Lebensdaten
1664 bis 1736
Geburtsort
Worms
Beruf/Funktion
Rabbiner ; jüdischer Theologe ; Bibliophile
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 138991979 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oppenheimer, David ben Abraham
  • Oppenheimer, David
  • Oppenheimer, David ben Abraham
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Zitierweise

Oppenheimer, David, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138991979.html [17.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Abraham zur Kanne, in W., S d. Simeon Wolf (s. Gen. 1);
    M N. N.;
    Ov Samuel (s. 1), bestimmte O. zu seinem Testamentsvollstrecker;
    1) 1681 Gnendel ( 1712), T d. Hoffaktors Elieser Behrens gen. Leffmann (1634–1714, s. NDB II, L), 2) Schifra, T d. Rabbiners Benjamin Wolf Spira ( 1715);
    S Josef David ( 1739, Tolze, T d. Samson Wertheimer, 1658–1724. aus W., Hoffaktor in Wien. Rabbiner in Holleschau. s. ADB 44, L) T Sara ( 1713, Chaim Jona Theomim-Fränkel, Rabbiner in P.), schrieb eigenhändig e. Estherrolle (s. L); Verwandter Joseph Süß (s. 3).

  • Leben

    Zu O.s Lehrern zählten Gerson Aschkenasi und Benjamin Wolf Epstein von Metz. Schon mit 17 Jahren führte er gelehrte Briefwechsel. 1689 wurde er als Rabbiner nach Nikolsburg (Mikulov) und damit zum Landesrabbiner von Mähren berufen, wo er das berühmte Bet Midrasch (Lehrhaus) leitete und auch nach seinem Wegzug durch eine Stiftung unterstützte. Er war weithin anerkannter Fachmann in jüd.-rechtlichen Fragen und gesuchter Ratgeber vieler Gemeinden, für die er zum Teil Gemeindestatuten ausarbeitete. Die aschkenasische Gemeinde von Jerusalem ernannte ihn zum „Rabbiner der Heiligen Stadt“ und Samson Wertheimer setzte ihn als „Nasi Erez Israel“ – als Fürsten des Landes Israel – zum Verwalter der Spendengelder der europ. Juden für diese Gemeinde ein. O. zeichnete sich nicht nur durch umfangreiches halachisches Wissen aus, er verfaßte auch wissenschaftliche Werke in Mathematik und Geographie.

    Nach 12 Jahren in Nikolsburg berief man ihn auf die ehrenvolle Stelle des Rabbiners von Prag. Zum Andenken an seine Frau Gnendel stiftete er der dortigen Altneuschul einen kostbaren Toravorhang. Seit 1713 teilte sich O. das Landesrabbinat von Böhmen mit Benjamin Wolf Spira. 1715, nach dem Tod seines Schwiegervaters, war O. alleiniger Landesrabbiner, dezentralisierte aber das Landesrabbinat, indem er es in 12 Landkreise mit je eigener Verwaltung aufteilte. Aufgrund seiner Stellung wurde er unwillkürlich in die Streitigkeiten einander rivalisierender jüd. Gruppen hineingezogen; eine Auseinandersetzung 1722 mit Jonathan Eybenschütz ( 1764) – es ging um das nach O.s Meinung zu strenge Vorgehen gegen die Sabbatianer – eskalierte vor allem durch die Jeschiwaschüler der beiden Rabbiner. Daraufhin verbannte Kaiser Karl VI. die aufständischen Jeschiwastudenten aus Prag und gab O. die alleinige Autorität über die dortigen Rabbinatsstudien.

    O. hatte durch seine Familie und auch durch seine Ehefrauen ein gewaltiges Vermögen ererbt und begründete damit eine kostbare Bibliothek von etwa 7000 Bänden, davon 1000 Manuskripten. Ihren Grundstock bildete eine Schenkung Prinz Eugens an O.s Onkel Samuel. Aus Zensurgründen zunächst in Hannover bei seinem Schwiegervater Leffmann Behrens untergebracht, kam sie nach seinem Tod in den Besitz seines Sohnes, dann seines Neffen Isak Seligman Cohen. Kataloge erschienen 1782 von Israel Bresslau in Hamburg und 1826 von Isaac Metz mit dem Titel „Kohelet David“ in Hamburg-Altona, mit einer lat. Übersetzung von Lazarus Emden. Obwohl ihr Wert auf 150 000 Taler geschätzt wurde, verkauften sie O.s Nachfahren 1829 in einer Notlage für 9000 Taler an die Bodleiana der Univ. Oxford, wo sie, von Moritz Steinschneider katalogisiert, den Kern der Hebr. Abteilung bildet. Als großer Mäzen unterstützte O. den Druck und die Verbreitung gelehrter Werke. Seine eigenen zahlreichen Manuskripte liegen – bis auf einige Responsen und Gebete – unveröffentlicht vor allem in der Bodleiana; seine Responsen sind in den Sammlungen der Rabbiner Jair Chaim Bacharach, Ezekiel Katzenellenbogen, Jakob ben Joseph Reicher-Backofen und Elieser Lipschütz aufgenommen. O. führte ein Siegel mit dem Sternbild der Zwillinge und seinem Namen in hebr. Buchstaben.

  • Werke

    u. a. Nischal David (Responsen), 1705;
    Gebete:
    Selicha, 1713;
    Tefila, 1713.

  • Literatur

    ADB 24;
    David Kaufmann, Samson Wertheimer, d. Oberhoffactor u. Landesrabbiner (1658–1724) u. seine Kinder, 1888;
    ders., Urkundliches aus d. Leben Samson Wertheimers, 1892;
    ders., R. Chajim Jona Theomim-Fränkel. In: Mschr. z. Gesch. u. Wiss. d. Judenthums 42, 1898 (Nachdr. 1975), S. 322-28;
    M. Grunwald, Handschriftliches aus d. Hamburger Stadtbibl., ebd. 40, 1896 (Nachdr. 1975), S. 425-28 (Briefe O.s u. seines Sohnes an Johann Christoph Wolf);
    ders., Samuel O. u. sein Kreis, 1913;
    L. Löwenstein, in: M. Brann u. F. Rosenthal (Hg.), Gedenkbuch z. Erinnerung an David Kaufmann, 1900, S. 538-59;
    J. Taglicht. Nachlässe d. Wiener Juden im 17. u. 18. Jh., Ein Btr. z. Finanz-, Wirtschafts-, u. Fam.gesch. d. 17. u. 18. Jh., 1917;
    Ch. Duschinsky, in: Jewish Quarterly Review, N.S. 20, Nr. 3, 1929/30, S. 217-47;
    R. Kestenberg-Gladstein, Neuere Gesch. d. Juden in d. böhm. Ländern, 1. T.: Das Za. d. Aufklärung 1780-1830, 1969;
    B. Schedlitz, Leffmann Behrens, Unteres, z. Hofjudentum im Za. d. Absolutismus, 1984;
    Enc. Jud. 1971 (P);
    Jüd. Lex. IV/1, 1927 (Nachdr. 1987);
    LGB2.

  • Portraits

    Kupferstich v. A. Balzer (Toronto, Cecil Roth Collection), Abb. in: F. Reuter, WARMAISA, 1000 J. Juden in Worms, 1987, S. 137.

  • Autor/in

    Martha Keil
  • Empfohlene Zitierweise

    Keil, Martha, "Oppenheimer, David" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 570-571 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138991979.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Oppenheimer: David O., jüdischer Theologe und Bibliophile, geb. 1664 in Worms, am 12. September 1736 in Prag. O. war der Sohn eines reichen Mannes aus hochangesehener Familie. Als Jüngling gehörte er zu den Schülern des gelehrten Rabbiners Gerson Ulif in Metz, dessen litterarischer Nachlaß später unter seiner Mitwirkung veröffentlicht wurde. Seit 1686 versah er rabbinische Aemter und wurde (1690) als sechsundzwanzigjähriger Mann zum|mährischen Landesrabbiner erwählt. Im J. 1702 folgte er einem Rufe als Oberrabbiner nach Prag, welche Stellung durch die 1718 erfolgte durch ein kaiserliches Decret bestätigte Wahl zum Landesrabbiner von Böhmen noch erhöht wurde. O. besaß eine ausgebreitete Belesenheit in dem jüdisch-theologischen Schriftthume, er schrieb auch verschiedene Werke, Auslegungen zur Bibel, Commentarien zum Talmud, Rechtsgutachten und Collectaneen zur Ritualistik; aber seine Bedeutung liegt weder in seinem schriftstellerischen Schaffen, von dessen Productionen auch nur Weniges in die Oeffentlichkeit gelangt ist, noch in seinem rabbinischen Wirken, sondern in seiner Thätigkeil als Mäcen der jüdischen Litteratur und als Bibliophile. Fast alle die zahlreichen Werke, die das 18. Jahrhundert auf diesem Gebiete hervorgebracht hat, begleitete er mit empfehlenden Approbationen und unterstützte die Autoren mit namhaften Beiträgen zu den Druckkosten. Der große Reichthum, den er besaß und von welchem er den zehnten Theil (50 000 Thlr.) zu wohlthätigen Zwecken verwendete, diente ihm auch dazu, eine Bibliothek der hebräischen Litteratur anzulegen, die Alles, was an gedruckten und handschriftlichen Werken zu ihr gehörte, in sich fassen sollte. Er sendete zu diesem Zwecke viele Agenten aus, benutzte zu demselben die weitverzweigten Verbindungen, die das große Oppenheimer'sche Geschäftshaus in Wien im Auslande unterhielt, zahlte für Bücher, die er nicht besaß, die höchsten Preise und soll sogar Besitzer von Büchern, die ihm dieselben nicht verkaufen wollten, mit dem Banne bedroht haben. Da er die nach antichristlichen Stellen fahndende österreichische Censur fürchtete, ließ er die Bibliothek in Hannover im Hause seines Schwiegervaters, des Hoffactors Cohen, aufstellen. Nach Oppenheimer's Tode wurde bald an den Verkauf dieser über 7000 Druckwerke und 1000 Handschriften enthaltenden Bibliothek, deren Werth auf 60 000 Thlr. geschätzt wurde, gedacht, doch mußte sie, da die Kauflust vor solchen Summen zurückschreckte, bis zum Jahre 1826 in Kisten verpackt bleiben. Drei Jahre nachher wurde sie um den Preis von 9000 Thlrn. für die Bibliothek in Oxford erworben, wo sie sich noch jetzt befindet.

    • Literatur

      Wolf, bibliotheca hebraea I, p. 290, III, p. 178/9. — De Rossi, historisches Wörterbuch der jüd. Schriftsteller (deutsche Ueberf.) S. 252. —
      Hock in Gal-Ed, Grabsteininschriften des Prager Friedhofs S. 42. —
      Carmoly, revue Orientale III, p. 245. —
      Podiebrad, Alterthümer der Prager Josephstadt, 2. Aufl. S. 78. —
      Steinschneider in Serapeum 20 S. 321 ff. —
      Wiener in Frankel's Monatsschrift 1864, S. 170. —
      Landshut, Amude ha-Aboda p. 58. — Wurzbach, biogr. Lexikon 21. S. 75.

  • Autor/in

    Brüll.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brüll, Adolf, "Oppenheimer, David" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 399-400 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138991979.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA