Lebensdaten
nach 1042 bis 1106
Beruf/Funktion
Herzog in Sachsen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137965885 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Magnus
  • Magnus Billung in Sachsen
  • Magnus <Sachsen, Herzog>
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Zitierweise

Magnus Billung, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd137965885.html [25.07.2016].

CC0

Magnus

Herzog in Sachsen, * nach 1042, 25.8.1106.

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Billunger; V Ordulf ( 1072), Hzg. in S. seit 1059; M Wulfhild ( 1070), T Kg. Olafs II. d. Heiligen v. Norwegen; Ov Gf Hermann ( 1086); - 1070/71 Sophia ( 1095), T Kg. Belas I. v. Ungarn, Wwe Mgf. Ulrichs I. v. Istrien u. Krain ( 1070); 2 T Wulfhild ( 1126, Hzg. Heinrich IX. d. Schwarzen v. Bayern, 1126, s. NDB VIII), Eilika ( 1142, Gf. Otto v. Ballenstedt [Askanier, 1142, s. NDB I*]); E Albrecht d. Bär ( 1170), Mgf. v. Brandenburg (s. NDB I).

  • Leben

    Die Jugendjahre M.s fallen in eine Zeit, in der sich die Gegensätze zwischen den billung. Herzögen und dem Erzbistum Bremen, insbesondere mit Beginn des Pontifikates Erzbischof Adalberts, mehr und mehr verschärften, um sich nach dem Tode Kaiser Heinrichs III. zu offener Feindschaft zu steigern. Die erste in den Quellen überlieferte Erwähnung des jungen M. (um 1066) zeigt diesen als entschiedenen Gegner Adalberts, den er mit Waffengewalt aus Bremen vertrieb, nachdem der Erzbischof kurz zuvor aus seiner Position als politisch führender Berater Heinrichs IV. verdrängt worden und nun den Angriffen der auf Machtausdehnung bedachten Billunger schutzlos ausgesetzt war. Um die Rückkehr in seine Diözese zu erreichen, mußte sich Adalbert zu großen, in die Besitzstellung seiner Kirche empfindlich einschneidenden Lehnsübertragungen an M. entschließen. Durch diesen Besitzzuwachs schuf M. die Voraussetzung, um neben seinem Vater und dessen Bruder, Graf Hermann, zu verstärkter, eigenständiger politischer Handlungsfähigkeit zu gelangen. | Politisch näherte er sich in den folgenden Jahren Otto von Northeim, dem damals bedeutendsten sächs. Fürsten, und als sich dieser 1070 gegen Heinrich IV. erhob, fand er die aktive Unterstützung durch den ihm in Freundschaft verbundenen M. Beide Fürsten mußten sich 1071 dem König unterwerfen. Während Otto die Freiheit bald zurückerhielt, blieb M. Gefangener des Königs, auch als 1072 Hzg. Ordulf starb und er im Erbgang dessen Nachfolge hätte antreten müssen. Ebensowenig konnte seine Freilassung durch Bemühungen seines Onkels, Graf Hermann, erreicht werden. Erst als durch den sächs. Aufstand 1073 die herrschaftliche Stellung des Königs in Sachsen zusammenbrach, konnte M. im Austausch gegen die von seinem Onkel in Lüneburg eingeschlossene königl. Burgbesatzung die Freiheit zurückgewinnen. Auch in den folgenden Jahren blieb er ein entschiedener Gegner Heinrichs IV. 1075 in der Schlacht bei Homburg an der Unstrut geschlagen, mußten sich die führenden Repräsentanten der sächs. Adelsopposition, darunter auch M., im Oktober dem König unterwerfen und wurden in Haft genommen. Im Laufe der 1. Hälfte des Jahres 1076 kam M. frei, als Heinrich IV. nach seiner Exkommunizierung mehr und mehr an Rückhalt verlor und die bisher königstreu gebliebenen Fürsten die ihnen übergebenen sächs. Gefangenen freiließen. Die Billunger gehörten zunächst weiter zur Gruppierung der oppositionellen Fürsten, die das 1077 begründete Gegenkönigtum unterstützten und 1078 in der Schlacht bei Meirichstadt an der Seite König Rudolfs kämpften. Diese für die Anhänger des Gegenkönigs ungünstig verlaufende Schlacht, bei der Graf Hermann in die Gefangenschaft Heinrichs IV. geriet und M. unter Verlust der gesamten Ausrüstung gerade noch entkommen konnte, ist das letzte Ereignis, bei dem die Billunger aktiv im Lager der Gegner Heinrichs IV. zu finden sind. In den folgenden Jahren kam es zu einer Verständigung mit dem Kaiser, so daß M. und sein Onkel Hermann ( 1086) aus der gegen Heinrich IV. gerichteten Koalition ausschieden, die sich auch räumlich mehr und mehr nach Ostsachsen verlagerte. 1087 findet sich M. am Hofe des Kaisers in Aachen. Daß ihn die kaiserl. Kanzlei dabei als „dux Saxonie“ bezeichnet, darf als sicherer Beweis dafür gelten, daß sich die politischen Beziehungen zu Heinrich IV. normalisiert hatten und seine herzogl. Stellung reichsrechtlich anerkannt war. Noch zweimal – 1101 und 1103 – ist M. in der Umgebung des Kaisers zu finden.

    Erfolgreich gestalteten sich Bestrebungen des Herzogs, die im Slawenaufstand von 1066 und durch die Ermordung des reichstreuen christlichen Abotridenfürsten Gottschalk verlorengegangene Abhängigkeit des abotridischen Stammesverbandes wiederherzustellen. Er unterstützte den Sohn Gottschalks, Heinrich, der die herrschaftliche Stellung seines Vaters zurückgewann, und besiegte die Slawen 1093 bei Schmilau.

    Die Herrschaft M.s hatte ihre Schwerpunkte im Gebiet zwischen Ilmenau und der Elbe sowie im Bereich der mittleren Weser; sie kann nicht als politische Vorrangstellung innerhalb des sächs. Stammesverbandes gewertet werden. Da M. keine männliche Nachkommenschaft hatte, starben die Billunger mit seinem Tod 1106 aus.

  • Literatur

    ADB 20; Jbb. d. Dt. Gesch., Heinrich IV., Heinrich V.; H.-J. Freytag, Die Herrschaft d. Billunger in Sachsen, 1951; L. Fenske, Adelsopposition u. kirchl. Reformbewegung im östl. Sachsen, 1977; W. Giese, Der Stamm d. Sachsen u. d. Reich in otton. u. sal. Zeit, 1979; G. Althoff, Adels- u. Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung, Stud. z. Totengedenken d. Billunger u. Ottonen, 1984.

  • Autor

    Lutz Fenske
  • Empfohlene Zitierweise

    Fenske, Lutz, "Magnus Billung" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 666 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd137965885.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Magnus, der letzte Herzog von Sachsen

  • Leben

    Magnus, der letzte Herzog von Sachsen aus dem Billingischen Stamme, war der Sohn des Herzogs Ordulf und Ulfhildens, einer Tochter des Königs Olav des Heiligen von Norwegen. Seinen Namen erhielt er von seinem mütterlichen Oheime, der als Magnus der Gute unter den norwegischen Königen bekannt ist. Von seinem Vater und Großvater hatte er den Haß gegen die Bremer Kirche, vornehmlich gegen den hochstrebenden Erzbischof Adalbert, geerbt, der bemüht war, alle Grafschaften innerhalb seines Sprengels in seine Hand zu bringen und in diesem Bestreben an dem Kaiser Heinrich III. eine kräftige Stütze fand. Die Billinger sahen den Erzbischof nicht als geistlichen Oberhirten, sondern als|Spion und Aufpasser an, den ihnen der Kaiser in das Land gesetzt habe. Seitdem Adalbert den Grafen Thietmar, den Oheim Ordulf's, eines gegen den Kaiser geschmiedeten Mordplanes beschuldigt und so die Veranlassung zu dessen im Gottesgerichte zu Pöhlde erfolgten Tode (3. October 1048) gegeben hatte, kam zu jenen politischen Zwistigkeiten noch ein grimmiger persönlicher Haß, mit dem die Billinger den Bremer Erzbischof verfolgten. In diesen Gesinnungen ist M. ausgewachsen: die erste Kunde, die wir von ihm haben, zeigt ihn uns noch zu Lebzeiten seines Vaters, der wegen der von ihm gegen die Bremer Kirche geübten Vergewaltigung mit dem Banne belegt worden war, als rücksichtslosen und unbarmherzigen Bedränger dieser nämlichen Kirche und ihres Oberhauptes. Als im J. 1066 Erzbischof Adalbert gezwungen wurde von der leitenden Stellung, die er eine Zeit lang als Erzieher und Berather des jungen Königs Heinrich IV. eingenommen hatte, zurückzutreten, schien den Billingern die Zeit gekommen, an ihm, dem verhaßten und gefürchteten Gegner, ihre Rache zu nehmen. Niemand aber erwies sich so eifrig in der Bekämpfung des von seiner bisherigen Höhe herabgestürzten Erzbischofs wie der junge Magnus. Damals war es, daß, während Herzog Ordulf und dessen Bruder Hermann die Güter der Bremer Kirche ringsum grausam verwüsteten, M. mit seinen Mannen sich vor der Hauptstadt des Landes lagerte, um diese und mit ihr den darin sich aufhaltenden Erzbischof in seine Gewalt zu bringen. Er hatte dem Letzteren Tod oder Verstümmelung geschworen und würde, wenn Adalbert in seine Hände gefallen wäre, diese Drohung ausgeführt haben. Allein es gelang dem Erzbischofe in heimlicher Flucht aus Bremen zu entkommen und auf einem seiner Güter im Hildesheimschen, zu Lochtum, wo er sich wie ein Geächteter verborgen hielt, Schutz zu finden. Seine Hofburg in Bremen, sein ganzer Hausrath ward eine Beute der Billinger, die hier wie in einer eroberten Stadt hausten. Nach einem halben Jahre mußte Adalbert mit beispiellosen Opfern von ihnen die Rückkehr in sein Erzstift erkaufen. Ein ganzes Dritttheil des gesammten Kirchengutes, mehr als tausend Hufen Landes, mußte er gegen ziemlich zweifelhafte Versprechungen an M. abtreten. Seit dieser Zeit datirt die enge Freundschaft des letzteren mit Otto von Nordheim, dem Führer der sächsischen Opposition gegen den jungen König, der im J. 1067 Adalbert an seinen Hof zurückrief und die Führung der Reichsgeschäfte von neuem in dessen Hand legte. Als Otto im J. 1070 in Folge der gegen ihn laut gewordenen Anklage, er habe den König ermorden lassen wollen, geächtet und seiner Güter für verlustig erklärt wurde, ward auch M. in seinen Sturz mit verwickelt. Bei ihm fand der seines Herzogthums Baiern entsetzte Nordheimer, nachdem seine festen Burgen an der Werra und Diemel gefallen waren, während des Winters Aufnahme und Schutz; mit ihm zusammen mußte er sich Pfingsten 1071 zu Halberstadt in Gegenwart Adalberts dem Könige auf Gnade und Ungnade unterwerfen. Aber während Otto schon im folgenden Jahre seine Freiheit zurückerlangte, blieb M., den die Sachsen nach dem gerade damals (28. März 1071) erfolgten Tode seines Vaters als ihren rechtmäßigen Herzog betrachteten, nach wie vor in strenger Haft. Ja der König bemächtigte sich zu der nämlichen Zeit durch Ueberfall Lüneburgs, der Hauptfeste der Billinger. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Vorgänge mit dazu beigetragen haben, den von Otto von Nordheim geleiteten großen Aufstand gegen den König hervorzurufen, der diesem so verhängnißvoll werden sollte. Ja man kann sagen, daß die Befreiung des Billingers aus seiner Haft und dessen Einsetzung in das Erbe seiner Ahnen der Hauptzweck der sächsischen Empörung war. Die sächsischen Fürsten, vor Allem Otto von Nordheim, empfanden es als eine dem ganzen Stamme angethane Beleidigung, daß Heinrich als Preis der Freilassung des gefangenen M. die Verzichtleistung desselben auf das Herzogthum Sachsen verlangte. Sie griffen|zu den Waffen und erzwangen durch die Belagerung der Harzburg und die Zurückeroberung Lüneburgs die Befreiung ihres Herzogs. Den Befehl zu der letzteren erließ Heinrich, um das Leben seiner schwäbischen Ritter, die bei dem Falle Lüneburgs in die Gewalt der Sachsen gerathen waren, zu retten, am 15. August 1073 in Hersfeld, wohin er sich nach seiner Flucht von der belagerten Harzburg gewandt hatte. M. kehrte jetzt in die Heimath zurück und wurde von dieser Zeit an einer der thätigsten und entschiedensten Gegner des Königs in Sachsen. Als solcher focht er mit in der für die Sachsen unglücklichen Schlacht bei Hohenburg an der Unstrut (8. Juni 1075) und mußte sich dann am 4. October des genannten Jahres mit den übrigen Häuptern des Aufstandes bei Hohen-Ebra dem Könige ergeben. Heinrich vertheilte die gefangenen Fürsten an verschiedene Orte des Reiches, sah sich dann aber nach seiner Buße zu Canossa und in Folge der Wahl Rudolfs von Schwaben zum Gegenkönig veranlaßt, diejenigen von ihnen, welche nicht schon früher der Haft entflohen waren, wieder auf freien Fuß zu setzen. Unter den letzteren war auch M., nachdem er eidlich hatte geloben müssen, seinen Einfluß bei seinen Landsleuten, die inzwischen in Folge der Einmischung Gregors VII. in die deutschen Wirren von Neuem die Fahne des Aufruhrs erhoben hatten, dahin geltend machen zu wollen, daß sie die Waffen niederlegten. Aber er hielt sein Versprechen nicht und trat abermals auf die Seite der Rebellen, in deren Reihen er in der Schlacht bei Melrichstadt an der Streu (7. August 1078) tapfer, aber nicht glücklich stritt. Auf der Flucht, in die er mit dem ganzen von dem Gegenkönig befehligten Flügel fortgerissen wurde, ward er, während sein Oheim Hermann in Gefangenschaft fiel, von Thüringer Bauern ergriffen, völlig ausgeplündert und rettete mit Mühe und Noth sein Leben. Es scheint, daß dieser Mißerfolg den Villingern die weitere Theilnahme an den Kämpfen gegen Heinrich IV. verleidet hat. Sie neigten sich seit dieser Zeit zum Frieden und nahmen eine anfänglich neutrale, bald aber dem Könige günstige Stellung ein. An den späteren Wirren, welche namentlich der Ehrgeiz Ekbert's von Braunschweig in Sachsen erregte und welche dieses Land noch lange nicht zur Ruhe kommen ließen, hat sich weder M. noch Hermann, so viel wir wissen, betheiligt. Wol aber wandte der erstere jetzt wieder seine Thätigkeit seinen lange vernachlässigten Stammlanden und den Wendenländern an der Ostsee zu, wo die großen Erfolge der christlichen Mission, die Erzbischof Adalbert errungen hatte, in Folge des Haders mit dem Billingischen Hause kläglich in die Brüche gegangen waren. Mit Erzbischof Liemar, dem Nachfolger Adalberts auf dem Bremer Stuhle, trat M. in ein friedliches Verhältniß. Auf welchen Grundlagen dieser Ausgleich früher, unüberwindlich scheinender Gegensätze erfolgte, wissen wir nicht, doch wird, abgesehen von Anderem, auch des neuen Erzbischofs milde, von derjenigen seines Vorgängers grundverschiedene Persönlichkeit ihn ermöglicht haben. Nun konnte M. auch wieder mit Aussicht auf Erfolg seine Waffen gegen die in das Heidenthum zurückgefallenen Wenden richten. Heinrich, der Sohn des Abodritenfürsten Gottschalk, erlangte damals die Herrschaft seines Vaters zurück. Er schloß sich aufs engste an M., seinen Verwandten, an, leistete ihm den Eid der Treue und zahlte wieder, wie ehedem sein Vater, den Sachsen Tribut. Als sich dann, hierdurch erbittert, die Wendenstämme im Osten und Süden gegen ihn erhoben, zog ihm M. an der Spitze eines stattlichen Heeres von Bardengauern, Holsten, Stormarn und Dithmarsen zu Hilfe. Auf der Ebene von Smilowe, im Lande der Polaber, kam es zur Schlacht, die mit einer vollständigen Niederlage der aufständischen Wenden endete. Vierzehn wendische Festen wurden dann von dem Sieger bezwungen und das ganze Land bis zur Oder dem Wendenfürsten Heinrich, dem Dienstmanne des Sachsenherzogs, unterworfen und von Neuem dem letzteren tributpflichtig gemacht. Die Zeit, wann dies geschah, steht|nicht fest, aber lange hat M. diesen Sieg, der die Einleitung zu der bleibenden Unterwerfung der Ostseewenden bildete, nicht überlebt. Er starb, ohne Söhne zu hinterlassen, am 23. August 1106. Von seinen beiden Töchtern hatte sich Wulfhild mit Herzog Heinrich dem Schwarzen von Baiern aus dem Hause der Welfen, Eilika dagegen mit dem Grafen Otto von Ballenstedt, dem Stammvater der Askanier, verheirathet. Im Herzogthume Sachsen folgte ihm Lothar von Supplingenburg, der spätere Kaiser.

  • Autor

    v. Heinemann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heinemann, Otto von, "Magnus Billung" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 69-72 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd137965885.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA