Lebensdaten
um 1643 oder 1644 bis 1727
Geburtsort
Mattsee bei Salzburg
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Architekt, Bildhauer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118753312 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Steindl, Matthias
  • Steinle, Matthias
  • Steinl, Matthias
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Zitierweise

Steinl, Matthias, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118753312.html [23.02.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Matthias, Kunsttischler in M.;
    M N. N.;
    1) Liegnitz oder Städtel-Leubus 1676 Anna Rosina Knote (1649–91, 2) Wien 1692 Maria Caecilia Wiest (1670–1727; 8 K.

  • Leben

    S. ist am 10. 10. 1676 im Matrikelbuch der kath. Pfarrkirche von Städtel-Leubus (Schlesien) erstmals urkundlich nachgewiesen; über seine Jugend und Lehrzeit gibt es keine Nachrichten. Möglicherweise wurde eine Bildhauerlehre im Salzburgischen durch eine Ausbildung zum Goldschmied ergänzt. Anschließende Wander- und Studienjahre führten S. wohl nach Deutschland, Frankreich, Italien, aber auch in die Niederlande und nach Prag. Als Bildhauer ist S. zum ersten Mal durch seine Mitarbeit an der Ausstattung der Zisterzienserklosterkirche in Leubus 1676–81/82 faßbar. In seiner urkundlich belegten Breslauer Zeit 1682–84 entstanden vermutlich die heute fragmentierte Kreuzigungsgruppe (Wien, Geistliche Schatzkammer), vielleicht auch noch die allegorische Gruppe der Elemente Wasser und Luft (Wien, Kunstkammer), beide aus Walroßzahn. Wohl gefördert vom Breslauer Bf. Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, dem Schwager Kaiser Leopolds I., erfolgte der Ruf nach Wien; hier wurde S. am 1. 3. 1688 zum hofbefreiten ksl. Kammerbeinstecher ernannt und mit einem Jahressold von 500 fl. und einem wöchentlichen Kostgeld von 3 fl 40 kr entlohnt. In dieser privilegierten Position schuf S. die als Saalmonumente für die ksl. Schatzkammer konzipierten Reiterdenkmäler Leopolds I. und Josephs I. (1690–93). Beinahe 20 Jahre später ergänzte der greise Bildhauer das allegorische Doppeldenkmal mit dem Reiterstandbild Karls Vl. aus Elfenbein. Darüber hinaus war S., dessen gutes Verhältnis zur Wiener Akademie nach 1700 immer wieder zu Aufträgen für große Dekorationen führte, vielfach als entwerfender Architekt und barocker Ingenieur mit der Um- und Neugestaltung zahlreicher Kirchen und deren Einrichtung in Wien, Laxenburg, Klosterneuburg, Herzogenburg, Zwettl, Vorau, Dürnstein, Krems, St. Pölten und an anderen Orten beschäftigt; auch Vorlagen für Ornamentstichfolgen und Risse für Goldschmiedearbeiten haben sich von ihm erhalten. Die in einem Akt des ksl. Hofes überlieferte Charakterisierung als „vir in omni arte expertus“ (in jeder Kunst erfahren) kennzeichnet S.s Universalität. Durch seine langjährige Tätigkeit als Ingenieur und Architekt hat S. das Gesamtbild des österr. Hochbarock in wesentlicher Weise und noch breiterem Umfang als durch sein bildhauerisches Schaffen und als Leiter seiner Werkstatt für Altäre und Kirchenmobiliar mitbestimmt. Als Bildhauer im großen Format zeigen ihn v. a. die Skulpturen seiner Altäre; profane großplastische Arbeiten sind in seinem Œuvre nicht gesichert. S.s Entwürfe für Altarräume und Chorgestühle (Peterskirche in Wien, Hietzinger Pfarrkirche, Leubus) verraten ein am Theater geschultes, stark räumliches Aufbaukonzept. S. gehört mit seinem vielseitigen Gesamtwerk zu den bedeutendsten und produktivsten Künstlern des österr. Barock. Er war als Bildhauer in Holz, Stein und Elfenbein gleichermaßen souverän. Neben Johann Bernhard Fischer v. Erlach und Johann Lukas v. Hildebrandt gilt S. als Mitbegründer der österr. Barockarchitektur. Nach seinen Entwürfen und Ornamentstichfolgen arbeiteten Baumeister, Goldschmiede, Stuckateure, Schlosser und Bildhauer.

  • Werke

    Weitere W Immaculata e. Siegessäule, um 1688 (Frankfurt/M., Liebieghaus);
    Triton (London, Victoria & Albert Mus.);
    Porträtrelief Franz Ludwig v. Pfalz-Neuburg, um 1712 (München, Bayer. Nat.mus.);
    Relief Sündenfall, um 1690 (Washington, Nat. Gallery of Art);
    Entwurf zu e. Triumphdenkmal Leopolds I., um 1688 (Stockholm, Nat.mus.);
    drei Wachs-Figurinen e. Kreuzigungsgruppe (Salzburg, Residenzgal.).

  • Literatur

    L. Pühringer-Zwanowetz, M. S., 1966 (P);
    dies., Triumphdenkmal u. Immaculata, zwei Projekte| M. S.s f. Ks. Leopold I., in: Städel Jb. VI, 1977, S. 409–44;
    Ch. Theuerkauff, Una statuetta di tritone a Londra, Opera giovanile di M. S.?, in: Antichità viva IX/5, 1972, S. 49–62;
    I. Schemper-Sparholz, Die Bedeutung Schlesiens f. d. Wiener Barockplastik, Neue Erkenntnisse zu Matthias Rauchmiller u. M. S., in: The work of Michal Klar the elder in Silesian Bohemian Baroque, 1995, S. 123–32;
    S. Haag, Ksl. Elfenbein, M. S. (1643/44–1727 in d. Kunstkammer d. Kunsthist. Mus., 2007;
    ThB;
    Dict. of Art;
    Hist. Lex. Wien.

  • Portraits

    Selbstbildnis (?), Reliefmedaillon an d. Kanzel d. Dominikanerkirche, Wien, Abb. in: Pühringer-Zwanowetz (s. L), Abb. 119;
    Chronos (mit Zügen S.s?), um 1720/25 (Wiesbaden, Slg. Winkler), Abb. in: Ch. Theuerkauff, Slg. Reiner Winkler, 1984, S. 133 ff.

  • Autor/in

    Sabine Haag
  • Empfohlene Zitierweise

    Haag, Sabine, "Steinl, Matthias" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 211-212 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118753312.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA