Lebensdaten
1894 bis 1923
Geburtsort
Schönau (Schwarzwald)
Sterbeort
Golzheimer Heide bei Düsseldorf
Beruf/Funktion
Freikorpskämpfer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11860788X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schlageter, Albert Leo
  • Schlageter, Albert
  • Schlageter, Albert L.
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Zitierweise

Schlageter, Albert Leo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11860788X.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph, Landwirt;
    M Rosina;
    5 B, 6 Schw; – ledig.

  • Leben

    Aufgewachsen in einer strenggläubigen Bauernfamilie, sollte S. Theologie studieren, erlebte statt dessen aber nach dem Abitur seit Dez. 1914 als Kriegsfreiwilliger die Schrecken der Westfront (1917 Lt. d. R.; E. K. I u. II). Nach Kriegsende studierte er in Freiburg (Br.) erst Theologie, dann Nationalökonomie, beteiligte sich aber schon im Frühjahr 1919 an den Kämpfen im Baltikum. Seitdem tauchte S. fast immer dort auf, wo nationalistische Freikorps gegen Demokraten, Kommunisten oder Insurgenten vorgingen: 1920 beim Kapp-Putsch und beim Kampf gegen den Arbeiteraufstand im Ruhrgebiet, 1921 in Oberschlesien. Anschließend betätigte er sich als Spion in Danzig und als Geschäftsmann in Berlin. Ob er dort im Aug. 1922 der NSDAP beitrat, ist nicht geklärt. Nach der franz. und belg. Ruhrbesetzung im Jan. 1923 schloß sich S. der „Organisation Heinz“ an, die über den offiziellen Aufruf zum „passiven Widerstand“ hinaus aktive Sabotage betrieb – mit Billigung einiger Reichsbehörden. Ein Anschlag auf die Eisenbahnbrücke von Kalkum am 15.3.1923 lenkte die franz. Fahndung auf S. Er wurde bereits drei Wochen später verhaftet und am 9.5.1923 von einem franz. Kriegsgericht wegen Spionage und Sabotage zum Tode verurteilt. Seine Hinrichtung war eine unverhältnismäßig harte Maßnahme, zudem ein Einzelfall. Sie machte seinen Namen über Nacht zum Mythos. S. wurde von ganz unterschiedlicher Seite als Märtyrer, Nationalheld und Widerstandskämpfer gegen eine unrechtmäßige Fremdherrschaft gefeiert, etwa von Karl Radek, Reichskanzler Wilhelm Cuno, Artur Moeller van den Bruck und Martin Heidegger. Schon in der Weimarer Republik gab es einen Schlageter-Kult mit Denkmälern, Festveranstaltungen, Romanen und Gedichten. Schließlich vereinnahmten ihn die Nationalsozialisten für ihre Propaganda, obwohl Hitler dem Ruhrkampf sehr distanziert gegenübergestanden hatte. Ein 1933 uraufgeführtes Drama von Hanns Johst (1890–1978) stilisierte S. zum „ersten Soldaten des Dritten Reiches“. Seither spielte er im nationalsozialistischen „Kult um die toten Helden“ die Rolle eines Bindeglieds zwischen dem 1. Weltkrieg und der NS-Bewegung. Die historische Figur S. war dagegen lediglich ein typischer Repräsentant seiner Generation: ein durch Krieg und Revolution radikalisierter, extrem nationalistischer, von einer spezifischen Mischung aus Idealismus, Gewaltbereitschaft und Abenteurertum getriebener junger Mann.

  • Literatur

    M. Franke, A. L. S., Der erste Soldat d. 3. Reiches, Die Entmythologisierung e. Helden, 1980 (P);
    J. W. Baird, To die for Germany, Heroes in the Nazi Pantheon, 1990;
    M. Knauff, Das S.-Nat.denkmal auf d. Golzheimer Heide in Düsseldorf, in: Gesch. im Westen 10, 1995, S. 168-91;
    S. Behrenbeck, Der Kult um die toten Helden, Nat.soz. Mythen, Riten u. Symbole 1923 bis 1945, 1996;
    St. Zwicker, „Nationale Märtyrer“, A. L. S. u. Julius Fučík, 2006 (P);
    Bad. Biogr. II.

  • Autor/in

    Johannes Hürter
  • Empfohlene Zitierweise

    Hürter, Johannes, "Schlageter, Albert Leo" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 23 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11860788X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA