Lebensdaten
1890 bis 1969
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Troisdorf
Beruf/Funktion
Theaterwissenschaftler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118734857 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Niessen, Carl

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Zitierweise

Niessen, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118734857.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Arnold (1846–1920) aus Arnoldsweiler (Rheinland), Rentier auf Schloß Ehreshoven b. K.,| S d. Wilhelm (1806–73), Bahnmstr. in K., u. d. Christina Schloemer (1805–75);
    M Gertrud (1854–1927), T d. Kaufm. Johann Anton Buchholz (* 1803) aus Oberscheidt (Kr. Köln) u. d. Veronica Selbach (* 1814);
    Ov Carl Anton (1830–1934), aus Arnoldweiler (Kr. Düren), brit. Konsul, begründete e. Slg. röm. Glases, jetzt im Röm.-German. Mus. Köln;
    Köln 1962 Johanna (* 1914), Schausp., T d. Josef Schmitz (1880–1947), Malermstr. in Düsseldorf, u. d. Elisabeth Rave (1885–1944); kinderlos.

  • Leben

    Nach Besuch des Realgymnasiums in Köln studierte N. Kunst-, Kultur- und Literaturgeschichte in Heidelberg, Bonn, München, Berlin und Rostock (bei Wolfgang Golther). 1913 wurde er dort zum Dr. phil. promoviert, 1919 erfolgte die Habilitation für deutsche Literatur und Theatergeschichte an der Univ. Köln, wo er bis 1929 als Privatdozent, bis 1938 als apl. Professor lehrte. Mit der Umwandlung des Fachs in eine selbständige, von der Literaturwissenschaft unabhängige Disziplin erhielt N. 1939 die Ernennung zum ao. Professor und leitete bis 1955 als Direktor das Institut für Theaterwissenschaft der Univ. Köln. Wenngleich nicht Mitglied der NSDAP und deshalb gelegentlich der „politischen Unzuverlässigkeit“ geziehen, war er von der Reichstheaterkammer als Dekan auf Lebenszeit einer dann allerdings nicht verwirklichten Theaterakademie vorgesehen. N., der nachdrücklich für eine praxisorientierte wissenschaftliche Ausbildung eintrat, zählt neben Max Herrmann (1865–1942) und Artur Kutscher (1878–1960) zu den Begründern der Theaterwissenschaft in Deutschland.

    An theaterwissenschaftlichen und -praktischen Aufgaben gleichermaßen interessiert, wirkte N. in verschiedenen kulturpolitischen Gremien und zeitweise in der Theaterpraxis selbst. Während des Studiums und in den ersten Jahren seiner Privatdozententätigkeit war er an Bühnen in Köln, Wuppertal, Beuthen, Koblenz, Siegburg und Antwerpen als Schauspieler und Regisseur engagiert. Regen Anteil nahm er nach dem 1. Weltkrieg an der Schaffung von staatlich geförderten Volksbildungseinrichtungen wie Wanderbühnen. So ist u. a. die Gründung der „Rheinischen Landesbühne“ 1920 mit Sitz in Düren wesentlich auf seine Initiative zurückzuführen. Mit Nachdruck setzte N. sich für die Erhaltung bzw. Wiederbelebung des rhein. Puppenspiels ein, insbesondere für die Rettung des Kölner „Hänneschen-Theaters“ (1925, mit K. Adenauer). Auf zahlreichen Auslandsreisen erwarb N. wesentliche Teile seiner Bibliothek und einer Sammlung von Bilddokumenten, Modellen, Masken, Porzellanen u. a. zur Geschichte des Theaters, die als eine der größten Privatsammlungen dieser Art gilt und internationalen Ruf besitzt. Vereinigt mit universitätseigenen Beständen wurde die Sammlung 1927 auf der „Deutschen Theaterausstellung“ in Magdeburg gezeigt, 1932 fand eine erste Ausstellung mit Zeugnissen zur Weltgeschichte des Theaters in eigenen Museumsräumen in Köln statt. Bis zu seiner Emeritierung führte N. zahlreiche weitere Theaterausstellungen durch. 1955 erwarb die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen die „Sammlung Niessen“, die heute einen Bestandteil des Theatermuseums der Univ. Köln in Porz-Wahn bildet. Den Erlös verwandte N. für eine Studienstiftung, die die Publikation wissenschaftlicher Arbeiten zu Theater, Film, Funk und Fernsehen unterstützt.

    In seinen theaterhistorischen und -theoretischen Publikationen befaßte sich N. anfänglich vor allem mit lokaler Geschichtsschreibung, mit der Geschichte des Theaters in Köln und im Rheinland. Deutlich nationalistische Töne klingen in Publikationen wie „Thingplätze als Spielplätze der Nation“ (1934), „Der Film, eine unabhängige deutsche Erfindung“ (1934) oder „Theater im Kriege“ (1940) an. Im Laufe der Zeit verbreiterte er die methodische Basis seiner Forschung durch Integration von vergleichender Völkerkunde, Religions- und Kulturwissenschaft mit dem Ziel, eine allgemeine Theorie des Mimus zu erstellen, wie sie sich in seinem unvollendeten Hauptwerk, dem „Handbuch der Theaterwissenschaft“, abzeichnete.|

  • Auszeichnungen

    BVK 1. Kl.

  • Werke

    Wertere W Schul- u. Bürgeraufführungen in Köln bis z. J. 1700, 1914;
    Dramat. Darst. in Köln v. 1526-1700, 1917;
    Stud. z. Gesch. d. Jesuitentheaters in Köln, 1919;
    Das rhein. Puppenspiel, 1928;
    Faust auf d. Bühne, Faust in d. bildenden Kunst, Ausst.kat. Braunschweig, 1929;
    Dt. Theater u. Immermanns Vermächtnis, 1940;
    Frau Magister Velten verteidigt d. Schaubühne, 1940;
    Die dt. Oper d. Gegenwart, 1944;
    Ernst Leopold Stahl, Shakespeare u. d. dt. Theater, 1947;
    Hdb. d. Theaterwiss., Bd. 1-3, 1949-58 (mehr nicht ersch.);
    Karl Valentin, Ausst.kat. München, 1958;
    Max Reinhardt u. seine Bühnenbildner, Ausst.kat. Köln, 1958;
    Brecht auf d. Bühne, Ausst.kat. Köln, 1959;
    Das Bühnenbild v. d. Renaissance bis z. Romantik u. d. Tode Beuthers, 1. T., 1963;
    Ist Köln e. „Theaterstadt“?, 1963;
    Das dt. Theater bürgert Shakespeare ein, 1964;
    Faust als Schmutz u. Schund, 1964;
    Kl. Schrr. z. Theaterwiss. u. Theatergesch., hg. v. G. Seehaus, 1971;
    Rezensionen, hg. v. J. Niessen, 1980. – Hg.: Die Schaubühne, Qu. u. Forsch, z. Theatergesch., 1928–29, 1932-65 (mit A. Kutscher).

  • Literatur

    Mimus u. Logos, FS f. C. N., 1952;
    C. N., Dem Nestor d. Theaterwiss. z. siebzigsten Geb.tag am 7. Dezember 1960, 1960 (P);
    Bibliogr. C. N., hg. v. G. Hansen, 1965.

  • Portraits

    Ölgem. v. M. Brunthaler, 1913, u. v. H. Seufert, o. J.;
    Kohlezeichnung v. P. O. Guszalewicz, o. J.;
    Linolschnitt v. H. A. Hussmann, 1930 (alle Köln, Theaterwiss. Slg.).

  • Autor/in

    Richard Weber
  • Empfohlene Zitierweise

    Weber, Richard, "Niessen, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 241-243 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118734857.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA