Lebensdaten
unbekannt
Konfession
evangelisch,katholisch
Namensvarianten
  • Nostic, von
  • Nostiz, von
  • Nostitz, von
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Nostitz, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz72422.html [16.12.2018].

CC0

  • Leben

    Das Rittergeschlecht ist urkundlich in der Lausitz für das frühe 13. Jh. erschließbar.

    Nach 1285 ist ein Hertwig als Burghauptmann von Steinau/Oder mehrfach belegt, ohne daß eindeutig ist, ob der Name sich von der Ortschaft Nostitz (nördl. von Löbau) oder von der westslaw. Bezeichnung für das Krumm- oder Heroldshorn ableitet, mit dem das Familienwappen in Verbindung gebracht wird (Grabstein des Frisco, 1288 ? in der Kirche zu Kittlitz). Traditionell gilt ein 1267 erwähnter Sdislav, der in der Schlacht bei Liegnitz gegen die Mongolen gekämpft haben soll, als Stammvater.

    Seit dem 13. Jh. verzweigte sich die Adelsfamilie weitläufig auch nach Schlesien, vor allem jedoch nach Böhmen und Polen (u. a. die Häuser N.-Rieneck, N. und Jänckendorf, N.-Wallwitz, N.-Drzewiecki), wobei es wiederholt zu Ehen zwischen Nachkommen verschiedener Stämme und Linien kam. Neben der Mgfsch. Oberlausitz, wo die N. bis ins 20. Jh. in dichter Folge Hauptleute, Oberamtsmänner und Landesälteste stellten, nahmen sie insbesondere seit dem 17. Jh. hohe Positionen in Verwaltung und Armee von Böhmen, Österreich, Sachsen und Preußen ein, woraus für mehrere Zweige Erhebungen in den Freiherren- bzw. Grafenstand folgten. Während des 19. Jh. entstanden auch Zweige in Rußland, den USA und in Bayern. Eine Verwandtschaft mit den poln. Linien mit eigenem Wappen (Grafen N.-Jackowski, Grafen N.-Thorkarski und N.-Bonkowski) ist nicht nachgewiesen.

    Spätestens seit dem 15. Jh. sind die drei oberlausitz. Stämme Rothenburg, Unwürde und Ullersdorf sowie der bereits damals als verwandt anerkannte schles. Stamm genealogisch faßbar. Die N. gehörten zu den sieben alten Geschlechtern der Oberlausitz und schlossen sich noch in der ersten Hälfte des 16. Jh. wohl vollständig der Reformation an. Rudolf II. belehnte alle Namensträger 1577 gemeinsam „zur ganzen Hand“. Auf dem ersten Familientag in Görlitz im selben Jahr wurde der Geschlechtsverband als Rechtssubjekt konstituiert (Erbeinigung einschließlich der Linie N.-Drzewiecki; 1849 u. 1963 erneuert). Der Aufstieg eines Zweiges zu einer der reichsten und einflußreichsten Familien des böhm. Hochadels erfolgte um 1600 durch juristisch geschulte Angehörige, die nach dem Übertritt zum Katholizismus am kaiserl. Hof Karriere machten und in Böhmen nach der Niederwerfung der Stände (Schlacht am Weißen Berg 1620) höchste Landesämter einnahmen, konfiszierte Güter ev. Adliger erwarben und daraus mehrere große Grundherrschaften bildeten.

    Der rothenburg. Stamm geht auf Kaspar ( um 1490, s. ADB 24), auf Tzschocha (Oberlausitz), zurück, der 1454-66 auf Seiten des Deutschen Ordens gegen Polen kämpfte und um 1467 Hauptmann von Görlitz, später auch von Bautzen war. Zu seinen Nachfahren in verschiedenen Linien gehörten der Jurist, fürstl. Rat zu Brieg und Vertreter Kaiser Maximilians auf dem Regensburger Reichstag, Abraham (1529–92), sein Sohn Hans (Johann) (1562–1616), Wohlauer Landeshauptmann mit engen Beziehungen zum rudolfin. Hof, und schließlich der aus der Lausitz stammende und zum Katholizismus konvertierte Otto (1574–1630, 1623 Frhr., s. 1). Seinen umfangreichen Besitz vererbte er seinem Neffen Johann Hartwig, dem er ebenso wie dessen Bruder Otto Hans auch den Zugang zu Hofämtern geöffnet hatte.

    Der Oberstkanzler von Böhmen, Johann Hartwig (1610–83, Frhr., 1673 Reichsgraf v. N.-Rieneck, s. 2) erwarb die fränk. Gfsch. Rieneck, die bis 1813 in Familienbesitz blieb, und erlangte den Reichsgrafenstand, der später auf weitere böhm. Familienzweige übertragen wurde. Auf ihn gehen das Prager Stadtpalais, die Falkenauer Familiengruft und die berühmte N.sche Gemäldesammlung zurück. Aus seiner zweiten Ehe mit Eleonora Maria Gfn. Lobkowitz ( 1681) entstand der Hauptast der Grafen N.-Rieneck auf Falkenau. Sein kunstsinniger Sohn Anton Johann (um 1650–1736, s. Wurzbach; Biogr. Lex. Böhmen) erwirkte 1685-90 als böhm. Gesandter in Schweden die Rückführung von im 30jährigen Krieg verschleppten Archivalien, war 1695-1708 Obersthoflehenrichter, 1706-08 Oberstlandmarschall, 1708-34 Obersthofmeister bzw. seit 1700 Burggraf von Eger. Antons Neffe Franz Wenzel (1697–1765), Kämmerer und Reichshofrat, vereinte den Besitz von Johann Hartwig wieder in einer Hand, arrondierte ihn, baute das Graslitzer Messingwerk aus und erweiterte die Prager Bildergalerie. Dessen jüngerer Sohn Friedrich Moritz (1728–96, s. Wurzbach) reüssierte in der Armee. Er wurde 1767 Feldmarschalleutnant, 1785 General der Kavallerie und war seit 1795 Feldmarschall und Präsident des Hofkriegsrates, zudem seit 1791 ebenso wie sein Bruder Ritter vom Goldenen Vließ. Unter dem älteren Bruder Franz Anton (1725–94, s. 3), Oberstburggraf, Mäzen und Förderer der tschech. Kultur, teilte sich die Familie in zwei Zweige auf.

    Die Tradition des Kunstmäzens führten Friedrich Johann Chrysogonus (1762–1819, s. Biogr. Lex. Böhmen), der u. a. die Gründung der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde in Prag betrieb und 1816 eine Sammlung von Volksliedern anregte, und dessen Sohn, der Geheimrat, Landtagsabgeordnete und Präsident des Kunstvereins Erwein (1806–72, s. Biogr. Lex. Böhmen) fort, der auch die Zuckerrübenindustrie auf den Familiengütern einführte. Ein bedeutender Kunstliebhaber, Politiker und Unternehmer war der Enkel Erwein Felix Maria (1863–1931, s. 4), während dessen Bruder Leopold Abraham Gf. N.-Rieneck (1865-1945, s. Biogr. Lex. Böhmen) nur als Abgeordneter des böhm. Landtags hervortrat. Friedrich Leopold (1893–1973, s. Ottův Slovník naučný, Nové doby = OSN ND), Majoratsbesitzer und Sohn von Erwein Felix, heiratete 1920 Sophie Fürstin Hohenberg (1901–90), eine Tochter des ermordeten habsburg. Thronfolgers Franz Ferdinand d'Este. In der ČSR Vizepräsident des Verbandes deutscher Großgrundbesitzer, wurde er nach 1945 enteignet und nach Österreich vertrieben.

    Zu den Enkeln Friedrich Johanns gehört aus einem anderen Zweig Robert (1856–1929, s. ÖBL), der 1881 den Jesuiten beitrat und als Pädagoge, Geschichtsphilosoph und Schriftsteller in Vorarlberg und Bayern wirkte. Sein Bruder, der kath. konservative Politiker Karl Erwein (1850–1911, s. ÖBL; Biogr. Lex. Böhmen), verheiratet mit Marie Gfn. N. (1853–1928), der Erbtochter der Linie Rokitnitz, vereinte wieder die Majorate der beiden im 17. Jh. gegründeten böhm. Linien. Diesen bereits durch die Bodenreform 1920 verkleinerten Besitz mußte sein Sohn Joseph Hartwig (1878–1946, s. OSN ND; Biogr. Lex. Böhmen), infolge von Spekulationsverlusten in der Zwischenkriegszeit zum größeren Teil verkaufen.

    Militärische Karrieren in habsburg. Diensten bestimmten den jüngeren Zweig der Familie N.-Rieneck auf Türmitz (1929 im Mannesstamm erloschen), der mit Franz Antons Sohn Johann Nepomuk (1768–1840, s. ADB; Wurzbach; Biogr. Lex. Böhmen), auf Plan, begann. Dieser nahm als Offizier an den Napoleon. Kriegen teil und wurde 1821 als Feldmarschalleutnant verabschiedet. Sein Sohn Albert Franz (1807–71, s. Wurzbach; ÖBL; Biogr. Lex. Böhmen) gehörte im Vormärz zu den Führern der ständischen Opposition im böhm. Landtag, war 1859 Mitglied des Reichsrats und 1861-70 mit Unterbrechungen Oberstlandmarschall sowie Präsident des Prager Konservatoriums. Den Rang eines Feldmarschalleutnants erlangten drei weitere nahe Verwandte, so 1859 der Bruder Hermann (1812-95, s. Wurzbach; ÖBL; Biogr. Lex. Böhmen), General der Kavallerie und 1864-66 Kommandant in Siebenbürgen, 1897 dessen Sohn Albert Karl (1843–1929, s. ÖBL, Biogr. Lex. Böhmen), seit 1899 Obersthofmeister sowie Trauzeuge des Thronfolgers Franz Ferdinand, und 1900 Hermanns Neffe Johann (Hans) Wilhelm (1847-1915, s. ÖBL), seit 1900 Obersthofmeister von Erzhzgn. Maria Annunziata, der Schwester des Thronfolgers.

    Im 17. Jh. gründete – ebenso wie sein Bruder Johann Hartwig – auch Otto Hans (1608–64, 1631 Frhr., s. Wurzbach) eine böhm. Linie. Nach einem Studium in Leipzig und Straßburg wurde er Appellationsrat in Prag, 1630 Vertreter auf dem Reichstag zu Regensburg, 1637 Kanzler des Oberamts Schlesien, 1642 Landeshauptmann von Breslau und 1651 Landeshauptmann von Schweidnitz und Jauer sowie schließlich Geheimrat. Nachdem er 1631 das böhm. Indignat erhalten hatte, kaufte er 1643 das Gut Rokitnitz im Adlergebirge, das in ein Fideikommiß eingebracht wurde, verkaufte sein lausitz. Erbgut und erwarb später u. a. Profen, Herzogswaldau und Lobris in Schlesien. Zudem gründete er eine wertvolle Kunst- und Büchersammlung. Sein Sohn Christoph Wenzel (1643–1712, 1675 Reichsgf. v. N.-Rieneck, s. Wurzbach) erhielt für diese Linie 1675 den böhm. und 1692 den Reichsgrafenstand in Verbindung mit Anrechten auf Rieneck (seitdem als Grafen N.-Rieneck auf Rokitnitz bezeichnet). Er war Landeshauptmann des schles. Fürstentums Wohlau, dann von Groß-Glogau bzw. von Schweidnitz-Jauer. Seit 1692 Geheimer Rat, war er kaiserl. Botschafter auf dem poln. Reichstag und wurde Kämmerer. Sein Zweitältester Sohn Johann Otto Wenzel (1674–1751), auf Lobris, war Geheimer Rat und Landeshauptmann von Breslau. Weitere Ämter in habsburg. Verwaltungdiensten nahmen aus dieser Linie Rokitnitz ein: Josef Wilhelm (1706–87), erst Appellationspräsident in Kärnten und 1750-57 in Böhmen, wo er an Verwaltungs- und Finanzreformen beteiligt war, 1757 Oberstlandrichter, dann Oberstlandkämmerer von Böhmen. Dessen Enkel Joseph (1764–1849) war Mitglied des Landtags und nach 1816 der vereinigten Einlösungs- und Tilgungsdeputation zur Abwicklung des österr. Staatsbankrotts von 1811. Letzter der Linie Rokitnitz war dessen Enkel, der Landtagsabgeordnete und Kämmerer Joseph (1821–90, s. Wurzbach), auf Plan, der das Fideikommiß Rokitnitz seinem Schwiegersohn Karl Erwin vermachte.

    Der ev. Teil des Stammes Rothenburg in der Oberlausitz entwickelte sich seit 1600 in verschiedenen Linien fort und brachte vor allem zahlreiche preuß. und sächs. Offiziere hervor. Friedrich Hartwig (1660–1737, 1716 Reichsgf.) stand in holländ., dän., franz., russ. und venetian. Diensten, zuletzt war er sächs. General der Infanterie. Christoph (1607–91) gründete auf seiner Herrschaft Tzschocha mit ev. Exulanten aus Böhmen und Schlesien um 1654 die Bergstadt Goldentraum und weitere Gemeinden. Das von Karl Heinrich (1613–84), anhaltin. Stallmeister, später sächs. Kammerherr und Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft, gegründete Majorat ging 1923 infolge der Inflation verloren. Mit dem preuß. Regierungsrat Wolf Hans (1876–1933) starb dieser Teil im Mannesstamm aus.

    Der auf einen Hertwig zurückgehende Stamm Unwürde, dessen Sohn Ulrich (um 1500–52), Doktor beider Rechte, Landeshauptmann der Oberlausitz und kaiserl. Rat, der im Schmalkald. Krieg 1546/47 auf Seiten des böhm. Königs und späteren Kaisers Ferdinand stand, der wichtigste Vertreter war, erlosch 1821 mit dem Tod von Johann Karl Adolf.

    Äußerst vielfältig entwickelte sich der oberlausitz. Stamm Ullersdorf, zu dessen Ahnen ein „Pater“ genannter Otto (erw. um 1480) zählt. Aus den Ästen der Linie v. N. und Jänkendorf, die seit Kaspar (1594–1633) bestand und die nach 1786 in der Regel ebenso wie andere ullersdorf. Linien auch den Zunamen Drzewiecki führte, ging der Politiker, Gelehrte und Dichter Gottlob Adolph Ernst (1765–1836, s. ADB 24; Brümmer; Ps. Arthur von Nordstern), auf Oppach, hervor. Seit 1809 sächs. Konferenzminister, u. a. zuständig für die Armenfürsorge, wurde er 1815 Direktor der Landeskommission und 1818 Geheimer Rat. Als Vorsitzender des Staatsrates zeichnete er die erste sächs. Verfassung gegen. Daneben verfaßte der Freimaurer und langjährige Präsident der Oberlausitz. Gesellschaft der Wissenschaften zahlreiche Novellen, Gedichte sowie wissenschaftliche und literarhistorische Werke. Zu seinen Kinder zählten die Dichterin Klotilde Septimia (1801–52), der sächs. Staatsminister, Senior des Hochstifts Meißen und Dompropst von Bautzen Eduard Gottlob (1791–1858), sowie der sächs. Bundesratsgesandte Julius Gottlob (1797–1870). Dessen Sohn Georg Gottlob (1829–96) trug als Oberfinanzrat zum Ausbau des sächs. Eisenbahnwesens bei.

    Einen russ. Zweig gründete Johann Karl Georg (1781–1838, wohl 1828 russ. Gf., s. ADB 24; Wurzbach)) aus dem Haus Jänkendorf, der als Adjutant des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen, seit 1809 in österr. Militärdiensten, wo er in Prag mit Unterstützung u. a. von Heinrich v. Kleist das Freikorps Franken aufstellte, und seit 1813 in der russ.-deutschen Legion gegen Napoleon kämpfte. Unter dem Namen Gregor Ivanovič avancierte er bei Feldzügen gegen die Türken 1828 und bei der Niederschlagung des poln. Aufstands 1831 zum Generalleutnant. Auch mehrere seiner Nachkommen (1849 russ. Gf., orth.) waren russ. Generäle.

    Andere Teillinien des ullersdorfschen Stammes stellten im 19. Jh. mit Oskar (1834–1914) einen Vizepräsident der preuß. Oberrechnungskammer sowie zahlreiche preuß. oder sächs. Offiziere, darunter der Kommandant der Festung Königstein Karl Friedrich Ernst (1767–1838) und sein Sohn Karl Konstantin (1798–1866). Dessen Bruder Hans Kaspar (1836–90) ging als Ingenieur nach New York, dessen Neffe Konstantin (1849–1910, 1896 bayer. Frhr.), preuß., später bad. Offizier, widmete sich bei Lindau/Bodensee modernen Formen der Landwirtschaft. Dessen jüngerer Sohn Arnold (1886–1983, s. L) war seit 1922 Professor für Bodenkunde an der TH München.

    Johann Wolfgang Gotthelf (1722–87) war vor 1750 Adjutant Kg. Friedrichs II. von Preußen, baute Ullersdorf zu einem modernen Mustergut (einschließlich Seidenraupenzucht) aus, wurde kursächs. Kammerherr und erhielt mit anderen des Ullersdorfschen Stammes das poln. Indignat, verbunden mit dem Beinamen Drzewiecki. Kursächs. und poln. kgl. Kammerherr war außerdem Christian Gottlob Adolph (1719–85), dessen Sohn Johann August Ernst (1751–1823) sächs. Justitiarrat und später Kanzler wurde. Weitere hohe Verwaltungs- und Ministerämter im Kgr. Sachsen kennzeichnen auch die 1834 durch Namen- und Wappenvereinigung von dessen Sohn Gustav (1789–1858), sächs. Generalleutnant und Kriegsminister, gegründete Linie N.-Wallwitz. Sein Sohn Hermann (1826–1906) war 1866-91 sächs. Staatsminister des Innern, zeitweise auch des Äußeren, 1874-76 Reichstagsabgeordneter und seit 1876 Vertreter im Bundesrat. Dessen Neffe Oswald (1830–85), sächs. Gesandter in Berlin und Bevollmächtigter am Bundesrat, war verheiratet mit Anna Wilkens v. Hohenau (1842–1923), die bekannte Lehrwerke zur Haushaltskunde verfaßte und auf dem Familiensitz Schweikershain eine Haushaltungsschule unterhielt. Aus dieser Ehe gingen hervor der sächs. Kreishauptmann zu Bautzen und Familienforscher Karl Neale (1863–1939), der letzte Landesälteste der Oberlausitz Benno (1865–1955) und Alfred (1870–1953), der 1916 sächs. Gesandter in Wien und Ende 1918 sächs. Staatsminister für Kultur und Unterricht war und sich 1904 mit der Schriftstellerin Helene v. Beneckendorff und Hindenburg (1878–1944, s. 5) vermählte. Ihr Sohn Oswalt (1908–97), Beamter im Auswärtigen Amt, bei Euratom und der Europ. Gemeinschaft, wurde als Schriftsteller und Übersetzer aus dem Französischen und Italienischen (Italo Calvino) bekannt. Aus einem zweiten Ast stammt Gustav Adolf v. N.-Wallwitz (1898–1945), Generalmajor und Kommandeur der 24. Panzerdivision im Zweiten Weltkrieg.

    Unklar bleibt die genealogische Abstammung jener Linie, aus der Kaspar (1500–88, s. ADB 52) aus dem schles. Lampersdorf hervorging, der als hzgl. preuß. Kammerrat eine Studie über Finanzpolitik vorlegte und 1566 den Oberburggrafen von Königsberg vertrat. Sein Sohn Friedrich (um 1545–1599) stieg nach dem Jura-Studium bis zum Präsidenten des preuß. Hofgerichts auf und publizierte lat. Werke und Gedichte.

    Der schles. Stamm, möglicherweise mit dem Stamm Ullersdorf identisch, soll auf Hans ( 1479), auf Lampersdorf bei Steinau (Schlesien), zurückgehen und soll sich Mitte des 16. Jh. unter den Brüdern Georg ( 1556) und Michael (erw. 1517) in zwei Linien aufgespalten haben. Aus dem Hauptstrang auf Damnitzsch stammte Georg Sigismund (1672–1751, 1711 Reichsgf.), poln. und kursächs. Geheimer Rat und Gesandter in London. Sein Urenkel August Ludwig Ferdinand (1777–1866, s. ADB 24; Wurzbach;; Kosch, Biogr. Staatshdb.) trat in preuß. Dienste und rettete als Adjudant Blüchers diesem 1815 in der Schlacht bei Ligny das Leben. Später General der Kavallerie, amtierte er nach 1833 als Kommandant von Berlin und 1850-59 als Gesandter in Hannover (Grab: Mausoleum im Schloßpark Zobten am Bober). Die militärische Tradition dieser gräfl. Linie reichte bis zu dem langjährigen Familiensenior Eberhard (1906–83), Brigadegeneral der Bundeswehr.

    Auf Michael, der 1517 das Gut Driebitz (Drzewic, bei Fraustadt, Polen) kaufte, geht die Linie Drzewiecki zurück, die 1768 die Anerkennung des poln. Adelsprädikats bestätigt erhielt. Im 19. Jh. wanderte Hans Jakob (1831–1911) in die USA aus, sein Bruder| Hans Florian (1837–1903) diente als sächs. Generalleutnant. Dessen Sohn Hans Gottfried (1863–1958) war während des 1. Weltkriegs sächs. Gesandter in Berlin, 1920-28 Präsident des sächs. Oberverwaltungsgerichts, Vorsitzender der Gesellschaft für soziale Reformen und Verfasser nationalökonomischer Werke. Der Enkel Hans Ernst Gottfried (1902–76, s. Lex. d. dt. Widerstands, 1994, hg. v. Benz/Pehle) gehörte als Mitarbeiter des Auswärtigen Amts zum Umfeld des Kreisauer Kreis und vertrat als Botschafter die Bundesrepublik Deutschland in Chile.

  • Quellen

    Qu StA Dresden, N.sches Geschlechterarchiv; Staatl. Bez.archiv Pilsen, Zweigstelle Luditz, Fam-archiv N. 1364-1945 (hierzu: K. Haubertová, Rodinný archiv falknovské větve Nostitz-Riencků (1240) 1364-1045 [Das Fam.archiv d. Falkenauer Linie d. N.-Rieneck] Inventář, Masch.schr. Žlutice 1973); StA Breslau, Gutsakten d. Fam. N. u. Wolkenstein in Lobris (1546–1930) (hierzu: StA Breslau, Wegweiser durch d. Bestände bis z. J. 1945, bearb. v. R. Zerelik u. A. Dereń, 1996, Nr. 669, S. 300 f.); – zu den Slgg.: Inventarium d. Freyherrl. N.schen Verlassenschaft, Bibl. d. Nat.mus. Prag; Rukopisy Majorátní knihovny hrabat z Nostitz a Rhienecka v Praze [Die Hss. d. Majoratsbibl. der Gf. v. N. u. Rieneck in Prag], hg. v. J. V. Šimák, 1910; Slg. Christoph Wenzel N.-Rieneck, Versteigerungskat. C. G. Boerner, Nr. 155, 1927; Music in the N. family, in: Prague salon at the Nostitz Palace, Ausst.kat., bearb. v. J. Ludvová, o. J. [1992]; L. Slavíček, Barocke Bilderlust, Holländ. u. fläm. Gem. d. Slg. N. aus d. Prager Nat.gal., bearb. v. R. Wex, 1994.

  • Literatur

    ADB 24;
    G. A. v. N. u. J. [Nostitz u. Jänckendorf], Btrr. z. Gesch. d. Geschl. v. N., Mit geneal. Tabellen u. Urkk., 2 T., 1874-76;
    Karl v. Nostitz-Wallwitz, Btrr. z. Gesch. d. Geschl. v. N. (T. 3), 1935;
    Btrr. z. Gesch. d. Geschl. v. N. (4. T.), 1977;
    J. F. Mayr, Introduction to the History of the N. Family, in: The N. Papers, 1956, S. 1-16;
    Arnold Frhr. v. Nostitz, Leitfaden durch d. Vergangenheit derer v. N., Typoskript, 1975;
    Oswalt v. Nostitz, Gesch. d. Fam. N., in: Wahlstatt 1241, Btrr. z. Mongolenschlacht b. Liegnitz u. zu ihren Nachwirkungen, hg. v. U. Schmilewski, 1991, S. 236-38;
    Wurzbach;
    ÖBL;
    Biogr. Lex. Böhm. Länder;
    Egerländer biogr. Lex.;
    Ottův Slovník naučný, 1888-1909;
    Ottův Slovník naučný, Nové doby, 1930-43;
    – Gotha. Geneal. Tb. d. Gräfl. Häuser 44, 1871, S. 573-82;
    ebd., Uradl. Häuser 3, 1903, S. 624-35;
    GHdA, Adelige Häuser, XIII, 1975, S. 351-68;
    ebd., Gräfl. Häuser, XI, 1983, S. 251-65;
    ebd., Frhrl. Häuser, XV, 1989, S. 391-93.

  • Autor/in

    Robert Luft
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Luft, Robert, "Nostitz, von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 350-354 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz72422.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA