Lebensdaten
1836 bis 1900
Geburtsort
Prag
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Schachmeister ; Publizist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118617532 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Steinitz, Wilhelm
  • Steinitz, William

Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Steinitz, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118617532.html [20.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Josef Salamon (1789–1868), Schneider in P.;
    M Anna Torshová;
    12 Geschw u. 2 Halbgeschw;
    1) 1866 Caroline Golder (1846–92), 2) nach 1892 Elizabeth N. N. (* 1864);
    1 T aus 1) Flora (1866–88, 1 S aus 2) William (* 1894), 1 T aus 2) Julia (* 1897).

  • Leben

    In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, verließ S. schon früh seine Heimatstadt. Unter dem zu Wilhelm geänderten Vornamen belegte er am Polytechnischen Institut in Wien im Studienjahr 1858/59 den Vorbereitungsjahrgang für die höheren technischen Studien. Lebensbestimmend wurden jedoch weder die Technik noch eine vorübergehende journalistische Tätigkeit für die „Constitutionelle Österreichische Zeitung“, sondern seine Leidenschaft für das Schachspiel. Diesem verdankte S. zunächst Kontakte zu Mäzenen wie Anselm Salomon Rothschild (1803–74), die ihm nach seinem Sieg im Wiener Turnier 1861 die Teilnahme am Internationalen Londoner Turnier 1862 ermöglichten. Fortan suchte S. seinen Lebensunterhalt im englischsprachigen Raum: bis 1882 in Großbritannien, später in den USA (Upper Montclair b. New York; US-Staatsbürger seit 1888).

    Seine Siege bei Turnieren – u. a. in Dublin 1865, London 1868/69 und 1872, Wien 1873 und 1882 (geteilt) und New York 1894 –, die S. trotz längerer Spielpausen immer wieder erstritt, machten ihn zum führenden Spieler seiner Zeit. Zudem setzte er in Einzelwettkämpfen Maßstäbe, so etwa im Juli 1866, als er in London den als weltweit stärksten Spieler anerkannten Adolf Anderssen (1818–79) mit 8 : 6 Gewinnpartien schlug. Mit seinem Sieg über Johannes Hermann Zukertort (1842–88) errang S. 1886 den ersten offiziellen Schachweltmeistertitel, den er in drei Wettkämpfen 1889, 1890/91 und zuletzt 1892 gegen den Russen Michail Iwanowitsch Tschigorin (1850–1908) erfolgreich verteidigte. S. unterlag erst 1894 Emanuel Lasker (1868–1941) mit 5 : 10, noch deutlicher im Revanchekampf mit 2 : 10 Gewinnpartien, worauf er einen Nervenzusammenbruch erlitt. Er starb mittellos in einer New Yorker Nervenheilanstalt.

    Neben seiner Tätigkeit als Berufsspieler redigierte S. die Schachspalten mehrerer Zeitungen, gab 1885–91 das „International Chess Magazine“ heraus und konnte nicht zuletzt im „Modern Chess Instructor“ (2 Bde., 1889) seine Lehre vom Positionsspiel darlegen. Diese wurde von Siegbert Tarrasch (1862–1934) im dt. Sprachraum popularisiert und floß schließlich in die „Wiener Schachschule“ ein. Geringere Beachtung fanden seine philanthropischen Artikel über vegetarische Lebensweise, Körperertüchtigung, Frauen- und Minderheitenrechte oder über die Vergabe von Kleinkrediten.

  • Auszeichnungen

    A Gedenktafel v. V. Oppl, Karls-Univ. Prag, Gebäude d. Phil. Fak. (seit 2004).

  • Werke

    The Book of the Sixth American Chess Congress, 1891;
    My Advertisement to Antisemites in Vienna and Elsewhere, by „a Schacher Jude“ (Mercenary Jew) or An Essay on Capital, Labor and Charity, 1900;
    K. Landsberger (Hg.), The S. Papers,|Letters and Documents of the First World Chess Champion, 2002 (P)

  • Literatur

    | E. Schallopp (Hg.), Der Schachwettkampf zw. W. S. u. J. H. Zukertort, Anfang 1886, 1886;
    L. Bachmann, Schachmeister S., Ein Lb. d. ersten Weltschachmeisters dargest. in e. vollst. Slg. seiner Partien, 4 Bde., 1910–21, Nachdrr. 1980, 1986 (W);
    J. Hannak, Der Michel Angelo d. Schachspiels, Ein geschichtl. Abriß z. 100. Geb.tag d. ersten Schachweltmeisters W. S., Mit e. Geleitwort v. R. Spielmann, 1936 (P);
    R. Stolze, Umkämpfte Krone, Die Duelle d. Schachweltmeister v. S. bis Kasparow, 1987, 31992;
    K. Landsberger, W. S., Chess Champion, 1993, Nachdr. 2006 (W, L, P);
    E. Meissenburg, Juden im Schachleben Dtld.s, in: Menora, Jb. f. dt.-jüd. Gesch., 1996, S. 167–93;
    G. Kasparow, Meine gr. Vorkämpfer, Die bedeutendsten Partien d. Schachweltmeister 1, W. S., Emanuel Lasker u. d. ersten inoffiziellen Weltmeister, 2003;
    R. Hübner, Der Weltmeisterschaftskampf Lasker-S. 1894 u. weitere Zweikämpfe Laskers, 2008;
    A. Kohut, Berühmte isr. Männer u. Frauen 2, o. J., S. 256–59 (P);
    D. Hooper, K. Whyld, The Oxford Companion to Chess, 21992;
    Enc. Jud. 1971;
    Biogr. Judaica Bohemiae;
    Wininger;
    ÖBL;
    Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft;
    DAB;
    ANB.

  • Autor/in

    Karl Kadletz
  • Empfohlene Zitierweise

    Kadletz, Karl, "Steinitz, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 210-211 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118617532.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA