Lebensdaten
erwähnt um 1042 , gestorben 1072
Beruf/Funktion
Herzog in Sachsen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 142776386 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ordulf
  • Ordulf Billung von Sachsen
  • Otto von Sachsen
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Zitierweise

Ordulf Billung, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd142776386.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Billunger (s. NDB II);
    V Bernhard II. (1011–59);
    M Eilika, T d. Mgf. Heinrich v. Schweinfurt;
    B Hermann, Gf. in Sachsen ( 1086);
    1) Schleswig 1042 Wulfhild, T d. Kg. Olaf II. Haraldson v. Norwegen (ca. 995–1030 ⚔, s. Lex. MA), 2) nach 1070 Gertrud v. Formbach, T d. Gf. Konrad v. Haldensleben;
    2 K, u. a. 1 S aus 1) Magnus (n. 1042-1106), Hzg. in Sachsen (s. NDB 15).

  • Leben

    Das erste historisch bezeugte Auftreten O.s verbindet sich mit einer Bluttat: Um 1042, bald nach seiner Heirat mit der norweg. Königstochter Wulfhild, tötete er den dän. Großen Harold, nur weil von diesem als Gegenspieler seines Schwagers Kg. Magnus von Norwegen und Dänemark für dessen Herrschaft Gefahr ausgehen konnte. 1043 leistete er Kg. Magnus Waffenhilfe bei seinem Sieg über die Slawen auf der Lürschauer Heide (b. Schleswig). Für die folgenden Jahre ist wenig über O. überliefert, bis er 1059 die hzgl. Herrschaft in der Nachfolge seines Vaters antrat. Wie sein jüngerer Bruder Hermann dürfte auch er in einem Teilbereich des weiträumigen billung. Macht- und Einflußgebietes die Herrschaft geführt haben. Doch hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt der Gegensatz zur Reichsgewalt der Salier, die Spannungen gegenüber dem Erzbistum Hamburg-Bremen sowie die Rivalität zu den Grafen von Stade als territorialen Konkurrenten verschärft. Aus der Politik der sal. Herrscher gegenüber dem sächs. Adel waren den Billungern keine Vorteile erwachsen. Schon 1038 hatte Konrad II. den Billungern die Erbanwartschaft auf den mit einer großen Villikation verbundenen Hof Lesum dadurch entzogen, daß er ihn für das Reich in Besitz nahm. Als der von Gf. Thietmar, dem Onkel O.s, 1047 geplante Attentatsversuch auf Heinrich III. aufgedeckt wurde, reagierte der Kaiser 1048 mit scharfen Gegenmaßnahmen; diese schwächten die herrschaftliche Stellung der Billunger ebenso wie die kaiserliche Begünstigung der Bremer Kirche und ihres Erzbischofs Adalbert. Unter der schwachen vormundschaftlichen Reichsregierung nach dem Tod Heinrichs III. suchten die Billunger ihren Herrschaftsraum in aggressivem Zugriff auf Besitz der Bremer Kirche zu erweitern. O. fiel in fries. Besitzungen des Erzbistums ein, sein Bruder Hermann griff 1064 auf einem Plünderungszug Kirchengut an, um die Stellung Ebf. Adalberts zu schwächen und Lehnsvergaben zu erzwingen. Dieser konnte 1065 noch einmal Gegenmaßnahmen des Reiches erwirken, wobei Hermann im kgl. Hofgericht zu zeitweiliger Verbannung verurteilt und O. eine beträchtliche Entschädigungsleistung auferlegt wurde. Nachdem jedoch Adalbert 1066 seine dominierende Stellung am Königshof verloren hatte, gingen die Billunger – vor allem O.s Sohn Magnus – erneut offensiv gegen die Bremer Kirche vor. Welche Rolle O. als Herzog und Senior seines Geschlechts dabei neben seinem Bruder und seinem Sohn spielte, entzieht sich genauer Beurteilung. Auch bleibt die Stellung O.s in der Reichspolitik undeutlich. Aufenthalte am Königshof sind zu 1068 und 1071 nachweisbar. Seiner Aufgabe, die Grenzgebiete des Reiches an der Unterelbe gegen slaw. Einfälle zu sichern, konnte O. nach dem Tod des christl. Obotritenfürsten Gottschalk 1066 nicht mehr genügen. Er starb, noch bevor der Konflikt zwischen Heinrich IV. und dem sächs. Stamm voll zum Ausbruch kam.

  • Literatur

    R. Bork, Die Billunger, mit Btrr. z. Gesch. d. dt.wend. Grenzraumes im 10. u. 11. Jh., phil. Diss. (masch.) Greifswald 1951;
    H.-J. Freytag, Die Herrschaft d. Billunger in Sachsen, 1951;
    L. Fenske, Adelsopposition u. kirchl. Reformbewegung im östl. Sachsen, 1977;
    W. Giese, Der Stamm d. Sachsen u. d. Reich in otton. u. sal. Zeit, 1977;
    G. Althoff, Adels- u. Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung, Stud. z. Totengedenken d. Billunger u. Ottonen, 1984;
    ders., Die Billunger in d. Salierzeit, in: Die Salier u. d. Reich I, hg. v. St. Weinfurter, 1991, S. 309-29;
    H.-W. Goetz, Das Hzgt. d. Billunger, Ein sächs. Sonderweg?, in: Niedersächs. Jb. f. Landesgesch. 66, 1994, S. 167-97.

  • Autor/in

    Lutz Fenske
  • Empfohlene Zitierweise

    Fenske, Lutz, "Ordulf Billung" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 583 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd142776386.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA