Ordinariat Wilhelm Braunes in Heidelberg (1926/27 Rektor). Einen Ruf auf den Lehrstuhl Gustav Roethes in Berlin (1927) lehnte er ab. Nach der Emeritierung (1936) wirkte er weiterhin als Universitätslehrer und als Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (1941–47, 1945-47 Interimspräs.).

    Das wissenschaftliche Werk P.s bezieht sich auf die gesamte Germanische Philologie, tangiert aber auch Kunstgeschichte und Archäologie: Text-Bild-Beziehungen beschäftigten P. verschiedentlich, das Akademienprojekt zur Sammlung deutscher Inschriften ist seiner Initiative zu verdanken. Der literaturgeschichtliche Schwerpunkt liegt im Bereich der Heldensagen- und Märchenforschung. Schon das frühe Buch zur Kudrun-Dichtung (Hilde-Gudrun, 1901, Nachdr. 1978) unternimmt in seinem zweiten Teil eine Ableitung der Sage aus dem sog. Goldenermärchen. Die „Studien zur german. Sagengeschichte“ (2 Bde., 1910/12, Nachdr. 1969) führen sowohl das angelsächs. Beowulf-Epos wie den altnordischen und mittelhochdeutschen Sigfrid-Komplex auf das international verbreitete Bärensohnmärchen (kombiniert im zweiten Fall mit dem Brautwerbermärchen) zurück. Auch die Ausgabe der „Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm in ihrer Urgestalt“ (2 Bde., 1913, erneut 1948) verdankt sich seinem Interesse an der Archaik von Märchenüberlieferungen. In seinen späteren Arbeiten vollzog P. eine Abkehr von der Rekonstruktionsphilologie: Im Nibelungenlied-Buch von 1955, Summe einer lebenslangen Beschäftigung mit dem mittelhochdeutschen Epos, steht, wie schon im ersten Teil des Kudrun-Buches, die Erschließung der erhaltenen Texte im Vordergrund (Würdigung durch B. Nagel, in: ZDP 76, 1957, S. 268-305). Nicht mehr (wie in der Tradition Heuslers) hypothetischen Vorstufen gilt das Interesse, sondern direkten Textbeziehungen und historischen Bezugspunkten (so auch in: Gahmuret, Qu.stud. zu Wolframs Parzival, 1940). Parallelen in der altfranz. Literatur werden sichtbar, die allerdings weniger als unmittelbare Einflüsse denn als typologische Gemeinsamkeiten zu verstehen sind.

    P. gehörte 1912 zu den Mitbegründern des Deutschen Germanistenverbandes und war 1922-33 dessen 1. Vorsitzender. 1913-24 gab er die „Zeitschrift für den deutschen Unterricht“ (seit 1920 „Zs. f. Deutschkde.“) heraus, die ebenso wie der Verband die Etablierung einer umfassenden Deutschkunde Grimmscher Tradition zum Ziel hatte. Auf wissenschaftlicher Grundlage sollte der Jugend statt einer „sachte verblassenden“ Antike „wieder ein großes, begeisterndes, völkisches Ideal“ vermittelt werden („Jacob Grimm“, in: Der Kunstwart u. Kulturwart 27, 1913, S. 7). Den 1. Weltkrieg begleitete P. mit mehreren Artikeln zur Kriegsliteratur. Die deutsche Niederlage führte er in der programmatischen Rede „Deutschkunde als Mittelpunkt deutscher Erziehung“ (1922) auf einen „Mangel an Nationalgefühl“ zurück. Auch die Heidelberger Rektoratsrede betonte den Zusammenhang von „Volkstum und Sprache“ (1927). Als einem der „Deutschesten der Deutschen“ wurde P. 1930 die „Brüder-Grimm-Denkmünze“ verliehen. Der Nationalsozialismus, den P. zunächst begrüßt hatte, blieb ihm in seiner rassistischen und anti-intellektuellen Haltung fremd.

  • Werke

    Weitere Werke u. a. Dt. Heldensage im Breisgau, 1904;
    Märchen, Sage, Dichtung, 1905;
    Italische Normannen in dt. Heldensage, 1925;
    Der Kampf am Wasichenstein, Waltharius-Studien, 1948;
    Vom ma. Zitieren, 1950. – Hg.: Ulrich Füetrer, Merlin u. Seifrid de Ardemont, 1902;
    Wernher d. Gartenaere, Meier Helmbrecht, 1902 u. ö.;
    Scheffels Werke, 4 Bde., 1919;
    Dt. Forschungen (mit J. Petersen, 1921-40). |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Heidelberg, Univ.bibl.

  • Literatur

    Deutschkundliches, F. P. z. 60. Geb.tage, hg. v. H. Teske, 1930, S. 183-90 (W-Verz., P): Stud. z. dt. Philol. d. MA, F. P. z. 80. Geb.tag, hg. v. R. Kienast, 1950, S. 161-72 (W-Verz.); ders.
    , in: Wirkendes Wort 1, 1950/51, S. 62-64;
    B. Nagel, in: Mitt. d. Dt. Germanisten-Verbandes 3,2, 1956, S. 3-5;
    D. Kralik. in: Österr. Ak. d. Wiss., Alm. f. d. J. 1956, 1957, S. 366-76;
    K. Röther, Die Germanistenverbände u. ihre Tagungen, 1980;
    Lit.wiss. u. Geistesgesch. 1910 bis 1925, hg. v. Ch. König u. E. Lämmert, 1993;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy;
    J. Kasten, in: Wiss.-gesch. d. Germanistik in Porträts, hg. v. Ch. König u. a., 2000, S. 152-61;
    Internat. Germanistenlex. 1800-1950 (in Vorbereitung).

  • Autor/in

    Christian Kiening
  • Empfohlene Zitierweise

    Kiening, Christian, "Panzer, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 40-41 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11878952X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA