Lebensdaten
1887 bis 1934
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
SA-Führer
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118745700 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Röhm, Ernst
  • Röhm, Ernst Julius

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Zitierweise

Röhm, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118745700.html [15.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Guido Julius Josef (1847–1926), Eisenbahnoberinsp. in M., S d. Friedrich Wilhelm Bernhard (1824–97), aus Rudolstadt (Thür.), Gutsförster in Langenzenn (Mittelfranken), dann in Neuendettelsau, u. d. Meta Johanna Weigel (1827–1900);
    M Sofia Emilie Baltheiser (* 1857);
    Ur-Gvv Christian Erdmann, Reg.advokat in Rudolstadt;
    Ov Siegmund, bayer. Offz.;
    Schw Meta Eleonore Sofie ( Adolf Lippert, Hofrat, Forstrat); – ledig.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Max-Gymnasiums in München trat R., der die Offizierslaufbahn anstrebte, 1906 als Fahnenjunker in Ingolstadt in das 10. Bayer. Infanterie-Rgt. ein (1908 Lt.). Im 1. Weltkrieg an der Westfront (1917 Hptm., seit Frühjahr 1918 im Gen.stab d. 12. Bayer. Infantrie-Rgt.), wurde er mehrmals (u. a. im Gesicht) schwer verwundet. Nach dem Krieg kämpfte der überzeugte Monarchist im Freikorps Epp gegen die Münchner Räterepublik, im Juli 1919 wurde er in die Reichswehr übernommen. Damals lernte er Adolf Hitler kennen, dem er sich anschloß und den er seither förderte, indem er ihm Zugang zu Militärs und Politikern verschaffte, 1921 für ihn die Sturmabteilung (SA) als parteieigenen Ordnungsdienst aufbaute und als Verbindungsmann zwischen Reichswehr und NSDAP fungierte. R. war als Stabsoffizier in der 7. (bayer.) Reichswehrdivision für die Erfassung von Waffen der demobilisierten Truppenteile verantwortlich. Entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrags legte er geheime Waffendepots an, aus denen die bayer. Einwohnerwehren und andere paramilitärische Organisationen versorgt wurden. 1923 förderte R., der im September seinen Dienst bei der Reichswehr quittierte, den Zusammenschluß der wichtigsten bayer. Wehrverbände einschließlich der SA zur „Arbeitsgemeinschaft vaterländischer Verbände“ bzw. zum „Dt. Kampfbund“. Wegen seiner Beteiligung am Hitlerputsch im Nov. 1923 (Besetzung d. Wehrkreiskommandos mit seinem Wehrverband „Reichskriegsflagge“) wurde er zu 15 Monaten Festungshaft verurteilt. Nach fünf Monaten Untersuchungshaft am 1.4.1924 auf Bewährung entlassen, widmete sich R. wieder dem Aufbau der SA, aber auch der NSDAP, die er (als Nat.soz. Freiheitspartei) 1924 und 1933/34 im Reichstag vertrat. Als Dachorganisation der völkischen Wehrverbände gründete er den „Frontbann“, den er formell Hitler unterstellen, aber doch selbst führen wollte. Als Hitler dem nicht zustimmte, trat R. am 1.5.1925 zurück. Ohne geregelte Beschäftigung und in eine Reihe von homosexuellen Affären verstrickt, nahm er 1928 das Angebot an, die bolivian. Armee zu reorganisieren. Die SA entwickelte sich inzwischen zu einem Sammelbecken ehemaliger Frontkämpfer und sozial Gestrandeter, die mit Hitlers Legalitätskurs unzufrieden waren. Hitler beauftragte daher R., in der SA Ruhe und Disziplin herzustellen, und ernannte ihn am 5.1.1931 zum „Obersten Stabschef“ der SA. R. erwies sich als hervorragender Organisator, der die SA nach seinem Ideal eines politischen Soldatentums zu einer Partei-Armee von fast 500 000 Mann und einem Hort einer „permanenten Revolution“ aufbaute. Sie spielte bei Hitlers Aufstieg zur Macht 1930-33 eine bedeutende Rolle, indem sie die Straße eroberte und die politischen Gegner einschüchterte. Nach der „Machtergreifung“ erwartete die SA als Lohn hierfür einen größeren politischen Einfluß; die Ernennung R.s, der von einem Duumvirat mit Hitler träumte, im März 1933 zum bayer. Staatskommissar und Staatssekretär und im Dezember zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich wurde als nicht ausreichend betrachtet. Die Disziplinierung der enttäuschten SA drohte endgültig zu scheitern, zumal R. offen zur Fortsetzung der nationalsozialistischen bzw. zu einer „Zweiten“ Revolution und zur Schaffung einer Volksmiliz aufrief. Am 30.6.1934 wurde R. während eines Erholungsaufenthalts in Bad Wiessee auf Befehl Hitlers wegen angeblichen Hochverrats und sittlicher Verfehlungen verhaftet, in das Gefängnis Stadelheim nach München gebracht und mit anderen SA-Führern unter dem Vorwand des Reichsnotstands erschossen, nachdem er sich geweigert hatte, Selbstmord zu begehen. Ca. 2000 SA-Führer wurden disziplinarisch bestraft, insgesamt wurden 87 Personen ermordet (u. a. Gregor Straßer, Kurt v. Schleicher u. seine Frau, Edgar Jung, Herbert v. Bose, Erich Klausner, Ferdinand v. Bredow, Gustav v. Kahr, Fritz Gerlich). Der Reichstag sanktionierte die Morde durch das Rechtfertigungsgesetz vom 3.7.1934. Hinter dem Gerücht eines bevorstehenden Putsches stand v. a. die SS (Reinhard Heydrich u. Heinrich Himmler), die die Gelegenheit ergriff, die SA aus ihrer führenden Rolle zu verdrängen, außerdem innerparteiliche Gegner R.s (v. a. Hermann Göring), die dessen Machtstreben und Lebenswandel kritisierten. Auch die Reichswehr (Werner v. Blomberg, Walther v. Reichenau), die nach R.s Vorstellungen mit der SA zu einer Volksmiliz verschmolzen werden sollte, und das durch die Ausschreitungen der SA verschreckte Bürgertum förderten bzw. billigten die „Vereitelung“ des „Röhm-Putsches“. Außerdem war dies für Hitler eine Gelegenheit, sich eines innerparteilichen Rivalen und einer zu mächtig gewordenen SA sowie anderer unliebsamer Gegner zu entledigen und sein Ideal des „Führer-Staates“ zu verwirklichen.

  • Werke

    Die Gesch. e. Hochverräters, 1928, 31933 (Nachdr. 1983).

  • Literatur

    O. Strasser, Die dt. Bartholomäusnacht, 1935, 71938;
    H. Mau, Die „zweite Rev.“, der 30. Juni 1934, in: VfZ 2, 1953;
    H. Bennecke, Hitler u. d. SA, 1962;
    A. Werner, SA u. NSDAP, Diss. Erlangen 1964;
    C. Bloch, Die SA u. d. Krise d. NS-Regimes |1934, 1970;
    M. Gallo, La nuit des longs couteaux, 30. juin 1934, 1970;
    G. Hirschfeld u. L. Kettenacker, Der Führerstaat, 1981;
    J. Mabire, R., L'homme qui inventa Hitler, 1983 (P, populärwiss.);
    H. Höhne, Mordsache Röhm, Hitlers Durchbruch zur Alleinherrschaft 1933-1934, 1984 (P);
    N. Frei, Ein Putsch, der keiner war, 30. Juni 1934 – die Wende zum Führerstaat, in: SZ v. 30.6.1984 (P);
    P. Longerich, Die braunen Bataillone, Gesch. d. SA, 1989 (P);
    Conan Fischer, in: Die braune Elite, hg. v. R. Smelser u. R. Zitelraann, 1989, S. 212-22 (P);
    J. Philippon, La nuit des longs couteaux, Histoire d'une intox, 1992;
    O. Gritschneder, „Der Führer hat Sie zum Tode verurteilt …“, Hitlers „Röhm-Putsch“-Morde vor Gericht, 1993;
    I. v. Fallois, Kalkül u. Illusion, Der Machtkampf zw. Reichswehr u. SA während d. Röhm-Krise 1934, 1994;
    A. Dornheim, R.s Mann fürs Ausland, Pol. u. Ermordung d. SA-Agenten Georg Bell, 1998;
    R. Wistrich, Wer war wer im Dritten Reich, 1983 (P);
    H. Weiß, Biogr. Lex. z. Weimarer Rep., hg. v. W. Benz u. H. Graml, 1988;
    Enz. d. NS, hg. v. W. Benz u. a., 1997.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Röhm, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 713-715 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118745700.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA