Lebensdaten
erwähnt 1157, gestorben 1235 oder 1236
Sterbeort
Kloster Loccum
Beruf/Funktion
Bischof von Schleswig ; Erzbischof von Bremen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 139141103 | OGND | VIAF: 100444569
Namensvarianten
  • Waldemar von Bremen
  • Waldemar
  • Waldemar von Bremen
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Zitierweise

Waldemar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139141103.html [03.03.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Knut V. (Magnusson), Kg. v. Dänemark (v. 1130–57, s. Dansk Leks.³), S d. Magnus (Nielssøn), Prinz v. Dänemark, Kg. v. Schweden (1107–34, s. Dansk Leks.³), u. d. Rikissa (Richeza) v. Polen (1116–n. 1156);
    M Helena (Sophie) Sverkersdotter v. Östergötland u. Schweden (um 1130–n. 1158);
    B Niels d. Heilige (1150–80), Schw (?) Brigitte v. Dänemark, Hildegard v. Dänemark (* um 1157).

  • Biographie

    W. war seit der Ermordung seines Vaters durch Sven III. Grate von der unmittelbaren Thronfolge in Dänemark ausgeschlossen, verfügte aber durchaus über ernstzunehmende Erbansprüche auf den dän. Thron. Wohl um diesen zu begegnen und auch aus Verbundenheit seinem Vater gegenüber, mit dem er gegen Sven verbündet gewesen war, machte ihn Kg. Waldemar I. von Dänemark 1178 / 82 zum Elekt von Schleswig. Auf das Bischofsamt war W. durch sein Studium in Paris gut vorbereitet. Da der Bischof eng mit dem dän. König zusammenzuarbeiten pflegte bzw. als dessen Kanzler fungierte, war die Schleswiger Bischofswürde besonders bedeutsam; zudem wurde W. nahezu zeitgleich mit der Verwaltung des Hzgt. Schleswig für den noch im Kindesalter stehenden Königssohn Waldemar (II.) beauftragt.

    W.s Weihe zum Bischof erfolgte erst 1187 / 88. Als wichtigste Maßnahme seiner Schleswiger Bischofszeit gilt die Stiftung des Zisterzienserklosters von Guldholm auf seinem Erbgut am Langsee; Teile des Klosters wurden am 23. 5. 1191 geweiht. Mit der Weihe erhielt die Neugründung die Bischofszehnten der vier Kirchspiele von St. Michaelis auf dem Berge, Kahleby, Nübel und Tolk überschrieben, zugleich wurden die Benediktiner von St. Michaelis zu Schleswig als Reformmaßnahme nach Guldholm umgesiedelt. Dem Gründungsbericht des Klosters von 1289 zufolge ging mit der Umsiedlung die|Übertragung des Besitzes des Vorgängerklosters St. Michaelis an W. einher. Vermutlich setzte W. die damaligen Besitzverschiebungen zugunsten der Zisterzienser von Guldholm zwangsweise durch; hier deutet sich bereits seine spätere Affinität zum Zisterzienserorden an. Vielleicht hegte er auch den Wunsch, sich in Guldholm eine von Zisterziensern versehene Grablege zu schaffen, welchen Plan aber die weiteren Ereignisse zunichte machten.

    In der Folgezeit geriet W. in die stauf.-welf. Auseinandersetzungen um die Macht im Norden und im gesamten Reich. 1192 ließ er sich mit Zustimmung Ks. Heinrichs VI. anstelle des für abgesetzt erklärten Hartwig II., eines Parteigängers der Welfen, zum Bremer Erzbischof wählen, konnte sich auf Dauer aber nicht gegen Hartwig durchsetzen. Offenbar plante W., der mittlerweile wegen der erlangten Volljährigkeit Waldemars II. seine führende Position im Hzgt. Schleswig verloren hatte, von Bremen aus die Gewinnung der dän. Königswürde. Er usurpierte den Königstitel und begann mit Unterstützung der Staufer und des Holsteiner Gf. Adolf III. von Schauenburg Krieg gegen seine Vettern Knut VI. und Waldemar II. Noch im Winter 1192 geriet er jedoch in Knuts Gefangenschaft, in der er bis 1206, zeitweilig gemeinsam mit Adolf III. inhaftiert im Schloß Norburg auf Alsen, verblieb. Erst durch das Eintreten Papst Innozenz’ III. kam er wieder auf freien Fuß. W. mußte bei seiner Freilassung schwören, niemals wieder etwas gegen Dänemark zu unternehmen, und reiste 1207 auf Verlangen des Papstes eigens nach Rom. Als im Nov. dieses Jahres Hartwig II., der 1194 wieder als Bremer Erzbischof anerkannt worden war, verstarb, wählte das mehrheitlich stauf. gesinnte Domkapitel im Einvernehmen mit Kg. Philipp W. erneut zu seinem Nachfolger. Eine Minderheit im Domkapitel freilich, die nach Hamburg auswich, entschied sich unter dem Einfluß Kg. Waldemars II., der 1202 seinen Machtbereich bis zur Elbe ausgedehnt hatte und W. immer noch als Thronkonkurrenten fürchten mußte, für Burchard von Stumpenhausen als Gegenkandidaten. Innozenz III. verweigerte W. in dieser Situation die Anerkennung als Erzbischof, belegte ihn mit dem Kirchenbann und setzte ihn 1208 auch als Bischof von Schleswig ab. In Bremen wurde W. gleichwohl willkommen geheißen, so daß er trotz Anathems sein Amt antrat. Sein Wechsel zur welf. Partei nach Kg. Philipps Ermordung sicherte ihm den Erzstuhl. So konnte er sich ab 1210 auch eine geraume Zeit gegen seinen neuerlichen Gegenerzbischof, den vom Papst bestätigten Gerhard I., Bischof von Osnabrück, im Amt halten. Eine Aussöhnung mit der Kurie kam wegen seiner erneuten Rückkehr nach Bremen aber nicht zustande. Erst als der Welfe Ks. Otto IV. zusehends in die Defensive geriet und 1216 / 17 noch die Stedinger Bauern und Bürger Bremens zu Gerhard I. übertraten, mußte W. aus Bremen weichen. Zunächst ging er an den Hof seines Neffen Albrecht von Sachsen, dann 1218 nach Loccum, wo er in das dortige Zisterzienserkloster eintrat. Als Zisterziensermönch soll er sogar bis nach Citeaux gekommen sein. Nach der Gefangennahme Kg. Waldemars II. durch Gf. Heinrich I. von Schwerin 1223 versuchte W. nochmals, nach dem dän. Thron zu greifen bzw. an Besitz und Dienstmannen des Königs zu gelangen – allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. Fortan blieb er in der Zisterze Loccum, wo er mehr als zehn Jahre später verstarb und bestattet wurde. W. ist durch seine wechselvolle Karriere eine der schillerndsten Geistlichen im Norden des Reiches an der Wende vom 12. zum 13. Jh.

  • Quellen

    |C. E. Weidemann, Gesch. d. Klosters Loccum, 1822, S. 161; Arnoldi Chronica Slavorum, ed. I. M. Lappenberg, MGH 55 rer. germ. in usum scholarum, 1868, Lib. V, c. 17 u. Lib. VI, c. 18.

  • Literatur

    |ADB 40;
    C. Godt, Bf. W. v. Schleswig u. d. Cistercienser v. Guldholm, in: Zs. d. Ges. f. Schleswig-Holstein. Gesch. 21, 1891, S. 137–86;
    H.-J. Freytag, Der Nordosten d. Reiches nach d. Sturz Heinrichs d. Löwen, in: DA 25, 1969, S. 471–530;
    N. Kruppa, Loccum als Grablege u. Memorialort d. Hochadels im MA, in: Neue Forsch. z. Zisterzienserkloster Loccum, 2015, S. 43–95;
    Gatz IV.

  • Autor/in

    Oliver Auge
  • Zitierweise

    Auge, Oliver, "Waldemar" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 295-296 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139141103.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Waldemar, Bischof von Schleswig, erwählter Erzbischof von Bremen, ein natürlicher Sohn des 1157 ermordeten Königs Knut von Dänemark, nahm in den staufisch-welfischen Kämpfen eine eigenthümliche Stellung ein. Während er seine allerpersönlichsten Zwecke verfolgte, wurde er zum Spielball der Parteien, unter deren wilden Kämpfen sein Leben sich verzehrte. Schon in jungen Jahren war er von seinem Vetter, König Waldemar I., zum Bischof von Schleswig befördert, um 1184, und zugleich mit der Verwaltung des Herzogthums Schleswig an Stelle des noch im Kindesalter stehenden späteren Waldemar II., betraut. Seinem brennenden Ehrgeize war mit dieser Stellung nicht gedient, sein Trachten stand nach der Königskrone, die einst sein Vater getragen hatte. Bis ins Greisenalter hinein hat er diesen Plan immer aufs neue verfolgt.

    Nur deshalb willigte er ein, daß man ihn im J. 1192 mit Zustimmung Kaiser Heinrich's VI. an Stelle des abgesetzten Hartwich II. (s. A. D. B. X, 718), der es mit den Welfen hielt, zum Erzbischof von Bremen erwählte, um von Bremen aus mit Hülfe der staufischen Partei den dänischen Thron zu gewinnen. Aber, er hatte noch keinen Fuß in das bremische Stift gesetzt, als er 1193 dem Könige Knut von Dänemark in die Hände fiel und als Hochverräther ins Gefängniß geworfen wurde. Dreizehn Jahre hat er in Schloß Norburg auf Alsen im Kerker gelegen. Da trat Papst Innocenz III. für ihn ein und erwirkte seine Befreiung bei König Waldemar II. Nachdem der Bischof beschworen hatte, niemals wieder etwas gegen Dänemark zu unternehmen, ging er auf Geheiß des Papstes 1207 nach Rom.

    Am 3. November desselben Jahres starb Hartwich II., der schon 1194 mit seinem Stifte sich wieder ausgesöhnt hatte. Da wurde im Einvernehmen mit König Philipp, mit dem W. bereits vorher in Verbindung getreten war, von dem jetzt fast durchweg staufisch gesinnten bremischen Domcapitel W. aufs neue zum Erzbischof gewählt. Allein Papst Innocenz versagte die Bestätigung und schleuderte, als W. an den Hof Philipp's und von dessen Gesandten begleitet nach Bremen eilte, das Anathem hinter ihm her. In Bremen aber, das W. jetzt zum ersten Male betrat, wurde er mit großem Jubel aufgenommen, so daß Niemand die Bannbulle zu verkünden wagte.

    W., der nach der Ermordung Philipp's mit den bremischen Bürgern zu König Otto übertrat, hat, von diesem gestützt, eine Reihe von Jahren im Besitze des bremischen Erzstiftes sich halten können. Er hatte zwar, als 1210 Graf Gerhard von Oldenburg, Bischof von Osnabrück (s. A. D. B. VIII, 733) zum Erzbischof erwählt und vom Papste bestätigt worden war, des Papstes Verzeihung in Rom erfleht und erhalten, aber gleich darnach war er wieder in Bremen erschienen, wo Bürger und Bauern auch jetzt ihm anhingen. Erst als König Otto's Ansehen immer tiefer sank und in den Jahren 1216 und 1217|auch die stedingischen Bauern und die Stadt Bremen zu Erzbischof Gerhard übertraten, war der Herrschaft Waldemar's der Boden entzogen.

    Er hat dann sein abenteuerndes Leben noch fast zwei Jahrzehnte fortgesetzt, und in dieser Zeit nach der Gefangennahme König Waldemar's II. durch den Grafen von Schwerin im J. 1224 noch einmal zum Schwerte gegriffen, um seine Rachgier gegen den im Augenblick unschädlichen Vetter an dessen Besitzungen und Dienstleuten zu kühlen. Zu irgend einer Bedeutung aber hat er es nicht mehr gebracht. Gestorben ist er 1235 oder 1236, wahrscheinlich im Kloster Loccum.

    • Literatur

      Dehio, Gesch. des Erzbisth. Hamburg-Bremen II, 109 ff., 127—140. — v. Bippen, Gesch. der Stadt Bremen I, 118 ff.

  • Autor/in

    v. Bippen.
  • Zitierweise

    Bippen, Wilhelm von, "Waldemar" in: Allgemeine Deutsche Biographie 40 (1896), S. 687-688 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139141103.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA