Lebensdaten
gestorben 1078
Sterbeort
vor Tübingen
Beruf/Funktion
Erzbischof von Trier
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138041644 | OGND | VIAF: 86192445
Namensvarianten
  • Udo von Trier
  • Udo von Nellenburg
  • Udo II. von Nellenburg
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Zitierweise

Udo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138041644.html [13.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Grafen v. Nellenburg (s. NDB 19);
    V Eberhard VI. (um 1018–78/80), Gf. im Zürichu. Neckargau sowie v. Chiavenna (bis 1065) (s. ADB 23), S d. Eberhard V. ( 1030/34), Gf. im Zürichgau;
    M Ida ( n. 1102/05), Gfn. v. Kirchberg;
    B Burchard (III.), Gf. v. Nellenburg ( um 1105), Ekkehard ( 1088), Abt d. Reichenau, 1073 (Gegen-) Bischof v. Augsburg, Eberhard (VII.) ( 1075), Heinrich ( 1075), Adalbert ( bald n. 1050), Schw Adelheid (⚭ Arnold, Gf. v. Laufen), Irmengard (⚭ Diethelm II. v. Toggenburg, erw. um 1083–um 1102).

  • Leben

    Der Trierer Domherr U. wurde 1066 vom Klerus und der städtischen Führungsschicht zum Nachfolger des ihnen oktroyierten und schließlich ermordeten Kuno (Konrad) von Pfullingen (um 1016–66) gewählt. U.s Wahl zum Erzbischof von Trier wurde von Kg. Heinrich IV. durch die Investitur bestätigt.

    Von dem Vorwurf des simonistischen Erwerbs seines Amtes, dessen ihn seine Gegner bezichtigten, reinigte sich U. 1068 auf der röm. Ostersynode durch einen Eid. Von Papst Alexander II. erhielt er das Pallium und wenig später die Berufung zum päpstl. Legaten im nordalpinen Reich. U.s hohes Ansehen innerhalb des salischen Reichsepiskopats gründete sich auf seine besonderen diplomatischen Fähigkeiten und Aufgeschlossenheit gegenüber den Ideen der Kirchenreform. Dabei nahm er in den kirchenpolitischen und religiösen Kontroversen seiner Zeit eine moderate, kompromißbereite Haltung ein und suchte Konflikte auf dem Verhandlungsweg zu lösen. Dies qualifizierte ihn vor allen anderen Amtsträgern, in dem 1075 ausbrechenden Kampf zwischen Heinrich IV. und Gregor VII. als von beiden Seiten anerkannter Vermittler zu fungieren. Von der auf der Wormser Synode (Jan. 1076) beschlossenen, an Gregor VII. gerichteten Aufforderung zum Amtsverzicht rückte U. bald ab und erlangte in Rom die päpstliche Verzeihung. Seitdem setzte er sich unermüdlich – gegen alle Widerstände – für eine Wiederherstellung des Friedens im Reich und einen Ausgleich zwischen König und Papst ein. Die in Tribur im|Okt. 1076 versammelten oppositionellen Fürsten beauftragten ihn, den Papst zu dem ursprünglich für Anfang 1077 geplanten gemeinsamen Treffen über die Alpen nach Augsburg zu geleiten. Vom Papst wiederholt brieflich um Mithilfe bei der Behebung der Zustände im Reich angehalten, verhandelte U. in dessen und Heinrichs IV. Auftrag mit der Fürstenopposition: im Aug. 1077 mit Rudolf von Rheinfelden über die Situation im Reich, im April 1078 mit den Sachsen über die Einberufung einer friedenstiftenden Reichsversammlung.

    Wenige Wochen später starb U. im kgl. Heerlager vor der Burg Tübingen. Als erster Trierer Erzbischof erhielt er seine letzte Ruhestätte im Dom, dessen vor 1037 begonnene bauliche Erweiterung er hatte abschließen können. Bei der Domrestaurierung 1846–52 wurde sein Sarg unter dem mittleren Joch des südlichen Seitenschiffs entdeckt. Darin befanden sich eine bleierne Grabtafel, ein hölzerner Bischofsstab und ein silberner Grabkelch mit Patene.

  • Literatur

    L ADB 39;
    N. Gladel, Die trier. Erzbischöfe in d. Zeit d. Investiturstreits, 1932, S. 4–32;
    K. Hils, Die Grafen v. Nellenburg im 11. Jh., Ihre Stellung z. Adel, z. Reich u. z. Kirche, 1967, S. 77–82 u. 111 f.;
    H. Kläui, Grafen v. Nellenburg („Eberhardinger“), in: Geneal. Hdb. z. Schweizer Gesch. IV, 1980, S. 179–204;
    J. Vogel, Gregor VII. u. Heinrich IV. n. Canossa, Zeugnisse ihres Selbstverständnisses, 1983, S. 100–02 u. 108–11;
    F.-R. Erkens, Die Trierer Kirchenprov. im Investiturstreit, 1987;
    G. Gresser, Die Synoden u. Konzilien in d. Zeit d. Reformpapsttums in Dtld. u. Italien v. Leo IX. bis Calixt II. 1049–1123, 2006;
    Die Inschrr. d. Stadt Trier I (bis 1500), ges. u. bearb. v. R. Fuchs, 2006, S. 187 f., Nr. 93 mit Tafel 16;
    LexMA;
    LThK 3 ; BBKL XII.

  • Autor/in

    Hubertus Seibert
  • Empfohlene Zitierweise

    Seibert, Hubertus, "Udo" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 517-518 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138041644.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Udo: Erzbischof von Trier 1066—1078. Unter Eb. Anno's Einfluß hatte der junge König Heinrich IV. den Neffen Anno's, den damaligen Dompropst von Köln, Cuno von Pfullingen (in Schwaben) zum Erzbischof ernannt.|In Trier, wie es scheint, speciell im Domcapitel, war diese Wahl äußerst ungünstig aufgenommen worden, sodaß die Trierer unter der Führung des Grafen Theoderich Cuno bei seinem Hereinzug in der Nähe von Bitburg überfielen und ermordeten (Gest. Trev. SS. VIII 182; vgl. Lamd. Hersf. SS. V, 173; Vita et Passio S. Cunon. SS. VIII, 214 ff.). Nach dieser Gewaltthat nahmen Clerus und Volk eine Neuwahl vor, welche auf einen Trierer Kanonikus, U., den Sohn des Grafen Eberhard von Nellenburg (in Schwaben) fiel (Gest. Trev. SS. VIII, 183; Berthold. Ann. SS. V, 273; vgl. Stälin, Wirtemb. Gesch. I, 553. Ann. Scaphus. SS. V, 388). Es ist unklar, wie sich der König zu dieser Wahl stellte; aber der Umstand, daß der 1066 Gewählte erst zwei Jahre später ordinirt wurde (Brow. Ann. Trev. I, 545), läßt auf Schwierigkeiten schließen, welche der Bestätigung entgegenstanden. Der Papst Alexander II. hatte angeblich bereits 1067 dem Eb. U. das Pallium übersandt; indeß wird diese Angabe des Balduinischen Temporales mit Vorsicht aufzunehmen sein. Goerz setzt die Uebersendung jetzt 1068. — Udo's Betheiligung an den Angelegenheiten des Reichs beginnt mit seiner Anwesenheit auf der 1071, 15. August in Mainz gehaltenen Synode in Sachen des Bischofs Karl von Constanz (Lamb. Hersf. SS. V, 185. Hartzheim, Conc. Germ. III, 154). Aus diesem Jahre ist interessant die Bestätigungsurkunde für das S. Simeonsstift in Trier (Mittelrh. Urkdb. I, 428. II, 266 und 413), in welchem auch der zur Kirche umgewandelten und als Grabstätte des h. Simeon geweihten alten Porta Martis, des Römerthors (Porta nigra) gedacht wird. Im J. 1075 sehen wir U. mit König Heinrich IV. in Mainz anwesend (5. April Bruno. De bello Saxon. SS. V, 344). Einige Monate später weihte er das Oratorium der h. Helena in dem bei Trier gelegenen Vororte Euren (Dedicationsinschrift bei Kraus. Christl. Inschr. d. Rh. II Nr. 424). Mehrere Briefe des Papstes Gregor VII. an U. v. J. 1074, welche ihm nebst den Bischöfen Heriman von Metz und Poppo von Toul auftragen in Sachen des Bischofs Theoderich von Verdun bezw. des Touler Bischofs zu interveniren (Jaffé, Reg. Pont.² Nr. 4869, 4883) zeigen, daß der Trierer Erzbischof damals (1074) sich des Vertrauens des Papstes erfreute; 1076, (März oder April) dagegen schreibt Gregor an U., Heriman und Theoderich von Verdun, sie sollten sich von den Schismatikern trennen (ut quae persuadentibus schismaticis inviti peccaverint .... corrigant); es geht daraus hervor, daß Udo's Politik zwischen Gregor und Heinrich schwankte. Ein Aufenthalt in Rom 1076 hat ihn offenbar mehr auf die Seite des Papstes gebracht, denn nach seiner Rückkehr um die Mitte des Jahres verweigert er den Verkehr mit den excommunicirten Erzbischöfen von Mainz und Köln (Lamb. Hersf. SS. V, 246). Aus einer leider undatirten Zuschrift an den Bischof von Bamberg (Hontheim I, 422), den er zur Assistenz bei der Weihe des Speyerer Bischofs lädt, sehen wir, daß U. in königlicher Botschaft zu Rom war. Ob das bei jenem Aufenthalt in Rom war, oder ob wir mit Brower (Ann. I, 556) eine zweite Romreise für das Jahr 1076 anzunehmen haben, steht dahin; Brower scheint sogar (eb. 557) eine dritte Reise nach Rom, auf der U. als Gesandter des Königs fungirte, annehmen zu wollen. Daß der Papst selbst sich seiner als eines Vermittlers zu bedienen wünschte, geht aus Gregor's VII. Anschreiben an U. von 1077, 30. September (Jaffé² Nr. 5051), 1078, 9. März (eb. 5065 und 5066), 8. October (eb. 5083) hervor; die Urkunde vom 9. März (5065) läßt unschwer erkennen, daß der Papst den Erzbischof doch als einen Parteigänger des Königs betrachtete (partibus Heinrici regis favente). Darauf läßt auch der Umstand schließen, daß U. (1078, 11. November) zur Zeit der Belagerung Tübingens im kaiserlichen Heere stirbt (Gest. Trev. SS. VIII, 183. Bruno, De bell. Sax. SS. V, 369; bei Lünig XVI, 207 ist der Tod auf|den 9. März erwähnt; vgl. auch Stälin a. a. O. I, 585. Wegeler, Abtei Laach S. 8). Auffallend ist die äußerst kurze Behandlung des Episkopats Udo's in den Gesta Trevirorum (c. 58); man sieht, daß den Verfassern die Parteistellung des Erzbischofs unbequem war, doch müssen sie ihm das Zeugniß einer hochachtbaren und imponirenden Persönlichkeit geben (vir valde veneradilis, facie venustus, ore facundus, statura procerus, cuiuis merito humeris sustentari posset tanti moles regiminis). Brower gibt sich viele Mühe zu zeigen, daß U. ganz auf Seiten Gregor's stand (Udonem ... publica privataque monumenta ab omni schismatis suspicione vindicant). Es ist anzunehmen, daß U. in der That eitle Mittelstellung einnahm. Seine entschieden kirchliche Gesinnung ließ ihn die Fehler der kaiserlichen Politik nicht verkennen und machte ihn zu einem Träger der gregorianischen Opposition gegen die simonistische Aemtervergebung und das unlautere Leben des Clerus; er hat aber offenbar die auf Erstrebung der Universalmonarchie gerichteten Tendenzen Gregor's sowenig wie andere Bischöfe Deutschlands gebilligt. U. fand sein Grab im Dome zu Trier.

    • Literatur

      Vgl. Gesta Trev. a. a. O. — Brower, a. a. O. —
      Goerz, Mittelrh. Regesten I, 401 f. — Ders. Regesten der Erzb. v. Trier. S. 11 f.

  • Autor/in

    F. X. Kraus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kraus, Franz Xaver, "Udo" in: Allgemeine Deutsche Biographie 39 (1895), S. 129-131 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138041644.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA