Lebensdaten
1876 bis 1933
Geburtsort
Suhl (Thüringen)
Sterbeort
Aumühle bei Hamburg
Beruf/Funktion
Generaldirektor der Hapag ; Reichskanzler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118677497 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Cuno, Wilhelm Carl Josef
  • Cuno, Wilhelm
  • Cuno, Wilhelm Carl Josef
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Cuno, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118677497.html [17.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Aug. George Wilh. (1848–1915) aus Quedlinburg, Geh. Rechnungsrat, S des Joh. Joachim Frdr. (1800–68) aus Käcklitz u. der Dorothea Caroline Rinkleben (1811–86) aus Neinstedt;
    M Cath. Elis. Theresia Daske (1852–78) aus Mülheim (Ruhr)-Saarn;
    1906 Martha Berta (* 1879), T des Hamburger Kaufm. Hugo Wirtz;
    3 S, 2 T.

  • Leben

    C. studierte in Berlin und Heidelberg die Rechte und promovierte zum Dr. jur. 1907 wurde er als Regierungsassessor in das Reichsschatzamt berufen, wo er 1910 zum Regierungsrat und 1912 zum Geheimen Regierungsrat aufrückte. Er war hier hauptsächlich mit Gesetzentwürfen und deren Vertretung im Reichstag beschäftigt. Im Kriege leitete er die Reichsgetreidestelle von ihrer Gründung bis Juli 1916, wurde dann dem Staatssekretär von Batocki zur Organisation des Kriegsernährungsamts beigegeben und erhielt Ende 1916 im Reichsschatzamt das Generalreferat für kriegswirtschaftliche Fragen. Einem Ruf A. Ballins folgend, trat er am 1.11.1917 in das Direktorium der Hapag ein und schied damit aus dem Reichsdienst aus. Nach Ballins Tod wurde er am 20.12.1918 zu dessen Nachfolger als Generaldirektor der Reederei gewählt. Als Wirtschaftssachverständiger der deutschen Regierung nahm er an den Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen sowie weiteren internationalen Konferenzen, unter anderem der in Genua, teil. An den Verhandlungen der deutschen Reeder mit dem Reich über die Reedereientschädigung für die abgelieferten Schiffe (1920/21) war er führend beteiligt. Mit dem Harriman-Vertrag von 1920 über eine Betriebsgemeinschaft mit den United American Lines sicherte er der Hapag eine wertvolle Hilfe beim Wiederaufbau ihres Liniennetzes. Auf seinen Auslandsreisen war er wiederholt inoffiziell für die außenpolitischen Interessen des Reiches tätig. Angebote des Außenminister- und Finanzministerpostens lehnte er ab, nahm aber im November 1922 die Berufung zum Reichskanzler an. Am 22.11.1922 bildete er ein Geschäftsministerium, dessen Mitglieder teils, wie er selbst, dem Parlament fernstanden, teils den Mittelparteien angehörten. In diese „Regierung der Wirtschaft“ setzte man, vor allem wegen der guten Auslandsbeziehungen des Kanzlers, große Hoffnungen, die sich aber nicht erfüllten. C.s Vorschläge vom 9.12.1922 zur Regelung der Reparationsfrage und Stabilisierung der Mark wurden von den Alliierten auf Betreiben des französischen Ministerpräsidenten Poincaré abgelehnt. Als dieser anläßlich geringer Rückstände in den deutschen Holz- und Kohlelieferungen am 11.1.1923 zur Besetzung des Ruhrgebiets schritt, beantwortete C. dieses nicht nur von deutscher Seite als widerrechtlich angesehene Vorgehen mit dem Aufruf zum passiven Widerstand. Die Sachleistungen an Frankreich und Belgien, das sich der französischen Aktion angeschlossen hatte, wurden eingestellt. Den Zechen wurde die Lieferung von Kohle und Koks an diese Staaten verboten und den Reichs- und Staatsbeamten sowie dem Eisenbahnpersonal untersagt, den Befehlen der französisch-belgischen Besatzungsbehörden nachzukommen. Scharfe Gegenmaßnahmen blieben nicht aus. Die Wirtschaft an der Ruhr kam fast ganz zum Erliegen. Die Unterstützungszahlungen des Reichs an die von den Betriebsstillegungen, Ausweisungen und Verhaftungen Betroffenen verschlangen gewaltige Summen, die fast ausschließlich mittels der Notenpresse aufgebracht wurden. Die Inflation wurde dadurch erheblich beschleunigt. Eine Ende Januar einsetzende Aktion der Reichsbank zur Stützung des Markkurses - durch umfangreiche Markankäufe im In- und Ausland gegen Hergabe von Devisen - hatte nur vorübergehenden Erfolg; seit der zweiten Hälfte April war der Kurs nicht mehr zu halten. Versuche der Reichsregierung, während des Ruhrkampfs die Reparationsverhandlungen durch neue Vorschläge wieder in Gang zu bringen (Note vom 2.5. und Memorandum vom 7.6.1923), scheiterten, da Poincaré vor Aufgabe des passiven Widerstands nicht verhandeln wollte. Die deutsche Regierung war aber zum Nachgeben nicht bereit. Dabei wurde die finanzielle und wirtschaftliche Lage in Deutschland immer katastrophaler. Der Dollarkurs, der zu Anfang des Jahres noch 7260 Mark betragen hatte, überschritt Ende Juli 1 Million und erreichte am 8.8. bereits 4,8 Millionen Mark. Am 12.8.1923 trat C. auf|Grund eines Mißtrauensvotums der Sozialdemokraten mit seinem ganzen Kabinett zurück. Sein Nachfolger Stresemann stellte am 26.9.1923 den passiven Widerstand ein. C. kehrte in den Vorstand der Hapag zurück und erhielt 1926 wieder den Vorsitz. Neben der weiteren Ausgestaltung der Reederei beschäftigten ihn in der Folgezeit besonders die Fragen der Union mit dem Norddeutschen Lloyd, die 1930 zustande kam, und der Freigabe des deutschen Eigentums in den Vereinigten Staaten.

  • Literatur

    F. Pinner, Dt. Wirtschaftsführer, 1924, S. 112-19;
    C. Bergmann, Der Weg d. Reparation, 1926, S. 199 ff.;
    L. Huckriede-Schulz, Die dt. Schiffahrt u. ihre Männer, 1929, S. 42-44 (P);
    Deters, in: Jb. d. Schiffbautechn. Ges. 34, 1933, S. 57 f. (P);
    H.-H. Kohlhaus, Die Hapag, C. u. d. Dt. Reich 1920 bis 1933, Diss. Hamburg 1952 (ungedr.);
    M. J. Bonn, So macht man Gesch., 1953, S. 273 ff.;
    E. Eyck, Gesch. d. Weimarer Republik I, 1954, S. 305 ff.;
    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Gottfried Klein
  • Empfohlene Zitierweise

    Klein, Gottfried, "Cuno, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 438-439 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118677497.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA