Lebensdaten
1743 oder 1744 bis 1812
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Bankier ; Hoffaktor
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 11879132X | OGND | VIAF: 22937597
Namensvarianten
  • Rothschild, Maier Amschel
  • Rothschild, Mayer Amschel
  • Rothschild, Meyer Amschel
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Objekt/Werk(nachweise)

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Orte

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Zitierweise

Rothschild, Meyer Amschel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11879132X.html [09.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Amschel Moses ( 1755), S d. Moses Kalman(n) ( 1735);
    M Schönche Lechnich ( 1756);
    B Kaiman;
    1770 Gutle (Gudula) (1753–1849), T d. Wolf Salomon Schnapper, Hoffaktor d. Fürsten v. Sachsen-Meiningen;
    5 S Amschel Mayer (1773–1855, österr. Adel 1816, Frhr. 1822), Bankier in F., preuß. GKR, bayer. Konsul u. Hofbankier (s. 2), Salomon Mayer (1774–1855, österr. Adel 1816, Frhr. 1822), Bankier in Wien (s. 3), Nathan Mayer (1777–1836, engl. Adel 1818), Bankier, k. k. Konsul in London (s. 4), Carl (Calman) Mayer (1788–1855, österr. Adel 1816), Bankier in Neapel (s. 5), James (Jakob) Mayer (1792–1868), Bankier, k. k. Gen.konsul in Paris (s. 6), 5 T Jeanette (1771–1859), Isabella (1781–1861), Babette (1784–1869), Julie (1789–1815), Henrietta (1791–1866);
    E Charlotte Beyfus (1811–87, Abraham Frhr. v. Oppenheim, 1804–78, Bankier, s. NDB 19).

  • Leben

    R. wurde im Haus zur Hinterpfann in der Frankfurter Judengasse geboren. Auf väterliche Weisung besuchte er nach der Elementarschule in der Ortssynagoge zunächst die Hochschule für Talmudstudien (Jeschiwa) in Fürth, vermutlich jedoch nicht zur Vorbereitung auf den Rabbinerberuf, sondern lediglich zur Erweiterung seiner Religions- und Hebräischkenntnisse. Nach dem frühen Tod der Eltern absolvierte er eine Banklehre in Hannover, wahrscheinlich im Bankhaus Oppenheim. Dort lernte er den numismatisch interessierten hann. General Emmerich O. A. v. Estorff kennen, über den R., 1763 nach Frankfurt zurückgekehrt, zunächst als Münzhändler Zugang zu Prz. Wilhelm von Hessen-Hanau erhielt (seit 1785 Lgf., seit 1803 Kf. v. Hessen), der ihm 1769 den Titel „Hess.-Hanau. Hoffaktor“ verlieh. Neben dem ausgedehnten, bis Ende der 1780er Jahre seine Haupteinnahmequelle bildenden Münz- und Antiquitätenhandel betätigte sich R. auch zunehmend erfolgreich im Wechsel- und Staatsanleihegeschäft, vermittelt durch den Vermögensverwalter des hess.-hanau. Landgrafen, Karl Friedrich Buderus. 1785 erwarb R. das Haus zum Grünen Schild in der Frankfurter Judengasse, das seine Frau Gutle bis zu ihrem Tod bewohnte.

    Wesentlich für den wirtschaftlichen Aufstieg R.s, der erst seit 1789 an den Wechseldiskontgeschäften und seit 1796 an den Anleihegeschäften des hess.-hanau. Landgrafen beteiligt war, wurden die Heereslieferungen an die ksl. Armee seit 1792, die ihm 1801 die|Ernennung zum Ksl. Hoffaktor einbrachten. Bis 1806 gelang es R. mit Unterstützung von Buderus (seit 1809 stiller Teilhaber bei R.), am kfl. Hof in Kassel eine monopolartige Stellung für die umfangreichen Anleihegeschäfte des Kurfürsten v. a. mit Dänemark zu erringen; 1806 eröffnete er mit einem kfl. Schutzbrief in Kassel die erste Niederlassung seines Bankhauses, die jedoch nur ein Jahr bestand. Während der franz. Besatzungszeit seit 1806 verwaltete R. das Vermögen des im Exil lebenden hess. Kurfürsten, legte dessen Gelder über seinen Sohn Nathan in engl. Staatspapieren an und bewahrte einige Kisten mit Akten für den Kurfürsten auf, was zur Legende von der Rettung des gesamten kfl. Schatzes führte. Trotz starker Konkurrenz durch die Bankhäuser Rüppel & Harnier und Bethmann war R., weiter gefördert durch Buderus, der Hauptbankier des außerordentlich reichen Kf. Wilhelm und zog die Zinsen für das vom Kurfürsten verliehene Geld ein.

    Während der franz. Kontinentalsperre ergaben sich für R., der bereits seit 1795 mit engl. Waren, v. a. Tuchen handelte, ertragreiche Geschäftsmöglichkeiten durch den Schmuggel mit engl. Kolonialwaren, an dessen Organisation er mit seinen Söhnen führend beteiligt war. Sanktionen der Franzosen gegen das Haus R. konnten meist durch den R. wohlwollend gesonnenen und auch geschäftlich verbundenen Fürstprimas Carl Theodor v. Dalberg, 1810-13 Regent des Ghzgt. Frankfurt, abgewendet werden. Als Dalberg 1811 den Frankfurter Juden das bislang verwehrte (1816 wieder zurückgenommene) Bürgerrecht verlieh, war R. sowohl an den Gleichstellungsverhandlungen wie auch an der Aufbringung der Ablösesumme von 440 000 fl. beteiligt. Kurz vor seinem Tod wurde er in das Wahlkollegium des Ghzgt. Frankfurt berufen.

    1810 schloß R. mit seinen Söhnen einen Gesellschaftsvertrag, der sie alle zu Teilhabern des nun als „Mayer Amschel Rothschild & Söhne“ bezeichneten Bankhauses machte. Diese Regelung betraf nur die Söhne: die Töchter und Schwiegersöhne waren von jeder Teilhabe ausgeschlossen. So gab es bis 1960 keinen Teilhaber der R.-Bank, der nicht in direkter Linie von R. abstammte. Mit der geschäftsstrategisch geschickten Plazierung seiner Söhne an den wichtigen Finanzzentren und der testamentarisch geforderten engen familiären Bindung legte R., der selbst noch vom traditionellen Hofjudentum geprägt war, den Grundstock zur Entwicklung des Hauses Rothschild zum führenden europ.europäisch Bankhaus. Während von R. keine zeitgenössische bildliche Überlieferung existiert, entging sein Grabstein der Zerstörung in der NS-Zeit; er steht heute im Ehrenhain des alten Frankfurter Judenfriedhofs. – Hoffaktor d. Fürsten Thurn und Taxis u. d. Johanniterordens; hess. Oberhofagent (1803).

  • Literatur

    C. W. Berghoeffer, M. A. R., d. Gründer d. Rothschildschen Bankhauses, 21923;
    K. Zielenziger, Juden in d. dt. Wirtsch., 1930, S. 31-51;
    F. Morton, The Rothschilds, A Family Portrait, 1961, aktualisiert v. M. Freund, 1992;
    M. Pohl. Vom Hoffaktor z. Staatsfinanzier, Der Aufstieg d. Rothschilds, in: Die Rothschilds. Eine europ, Fam., hg. v. G. Heuberger, 1994, S. 51-69, A. Elon, Der erste R., Biogr. e. Frankfurter Juden, 1998.

  • Autor/in

    Manfred Pohl
  • Empfohlene Zitierweise

    Pohl, Manfred, "Rothschild, Meyer Amschel" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 131-133 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11879132X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA