Lebensdaten
1788 bis 1859
Geburtsort
Wetzlar
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
bayerischer Minister ; Staatsmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11914543X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Abel, Karl August von
  • Abel, Karl von
  • Abel, Karl August von
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Zitierweise

Abel, Karl von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11914543X.html [20.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob Adam Abel (1754–1824), Reichskammergerichtsprokurator;
    M Maria Magdalena (1755–1824), T des Heinrich von Hahn, Rentmeister des Reichskammergerichts, und der Maria Magdalena Freiin von Juncker;
    Gvv Adam Abel, Notar am Reichskammergericht Wetzlar;
    Gmv Johanette Schroeder (evangelisch);
    Schw Sophie ( bayerischer Staatsrat und Regierungspräsident Franz Xaver Zwackh von und zu Holzhausen);
    1) 1832 Maria Magdalena (1787–1835), Witwe des Moritz Gabriel Graf Fugger-Göttersdorf (1768–1816), T des Ignaz Freiherr von Pfetten und der Maria Magdalena Freiin v. Horneck-Hornberg; 2) 1836 Friederike, T des Ministerialrats von Rinecker;
    2 S,2 T aus 2);
    N Heinrich Abel (s. 1).

  • Leben

    A. studierte 1806-09 in Gießen und Wetzlar und trat 1810 in bayerische Dienste; 1818 wurde er Stadt- und Polizeikommissar in Bamberg, 1819 Regierungsrat und 1827 Ministerialrat in München. Er verteidigte als Regierungsvertreter 1831 im Landtag den Entwurf eines Pressegesetzes mit liberalen Gesichtspunkten. 1832 wurde er der Regentschaft für Griechenland als Rat beigeordnet, aber auf Wunsch des Präsidenten Grafen Joseph Ludwig von Armansperg 1834 abberufen und im Münchener Innenministerium wiederum als Rat verwendet. Seit dem Tode seiner ersten streng katholischen Gattin wandte er sich zu Anschauungen im Sinn der katholischen Restauration, verbunden mit eifriger persönlicher Frömmigkeit. Nachdem er 1837 im Landtag die Rechte der Krone in Sachen der Vermehrung der Klöster sehr wirksam vertreten hatte, wurde er noch im gleichen Jahre an Stelle des Fürsten Ludwig von Oettingen-Wallerstein zunächst provisorisch und bald darauf endgültig zum Minister des Inneren ernannt. Seine, des ehemaligen liberalen und freisinnigen Weltmannes, neue Richtung zeigte sich sehr bald bei der Duldung antipreußischer Pressepolemik anläßlich der Kölner Wirren, der Förderung der Missionen, der Hebung der Stellung des Klerus und weitgehender Verkirchlichung des Bildungswesens. Bald kam es auch zu antiprotestantischen Maßnahmen: Die Bildung protestantischer Gemeinden, die Ausübung protestantischen Gottesdienstes wurde erschwert, der Beitritt zum Gustav-Adolf-Verein verboten, vor allem wurde durch die vom König ausgehende so genannten Kniebeugungsorder von 1838, nach der protestantische Soldaten bei Prozessionen vor der Monstranz die Knie beugen sollten, die gesetzliche Parität verletzt. Seit 1837 waren heftige Auseinandersetzungen über die Verwendung von Erübrigungen im Staatshaushalt durch die Regierung ohne Befragen des Landtages im Gange. A. vertrat streng monarchistische Grundsätze, lehnte jetzt liberale Staatsanschauungen schroff ab und griff den Fürsten Oettingen-Wallerstein so scharf an, daß es zu einem (unblutig verlaufenen) Duell kam. Die unter Oettingen-Wallersteins Führung stehende Opposition führte den Kampf gegen A. so erfolgreich, daß König Ludwig I. Ende 1846 Kultus und Unterricht vom Ministerium des Innern abtrennte und zu einem besonderen Ministerium erhob. Doch erst die Weigerung A.s, Lola Montez, der Freundin des Königs, das bayerische Heimatrecht zu verleihen, und das an den König gerichtete Memorandum des gesamten Ministeriums gegen die Montez führten zur Entlassung A.s im Februar 1847. Seine Tätigkeit wurde 1848 im Landtag auf das schärfste angegriffen, und zwar auch von seinen eigenen Gesinnungsgenossen. Von 1847-50 war A. Gesandter in Turin. Er lebte seitdem zurückgezogen auf seinem Gut Stamsried (Oberpfalz), doch blieb er der geheime und einflußreiche Berater König Maximilians II. Sein Fleiß und seine Geschäftskunde waren groß, ebenso seine schlagfertige Beredsamkeit und seine rücksichtslose Tatkraft.

  • Literatur

    ADB I;
    M. Doeberl, Entwicklungsgesch. Bayerns III, 1931;
    H. Gollwitzer, C. A. v. A. u. seine Politik 1837–47, Diss. München 1944 (ungedr., L).

  • Portraits

    Holzschnitt in: LIZ 6, 1846. S. 213;
    s. a. F. X. Zacher, H. v. Hofstätter, Bischof v. Passau, 1940, S. 520.

  • Autor/in

    Walter Goetz
  • Empfohlene Zitierweise

    Goetz, Walter, "Abel, Karl von" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 9-10 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11914543X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Abel: Karl v. A., baierischer Staatsmann, geb. 17. Sept. 1788 zu Wetzlar, Sohn eines Procurators am Reichskammergericht, studirte 1806—9 die Rechtswissenschaft zu Gießen und trat 1810 in baierischen Staatsdienst. 1817 wurde er als Stadt- und Polizeicommissär in Bamberg angestellt, 1819 als Regierungsrath nach München berufen und 1827 zum Ministerialrath befördert. Im stürmischen Landtag 1831 hielt er als Regierungscommissär, um die Kammer mit dem vorgelegten Preßgesetzentwurf zu befreunden, eine Lobrede auf Preßfreiheit und Aufhebung der Censur; dieser Beginn seiner politischen Thätigkeit ließ durchaus nicht die Richtung seiner späteren staatsmännischen Wirksamkeit ahnen. Im folgenden Jahre wurde er von König Ludwig I. als Rath der Regentschaft beigeordnet, welche den jugendlichen König Otto nach Griechenland begleitete. Er stand mit seinem liberalen Institutionen geneigten Collegen Maurer im besten Einvernehmen und machte mit diesem vereint Opposition gegen den Präsidenten der Regentschaft, Grafen Armansperg, der sich von der englischen Diplomatie allzu gefügig leiten ließ. Es gelang den Anhängern des Grafen in München, bei König Ludwig die Abberufung Abel's und Maurer's durchzusetzen, und A. trat 1834 wieder als Rath in das baierische Ministerium des Innern ein. 1836 vermählte er sich mit Friederike von Rinecker, einer streng religiösen Dame, die großen Einfluß auf ihn gewann. Im Landtage 1837 griff er wieder als Regierungscommissär in die durch die Vermehrung der Klöster in Baiern hervorgerufene Debatte ein und vertrat in dieser wie in finanziellen Fragen sehr energisch die Rechte der Krone. In ihm glaubte deshalb König Ludwig den geeigneten Anwalt des monarchischen Princips gefunden zu haben, Fürst Wallerstein wurde entlassen, A. am 1. Nov. 1837 zum Staatsrath in ordentlichem Dienste ernannt und in provisorischer Weise mit der Leitung des Ministeriums des Innern betraut und einige Monate später definitiv bestätigt. — Seine Erhebung trifft zusammen mit dem Kölner Kirchenstreit, welcher in ganz Deutschland religiöse Aufregung wachrief, die auch politischen Charakter annahm. Bald trat eine ausgesprochen katholische Färbung des neuen Ministeriums unverkennbar hervor, ein Anknüpfen an die Tradition des Kurfürsten Maximilian I., welche für Baiern den Beruf einer katholischen Schutzmacht vindicirt. Mehrere Bestimmungen des Religionsedicts wurden im Sinne des Concordats ausgelegt, Missionen begünstigt, für fromme Zwecke große Summen verwendet, die Stellung des Klerus gehoben. Ein Erlaß, welcher die Kniebeugung auch der protestantischen Soldaten bei katholischem Gottesdienst anordnete, machte den Anfang einer Reihe von Verfügungen, welche die Anschauung und die Rechte der Protestanten verletzten. Die Bildung evangelischer Gemeinden und die Ausübung ihres Gottesdienstes wurden erschwert und beschränkt, der Beitritt zum Gustav-Adolph-Verein den baierischen Protestanten untersagt, gegen jede oppositionelle Regung strenge Censur gehandhabt. In den Kammerverhandlungen 1840 gab die Frage, ob der Landesvertretung Prüfung der Verwendung der sogenannten Erübrigungen im Staatshaushalt zustehe, Anlaß zu erregtem Streit zwischen Minister und Ständen. A. verwahrte sich|gegen das "Einschwärzen moderner Begriffe, die statt des ständischen Princips das repräsentative unterschieben wollten"; in diesem Sinne wurde auch der Gebrauch der Bezeichnung "Staatsministerium" verboten, da nur der König die gesammte Staatsgewalt in sich vereinige. Heftige Ausfälle, die sich A. in der Kammer gegen seinen Vorgänger, den Fürsten Wallerstein, erlaubte, hatten ein Duell zur Folge, das jedoch erfolglos blieb. Wallerstein trat an die Spitze der Opposition, die sich namentlich in den neugewonnenen größtentheils protestantischen Provinzen des Königreichs gegen das einseitige Bevormundungsprincip des Ministeriums bildete und im Landtag 1846 den offenen Kampf gegen das herrschende System aufnahm. Da der Minister auch durch die gewandteste Vertheidigung die Anklage auf Verletzung des Paritätsprincips nicht von sich wälzen konnte und zugleich die Mischung der kirchlichen Partei mit radicalen Elementen mehrfach zu Tage trat, wurde der König, der nach jeder Seite hin seine Rechte wahren wollte, mißtrauisch gegen seinen Kronrath und verfügte am 15. Dec. 1846 die Absonderung eines eigenen Ministeriums für Cultus und Unterricht vom Ressort Abel's. Als der sonst so gefügige Minister vollends die Gegenzeichnung der Indigenatsverleihung an Lola Montez, die zur Gräfin von Landsberg erhobene Freundin des Königs, verweigerte und im Verein mit den übrigen Ministern das sogenannte Memorandum überreichte, welches ernstliche Vorstellungen über das Verhältniß des Königs zu der Fremden enthielt, wurde er entlassen (17. Febr. 1847). Der Gestürzte erfuhr das trübe Schicksal, daß er nicht blos die Ungnade des Monarchen zu tragen hatte, dessen Dienst er jede andere Rücksicht geopfert hatte, und die Freude seiner politischen Gegner sehen mußte, sondern auch von dem größeren Theil der Partei verleugnet wurde, deren Interessen er gefördert hatte. 1848 in die zweite Kammer gewählt, war er Zeuge der heftigsten Angriffe auf seine Verwaltung von allen Seiten des Hauses. Im J. 1847 zum Gesandten am Turiner Hofe ernannt, trat er den Posten erst unter der Regierung König Maximilians II. an, wurde aber im März 1850 wieder abberufen und in den Ruhestand versetzt. Vom politischen Leben gänzlich zurückgezogen, lebte er seither auf seinem Gute Stamsried in der Oberpfalz, das ihm König Ludwig früher zu Lehen gegeben hatte. Er starb 3. Sept. 1859.

    • Literatur

      Abel und Wallerstein. Stuttg. 1840. (v. Giech) Actenstücke zur Kniebeugung in Bayern. (Strodl) Kirche und Staat in Bayern unter dem Minister Abel.

  • Autor/in

    Heigel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heigel, Karl Theodor von, "Abel, Karl von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 14-15 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11914543X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA