Lebensdaten
1900 bis 1991
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Baden-Baden
Beruf/Funktion
Finanzwissenschaftler
Konfession
jüdisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 118587390 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Neumark, Fritz
  • Neumark, F.
  • Neumark, Stefan
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Zitierweise

Neumark, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118587390.html [19.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jacob (1861–1931), Kaufm., kam aus Wittmund (Ostfriesland), nach H.;
    M Antonie Mengers (1870–1954);
    1924 Erica (1900–89), T d. Kaufm. Diedrich Sievers u. d. Wally Quast;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Hannover, Notreifeprüfung und Wehrdienst studierte N. in Jena, München, Hamburg und Berlin zunächst Germanistik, dann Staats- und Rechtswissenschaften. Nach der Promotion mit einer Arbeit über „Begriff und Wesen der Inflation“ (1921) war er 1923-25 im Reichsfinanzministerium, dann 1925-27 als Assistent von Wilhelm Gerloff (1880–1954) an der Univ. Frankfurt/M. tätig. Dort habilitierte er sich mit der Arbeit „Der Reichshaushaltsplan, Ein Beitrag zur Lehre vom öffentlichen Haushalt“ für das Fach Volkswirtschaftslehre und wirkte anschließend als Privatdozent, seit 1931 als nichtbeamteter ao. Professor. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde er aufgrund des § 3 des Gesetzes zur Herstellung des Berufsbeamtentums entlassen. Noch im gleichen Jahr fand er „Zuflucht am Bosporus“ (Titel seines autobiograph. Berichts über diese Zeit, ersch. 1980). Während der fast 20 Jahre dauernden Tätigkeit als Professor an der Univ. Istanbul erwarb sich N. hohes Ansehen nicht nur als akademischer Lehrer und Forscher, sondern auch als Regierungsberater.

    1951 kehrte N. als Nachfolger seines Lehrers Gerloff an die Univ. Frankfurt/M. zurück, wo er sich sehr rasch eine besondere Stellung unter den deutschen Kollegen erwarb. Seine grundlegenden Arbeiten – vor allem zu finanzwissenschaftlichen Fragen – trugen wesentlich dazu bei, daß die deutsche Finanzwissenschaft nach der kriegsbedingten Isolation wieder Anschluß an die internationale Forschung fand. N. befaßte sich vor allem mit Fragen der Budgetgestaltung, der Einkommensbesteuerung, der Problematik der wechselseitigen Beeinflussung von Konjunktur und Wachstum einerseits, öffentlichen Finanzen andererseits und mit den Steuergrundsätzen. Die darüber hinausgehende Spannweite seines Arbeitsgebietes wird durch den Sammelband „Wirtschafts- und Finanzprobleme des Interventionsstaates“ (1961) dokumentiert. N.s großes Interesse an dogmenhistorischen Fragen schlug sich weniger in speziellen Publikationen zu diesem Thema nieder als vielmehr in der generellen Berücksichtigung dieses Aspekts in fast allen seinen Arbeiten. Als (Mit-) Herausgeber hat er wesentlich die zweite (1952/65) und die dritte (1970/83) Auflage des „Handbuchs der Finanzwissenschaft“ sowie das „Finanzarchiv“ (1955-89) geprägt.

    N. betrachtete es immer als wichtige und herausfordernde Aufgabe, die Politik zu beraten. Er tat dies bereits in der Türkei, später vor allem als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und der Finanzreformkommission, als Mitglied und Vorsitzender des Sozialbeirats, des Steuer- und Finanzausschusses der EWG und in ganz besonderem Maße des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen. Die Anerkennung, die N.s wissenschaftlichem Werk auf nationaler und internationaler Ebene zuteil wurde, zeigt sich u. a. an den (abgelehnten) Rufen an die Universitäten Heidelberg, München und Basel.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (FU Berlin 1961; Sorbonne Paris 1962; Istanbul 1965; Göttingen 1982); Präs. u. Ehrenpräs. d. Inst. Internat, de Finances Publiques; Vors. d. Ges. f. Wirtsch.- und Sozialwiss. (Ver. f. Socialpol.); Komturkreuz d. Ordre des Palmes Académiqes (1963); Gr. BVK mit Stern u. Schulterband (1975).

  • Werke

    Weitere W Konjunktur u. Steuern, 1930;
    Theorie u. Praxis d. modernen Einkommensbesteuerung, 1947;
    Grundsätze u. Arten d. Haushaltführung u. Finanzbedarfsdeckung, in: W. Gerloff u. F. N. (Hg.), Hdb. d. Finanzwiss., I, 21952, S. 606-96;
    Fiskalpol. u. Wachstumsschwankungen, 1967;
    Grundsätze gerechter u. ökonomisch rationaler Steuerpol., 1970 (span. 21994);
    Schüler Gerloffs u. PD: Die Zeit v. 1925-1933, in: B. Schefold (Hg.): Wirtsch.- u. Soz.wissenschaftler in Frankfurt a. M., 1989, S. 83-92;
    Von d. Emigration z. Rektorat: Die J. 1950-1970, ebd., S. 146-50.

  • Literatur

    H. Haller u. a. (Hg.): Theorie u. Praxis d. finanzpol. Interventionismus, F. N. z. 70. Geb.tag, 1970, S. 662-75 (W-Verz., P);
    F. M. u. S. Andic, F. N., Teacher and Reformer: A Turkish View, in: Finanzarchiv, NF 39, 1981, S. 11-19;
    K. Häuser, Ansprache e. Mitgl. d. früheren Fak., ebd., S. 1-10;
    H. Timm, F. N. – Nestor u. Mentor d. dt. Finanzwiss., ebd., S. 20-28;
    K. Häuser, Nachruf auf F. N., in: SB d. Wiss. Ges. an d. Johann Wolfgang Goethe-Univ. Frankfurt a. M., 1992, S. 71-75;
    Zur dt.sprachigen wirtsch.wiss. Emigration n. 1933, hg. v. H. Hagemann, 1997;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Norbert Andel
  • Empfohlene Zitierweise

    Andel, Norbert, "Neumark, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 164 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118587390.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA