Lebensdaten
erwähnt 1031, gestorben 1051
Sterbeort
Paderborn
Beruf/Funktion
Bischof von Paderborn
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 136857388 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rudolf
  • Rotho von Paderborn

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Zitierweise

Rotho, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd136857388.html [20.11.2017].

CC0

  • Leben

    Die Herkunft R.s, der nach lokaler spätmittelalterlicher Tradition dem Geschlecht der Edelherren von Büren entstammte, liegt im Dunkeln. Seine auffällige ital. Abstammung (Lampert von Hersfeld: „Italus genere“) ist nicht näher zu klären. Auch R.s angebliche Verwandtschaft mit dem sal. Herrscherhaus (Leidinger) kann sich nur auf Indizien stützen.

    Um vieles klarer läßt sich R.s Werdegang nachzeichnen: Im lothring. Reformkloster Stablo stieg er als Schüler von Abt Poppo (978–1048) bis zum Propst auf, ehe er 1031 von Poppo (wohl in Absprache mit Konrad II.) als Abt nach Hersfeld gerufen wurde, wo er in ksl. Auftrag („imperatoris decreto“) neue, an lothring. Vorbildern orientierte Consuetudines einführte. Konrad II. erhob ihn 1036 auch zum Bischof von Paderborn, dessen Sitz seit dem Tod Meinwerks (5.6. 1036) vakant war. R.s Vorgänger in Hersfeld, Bardo, seit 1031 Erzbischof von Mainz, weihte R. spätestens Anfang Aug. 1036 in Mainz in Gegenwart Konrads II. und Bf. Brunos von Würzburg. Schon bald darauf scheint R. dem Kaiser auf dessem 2. Italienzug (1037/38) nach Süden gefolgt zu sein, wo er im April 1038 in dem von Johannes Gualbertus gegründeten Reformkloster Vallombrosa eine erste Altarweihe vorgenommen haben soll. Der hohe Stellenwert Paderborns für das spätotton.-frühsal. Königtum fand unter R. seinen markantesten Ausdruck in den Pfingstfeiern des Hofes am Sitz R.s 1043 und 1051. Weitere Königsaufenthalte in Paderborn sind sehr wahrscheinlich, wie auch R. seinerseits mehrfach den Hof aufgesucht hat, u. a. in Fritzlar im Juli 1040, wo durch seine Mitwirkung der Streit zwischen Ebf. Bardo von Mainz und der Äbtissin Hildegard von Kaufungen beigelegt wurde, und in Mainz im Okt. 1049 anläßlich der großen, unter Leitung von Ks. Heinrich III. und Papst Leo IX. (1002–54) abgehaltenen Reformsynode. Für die Königsnähe R.s spricht auch, daß er bald nach dem Regierungsantritt Heinrichs III. im Sept. 1039 die Bestätigung der Rechte und Besitzungen seines Bistums erwirken konnte.

    Ungeachtet seines Werdegangs hat R. kein Kloster gestiftet oder bemerkenswerte Reformaktivitäten an den Tag gelegt. Auch den unter seinen Vorgängern planvoll vorangetriebenen Ausbau des Paderborner Hochstifts konnte er nicht fortsetzen. In den Konflikten mit der Reichsabtei Corvey wußte er die bfl. Interessen zu wahren, als er im Auftrag Heinrichs III. („legatus regis“) 1046 den neuen, zuvor in dessen Gegenwart gewählten Abt Ruthard in Corvey weihte. Die Stiftungen seines Vorgängers, das Kloster Abdinghof und das Busdorfstift, förderte er, auch wenn die ksl. Bestätigungen für beide Einrichtungen, soweit erkennbar, ohne seine Mitwirkung zustande gekommen sind. Der aus Westfalen stammende spätere Bf. Altmann von Passau (1013/20-91) scheint während der Amtszeit R.s als Scholaster an der Paderborner Domschule tätig gewesen zu sein.

    In Paderborn ist die Erinnerung an R. vom Bild eines frommen, weitabgewandten und im Ruf der Heiligkeit gestorbenen Bischofs geprägt, das vermutlich auf Lampert v. Hersfeld zurückgeht („in Dei servicio vigilantissimus et primus“). Wohl zutreffender ist es, in R. den letzten Paderborner Vertreter jenes Typs eines otton.-sal. Reichsbischofs zu sehen, für den Königsdienst und Königsnähe|im Vordergrund standen. Um 1435 wurde ihm im Zuge der lokalen Verehrung, die wohl schon im 13. Jh. eingesetzt hatte, eine neue Grabstätte im Hochchor des Paderborner Doms errichtet.

  • Quellen

    Qu Lampert v. Hersfeld, Annales a. 1031, 1035, 1052, ed. O. Holder-Egger, MGH SS rer. Germ., 1894, S. 54, 63; ders., De institutione Hersveldensis ecclesiae a. 1031, ebd., S. 350; Annales Hildesheimenses a. 1031, 1036, ed. G. Waitz, MGH SS rer. Germ., 1878, S. 36, 40; Vita Popponis c. 19, XI, 1854, S. 305; Regesta Historiae Westfaliae I, ed. H. A. Erhard, 1847, Nachdr. 1972, S. 175-82.

  • Literatur

    F. Schröder, Die Gesch. d. Paderborner Bischöfe v. R. bis Heinrich v. Werl, in: Westfäl. Zs. 74/II, 1916, S. 171-85;
    S. Boesch Gajano, Storia e tradizione vallombrosane, in: Bullettino dell'Istituto Storico Italiano 76, 1964, S. 168 f.;
    P. Johanek, Die Frühzeit d. Siegelurkk. im Bistum Würzburg, 1969, S. 18-22;
    P. Leidinger, Die Herkunft Bf. R.s v. Paderborn, in: Westfalen 48, 1970, S. 2-13;
    H.-P. Wehlt, Reichsabtei u. Kg., 1970, S. 180, 344, 375;
    H. Bannasch. Das Bistum Paderborn unter d. Bischöfen Rethar u. Meinwerk, 1972, S. 210 f.;
    H. H. Kaminsky. Studien z. Reichsabtei Corvey in d. Salierzeit, 1972, S. 64-67;
    H. J. Brandt u. K. Hengst, Die Bischöfe u. Erzbischöfe v. Paderborn, 1984, S. 80-84 (fehlerhaft, P);
    H. Zielinski, Der Reichsepiskopat in spätotton. u. sal. Zeit, 1984;
    D. Schäfer, Studien zu Poppo v. Stablo u. d. Klosterreformen im 11. Jh., Diss. München 1991, S. 87-90;
    H. Hoffmann, Mönchskg. u., rex idiota', 1993, S. 39 f., 43;
    Th. Vogtherr, Die Reichsabteien d. Benediktiner u. d. Kgt. im hohen MA, 2000, S. 251 f.;
    BBKL.

  • Portraits

    Grabmal mit Liegefigur, um 1435, gestiftet v. Wilhelm v. Büren-Büsigheim u. Irmgard zur Lippe (Paderborn, Dom, seit 1924 an d. Ostwand d. nördl. Querhauses), Abb. b. H. J. Brandt, K. Hengst (s. L).

  • Autor

    Herbert Zielinski
  • Empfohlene Zitierweise

    Zielinski, Herbert, "Rotho" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 128-129 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd136857388.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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