Lebensdaten
1867 bis 1932
Geburtsort
Warburg (Westfalen)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Maler ; Entwerfer
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118952986 | OGND | VIAF: 29916251
Namensvarianten
  • Niemeyer, Hans Gustav Adelbert
  • Niemeyer, Adelbert
  • Niemeyer, Hans Gustav Adelbert
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Zitierweise

Niemeyer, Adelbert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118952986.html [28.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Hans (s. Gen. 4);
    M Marie Natorp;
    Halb-B Theodor (s. 4) – München 1903 Wilhelmine, T d. Dr. W. Spemann, aus Karlsruhe; Verwandte Felix v. N. (s. 1), Max (s. 2), Hermann (s. 3).

  • Leben

    Die Herkunft aus einer sozial und kulturell engagierten Familie prägte N.s Lebensstil. 1883-88 studierte er an der Düsseldorfer Akademie als Schüler Eduard v. Gebhardts und Peter Jansens, die ihn mit den Farbvaleurs der Niederländer des 17. Jh. bekannt machten. Nachdem ihm die Münchener Akademie die Aufnahme verweigert hatte, ging er für kurze Zeit zu dem Maler Friedrich Fehr (1862–1927) nach Polling. In den folgenden Jahren hielt er sich in Belgien, den Niederlanden und Italien auf. 1891 wurde er Schüler an der Académie Julian in Paris. Von Carl Humann, dem Entdecker des Pergamon-Altars, als archäologischer Zeichner nach Anatolien mitgenommen, lernte er dort den Maler und Direktor der Sammlungen des Sultans Hamdy Bey kennen, mit dem er für einige Monate nach Istanbul reiste. 1892 kehrte er nach München zurück und wurde Mitbegründer der Münchener Sezession. Aufgrund seiner breiten musischen Begabung war N. bis 1900 auch als Schauspieler und Musiker tätig. Er war ein hervorragender Geiger, begründete das „Cococello-Quartett“ und schwankte lange zwischen einer Musikerkarriere und der Malerei. In seinen Zeichnungen, Karikaturen und Graphiken war N. in diesen Jahren vom Münchener Jugendstil beeinflußt, während seine Gemälde ihn als Spezialisten für Interieurs, als Landschafter und gemäßigten Impressionisten ausweisen.

    In der Folge galt sein Interesse immer stärker der angewandten Kunst, er wandelte sich zum Künstler-Entwerfer. 1902 war N. Mitbegründer der „Werkstätten für Wohnungseinrichtung, München“; mit seinen Entwürfen für Inneneinrichtungen gewann er zahlreiche Preise (u. a. Goldmedaillen auf d. Weltausstellungen in St. Louis, 1904, u. Brüssel, 1910, Werkbund-Ausst. Köln, 1914). Neben zahlreichen Ausstattungsaufträgen und der Beschäftigung mit dem Entwickeln von „Maschinenmöbeln“ kam es seit 1904/05 zur Zusammenarbeit mit der Nymphenburger Porzellanmanufaktur, für die N. u. a. das Tee-Service Nr. 811 entwarf. In den kommenden Jahren gestaltete er in der Hauptsache Porzellan, Keramik, Möbel für die Serienproduktion, Inneneinrichtungen und Fertighäuser. Obwohl er seit 1907 als Professor an der Münchener Kunstgewerbeschule und als einer der führenden Künstler des Deutschen Werkbundes die Entwicklung neuer, zeitgemäßer Formen an verantwortlicher Stelle mitgestalten konnte, war er von der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung nach 1925 abgestoßen und von der pädagogischen Arbeit enttäuscht. In seinen letzten Lebensjahren kehrte N. daher wieder zu seinen künstlerischen Ursprüngen als Maler zurück.|

  • Auszeichnungen

    Geh. Reg.rat (1928).

  • Werke

    W Inneneinrichtungen: Villa Paul, Villa Hedwig, Badenweiler, 1903/04; Red.gebäude Münchner Neueste Nachrr., München, 1906 (zerstört); Villa Henkel, Wiesbaden, 1907; Verkaufsräume Dt. Werkstätten, München, 1908 (zerstört); Rathaus-Apotheke, Hamburg, 1910; Villa Krawehl, Essen, 1910-12 (zerstört); Dampfer „Johann-Heinrich-Burckhard“ HAPAG, Hamburg, 1914 (zerstört); Hauptcafé Werkbundausst. Köln, 1914 (zerstört); Haus Molineus, Zittau, seit 1925;
    Besteckentwürfe: Ed. Wollenweber, München;
    Silberarbeiten: Gumperz & Hahn, München;
    Vasen: Keram. Werkstätten, Herrsching, alle 1912; Majolika-Manufaktur, Karlsruhe, 1917;
    Service: C. M. Hutschenreuther, Hohenberg; Reinhold Merkelbach, Höhr-Grenzhausen, beide 1910; Gebr. Bauscher, Weiden, 1911; Schwarzburger Werkstätten, Unterweißbach/Volkstedt; Lorenz Hutschenreuther, Selb; Fischer & Mieg, Pirkenhammer; Villeroy & Boch, Mettlach; Johann Havilland, Waldershof, alle 1911/12; Porzellanmanufaktur Meißen, 1918/19; Isolatorenfabrik, Freiberg, seit 1920; KPM, Berlin, 1927;
    Holzhäuser: DEWE, München, 1920–27.

  • Literatur

    G. J. Wolf, Das Vornehm-Schlichte, Arbeiten v. Prof. A. N., in: Innendekoration 34, 1923, S. 164 f.;
    Th. K., Erinnerungen an A. N., in: Münchner Neueste Nachrr. v. 13.8.1932;
    F. Schlagintweit, Ein verliebtes Leben, 1946, S. 239 ff., 257 f.;
    H. Wichmann, Aufbruch zum neuen Wohnen, Dt. Werkstätten u. WK-Verband 1898-1970, 1978;
    A. N., Die Arbeit am Gefäß, hg. v. Bayer. Handwerkstag, 1984 (P);
    R. B. Trabold, A. N. (1867-1932), Zur Entwicklung e. bürgerl. Künstlers aus d. Tradition d. Industrie, Diss. Bonn 1990 (W- u. L-Verz.);
    ThB;
    Vollmer.

  • Autor/in

    Rudolf B. Trabold
  • Empfohlene Zitierweise

    Trabold, Rudolf B., "Niemeyer, Adelbert" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 236 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118952986.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA