Lebensdaten
um 1523 bis 1578
Geburtsort
Lübeck
Beruf/Funktion
Kartäuser ; katholischer Reformationshistoriker ; Hagiograph
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118799452 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sauer, Lorenz
  • Surius, Laurentius
  • Sauer, Lorenz

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Zitierweise

Surius, Laurentius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118799452.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus angesehener Lübecker Fam., die wahrsch. kath. blieb;
    V Lorenz, Goldschmied;
    M Adelheid, T d. Berend Rode;
    1 B Nicolaus, JUD, Kathedralkanoniker, 1 Schw N. N. ( N. N. Neibur, Juwelier in L.).

  • Leben

    S. begann 1534 sein Studium generale an der Artistenfakultät der Univ. Frankfurt/Oder, wechselte noch vor der dortigen Einführung der Reformation (1539) 1537 an die Univ. Köln und erlangte hier im selben Jahr das Baccalaureat und 1539 den Magister artium. Er stand im Kontakt mit Kreisen des Reformkatholizismus (u. a. Petrus Canisius, Johannes Landsberg) im Umfeld der Kölner Kartause St. Barbara, in die er 1540 eintrat, was wohl eher als Änderung seines Lebenswandels denn als Wechsel der Konfession zu deuten ist. Die frühen Ordensgelübde 1541 und die Priesterweihe 1543 ermöglichten ihm neben seinen geistlichen und handwerklichen Pflichten im Konvent eine lange und intensive wissenschaftliche Arbeit als sprachlich gewandter Humanist. S. blieb mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung 1548, während der er in der Mainzer Kartause wirkte, bis zu seinem Tod in St. Barbara und schlug 1563/64 ein Angebot Hzg. Albrechts V. von Bayern aus, das Priorat der Kartause Regensburg zu übernehmen.

    Unter dem hervorragenden Prior Gerhard Kalckbrenner (1536–66) aus Hamont entwickelte sich S. zu einem fruchtbaren Editor, Übersetzer, Historiker und Hagiograph. Er trat schriftstellerisch bzw. wissenschaftlich sowie als – u. a. wegen seiner gelegentlich eigenwilligen Auswahl – umstrittener Bearbeiter der Weltchronik des Johannes Nauclerus (1425–1510) und der Konziliengeschichte des Petrus Crabbe (1470–1553/54) hervor. Weitere Verdienste erwarb er sich als Übersetzer, Herausgeber und Kommentator patristischer Werke, kath. Kontroversliteratur und hagiographischer Sammlungen. Seine größte Bedeutung liegt in der Übersetzung Johannes van Ruusbroecs (1293–1381), Johannes Taulers (um 1300–61), Heinrich Seuses (1295/97–1366) und anderer Werke der dt. und niederl. Mystik ins Lateinische, die er damit auch einem humanistisch gebildeten Leserkreis jenseits des dt.sprachigen und kath. Raumes zugänglich machte.

  • Werke

    u. a. Margarita evangelica, 1545;
    Leonis I. Romani Pontificis opera omnia u. Leonis IX eruditas aliquot elucubrationes, 1561 (Hg.);
    Commentarius brevis rerum in orbe gestarum (v. 1500–66), 1566;
    Primus tomus conciliorum omnium, 4 Bde., 1567 (Hg.);
    Homiliae, 1569 (Hg.);
    De probatis Sanctorum historiis, 6 Bde., Köln 1570, Venedig 1581, 31618;
    Überss.:
    J. Tauler, De vita et passione Salvatoris nostri J. Chr. piissima exercitia alia quaedam exercitia Nikolaus van Essche, 1548 (Hg.);
    ders., Tam de tempore quam de Sanctis conciones (Opera omnia), 1548;
    M. Helding, De Sanctissimo ac praestantissimo missae sacrificio conciones XV, 1549;
    J. Ruysbroeck, Opera omnia, 1552;
    Florentius Batavus, Institutiones vitae christianae, 1552;
    anonym, Compendium verae salutis, 1553;
    H. Seuse, Opera omnia, 1555;
    J. Fabri, De missa evangelica, 1556;
    J. Gropper, De veritate corporis et sanguinis Christi in eucharistia, 1560;
    Fr. Staphylus, Apologia, 1562;
    ders., Absoluta responsio, 1563;
    M. Eisengrein, Concio egregia et catholica, 1563;
    J. Vergenhans gen. Nauclerus, Chronicon, 1564.

  • Literatur

    ADB 37;
    K. Etzrodt, L. S., Diss. Halle 1889;
    P. Holt, L. S. u. d. kirchl. Erneuerung im 16. Jh., in: Jb. d. Köln. Gesch.ver. 6/7, 1925, S. 52–84;
    A. Winklhofer, Johannes vom Kreuz u. d. S.-Übers. d. Werke Taulers, in: Theol. in Gesch. u. Gegenwart, FS M. Schmaus, hg. v. J. Auer u. H. Volk 1957, S. 317–48;
    W. Jannasch, Ref.gesch. Lübecks, 1958;
    N. Trippen, Der Kartäuser L. S. (1523–1578), masch. Hausarb. Collegium Albertinum Bonn 1960 (W, L);
    H. Hebenstreit-Wilfert, Wunder u. Legende, Studien zu Leben u. Werk v. L. S., Diss. Tübingen 1975;
    B. Gorceix, Flambée et Agonie, 1977;
    G. Chaix, Réforme et Contre-Réforme catholique, Recherches sur la chartreuse de Cologne XVIe siècle, 3 Bde., 1981;
    ders., in: Rhein. Lb. XI, 1988, S. 77–100 (P);
    ders., in: S. Cüppers (Hg.), Kölner Theologen, 2004, S. 200–22 (W, L, P);
    H. Goder, Köln, in: G. Schlegel u. J. Hogg (Hg.), Monasticon Cartusiense, Bd. II, 2004, S. 577–88;
    H. Molitor, Das Ebm. Köln im Za. d. Glaubenskämpfe 1515–1688, 2008, S. 555–57 (P);
    B. Kammann, Die Kartause St. Barbara in Köln (1334 bis 1953), 2010;
    LThK1–3;
    RGG2–4;
    BBKL XI (W, L);
    Enz. Märchen;
    Kosch, .3 (W, L);
    Kölner Personenlex.;
    Biogr. Lex. Schleswig-Holstein XII;
    Lübecker Ll. II.

  • Portraits

    Gem. v. B. Bruyn d. J., 1578 (Köln, Wallraf-Richartz-Mus., als Dauerleihgabe im Köln. Stadtmus., Kopie im Kölner Gymnasial- u. Stiftungsfonds);
    Holzschnitt d. Monogrammisten H. E. (Wolfenbüttel, Hzg. August Bibl.);
    Kupf., 1618.

  • Autor/in

    Reimund Haas
  • Empfohlene Zitierweise

    Haas, Reimund, "Surius, Laurentius" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 709-710 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118799452.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Surius: Laurentius S., Karthäuser, geboren 1522 zu Lübeck, am 23. Mai 1578 zu Köln. Er machte seine Studien zu Frankfurt a. d. O. und zu Köln. Hier wurde er mit Petrus Canisius (s. A. D. B. III, 749) bekannt und durch diesen für die katholische Kirche gewonnen. Unter dem Einfluß des Justus Landsperg (s. A. D. B. XVII, 594) entschloß er sich. Karthäuser zu werden; er trat am 23. Febr. 1541 in den Orden und legte am 24. Febr. 1542 die Gelübde ab. 1543 wurde er zum Priester geweiht. Mit kurzen Unterbrechungen blieb er nun bis zu seinem Tode im Karthäuserkloster in Köln, eifrig mit Studien und litterarischen Arbeiten beschäftigt. Pius V., dem er 1570 den ersten Band seines „Lebens der Heiligen“ widmete, schrieb am 1. Juli an den Prior: er solle dem gelehrten und durch seine Schriften der Kirche so nützlichen Mann alle Milderungen der strengen Ordensregel gewähren, die sein Alter und die Vollendung seines großen Werkes wünschenswerth machten. Sein erstes größeres Werk ist „Commentarius brevis rerum in orbe gestarum ab a. 1500 ad a. 1564“, 1566, mit polemischer Rücksicht auf die Werke von J. Carion (s. A. D. B. III, 791) und J. Sleidanus (s. A. D. B. XXXIV, 459). Das Werk, in welchem der confessionelle Standpunkt des Verfassers stark hervortritt, wurde 1568 von dem Speierer Weihbischof Heinrich Fabricius ins Deutsche, 1571 von Jacques Estourneau ins Französische überseht, später mit Zusätzen herausgegeben von Michael van Isselt (s. A. D. B. XIV, 641), 1586 u. 1601. Im J. 1567 erschien von S. „Concilia omnia tum generalia tum provincialia atque particularia“, 4 Foliobände, Philipp II. gewidmet. 1570—76 folgte sein Hauptwerk: „De probatis vitis Sanctorum ab Al. Lippomano olim [1550] conscriptis nunc primum emendatis et auctis“, 6 Foliobände. Die zweite, von ihm begonnene Ausgabe wurde von seinem Ordensgenossen Jakob Mosander vollendet und mit einem 7. Bande vermehrt, 1581. In der 3. Ausgabe, 1618, ist der Text der alten Vitae, an dem S. allerlei geändert hatte, wiederhergestellt. Eine neue verbesserte Ausgabe ist zu Turin 1875—80 in 13 Octavbänden erschienen (Lit. Handw. 1883, 501). — Außerdem hat S. herausgegeben „Homiliae s. conciones praestantissimorum Ecclesiae doctorum (22) in totius anni evangelia ab Alcuino jussu Caroli M. primum collectae, quibus nunc accedunt in totius anni epistolas conciones exegeticae ex patribus congestae“, 1569, die Werke Leo's des Großen, lateinische Uebersetzungen von Schriften von Tauler, Ruysbroek und Suso, von Gropper, Eisengrein und anderen katholischen Zeitgenossen.

    • Literatur

      Hartzheim, Bibliotheca Coloniensis, p. 218. — Niceron 28, 399. —
      Räß, Convertiten 2, 338. — Hurter, Nomenclator (2) 1, 36.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "Surius, Laurentius" in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894), S. 166 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118799452.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA