Wüst, Fritz
- Lebensdaten
- 1860 – 1938
- Geburtsort
- Berg bei Stuttgart
- Sterbeort
- Düsseldorf
- Beruf/Funktion
- Eisenhüttenkundler ; Professor an der TH Aachen ; Wissenschaftsmanager ; Direktor des KWI für Eisenforschung ; Ingenieur
- Konfession
- keine Angabe
- Normdaten
- GND: 117376213 | OGND | VIAF: 74628175
- Namensvarianten
-
- Wüst, Wilhelm Friedrich
- Wüst, Fritz
- Wüst, Wilhelm Friedrich
- Wüst, Friedrich
- Wuest, Friedrich
- Wüst, F.
- Wüst, Fritz, Eisenhüttenkundler
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Wüst, Wilhelm (Friedrich) Fritz
| Eisenhüttenkundler, Hochschullehrer, * 8.7.1860 Berg bei Stuttgart, † 20.3.1938 Düsseldorf, ⚰ Düsseldorf, Nordfriedhof. (evangelisch)
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Genealogie
V →Gottfried Wilhelm Friedrich (1820–1900, ⚭ 1] 1845 Johanne Louise Vohle, 1821–45), Schreinermeister in B., S d. Michael Burkhard (kath.), Schreinermeister, u. d. Johanna Steinbacher (ev.);
M Christina Katharina (1821–1880), T d. →Johann Martin Schroth (1780–1838), Schuhmacher in Calw, u. d. Christine Friederike Herzog;
ledig. -
Biographie
Nach dem Besuch der zehnklassigen Realanstalt in Stuttgart studierte W. 1879–82 Chemie an der TH Stuttgart. Nach kurzer Tätigkeit bei der Zentralanstalt für Gewerbe und Handel in Stuttgart setzte er 1883 sein Studium an der Univ. Freiburg (Br.) fort, wo er im Juli 1885 mit der Arbeit „Über einige neue Fettsäuren höheren Kohlenstoffgehalts“ bei →Adolf Claus (1838–1900) zum Dr. phil. promoviert wurde. 1885–91 leitete er das neugegründete chemische Laboratorium für Analysen und Materialprüfung des Kgl. Württ. Hüttenwerks in Wasseralfingen. Anschließend lehrte er als Assistent und Lehrer für analytische Chemie an der Maschinenbau- und Hüttenschule in Duisburg, wo er →Wilhelm Borchers (1856–1925) kennenlernte, der 1897 als Professor für Metallhüttenkunde und Elektrometallurgie an die TH Aachen wechselte. W. ging 1898 – für ein Jahr beurlaubt – als Goldprospektor für eine niederl. Bankengruppe nach Sumatra und war nach seiner Rückkehr – für ein weiteres halbes Jahr beurlaubt – als Zivilingenieur im Eisengießereiwesen tä|tig. 1899 an Malaria erkrankt, trat er zum Sommersemester 1900 seinen Dienst in Duisburg wieder an.
Seit Jan. 1901 vertrat W. den erkrankten →Friedrich Dürre (1834–1905) als Professor für Eisenhüttenkunde an der TH Aachen und wurde im Okt. 1901 dessen Nachfolger. Zwischen 1901 und 1917 war er mehrfach Senator und Abteilungsvorsteher. 1903–06 arbeitete er mit Borchers eine Studienreform aus, die den hüttenkundlichen Unterricht an der TH Aachen an die sich wandelnden Bedürfnisse der Praxis anpaßte und vom preuß. Handelsministerium zum Vorbild für die hüttenmännische Ausbildung an den anderen Hochschulen und Bergakademien erklärt wurde. W. gelang unter Einbindung des Vereins Dt. Eisenhüttenleute und einiger in der rhein.westfäl. Industrie tätigen Alumni den 1,5 Mio. Mark teuren Neubau des Eisenhüttenkundlichen Instituts durch die Organisation von privaten und staatlichen Gelder durchzusetzen: Das 1910 eröffnete Institut wurde weltweit führend durch die Einführung eigener hüttenkundlicher Laborübungen und der Aufstockung des dafür notwendigen Personals.
Dem preuß. Kultusministerium gegenüber verwies W. auf die Bedeutung der hüttenkundlichen Ausbildung für den Erfolg der dt. Eisen- und Stahlindustrie und nutzte zugleich die Kultusbürokratie, um seine Unabhängigkeit gegenüber der Industrie zu wahren. Durch seine enge freundschaftliche Verbindung mit →Paul Reusch (1868–1956) erhielt W. immer wieder interne Informationen aus dem Vorstand des Vereins Dt. Eisenhüttenleute und erfuhr so u. a. frühzeitig von den Plänen zur Gründung des KWI für Eisenforschung, für dessen Vorsitz sich W. rechtzeitig beim Kultusministerium ins Spiel brachte. 1917 initiierte W. die Gründung der „Freunde und Förderer der TH Aachen“ und wurde zum Gründungsdirektor des KWI für Eisenforschung bestellt; dessen Einrichtung verzögerte sich u. a. aufgrund des Kriegsendes und W.s vorübergehender Verhaftung durch belg. Militärbehörden bis 1919. Anfangs war das neue Institut in den Räumlichkeiten des Eisenhüttenkundlichen Instituts der TH Aachen angesiedelt, wo W. 1919–21 weiter als Honorarprofessor lehrte. Ende 1920 siedelte das KWI nach Düsseldorf in ebenfalls provisorische Räume über, da sich der Neubau u. a. wegen der zunehmenden Inflation verzögerte. Nach einer heftigen Auseinandersetzung um die finanzielle Ausstattung, die Unabhängigkeit bei der Wahl der Forschungsgegenstände und den Einfluß des Vereins Dt. Eisenhüttenleute mit dem Kuratorium des Instituts schied W. 1922, offiziell aus gesundheitlichen Gründen, vorzeitig aus dem Dienst aus. 1925–33 lehrte er erneut als Honorarprofessor an der TH Aachen.
Neben seinem Wirken als Wissenschaftsmanager forcierte W. die Experimentalisierung und Theoriebildung der Eisenhüttenkunde, u. a. des Thomas- und Hochofenprozesses, und trieb so deren Verwissenschaftlichung und Emanzipation von der Chemie und Bergbaukunde voran. Zu W.s Schülern zählen u. a. der Professor für Eisenhüttenkunde an der TH Breslau und Aachen →Paul Oberhoffer (1882–1927), der Mitbegründer der Sauerstoff-Metallurgie →Robert Durrer (1890–1978), Krupp-Direktoriumsmitglied →Paul Goerens (1882–1945) und der Verbandsfunktionär →Otto Petersen (1874–1953).
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Auszeichnungen
|Roter Adlerorden IV. Kl. (1904);
Geh. Reg.rat (1908);
preuß. Kronenorden III. Kl. (1909);
Kommandeurkreuz d. luxemburg. Ordens d. Eichenkrone (1910);
Dr.-Ing. E. h. (TH Stuttgart 1910);
Dr. mont. h. c. (Montanist. Hochschule Leoben 1911);
Carl-Lueg-Denkmünze d. Ver. Dt. Eisenhüttenleute (1922);
Ehrenbürger (1924) u. Ehrensenator (1930) d. TH Aachen;
W.-H. d. Zs. Stahl u. Eisen z. 65. Geb.tag (1925);
Benennung „Wüstit“ (1927);
korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. z. Göttingen (1929);
Ehrenmitgl. d. Ver. Dt. Eisenhüttenleute (1930), d. brit. Iron and Steel Inst. (1931) u. d. Iron and Steel Inst. of Japan;
F.-W.-Str., Düsseldorf. -
Werke
|Legier- u. Lötkunst, 1895;
Hdb. d. Metallgießerei, 1897;
Eisen- u. Metallhüttenkde., 1900 (mit W. Borchers);
Experimentelle Unters. d. Thomasprozesses, in: Metallurgie 5, 1908, S. 431–62 u. 471–89 (mit L. Laval);
Die Entwicklung d. dt. Eisenind. in d. letzten J., ebd. 6, 1909, S. 265–95;
Über d. Entwicklung d. Zustandsdiagramms d. Eisen-Kohlenstofflegierungen, in: Zs. f. Elektrochemie 15, 1909, S. 565–84;
Die Temperatur-Wärmeinhaltskurven d. techn. wichtigen Metalle, in: Stahl u. Eisen 38, 1918, S. 777–80 (mit A. Meuthen u. R. Durrer);
Eine neue Theorie d. Hochofenverfahrens, ebd. 48, 1928, S. 1273–87;
Ueber d. Einfluss v. Oxydationsvorgängen auf d. Hochofenprozess, in: Mitt. aus d. KWI f. Eisenforsch. 8, 1926, S. 117–25. -
Literatur
|P. Gast (Hg.), Die TH zu Aachen 1870–1920, e. Gedenkschr., [1921];
P. Goerens, F. Körber u. O. Petersen, in: Stahl u. Eisen 58, 1938, S. 449 f. (P);
M. Klinkenberg (Hg.), in: Rhein.-Westfäl. TH Aachen 1870/1970, 1970;
K. Ricking, Der Geist bewegt d. Materie, Mens agitat molem, 125 J. Gesch. d. RWTH Aachen, 1995;
St. Krebs, Technikwiss. als soz. Praxis, Über Macht u. Autonomie d. Aachener Eisenhüttenkde. 1870–1914, 2009 (P);
S. Flachowsky, Von d. Wagenburg d. Autarkie z. transnat. Zus. arb., Der Ver. Dt. Eisenhüttenleute u. d. KWI/MPI f. Eisenforsch. 1917–2009, in: H. Maier, A. Zilt u. M. Rasch (Hg.), 150 J. Stahlinst. VDEh, 1860–2010, 2010, S. 671–708 (P);
Wi. 1935;
Württ. Biogr. I;
Pogg. VI;
– Qu Archiv d. RWTH Aachen u. d. MPG;
Geh. StA Preuß. Kulturbes. Berlin;
Wirtsch.archiv Baden-Württ.;
Rhein.-Westfäl. Wirtsch.archiv. -
Porträts
|Ölgem. v. A. Sohn-Rethel, 1920 (Inst. f. Eisenhüttenkde. d. RWTH Aachen);
Büste (ebd.). -
Autor/in
Stefan Krebs, Werner Tschacher -
Zitierweise
Krebs, Stefan; Tschacher, Werner, "Wüst, Wilhelm (Friedrich) Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 526-528 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117376213.html#ndbcontent