Lebensdaten
1531 bis 1584
Geburtsort
Tyrnau (slowakisch Trnava, ungarisch Nagyszombat)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Polyhistor ; Historiograph ; Arzt ; Philologe ; neulateinischer Dichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118751069 | OGND | VIAF: 61551948
Namensvarianten
  • Zsámboky, János
  • Sambucus, Johannes
  • Zsámboky, János
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Zitierweise

Sambucus, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118751069.html [26.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Petrus ( 1565, ungar. Adel 1549), begüterter Bürger, 1547 u. 1551 Bgm. v. T.;
    M N. N.: Wien 1567 Christina, T d. Coloman Egerer, begüterter Kaufm. In W.;
    1 S, 2 T.

  • Leben

    Bereits mit 11 Jahren begann S. ein Studium der Artes liberales in Wien, das er in Leipzig, Wittenberg, Ingolstadt und Straßburg fortsetzte und in Paris 1552 mit dem Magistergrad abschloß. 1555 beendete er ein Medizinstudium in Padua mit dem Lizentiat. Nach Hofmeistertätigkeiten vorwiegend in Italien sowie historischen und philologischen Studien in Wien und Paris wirkte er seit 1564 am Wiener Kaiserhof unter Maximilian II. als Rat, seit 1565 als Hofhistoriograph, seit 1567 auch als Arzt. Er hielt an seiner kath. Konfession fest, obwohl er oft luth. Positionen vertrat. 1567 wurde er zum Hofpfalzgrafen ernannt. Durch persönliche Begegnungen, Briefwechsel und den Aufbau einer großen Handschriften-, Bücher- und Münzsammlung stellte S. Verbindungen zu vielen europ. Humanisten her (u. a. Henricus II. Stephanus, Carolus Clusius, Hadrianus Junius, Christoph Plantin, Joachim Gamerariusd. Ä. , Johannes Sturm, Fulvius Ursinus, Abraham Ortelius u. Justus Lipsius). Er erstellte einen Katalog der Hofbibliothek, erreichte allerdings nicht die angestrebte Ernennung zum Hofbibliothekar. Zur Verbesserung seiner finanziellen Lage verkaufte er kostbare Handschriften an den Kaiser. Seine Stellung als Hofhistoriograph wurde seit dem Regierungsantritt Rudolfs II. 1576 geschwächt, zumal durch die Verlagerung der Residenz nach Prag.

    S. publizierte v. a. Editionen von und Kommentare zu griech. und lat. Autoren (u. a. Platon, Diogenes Laertius, Nonnos, Horaz, Petronius, Plautus, Dioskurides) sowie Quelleneditionen und Arbeiten zur ungar. Geschichte. Neben einigen Reden, Dialogen, lyrischen Texten und Epigrammen verfaßte S. in Latein die überaus erfolgreichen „Emblemata“, von denen 1564 eine erste unvollständige, 1566 die mit 222 Emblemen vollständige Ausgabe bei Plantin in Antwerpen erschien (weitere Aufll. 1569, 1576, 1584,|1591 u. 1599, niederl. 1566, franz. 1567). An den Illustrationen waren v. a. Lucas D'Heere, Peter Huys und Cornelis Muller beteiligt. Die „Emblemata“ behandeln die Frage, wie sich der Mensch mit hinreichender „Prudentia“ den Problemen der Welt stellen solle. Ihre Wirkung zeigt sich in weiteren Emblembüchern (bes. George Whitney, Leiden 1586, ferner Hadrianus Junius. Antwerpen 1565, u. Nicolaus Reusner, Frankfurt/M. 1581) sowie in anderen literarischen und ikonographischen Bereichen der späthumanistischen europ. Kultur. Der größte Teil von S.s Handschriften und Büchern befindet sich heute in der Österr. Nationalbibliothek in Wien.

  • Werke

    Poemata quaedam, Padua 1555;
    De imitatione ciceroniana dialogi tres, Paris 1561;
    Emblemata. Antwerpen 1566, Nachdr. mit Nachwort v. W. Harms u. U.-B. Kuechen, 2002;
    Antonius Bonfinius, Rerum Ungaricarum decades, hg. v. J. S., Basel 1568;
    Die Briefe des S. (Zsámboky) 1554-1584, hg. v. H. Gerstinger, 1968.

  • Literatur

    ADB 30;
    H. Gerstinger, J. S. als Hss.sammler, in: FS d. Nat.bibl. in Wien z. Feier d. 200j. Bestehens d. Gebäudes, 1920, S. 251-400;
    E. Bach, Un huraaniste hongrois en France, J. S. et ses relations littéraires (1551-1584), 1932;
    A. Vantuch, J. S., Život a dielo renesančného učenca, 1975;
    I. Téglásv, in: Régi és új peregrináció Magyarok külföldön, külföldick Magyarországon, hg. v. B. Keser, II, 1993, S. 645-54;
    G. Tüskés, Imitáció és adaptácio a késô humanista emblematicus költészetben, Zsámboky és Whitney, in: Janus Pannonius és a humanista irodalmi hagvománi, hg. v. L. Jankovits u. G. Kecskemeti, 1998, S. 97-124, engl. Übers. in: Emblematica 11, 2001, S. 261-92;
    A. Visser, Namedropping and Networking, Dedications as a Social Instrument in the Emblems of J. S., in: Polyvalenz u. Multifunktionalität d. Emblematik, hg. v. W. Harms u. ü. Peil, I, 2002, S. 355-68;
    ders., J. S. (1531-1584) and the Learned Image, Forms and Functions of a Humanist Emblem Book, Diss. Leiden 2003;
    Killy;
    L. Péter (Hg.), Uj Magyar Irodalmi Lex., 1994;
    LGB2.

  • Portraits

    Holzschnitt, 1565, in: Emblemata 1566 (s. W), A 1v;
    Holzschnitt, vor 1587, in: Nicolaus Reusner, Icones sive imagines virorum literis illustrium, Straßburg 1587, Nachdr. 1973, a IIIv.

  • Autor/in

    Wolfgang Harms
  • Empfohlene Zitierweise

    Harms, Wolfgang, "Sambucus, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 405-406 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118751069.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Sambucus: Johannes S., berühmter Polyhistor des 16. Jahrhunderts. Er wurde in Tyrnau in Oberungarn im J. 1531 geboren, besuchte verschiedene Universitäten in Deutschland, Frankreich und Italien und trieb auf diesen die verschiedenartigsten Studien: Medicin, Rechtsgelehrsamkeit, alte Sprachen, Geschichte, Philosophie, beschäftigten ihn gleichzeitig. Nachdem er 1555 in Padua die Würde eines Licentiaten der Medicin erworben und dann noch einige Jahre im Auslande, namentlich auch in Paris, sich aufgehalten hatte, kehrte er — vermuthlich bald nach 1560 — nach der Heimath zurück und ließ sich in Wien als Arzt nieder, wurde von Maximilian II. an den Hof gezogen und zum Kaiserlichen Rath und Hofhistoriographen erhoben. In dieser Stellung verblieb er auch unter Rudolph II., dem er besonders nahe gestanden zu haben scheint. Sein bedeutendes Vermögen verwendete er vornehmlich zur Sammlung einer großen Bibliothek, für welche er u. A. zahlreiche Handschriften bis dahin unbekannter griechischer und römischer Schriftsteller erwarb. Auch Münzen und andere Kunstsachen sammelte er eifrig. — Seine schriftstellerische Thätigkeit war eine überaus große ("Scripta, ejus propemodum infinita“ Blount); dieselbe erstreckte sich nur zum kleineren Theile auf Medicin; zahlreicher sind seine geschichtlichen Arbeiten, von denen die Fortsetzung der „Historia Hungariae“ des Bonfinius besonders zu nennen ist; einen weitbekannten Namen erwarb er sich namentlich durch die Ausgaben alter Autoren, welche er aus den Schätzen seiner Bibliothek theils selbst herstellte, theils durch Andere herstellen ließ. Die meisten dieser Ausgaben haben allerdings, da es S. an kritischer Beanlagung und Sorgfalt im einzelnen, auch wol an ausreichenden Kenntnissen fehlte (s. hierüber u. A. Autolyci de Sphaera lib. ed. Hoche 1877, praef.), jetzt nur noch einigen Werth als editiones primae, beweisen aber doch die unermüdliche Schaffenslust und das vielseitige Interesse des Mannes. Zu nennen sind hier die Notae ad Lucianum 1561, die Ausgabe der Ars poetica des Horaz 1564, des Petronius 1565, des Plautus 1566, des Aristaenetus epist. erot. 1566, des Diogenes Laertius 1566, des Eunapius vitae philosophorum 1568, des Nonnus Dionysiaca 1569, u. A. m. Von seinen sonstigen Schriften verdienen nur die 4 Dialoge „De imitatione Ciceronis“ 1561 Erwähnung; seine Gedichte, Briefe u. s. w. sind vergessen. — S. starb infolge eines Schlagflusses in Wien am 13. Juni 1584, noch nicht 53 Jahre alt.

    • Literatur

      Th. Pope-Blount, Censura celebriorum autorum 1694, S. 782—84. — Nic. Reusneri icones 1590, S. 394—99, wo auch ein Bildniß von S. sich findet. —
      G. Ghilini, Teatro d'huomini letterati. o. J. I, S. 166—169. —
      Czwittingeri specimen Hungariae litteratae. — A. Teissier, Les Eloges des Hommes Savants. I, p. 309—312. —
      Schriftenverzeichniß bei J. J. Boifsard, icones. — Vgl. auch Jöcher IV, S. 90.

  • Autor/in

    R. Hoche.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoche, Richard, "Sambucus, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 30 (1890), S. 307-308 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118751069.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA