Lebensdaten
1753 bis 1804
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Buchhändler ; Drucker ; Holzschneider ; Verleger ; Schriftgießer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11729327X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Unger, Johann Friedrich Gottlieb
  • Unger, Johann Friedrich
  • Unger, Friedrich Gottlieb
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Zitierweise

Unger, Friedrich Gottlieb, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11729327X.html [06.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Georg(e) (1715–88), aus Goes b. Pirna (Sachsen), Holzschneider, Buchdrucker in B., unterrichtete U. im Holzschneiden (s. ADB 39), S e. Pächters;
    M Susanna Catharina Strucken; 4 ältere B;
    1785 Friederike Helene (1751–1813), aus B., Schriftst., Übers., Verl., führte n. U.s Tod d. Verlag bis z. Konkurs 1811 weiter (s. ADB 39; Killy; L), außerehel. T d. Friedrich Rudolf Gf. v. Rothenburg (1710–51), aus Poln. Nettkau, preuß. Gen.lt., Chef e. Dragonerrgt., Rr. d. schwarzen Adlerordens, Herr d. Stadt Rothenburg/Oder (s. ADB 29; Mann für Mann); kinderlos;
    N August Wilhelm Schade (1782–1865), Verl., ausgebildet in U.s Verl., später dessen Leiter, erwarb 1811 d. Verlag u. e. Teil d. Druckerei.

  • Leben

    U. absolvierte eine Lehre als Drucker und Setzer in der Oberhofbuchdruckerei Georg Jakob Deckers (1732–99) in Berlin. Zugleich erhielt er bei seinem Vater Unterricht im Holzschneiden. Bereits 1779 zeigte er mit drei Veröffentlichungen, darunter Schattenrissen berühmter Berliner und auswärtiger Gelehrter, seine Kunstfertigkeit im Holzschnitt. In Anerkennung seiner Leistungen erhielt er 1800 eine eigens für ihn geschaffene Professur für Holzschneidekunst an der kgl. Akademie der Künste (Mitgl. seit 1790).

    Gegen den Einspruch der Berliner Druckereibesitzer erwarb U. 1780 das Privileg für die Einrichtung einer Buchdruckerei. Das Kapital von 3000 Reichstalern stellte seine spätere Frau, Friederike Helene v. Rothenburg, zur Verfügung, die Ende der 1770er Jahre in den Haushalt von U.s Vater gekommen war, möglicherweise als Erzieherin seiner Töchter. Schon bald gliederte U. seiner Offizin einen breit gefächerten Buch- und Zeitschriftenverlag an, in dem er u. a. Werke von Johann Wolfgang v. Goethe, Friedrich Schiller, August Wilhelm und Friedrich Schlegel sowie Friedrich Schleiermacher publizierte. Die erfolgreichen Veröffentlichungen seiner Frau sowie ihre Übersetzungen aus dem Französischen und Englischen, darunter einige Schriften Rousseaus, erschienen ebenfalls in U.s Verlag. Mit der Ernennung zum Akademischen Buchdrucker 1788 war U. für die Herstellung amtlicher Schriften zuständig. Das lukrative Geschäft der Herausgabe und des Vertriebs von Kalendern sicherte er sich durch einen 1794 geschlossenen Pachtvertrag mit der Akademie. Vergeblich blieben U.s Bemühungen um die Privilegierung einer täglich erscheinenden Zeitung. 1802 wurde er zumindest Miteigentümer der „Vossischen Zeitung“, die fortan in seiner Offizin gedruckt wurde.

    1791 erweiterte U. seinen Betrieb um eine Schrift- und 1798 um eine Notengießerei. Für erstere erwarb er 1789 von Firmin Didot in Paris die dt. Lizenz für die Antiqua-Schriften, um die sich ebenfalls Johann Gottlob Immanuel Breitkopf (1719–94) beworben hatte. Doch U.s Antiquadrucke fanden in Deutschland nicht die erhoffte Zustimmung, so daß er sich intensiv mit dem Entwurf einer neuen Frakturschrift beschäftigte. Zunächst beauftragte er Didot, eine neue Frakturtype zu entwickeln. Unzufrieden mit dessen Entwürfen, fertigte er gemeinsam mit Johann Christoph Gubitz (1754–1826), der seit 1789 in U.s Druckerei und Schriftgießerei als Stahlschneider tätig war, eine neue Frakturschrift, die sich durch ein klares Schriftbild auszeichnete. 1793 präsentierte U. diese Ergebnisse in der Schrift „Probe einer neuen Art Deutscher Lettern“, ein Jahr später veröffentlichte er eine zweite Probe in einem Druck der Schrift „Die neue Cecilia“ von Karl Philipp Moritz. Die U.-Fraktur wurde insbesondere für den Druck der Frühromantiker genutzt. Mit dem Verkauf der Firma geriet sie bis zu ihrer Wiederentdeckung 100 Jahre später weitgehend in Vergessenheit.

    Nach U.s Tod gingen seine Geschäfte auf die Witwe über. Die hohe Schuldenlast und die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen infolge der Napoleonischen Kriege und der Besetzung Berlins führten 1811 zum Konkurs. Die Buchdruckerei und Schriftgießerei wurden zunächst von dem bisherigen Buchhalter Johann Samuel Gottfried Otto (* 1773) verwaltet und im Okt. 1821 an „Trowitzsch & Sohn“ verkauft. Den Verlag und einen Teil der Druckerei erwarb 1811 der ehemalige Lehrling und Leiter der Verlagsbuchhandlung U.s, August Wilhelm Schade. U.s umfangreiche Bibliothek, die er für eine geplante historische Darstellung der Holzschneidekunst aufgebaut hatte, wurde 1806 in einer Auktion verkauft.

    U. gehörte um 1800 zu den wichtigsten Verlegern und Druckern in Berlin und darüber hinaus. Mit Friedrich Wilhelm Gubitz trug er zur Wiederbelebung des Holzschnitts in Deutschland im 19. Jh. bei und legte so die Grundlagen für den späteren Reproduktionsholzschnitt. Die U.-Fraktur wurde vom Typographen Carl Ernst Poeschel (1874–1944) in Leipzig wieder entdeckt und dann umfangreich eingesetzt. Der Typenbestand kam nach mehrfachen Verkäufen 1901 in den Besitz der Druckerei und Schriftgießerei „Joh. Enschedé en Zonen“ in Haarlem (Niederlande).

  • Werke

    W Schattenrisse sechs auswärtiger Gelehrten, in Holz geschnitten, 1779;
    Schattenrisse sechs Berlinscher Gelehrten, in Holz geschnitten, 1779, Nachdr. in Ausw. 1928;
    Sechs Figuren f. die Liebhaber d. schönen Künste, in Holz geschnitten, 1779;
    Etwas über Buchhandel, Buchdruckerey u. d. Druck außerhalb Landes, in: Mschr. d. Ak. d. Künste u. mechan. Wiss. z. Berlin 1, 1788, S. 37–48, Neudr. hg. v. G. A. E. Bogeng, 1921;
    Etwas über d. Holz- oder Formschneidekunst, u. ihren Nutzen f. d. Buchdrucker, ebd. 2, 1788, S. 78–89;
    Einige Gedanken über d. Censur-Edikt v. 19. Dec. 1788, 1789;
    Prozeß d. Buchdrucker U. gegen d. Oberkonsistorialrath Zöllner in Censurangelegenheiten wegen e. verbotenen Buchs, 1791, Nachdr. hg. v. U. Otto, 1985;
    Vorschlag, wie Landkarten auf e. sehr wohlfeile Art können gemeinnütziger gemacht werden, 1791;
    Denkmahl e. berlin. Künstlers u. braven Mannes v. seinem Sohne, in: Jbb. d. Preuß. Monarchie unter Friedrich Wilhelm III. 1, 1798, S. 362–73, Neudr. mit Nachwort v. F. v. Biedermann, 1926;
    Innere Vfg. d. U.schen Buchdruckerei, 1802, Nachdr. 1979.

  • Literatur

    L ADB 39; C. L. Neuber, Bibliotheca Ungeriana seu Cat. librorum, manuscriptorum et impressorum, maximam partem rarissimorum, quos collegit J. F. U., Prof. Regius, Xylographus et Typographus celeberrimus, divendendorum publica auctione lege die 11 et seqq. Augusti anni 1806, 1806 (Auktionskat.); [o. A.], Btrr. z. Lebensgesch. J. F. U., 1924 (P); F. Biedermann, J. F. U. im Verkehr mit Goethe u. Schiller, Briefe u. Nachrr., 1927 (W-Verz.); K. F. Bauer, Zur Gesch. d. U.-Fraktur, in: Gutenberg-Jb. 1929, S. 287–96; H. Barge, J. F. U., d. Erneuerer d. dt. Holzschnitts, in: Buch u. Schrift NF 4, 1941, S. 120–52; E. Hölscher, in: Imprimatur 6, 1935, S. 121–37; G. G. Lange, ebd. NF 6, 1969, S. 91–102; E.-M. Hanebutt-Benz, Stud. z. dt. Holzstich im 19. Jh., in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens 24, 1984, Sp. 582–1266 (W-Verz.); M. Lehmstedt, „Ich bin nun vollends zur Kaufmannsfrau verdorben“, Zur Rolle d. Frau in d. Gesch. d. Buchwesens am Bsp. v. Friederike Helene U. (1751–1813), in: Leipziger Jb. z. Buchgesch. 6, 1996, S. 81–154; G. K. Nagler, Monogrammisten, Bd. 5, 1879, S. 187; Nagler; ThB; LGB2 2.

  • Portraits

    P Brustbild im Lichtdruck, H. Hadorff & Co., Berlin, n. e. Ölgem. (Privatbes.), Abb. in: Btrr. z. Lebensgesch. (s. L)

  • Autor/in

    Carola Staniek
  • Empfohlene Zitierweise

    Staniek, Carola, "Unger, Friedrich Gottlieb" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 633-634 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11729327X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Unger: Friedr. Gottl. U., 5. Sohn von Joh. G. U. (s. S. 296), geb. in Berlin 1753. Er lernte das Buchdrucken beim Hofbuchdrucker Decker, wandte sich aber ziemlich frühzeitig dem Formschneiden zu. Seine beiden ersten Veröffentlichungen, in denen er Proben seiner Kunst ablegte, gehören dem Jahre 1779 an. Die eine, in Breslau erschienene „Sechs Figuren für die Liebhaber der schönen Künste“ mit einer Abhandlung F. J. Wippel's über märkische Formschneider, in der auch über U., Vater und Sohn ein paar Worte vorkamen, enthielt nach Zeichnungen Meil's höchst charakteristisch aufgefaßte und lebendig durchgeführte Straßentypen: Lumpensammler. Bettler. Trinker. Die andere, in Berlin veröffentlicht: „Schattenrisse sechs Berlinischer Gelehrter in Holz geschnitten“ und zwar: Engel, Krünitz, Oerlichs, Ramler, Spalding. Teller gab individuell gehaltene Porträts.|Den Kunstblättern stellte er eine kurze Bemerkung voran, des Inhalts, daß er nicht, wie ein Hamburger Vorgänger nach wirklich metallenen Platten auf eine besondere Art gestochen und geätzt, sondern diese Manier in Holzschnitt nachgeahmt habe, was für den Kupferstecher den Vorzug besitze, „daß viele tausend Abdrücke von einer Platte, ohne sie nachzustechen, gemacht werden könnten“. Eine ziemliche Anzahl anderer Holzschnitte wurde später von U. herausgegeben: Vignetten verschiedenster Art, Kinderspiele, geschichtliche Darstellungen; sie sind bei Nagler 19, 244 verzeichnet, können aber nicht einzeln aufgezählt werden. U. brachte sein Leben ohne größere Unterbrechungen in Berlin zu. Er war ein unternehmender Drucker. Die von ihm erfundenen besseren in Stahl geschnittenen Typen, die s. g. Unger'schen Lettern, die er auch durch eine kleine Schrift empfahl, durch welche die Ecken weggeschafft wurden, das Ganze an Helle und Deutlichkeit gewann, bedeuteten für Deutschland eine Reform, konnten aber weder an Schönheit noch an Deutlichkeit die Didot'schen, mit denen sie wetteifern wollten, erreichen. Auch eine allgemeine Einführung dieser Typen in Deutschland, auf die er wol gehofft hatte, konnte U. nicht durchsetzen. Eine von ihm herrührende Schrift: „Innere Verfassung der Unger'schen Buchdruckerei“ (o. O. u. J.) ist im Katalog der Berliner k. Bibliothek verzeichnet, leider aber verloren. Ebenso wenig zugänglich war mir eine 1791 erschienene Schrift Unger's: „Vorschlag wie Landkarten auf eine sehr wohlfeile Art können gemeinnütziger gemacht werden. Mit einer Karte von neuangelegten Orten im Oppelnschen Kreise“, aus deren Titel man jedenfalls schließen darf, daß U. auch für diese Veröffentlichungen Reformen vermittelst der Holzschneidekunst plante und mit deren Ausführung begann.

    Außer als Holzschneider und Drucker, sowol für den Verlag der Collegen als für seinen eignen war U. als Schriftsteller und Verleger thätig. Seine Schriftstellerei war freilich nur eine gelegentliche. Außer den vorher erwähnten technischen Broschüren, denen noch zwei Abhandlungen über Buchhandel, Buchdruck, Holzschneidekunst (Monatsschrift der Künste und mechanischen Wissenschaften 1788) hinzuzufügen sind, rühren zwei kleine Schriften von ihm her. Sie standen im Zusammenhange mit den beiden berüchtigten Edicten am Anfange der Regierung Friedrich Wilhelm II., dem Censur- und Religionsedict. Jenes Veranlaßte ihn zu der Broschüre: „Einige Gedanken über das Censuredict“ (Berlin 1789). Er rügte darin die durch die Censur dem Drucker auferlegten Kosten und Zeitversäumnisse und bemängelte namentlich den Paragraphen des Edicts, der einzelne dem Censor entgangene Stellen für nachträglich straffällig erklärte und Privatpersonen berechtigte, wegen Beleidigungen Verleger und Drucker zur Rechenschaft zu ziehen. Dieses rief die merkwürdige Schrift hervor: „Proceß des Buchdruckers U. gegen den Oberconsistorialrath Zöllner in Censurangelegenheiten wegen eines verbotenen Buches“ (Berlin 1791). Es handelt sich darin um die Schrift des ersten reformirten Predigers an der Jerusalemerkirche in Berlin J. G. Gebhard (1743—1802): „Prüfung der Gründe des Verfassers der Schrift: Ist ein allgemeiner Landeskatechismus nöthig?“, die nach Schmidt-Mehring's Angabe wirklich 1796 bei U. erschien, die aber ursprünglich, nachdem sie von Zöllner ein günstiges Urtheil erhalten und das Imprimatur erlangt, durch Wöllner verboten worden war. Da U. aufgegeben war, sich wegen Erstattung der Druckkosten an Gebhard und Zöllner zu halten, so verklagte er beide, wurde aber in beiden Processen abgewiesen. Alle Anklage-, Vertheidigungsschriften, Entscheidungen sind nun mit einigen weniger bedeutenden Beigaben in der Schrift gedruckt. In dieser kam es U. nicht darauf an, sich das Geld, auch wenig darauf, sich Recht zu verschaffen, sondern es war ihm hauptsächlich darum zu thun, gegen die Ungerechtigkeit des Religionsedictes Front zu machen. Daher|ging Zöllner, der Beklagte, eines der Häupter der Berliner Aufklärung als Sieger aus der Schrift hervor, die Hauptstelle war S. 126—134, in der die Berechtigung von Zöllner's Imprimaturertheilung gegeben wurde, eine Glorification der Grundsätze der Aufklärung. — U. als Buchhändler vertrat die freisinnige Richtung in Litteratur, Religion, Politik. Die vornehmen Zeitschriften, wie die „Jahrbücher der preußischen Monarchie“, Woltmann's „Geschichte und Politik“, der Kalender der Akademie erschienen bei ihm. 1784 versuchte er, den beiden älteren dreimal wöchentlich erscheinenden Berliner Zeitungen eine dritte, die täglich ausgegeben werden sollte, entgegenzusetzen, wurde aber mit seinem Gesuche abgewiesen mit der Begründung, daß die vorhandenen Zeitungen das Bedürfniß reichlich deckten, daß aber der Censurbehörde eine so große Vermehrung ihrer Arbeitslast nicht zugemuthet werden könnte. — Unger's Verlag beschränkte sich durchaus nicht auf Erzeugnisse Berliner Schriftsteller. Mit Schiller (vgl. Schiller's Geschäftsbriefe ed. Goedeke 1875 von S. 199 an) stand U., seitdem Göschen und Crusius zurückgetreten waren, in nahem Verkehr. „Agnes von Lilien“, der Roman von Schiller's Schwägerin erschien bei ihm; von einem „deutschen Theater“, das Schiller herausgeben sollte, einem Theaterkalender, der Bearbeitung eines chinesischen Romans, dem Text zu einem historischen Kalender war die Rede (doch kam davon nichts zu Stande); zu Unger's „Sammlung der Romane“ gab Schiller's Gattin einzelne Beiträge. Die „Jungfrau von Orleans“ erschien als Kalender bei U. Zwischen dem Buchhändler und Dichter kam es auch zu persönlicher Annäherung; U. schickte Geschenke, machte Besorgungen; er zeigte sich bereit, Schiller's Stücke an Theater zu verkaufen, womit er freilich kein Glück hatte. Zu dem von Halem herausgegebenen Journal „Irene“ wußte sich U. von Schiller und Goethe Beiträge zu verschaffen, trotz Schiller's Ingrimm über den Herausgeber und seine Genossen, vgl. Brief an Goethe vom 17. März 1802. Denn auch mit Goethe, den er 1800 in Leipzig kennen lernte, stand U. in geschäftlicher Beziehung. Goethe's „neue Schriften" 7 Bände, die zweite Ausgabe, die Goethe überhaupt veranstaltete, Wilh. Meister und die neuen Gedichte enthaltend 1791—1800, erschienen bei ihm, auch der „römische Carneval“ war von ihm veröffentlicht worden, auf Goethe's Veranlassung hatte er 1798 auch eine englische Uebersetzung der Iphigenie übernommen. Zu den sieben schon früher bekannten Briefen Goethe's von 1798—1803 sind in den Briefbänden 10—12 der großen Weimarer Goetheausgabe vier bisher unbekannte von 1795 bis 1797 hinzugekommen. Sie beweisen ein freundliches Verhältniß des großen Schriftstellers, beziehen sich im wesentlichen auf die schon erwähnten „Neuen Schriften“ Goethe's, über deren Inhalt und Fortschreiten sie gute Nachrichten geben. Eine von Goethe angebotene französische Uebersetzung Wilh. Meisters durch den Franzosen de Pernay lehnte U. ab. Dagegen wäre er gern auch der Verleger von Goethe's naturwissenschaftlichen Schriften geworden. Er übermittelte Goethe gern Berliner Erzeugnisse, z. B. Zeichnungen Schadow's und empfing dafür außer freundlichem Dank manche Mittheilungen aus Goethe's Treiben. U. war seit 1800 Mitglied der Akademie der Künste, zu deren Senat er gehörte, Professor der Holzschneidekunst, starb am 26. December 1804.

    • Literatur

      Nagler, a. a. O. — Schmidt u. Mehring, Neuestes gelehrtes Berlin 1795. II, 245 ff. — Notizen bei Meusel, Geiger, Berlin passim bes. I, 406 ff. II, 12.

  • Autor/in

    Ludwig Geiger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Geiger, Ludwig, "Unger, Friedrich Gottlieb" in: Allgemeine Deutsche Biographie 39 (1895), S. 291-293 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11729327X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA