Lebensdaten
vor 1177 bis 1230 oder 1231
Sterbeort
Ursberg
Beruf/Funktion
Geschichtsschreiber ; Propst
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11851749X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Burchard
  • Burchard von Ursperg
  • Burchard von Ursberg
  • mehr

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Zitierweise

Burchard von Ursberg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11851749X.html [18.11.2018].

CC0

  • Leben

    B. empfing 1202 die Priesterweihe, trat 1205 als Novize, 1207 als Chorherr in dasPrämonstratenserstift Schussenried ein, zu dessen Propst er 1209 gewählt wurde. Seit 1215 stand er als Propst dem Stift Ursberg vor. Zwei Reisen führten ihn 1198 und 1210/11 nach Rom und wohl auch an die Bologneser Rechtsschule. - Etwa 1229 begann B. nach eigenen Erfahrungen, frühzeitigen Materialsammlungen, mündlichen Berichten und deutschen und italienischen Chroniken sowie nach ausführlich zitierten Aktenstücken ein Geschichtswerk zu schreiben. Es erzählt, als Fortsetzung der Chronik Frutolfs-Ekkehards gedacht, nach kurzem Überblick über die Geschichte der Salier in zunehmender Breite und Selbständigkeit im wesentlichen Reichsgeschichte bis Anfang 1230. Der Zusammenhang dieser Chronik mit der offiziösen Hofchronistik der ersten Staufer ist noch nicht völlig geklärt, doch müssen dem gut unterrichteten B. neben der Chronik Ottos von Sankt Blasien bedeutende Quellen zur Verfügung gestanden haben. In eindeutig prostaufischer Tendenz und mit leidenschaftlicher Anteilnahme an der Geschichte Heinrichs VI. und seiner Nachfolger bis Friedrich II. schreibt B. doch nicht ohne eigenes Urteil und Kritik, die sich scharf gegen päpstliche Anmaßungen, aber auch gegen die Rechtsunkenntnis der Deutschen wendet. So unterrichtet seine Chronik trotz manchen Fehlern und Mißverständnissen im einzelnen in freilich schwerfälligem Stil und in einer kompilatorisch wiederholenden Komposition vorzüglich über seine Zeit und kann als charakteristisch für die Verbreitung der staufischen politischen Gedanken gelten.

  • Werke

    W Die Chronik d. Propstes B. v. U., hrsg. v. O. Holder-Egger u. B. v. Simson, in: MG SS rer. Germ., 21916.

  • Literatur

    ADB III;
    W. Giesebrecht, Krit. Bemerkungen z. Ursperger Chronik, in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1881, S. 201-39;
    G. Gronau, Die Ursperger Chronik u. ihr Vf., Diss. Berlin 1890;
    Th. Lindner, Zum Chron. Urspergense, in: NA 16, 1891, S. 115-34;
    R. Holtzmann, Das Carmen de Frederico I. imp. aus Bergamo u. d. Anfänge einer stauf. Hofhistoriogr., ebenda, 44, 1922, S. 252-313, bes. 296 ff.;
    E. Ottmar, Das Carmen de Friderico I. imp. aus Bergamo u. seine Beziehungen z. Otto-Rahewins Gesta Friderici, Gunthers Ligurinus u. B.s v. U. Chronik, ebenda, 46, 1926, S. 430-89, bes. 473 ff.;
    F. Güterbock, Üb. Otto v. St. Blasien, B. v. U. u. eine unbek. Welfenqu. mit Ausblick auf d. Chiavennafrage, in: Krit. Btrr. z. Gesch. d. MA (Holtzmann-Festschr.), = Eherings Hist. Stud. 238, 1933, S. 191-209;
    Dict. Hist. Géogr. X, 1938, Sp. 1227 f. (L).

  • Autor/in

    Joachim Leuschner
  • Empfohlene Zitierweise

    Leuschner, Joachim, "Burchard von Ursberg" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 30 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11851749X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Burchard, Propst von Ursperg, Geschichtschreiber, 1226. Er war gebürtig aus Biberach, sei es nun das oberschwäbische, oder das andere im bairischen Schwaben, sicher ein Schwabe. Als junger Mann und Laie ist er 1198 oder 1199 in Rom gewesen, bald darauf aber in den geistlichen Stand eingetreten,|und 1202 in Constanz vom Bischof Diethelm zum Priester geweiht. Im Jahr 1205 trat er in das Prämonstratenserkloster Schussenried ein, wo er 1209 zum Propst erwählt wurde; 1211 erwirkte er in Rom von Innocenz III. ein Privilegium für sein Kloster, welches jedoch nicht recht gedeihen wollte. Deshalb folgte er 1215 einer Berufung als Propst des zwischen Ulm und Augsburg gelegenen Stiftes Ursperg, wo er 1226 gestorben ist. B. scheint schon frühzeitig Liebe zur Geschichte empfunden und Aufzeichnungen gemacht zu haben; in Schussenried machte er sich an die Ausarbeitung einer großen Weltchronik, für welche ihm die, im nahen Kloster Zwifalten verwahrte, Chronik Ekkehards eine vortreffliche Grundlage darbot. Die Folgezeit suchte er aus verschiedenen Werken zu ergänzen, und wir danken ihm namentlich umfassende Auszüge aus dem jetzt verlorenen Werke des Johannes von Cremona, eines Zeitgenossen Friedrichs I. Von Heinrichs VI. Zeit an hat B. selbständig die Geschichte seiner eigenen Zeit beschrieben, und mancherlei Verbindungen setzten ihn in den Stand, viel zu erfahren. Er ist gut staufisch gesinnt, und die auf Deutschlands Schwächung und Zersplitterung gerichtete Politik der päpstlichen Curie erfährt von ihm harten Tadel. Obgleich er sich der höheren Aufgabe eines Historikers, im Gegensatz zum Annalisten, wohl bewußt ist, so entspricht sein Werk doch nur sehr unvollkommen den Anforderungen, welche man zu machen berechtigt ist. Wahrscheinlich wurde er in der Vollendung desselben gestört durch einen Brand seines Klosters 1225, dem 1226 sein Tod folgte. Erst sein Nachfolger Konrad von Lichtenau (1226—1240) soll seine Aufzeichnungen geordnet haben; dann fügte er eine Fortsetzung hinzu, die in gleichem Geiste geschrieben ist, aber leider nur bis 1229 reicht.

    • Literatur

      Erste Ausgabe von Konrad Peutinger 1515; neue von Weiland Mon. Germ. SS. XXIII, 333—390. Vgl. O. Abel, Die Ursperger Chronik, im Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichte XI, 76—115. Wattenbach, Geschichtsquellen (3. Ausg. 1874) II. 313.

  • Autor/in

    Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Burchard von Ursberg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 566-567 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11851749X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA