Lebensdaten
1638 bis 1686
Geburtsort
Kopenhagen
Sterbeort
Schwerin
Beruf/Funktion
Arzt ; Anatom ; Geologe ; Konvertit ; katholischer Bischof
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 118617737 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stenonis, Nikolaus
  • Stensen, Niels (dänisch)
  • Stenone, Niccolò
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Steno, Nicolaus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118617737.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Sten Pedersen (um 1585–1645), Goldschmied, S d. Peder Nielsen († 1599), Pastor, u. d. Beate Pedersdatter;
    Stief-V Peder Lesle († 1647), Goldschmied, Johan Stichman († 1663), Goldschmied;
    M Anne Nielsdatter ( 1664), vermutl. T d. Karen Lethsdatter;
    Ur-Gvv Niels Pedersen († nach 1568), Pastor;
    Ov Claus Pedersen (1577–1642), Pastor;
    Schw Anne (um 1635–1703);
    Gr-N Jakob Benignus Winsløv (1669–1760, ev., seit 1699 kath.), Anatom.

  • Leben

    Nach der Lateinschulzeit an der Kopenhagener Liebfrauenschule 1648–56 studierte S. 1656–59 Medizin in Kopenhagen, 1660 in Amsterdam und 1660–64 in Leiden (Dr. med. 1664). In Amsterdam entdeckte er den Ductus parotideus (Ductus Stenonianus), den Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse, und geriet in eine Kontroverse mit seinem Lehrer Gerard Blasius (um 1625–92), der die Entdeckung für sich beanspruchte. 1662/63 erkannte S. die Muskelstruktur des menschlichen Herzens, mit der er die traditionelle These vom Herz als Sitz des Lebensgeists widerlegte. Dies sowie seine hirnanatomischen Studien (Discours sur l’anatomie du cerveau, 1665) machten S. europaweit bekannt. Nach seiner Rückkehr aus Leiden 1664 bei Stellenneubesetzungen an der Univ. Kopenhagen übergangen, begab er sich nach Frankreich und 1666 in die Toskana, wo er seine med. Studien fortsetzte und u. a. die erste exakte Beschreibung menschlicher Eierstöcke vorlegte.

    Nachdem sich S. seit 1660 dem Luthertum entfremdet und zeitweise rationalistischen Glaubensauffassungen (Deismus) angenähert hatte, wandte er sich an Allerseelen 1667 in Florenz, wo er unter den Großherzögen Ferdinando II. (1610–70) und Cosimo III. (1642–1723) eine großzügige, bis zu seinem Tod währende Förderung erfuhr, dem kath. Glauben zu; aus dieser Zeit datiert der Entwurf seines Herz-Kreuz-Siegelwappens. 1668–70 führte ihn eine große Reise zu geologischen Studienzwecken durch Italien, Mittel- und Osteuropa. Die Ergebnisse hielt er in seinem Werk „De solido intra solidum naturaliter|contento dissertationis prodromus“ (1669) fest, mit dem er einen wesentlichen Beitrag zur Begründung von Geologie und Kristallographie als wissenschaftlichen Disziplinen leistete. Alexander v. Humboldt nannte S. den „Vater der Geologie“.

    1672–74 war S. in Kopenhagen als kgl. Anatom tätig. 1675 in Florenz zum Priester und 1677 zum Titularbischof von Titiopolis geweiht, wirkte er als Apostolischer Vikar der Nord. Missionen zunächst am Hof des konvertierten Herzogs von Braunschweig-Lüneburg Johann Friedrich (1625–79) in Hannover 1677–80, wo er u. a. mit Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) in ständigem Austausch stand. Als Weihbischof des Fürstbistums Münster (1680–83) entfaltete S. – von Fürstbf. Ferdinand v. Fürstenberg (1626–83) gedeckt, jedoch unter Widerstand des adeligen Domkapitels – eine umfangreiche Reformarbeit im Sinne des Tridentinums (1545–63), die er in seinem Pastoralhandbuch „Parochorum hoc age“ (1684, ital. Übers. 1684, 21685) begründete. Dieses erschien in Florenz, nachdem S. Anfang Sept. 1683 aus Protest gegen die bevorstehende simonistische, von Rom aufgrund der Berichte S.s nie anerkannte Wahl des Kölner Kurfürsten und Erzbf. Maximilian Heinrich von Bayern (1621–88) zum Bischof von Münster die Stadt verlassen hatte. 1683–85 wirkte S. als einfacher Priester unter Schwierigkeiten in Hamburg und seit Dez. 1685 unter dem konvertierten Herzog Christian Louis I. von Mecklenburg-Schwerin (1623–92) an der Schloßkapelle in Schwerin. Hier legte er das Fundament für eine kath. Gemeinde (seit 1795 St. Anna-Kirche).

    S. war nicht nur wegweisender Anatom und Mitbegründer der Geologie, sondern gehört zu den großen Vordenkern einer Ökumene zwischen den christlichen Konfessionen. Selbst anspruchslos und streng asketisch lebend, verausgabte sich der Bischof finanziell für Ortsarme, Konvertiten und Theologiestudenten. Der Institution der Fürstbischöfe stand er kritisch gegenüber. Erste Bemühungen um eine Seligsprechung S.s seit 1936 mündeten in die Beatifikation durch Papst Johannes Paul II. 1988.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Acc. di Cimento (1666), d. Acc. della Crusca (1668) u. d. Acc. dei Gelati (1669).

  • Werke

    Opera philosophica, hg. v. V. Maar, 2 Bde., 1910;
    Opera theologica cum prooemiis ac notis Germanice scriptis, hg. v. K. Larsen u. G. Scherz, 2 Bde., 21944/47;
    Epistolae et epistolae ad eum datae [ . . . ], 2 Bde., hg. v. G. Scherz, 1952 (P);
    Geological Papers, hg. v. G. Scherz, 1969 (P);
    Positio, hg. v. d. Sacra Congregatio pro Causis Sanctorum, 1974 (P);
    G. W. Leibniz, Phil. Schrr. 1672–1676, hg. v. d. Leibniz-Forsch.stelle d. Univ. Münster, 1980, S. 115–49;
    Opere scientifiche, hg. v. L. Casella u. E. Coturri, 2 Bde., 1986 (P);
    N. S.s korrespondance i dansk oversættelse, hg. v. H. M. Hansen, 2 Bde., 1987;
    Chaos, N. S.s Chaos-manuscript, hg. v. A. Ziggelaar, 1997 (P);
    G. W. Leibniz, Phil. Briefwechsel 1663–1685, hg. v. d. Leibniz-Forsch.stelle d. Univ. Münster, 22006, S. 576–78;
    F. Sobiech, Neues z. Gesch. d. Seelsorge in Huntlosen u. Vechta, in: Westfäl. Zs. 156, 2006, S. 139–47;
    N. W. Bruun, Fem nyfundne N. S.-breve, in: Fund og forskning i Det Kongelige Biblioteks samlinger 47, 2008, S. 115–65;
    Discours sur l`anatomie du cerveau (1669), hg. v. R. Andrault, 2009;
    Nicolas Sténon, Œuvres choisies, hg. v. B. Munk Olsen, 2010;
    Bibliogr.:
    M. Jensen, Bibliogr. N. S., 1986;
    Nachlaß:
    Bibl. Laurenziana, Florenz;
    Bibl. Nazionale Centrale, Florenz;
    Heinrich-Theissing-Inst., Schwerin: Det Kongelige Bibl., Kopenhagen.

  • Literatur

    ADB 36;
    Stenoniana Catholica 1–7, hg. v. G. Scherz, 1955–61 (Qu, P);
    G. Scherz, N. S. and his Indice, 1958 (Qu, P);
    ders. (Hg.), Dissertations on S. as Geologist, 1971 (Qu, P);
    ders., N. S., Eine Biogr., 2 Bde., hg. v. F. P. Sonntag, 1987/88 (P);
    N. S. (1638–1686), hg. v. Kgl. Dän. Min. d. Äußern, 1984 (P);
    M. Bierbaum u. a., N. S., Anatom, Geologe u. Bf. 1638–1686, 31989 (P);
    F. Sobiech, Herz, Gott, Kreuz, Die Spiritualität d. Anatomen, Geologen u. Bf. Dr. med. N. S. (1638–86), 2004 (Qu, P);
    ders., Weihbf. N. S. (1638–86), e. pastoraler Reformer, Seine Stellung z. Hexenverfolgung, in: Spee-Jb. 12, 2005, S. 109–26;
    ders., Weihbf. Dr. med. N. S. (1638–86) zu Spiritualität u. Lebenswandel v. Welt- u. Ordensklerus, in: „Die Hand d. Herrn hat diesen Weinberg angelegt u. ihn gepflegt“, FS K. J. Rivinius, hg. v. R. Haas u. E. W. Steinhauer, 2006, S. 157–82;
    ders., N. S. (1638–1686) u. d. Bergbau, Notizen seiner Reise durch Tirol, Niederungarn u. Mitteldtld. 1669–1670 im Spiegel seiner Theol., in: Bergbau u. Rel., Schwazer Silber, 6. Internat. Montanhist. Kongress Schwaz 2007, Tagungsbd., hg. v. W. Ingenhaeff u. J. Bair, 2008, S. 287–304;
    ders., Radius in manu Dei. Das med. Ethos in Leben, Werk u. Rezeption d. Anatomen Dr. med. N. S. (1638–86), 2012 (Qu, W, L, P);
    St. Miniati, Nicholas Steno`s Challenge for Truth, Reconciling Science and Faith, 2009;
    G. D. Rosenberg (Hg.), The Revolution in Geology from the Renaissance to the Enlightenment, 2009 (P);
    H. Wieh, N. S. – wer ist das?, 2009 (P);
    T. Kardel u. P. Maquet, Nicolaus Steno, Biography and Original Papers of a 17th Century Scientist, 2012;
    Westfäl. Lb. VI, 1957, S. 14–36 (W, L, P);
    Pogg. II u. VI;
    Grewolls, Meckl.-Vorpommern (P);
    G. A. Lindeboom, Dutch Medical Biogr., 1984;
    BBKL X (W, L);
    LThK1–3 (W, L);
    RGG 4 (W, L);
    Gatz II (W, L, P);
    Dansk Leks.1–2 (W, L);
    Hann. Biogr. Lex.;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Ärztelex.;
    Ueberweg 14 IV/2;
    Hdb. Gelehrtenkultur (W, L);
    Biogr. Lex. Mecklenburg IV, 2004 (W, L, P);
    Complete DSB;
    Killy.

  • Portraits

    Ölgem. v. J. Sustermans (Florenz, Uffizien);
    zeitgenöss. Basrelief in Terracotta, anonymer Meister aus Ravenna (Kopenhagen, Geol. Mus.);
    Ölgem., anonym (Kopenhagen, Med.hist. Mus.);
    Ölgem., anonym (Schwerin, Pfarrhaus St. Anna);
    Ölgem. v. Ch. A. Lorentzen (Med.-anatom. Inst. d. Univ. );
    Gedenktafeln d. Internat. Geologenkongresse Bologna 1881 u. Florenz 2004 (beide Florenz, San Lorenzo).

  • Autor/in

    Frank Sobiech
  • Empfohlene Zitierweise

    Sobiech, Frank, "Steno, Nicolaus" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 251-253 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118617737.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Steno: Nicolaus St. (oder wie er selbst unterschreibt Stenonis, dänisch Niels Stensen), Mediciner, Convertit und katholischer Bischof, geboren am 10. (n. St. 20.) Januar 1638 zu Kopenhagen, am 26. November (n. St. 6. December) 1686 zu Schwerin, verdient, obschon ein Däne von Geburt, hier einen Platz, weil er die letzten neun Jahre seines Lebens in Deutschland thätig war. Er studirte 1656—59 zu Kopenhagen, namentlich unter Thomas Bartholin, Anatomie, — nebenbei auch Hebräisch, — und setzte diese Studien in Holland fort, zuerst zu Amsterdam, wo er über die Priorität der Entdeckung des nach ihm benannten Ductus Stenonianus mit Gerhard Blasius in Streit gerieth, dann zu Leiden. 1664 war er wieder in Kopenhagen. Da er aber dort nicht, wie er erwartet hatte, eine Professur erhielt, reiste er nach Paris, wo er durch seine anatomischen Kenntnisse Aufsehen erregte und auch mit Bossuet bekannt wurde, und im Herbst 1665 nach Rom und Florenz. Hier ernannte ihn der Großherzog Ferdinand II. zu seinem Leibarzt und gab ihm eine Anstellung an einem Spitale. Am 9. December 1667 legte er vor dem Nuntius das katholische Glaubensbekenntniß ab; über die Motive zu diesem Schritte handelt eine an den Amsterdamer reformirten Geistlichen Joh. Sylvius gerichtete Epistola de propria conversione (geschrieben 1671, gedruckt Florenz 1677, übersetzt bei Räß VII, 293) und die Defensio et plenior elucidatio epistolae de propria conversione (Hannover 1680). 1669 veröffentlichte er zu Florenz „De solido intra solidum naturaliter contento dissertationis prodromus“, eine der ersten Schriften, worin die richtige Ansicht über die Versteinerungen entwickelt wird. In demselben Jahre verließ er Florenz, hielt sich einige Zeit in Holland auf und wurde am 12. Februar 1672, obschon seine Conversion bekannt geworden war, zum Professor am Theatrum anatomicum zu Kopenhagen ernannt. Er legte aber schon im Mai 1674 diese Stelle wieder nieder und kehrte nach Florenz zurück, wo ihn der Großherzog beauftragte, den Erbprinzen in der christlichen Philosophie zu unterrichten. Bald darauf entschloß er sich, seine bisherigen Studien ganz aufzugeben und Geistlicher zu werden, allem Anscheine nach unter dem Einflusse seines Beichtvaters, des Jesuiten E. Savignani. Im J. 1675 empfing er die Priesterweihe, nachdem er, da er „wegen des Ortes und der Weise, wie man in Dänemark taufe“, an der Gültigkeit seiner Taufe zweifelte, in der Stille bedingungsweise noch einmal getauft worden war. In demselben Jahre veröffentlichte er zwei lateinische, polemisch-theologische Sendschreiben an Joh. Sylvius und eine „Epistola ad novae philosophiae reformatorem de vera philosophia“ an B. Spinoza, mit dem er in Amsterdam bekannt geworden war.

    Der 1651 zur katholischen Kirche übergetretene Herzog Johann Friedrich von Braunschweig-Lüneburg (s. A. D. B. XIV, 177) erbat sich nach dem Tode seines Hofcaplans und apostolischen Vicars Valerio Machioni auf den Vorschlag von Gerhard Molanus (s. A. D. B. XXII, 86) von Innocenz XI. St. als dessen Nachfolger. Am 14. September 1677 wurde er zu Rom, wohin er von Florenz über Loreto zu Fuße pilgerte, von dem Cardinal Barbarigo zum Titularbischof von Titiopolis geweiht und vom Papste zum apostolischen Vicar für Hannover und die nordischen Missionen (die Hansestädte, Schleswig-Holstein, Dänemark, Schweden und Norwegen) ernannt, und reiste dann zu Fuße über Venedig, Innsbruck, Augsburg und Köln nach Hannover, wo er Ende 1677 ankam. 1678 veröffentlichte er dort ein 1677 zu Florenz lateinisch herausgegebenes Schriftchen in deutscher Uebersetzung: „Scrutinium reformatorum, d. i. kurtzer Beweis, daß diejenigen Lehrer, so die Sitten der Menschen zu verbessern getrachtet, von Gott gewesen, mit nichten aber die andern, so die Glaubenslehre zu verbessern gesuchet“, — gegen die Erwiderung des Kopenhagener Theologen Christian Noldius 1679 „Defensio et plenior elucidatio Scrutinii Reformatorum“, — zwei lateinische Streitschriften gegen Joh. Sylvius und „Katholische Glaubens-Lehr vom Fegfeur ... aufgesetzet bey Gelegenheit, da ein vornehmer Lutherischer Theologus [J. W. Baier in Jena] aus dem Dorschäus behaupten wollte, daß der H. Augustinus kein Fegfeur geglaubt, sondern nur zweiffelhaft davon geschrieben habe“. An den 1679 von Leibniz und dem Bischof Spinola (siehe A. D. B. XXXV, 202) eingeleiteten Reunionsverhandlungen betheiligte sich St. allem Anscheine nach nur ungern, jedenfalls nicht in hervorragender Weise.

    Der Herzog Johann Friedrich starb am 28. December 1679. St. hielt am 3. Mai 1680 für ihn die feierlichen Exequien, mußte aber bald darauf Hannover verlassen. Er wurde nun Weihbischof des Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg von Münster. Diesem wurde am 10. September 1680 von der Propaganda das apostolische Vicariat der nordischen Missionen übertragen; St. blieb nur apostolischer Vicar für Hannover und einige andere Bezirke in Norddeutschland. Er führte in Münster wie in Hannover ein frommes und übertrieben asketisches Leben, erfüllte seine Obliegenheiten mit großer Gewissenhaftigkeit, zeigte sich aber nicht sehr geeignet für die kirchliche Verwaltung. Nach dem Tode des Fürstbischofs Ferdinand (26. Juni 1683) wurde ihm das apostolische Vicariat wieder in seinem früheren Umfange übertragen. Er mußte aber Münster verlassen, da er sich mit dem neuen Fürstbischof Maximilian Heinrich, Herzog von Baiern, nicht verständigen konnte. Er nahm seinen Wohnsitz in Hamburg, wo er mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, unter anderen auch bei zwei dort wirkenden Jesuiten auf Opposition stieß. Er bat den Papst um die Erlaubniß, nach Toscana zurückzukehren, entschloß sich aber Ende 1685, im Einverständniß mit dem 1663 katholisch gewordenen Herzog Christian Ludwig von Mecklenburg (s. A. D. B. IV, 170) nach Schwerin überzusiedeln. Auch hier gestaltete sich seine Lage sehr ungünstig. Im Sommer 1686 beantragte der Kurfürst von Trier, ihn dorthin als Weihbischof zu versetzen. Er starb aber, ehe die Verhandlungen darüber zu Ende geführt waren. Seine Leiche ließ der Großherzog von Toscana nach Florenz bringen und in San Lorenzo beisetzen.

    Als im Herbst 1881 die Theilnehmer an dem zu Bologna tagenden internationalen Geologen-Congresse nach Florenz kamen, legte der Präsident einen Lorbeerkranz auf dem Grabe Steno's nieder und veranstaltete eine Sammlung, um ihm ein Denkmal zu setzen. Im August 1883 wurde dann eine Marmorbüste über seinem Grabe aufgestellt mit einer Inschrift, in der er als vir inter geologos et anatomicos praestantissimus bezeichnet wird. Gegen die Bedeutung, die St. in der Geschichte der Anatomie und Geologie zukommt, fällt seine Thätigkeit in den Jahren nach seinem Eintritt in den geistlichen Stand sehr stark ab. Seine theologischen Schriften sind nicht bedeutend und seine Wirksamkeit als katholischer Bischof war nicht erfolgreich. Eine übermäßig strenge asketische Richtung ließ das Interesse für die Theologie als Wissenschaft bei ihm bald erlöschen und hinderte auch seine Thätigkeit in der Seelsorge und Kirchenverwaltung unter den schwierigen Verhältnissen, in die er gestellt war, ist auch wohl, namentlich sein unglaublich strenges Fasten, Schuld daran, daß er nicht ein höheres Lebensalter erreichte.

    • Literatur

      W. Plenkers, S. J., Der Däne Niels Stensen, 1884 (Ergänzungshefte zu den Stimmen aus Maria-Laach, VII. Bd., H. 25 u. 26). Ueber seine anatomischen Arbeiten s. S. 12, 89; vgl. Häser, Lehrb. der Gesch. der Medicin II, 51 — über die geologische Schrift s. S. 57; vgl. Fr. v. Kobell, Gesch. der Mineralogie S. 16, 69. —
      Räß, Die Convertiten VII, 290; XII, 155. —
      Moller, Cimbria literata II, 867.Biographie universelle.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "Steno, Nicolaus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 36 (1893), S. 51-53 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118617737.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA