Lebensdaten
1886 bis 1962
Geburtsort
Bochum
Sterbeort
Dortmund
Beruf/Funktion
Eisenhüttenmann ; Forschungsorganisator
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1081158301 | OGND | VIAF: 306169678
Namensvarianten
  • Schulz, Ernst Hermann
  • Schulz, E. H.
  • Schulz, E. Hermann

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Zitierweise

Schulz, Ernst Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1081158301.html [30.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst Heinrich (1853–1906), Bautechniker;
    M Elise Karoline Niemeier (1863–1917);
    1915 Charlotte Petzold (1895–1954);
    1 S, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Abitur 1905 an der Oberrealschule in Bochum folgte eine einjährige praktische Tätigkeit bei der Bochumer „Gesellschaft für Stahlindustrie“, der sich 1906-10 zunächst ein Studium der Mathematik und dann der Hüttenkunde in Karlsruhe und Berlin anschloß (1910 Diplom, 1913 Promotion b. Walther Mathesius „Über die Volumen- und Formänderungen des Stahls beim Härten“). Seit 1910 war S. Assistent in der metallographischen Abteilung des Materialprüfungsamts in Berlin-Lichterfelde, 1911 trat er in das Militärversuchsamt Berlin ein und legte hier 1913 die zweite Hauptprüfung zum Militär-Baumeister ab. 1914 vorübergehend Leiter des Laboratoriums und der Vergüterei des Siegen-Solinger-Gußstahl-Aktien-Vereins, kehrte S. im Okt. 1914 in die mechanisch-technische Abteilung des Militärversuchsamts zurück, wo er u. a. für kriegswichtige Legierungsmetalle zuständig war und zudem als Mitglied der militärischen Sachverständigen-Kommission zur Prüfung von Patentveröffentlichungen (1915) und der fachwissenschaftlichen Zensurberatungsstelle wirkte.

    Auf Vermittlung des Direktors des KWI für Eisenforschung, Fritz Wüst (1860–1938), wurde S. 1919 Leiter der metallurgischen Abteilung der Versuchsanstalt Dortmund der „Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-AG“. Nach zwei Jahren wurde ihm die Gesamtleitung der Versuchsanstalt mit über 170 Mitarbeitern übertragen. Seit 1922 veröffentlichte er die unternehmenseigenen Forschungsergebnisse in den „Mitteilungen aus der Versuchsanstalt der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-AG, Abteilung Dortmunder Union“. Seine eigenen Forschungsgebiete waren Sonderstähle für Stahlbau und Chemische Industrie, Dauerfestigkeit des Stahls, Stahlverfeinerung, feuerfestes Material für den Hüttenbetrieb, Werkstoffkunde, Metallkunde, Materialprüfung. Neben eigenen Veröffentlichungen zur Stahl- und Werkstoffkunde förderte er die|Verwissenschaftlichung der Eisenhüttenkunde u. a. durch eine 1927 mit Paul Goerens (1882–1945) veranstaltete Werkstofftagung und -schau in Berlin. Seit Gründung des Deutschen Normenausschusses 1917 war S. Mitarbeiter in verschiedenen Fachausschüssen. Besondere Verdienste erwarb er sich durch Untersuchungen zur Schweißbarkeit von Hochbaustählen. Zusammen mit Goerens etablierte er 1919 einen Werkstoffausschuß beim „Verein Deutscher Eisenhüttenleute“ (VDEh), den er selbst 1934-45 leitete. 1936-45 gehörte er dem Vorstand des VDEh an. Vermutlich als erster dt. Industrieforscher habilitierte sich S. 1925 an der TH Braunschweig für Metallkunde (1929 ao. Prof., 1940 apl. Prof., 1946 entlassen, 1949 Neuerteilung, 1950/51 Lehrauftrag f. Sonderstahlkunde), blieb aber weiterhin Leiter der Dortmunder Versuchsanstalt. Bei der Gründung der „Vereinigte Stahlwerke AG“, in die die „Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-AG“ ihren Besitz einbrachte, wurde S. 1926 mit der Organisation des konzerneigenen zentralen Forschungsinstituts in Dortmund beauftragt. Dieses wurde 1935 zusammen mit der Düsseldorfer Forschungsabteilung unter Karl Daeves (1893–1963) und der Patentabteilung unter dem Namen „Kohle- und Eisenforschung GmbH“ als erste dt. unternehmenseigene Forschungseinrichtung rechtlich selbständig.

    S. setzte sich für eine von der jeweiligen Firmenleitung unabhängige Industrieforschung ein und arbeitete in der Zwischenkriegszeit in internationalen technisch-wissenschaftlichen Organisationen (Internat. Normenausschuß, Internat. Verband f. d. Materialprüfungen d. Technik, Internat. Verband f. Hoch- u. Brückenbau, Internat. Schienenausschuß). Im 2. Weltkrieg gehörte er zahlreichen Fachausschüssen des Rüstungsministeriums an. Nach dem Krieg kam mit der Liquidation der „Kohle- und Eisenforschung GmbH“ und der „Vereinigte Stahlwerke AG“ das Ende seiner beruflichen Karriere; S. übernahm aber zahlreiche freiberufliche und ehrenamtliche Aufgaben, u. a. die Leitung des Geschichtsausschusses des VDEh (1954–62). Er war seit 1953 geschäftsführendes Vorstandsmitglied der „Fördergesellschaft Stahlmuseum Dortmund“ (erst 2005 als „Hoesch-Museum“ gegründet) und der „Gesellschaft für Technik und Wirtschaft e. V“, 1954/55 amtierte er als Präsident des wiedergegründeten „Deutschen Verbands für Materialprüfung“.

  • Auszeichnungen

    Goldene Garl-Lueg-Denkmünze d. VDEh (1954);
    Goldener Ehrenring d. Dt. Mus., München (1956);
    Ehrenzeichen d. VDI (1958);
    Ehrensenator d. TH Braunschweig (1960);
    BVK 1. Kl. (1956);
    Gr. BVK (1960).

  • Werke

    Metalle, Techn. Kriegserfahrungen f. d. Friedenswirtsch., in: VDI (Hg.), Volkswirtschaftl. Unterss. d. ehem. Mitgll. d. Wiss. Komm. d. Preuß. Kriegsministeriums, 1, 1923, S. 22-54;
    Erforsch, u. Prüfung d. feuerfesten Baustoffe f. d. Hüttenind. in Dtld., 1924;
    Über d. Einfluß d. Alterns u. Anlassens auf d. Festigkeitseigenschaften v. gezogenen Stahldrähten, 1927 (mit W. Püngel);
    Die Organisation d. Qualitäts-Wirtsch. in d. „Vereinigte Stahlwerke AG“, in: Mitt. aus d. Forschungs-Inst. d. Vereinigte Stahlwerke AG, Sonderh. 1, 1931 (mit K. Daeves);
    Aufgaben d. Eisenhüttenmannes auf d. Gebiet d. Werkstofforsch. im Kriege, 1940;
    Triebkräfte in d. Entwicklung d. Stahles, in: Stahl u. Eisen 69, 1949, S. 655-64;
    Werkstoffe, in: RWTH Aachen (Hg.), Hüttenwesen (Metallurgie), Notwendige Schritte dt. Technik, 1952, S. 67-76 (mit W. Eilender u. H. Schottky).

  • Literatur

    Stahl u. Eisen 74, 1954, S. 1638 f.;
    ebd. 82, 1962, S. 1333 f. (P);
    Zs. f. Metallkde. 47, 1956, S. 129 (P);
    R. Kühnel, in: Bauing. 31, 1956, S. 116 (P);
    VDI Nachrr. 12, 1958, Nr. 13, S. 3;
    VDI- Zs. 100, 1958, S. 1131 (P);
    F. Pudor, Lb. aus d. rhein.-westfäl. Ind.gebiet, 1962–67, 1977, S. 142-44;
    Btrr. z. Gesch. d. Carolo-Wilhelmina 9, 1991, S. 246 f.;
    M. Rasch, Industrieforsch. im „Dritten Reich“, Die Kohle- u. Eisenforsch. GmbH d. Vereinigte Stahlwerke AG 1934-1947, in: O. Dascher u. C. Kleinschmidt (Hg.), Die Eisen- u. Stahlind. im Dortmunder Raum, 1992, S. 375-400;
    Biogrr. Dortmunder, II, 1998;
    Pogg. VI-VIII.

  • Autor/in

    Manfred Rasch
  • Empfohlene Zitierweise

    Rasch, Manfred, "Schulz, Ernst Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 712-713 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1081158301.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA