Lebensdaten
um 1265 oder 1270 bis 1341
Geburtsort
Kamien (Oberschlesien)
Sterbeort
Neiße
Beruf/Funktion
Bischof von Breslau
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119308819 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nanker von Breslau
  • Nanker
  • Nanker von Breslau
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Zitierweise

Nanker, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119308819.html [06.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Imram, aus d. Geschl. Kołdów, Wappenstamm Oksza;
    M N. N.;
    B Pasco (erw. 1322), Richter in Oppeln (s. L);
    N Pascho (Pacold) (erw. 1335-47), Domherr in B., vermutl. auch Kanoniker in Oppeln (s. L).

  • Leben

    Einer im schles. Hzgt. Beuthen begüterten Familie adliger Grundherren entstammend, schlug N. nach 1290 eine Laufbahn als Kleriker ein. 1304 erscheint er als Domherr von Krakau, seit 1304/05 als Archidiakon in Sandomir. 1305/06 ging er zum Studium des Kirchenrechts nach Bologna, wo er 1306 als Vertreter der poln. Nation auftrat. 1308 nach Krakau zurückgekehrt, knüpfte er enge Beziehungen zu Władisław Łokietek, dem Herzog v. Großpolen, der N.s vielfältige juristische und kirchenpolitische Dienste durch die Förderung von dessen weiterer kirchlicher Karriere (1316/17 Dompropst, 1319 Domdekan von Krakau) belohnte. Władisławs Fürsprache verdankte N. auch die Wahl zum Bischof durch das Domkapitel von Krakau, die der Papst im März 1320 bestätigte. Zu N.s vorrangigen Anliegen gehörte der Kampf gegen die zahlreichen Mißstände in seinem Bistum. Mit den auf der Diözesansynode im November desselben Jahres erlassenen 50 Statuten normierte er nicht nur die geistlichen Pflichten und moralisch-religiösen Verhaltensweisen seines Klerus, sondern verschaffte auch den einschlägigen päpstl. Bestimmungen Eingang in die – von ihm begründete – Diözesan-Gesetzgebung. Die bischöfl. Autorität und Stellung stärkte N. auch durch den Rückgewinn vieler seiner Kirche entfremdeter Güter und Rechte, selbst auf Kosten eines Konflikts mit Kg. Władisław (1325), und durch den 1320 begonnenen Neubau der St. Wenzels-Kathedrale im gotischen Stil.

    N.s in Krakau erzielte Erfolge und sein hohes Ansehen bei Papst und poln. König ließen ihn als den geeigneten Kandidaten erscheinen, um den seit 1319 vakanten Breslauer Bischofsstuhl einzunehmen und damit den Einfluß beider in Schlesien auf Kosten des böhm. Königs zu erhöhen. Seine ständigen Bitten um Rückkehr nach Krakau dokumentieren jedoch, daß N. nur widerwillig der von Papst Johannes XXII. 1326 befohlenen Translation nach Breslau gehorchte. Die Opposition, mit der die deutsche Mehrheit des Domkapitels und die Bürgerschaft von Breslau N. während seiner Amtszeit begegneten, überschattete auch alle seine dortigen Reformbemühungen. N.s letzte Pontifikatsjahre waren entscheidend durch den Konflikt mit Kg. Johann v. Böhmen geprägt, der die bischöfliche Festung Militsch, die als Schlüssel zum poln. Königreich galt, nach ergebnislosen Verkaufsverhandlungen im Juli 1339 gewaltsam besetzt hatte. N. quittierte Johanns Weigerung der Rückgabe Militschs mit der Verhängung der Exkommunikation, die er 1340 in seinem Exil in Neiße erneuerte und auch auf dessen Helfer, die Ratsherren und Bürger von Breslau, ausweitete. Seinen Zeitgenossen galt N. wegen des entschlossenen Eintretens für die Belange seiner Kirche und seiner gelebten Frömmigkeit und Askese als Heiliger.

  • Werke

    Najstarsze Statuty Synodalne Krakowskie Biskupa Nankera z 2 pázdziernika 1320 r. (Die älteren Krakauer Synodalstatuten d. Bischofs N. aus d. J. 1320), ed. J. Fijałek, 1915;
    Constitutiones domini Nankeri episcopi Wratislaviensis, 1327–1331, ed. J. Sawicki, in: Ślaski Kwartalnik Historyczny Sobótka XVI, 1961, S. 588-97 (mit e. Zusammenfassung u. d. T. Die gesetzgeberische Tätigkeit Bischof N.s u. seine Slg. Breslauer Konstitutionen).

  • Literatur

    ADB 23;
    E. Maschke, Der Peterspfennig in Polen u. dem dt. Osten, 1933, 21979, S. 159-61;
    F. Meltzer, Die Ostraumpol. Kg. Johanns v. Böhmen, 1940, S. 132-38, 161-73, 179-82;
    W. Urban u. R. Gustaw, in: Hagiografia Polska II, 1972, S. 149-60;
    Z. Budkowa, in: Polski Słownik Biograficzny XXII, 1977, S. 514-17;
    J. Gottschalk, Die Grabstätten d. Breslauer Bischöfe, in: Archiv f. Schles. KG 37, 1979, S. 191 f.;
    E. Walter, Die Begleiter d. Breslauer Bischofs N. (1326-41) auf seinem Monument im Breslauer Dom, ebd., 47/48, 1990, S. 323-31. – Zu Pasco u. Pascho: D. Veldtrup, Prosopograph. Stud. z. Gesch. Oppelns als hzgl. Residenzstadt im MA, 1995, S. 391 bzw. 156 f.

  • Autor/in

    Hubertus Seibert
  • Empfohlene Zitierweise

    Seibert, Hubertus, "Nanker" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 728 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119308819.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Nanker: Bischof von Breslau (1326—1341), von Geburt ein Pole, Sohn des Jumiram, 1308 als Archidiakon von Sendomir erwähnt, wird 1320, wo er die Würde eines Domdechanten in Krakau bekleidete, zum Bischof von Krakau gewählt, von da jedoch, nachdem er mit König Wladyslaw Lokietek in Streit gerathen und von diesem angeblich sogar eine thälliche Beleidigung zu erdulden gehabt hatte, durch den Papst 1325 nach Breslau versetzt. Für den dortigen Bischofsstuhl hatten die päpstlichen Legaten wiederholt einen Polen begehrt, da in diesem allmählich fast ganz germanisirten Lande die Deutschen und auch die deutsche Geistlichkeit, das seiner Mehrheit nach deutsche Breslauer Domcapitel nicht ausgeschlossen, gegenüber den damals besonders gesteigerten Geldansprüchen der päpstlichen Curie, welche Eigennutz und Ueberhebung seitens der Legaten oft noch besonders unerträglich machten, sich weniger gefügig zeigten. Unter solchen Umständen mußte es der neue Bischof, von den Deutschen in Schlesien allgemein als unwillkommener Eindringling angesehen, sehr schwierig finden, zu einer gedeihlichen Wirksamkeit zu gelangen, und es kam so weit, daß N. selbst den Papst um die Erlaubniß anging, wieder nach Krakau zurückkehren|zu dürfen. Endlich aber gelang es ihm, durch größere Nachgiebigkeit in ein besseres Verhältniß zu seinem von dem intelligenten Domherrn Nicolaus v. Banz geleiteten Domcapitel zu kommen; er ließ es sich auch gefallen, daß dieses ihm als einem mit den Landessitten Weniger Vertrauten ein uns noch erhaltenes Formelbuch (ed. Wattenbach, cod. dipl. Siles. V) als Muster für seine Regierungs- und Canzleipraxis überreichte. Der gegen das Deutsche in Schlesien in hohem Maße erbitterte päpstliche Legat Galhard de Carceribus. zeigte sich über des Bischofs Nachgiebigkeit sehr erzürnt und schilderte ihn dem Papst als altersschwach und energielos. Vielleicht waren es nun besonders die Vorwürfe des Legaten, die N. in einem Streite mit König Johann von Böhmen, dem Oberlehnsherrn von Schlesien und seit 1335 auch directen Landessürst von Breslau, so besonders hartnäckig machten. König Johann verlangte 1337, als gerade seine Beziehungen zu Polen sich etwas gespannter zeigten, daß ihm die an der polnischen Grenze gelegene, durch die Sümpfe der Bartsch wohl geschützte Burg Militsch, ein alter Besitz des Breslauer Domcapitels, für Kriegszwecke offen gehalten würde. Mit dem Capitel hätte er sich bei dessen Gesinnung geeinigt, aber in Militsch gebot ein Capitular, Heinrich v. Würben, der von seiner Widerspenstigkeit und Unbotmäßigkeit, auch dem Capitel gegenüber, bereits wiederholt Beweise gegeben hatte. Dessen Weigerung, das Schloß dem König zu öffnen, billigte auch der Bischof, beeinflußt durch den päpstlichen Legaten Galhard, der in einem Briefe an den Papst es ganz offen ausspricht, daß er im Interesse Polens einer Besetzung der schlesischen Grenzburg durch den Landes-Herrn widerstrebe. Aber die Breslauer rückten mit einer Abtheilung Kriegsvolk vor Militsch, 1389, und bewogen bei einer Zusammenkunft, die schließlich in einem Zechgelage endete, Heinrich v. Würben zur Oeffnung des Schlosses für den König. Hierüber erzürnt suchte nun N. mit einigen Domherrn, die sich dazu willig hatten finden lassen, König Johann zu Breslau im Minoritenkloster auf, wo derselbe eben in Berathung mit den Rathsherren sich befand, erzwang durch stürmisches Fordern eine Audienz und trat nun in feierlichem Ornat, ein Crucifix in der Rechten haltend, vor den König, von diesem zum ersten, zweiten und dritten Male die Rückgabe von Schloß Militsch verlangend. Als Johann kühl darauf bemerkte, das würde sich wohl nicht so gleich thun lassen, schleuderte der erzürnte Bischof mit erhobenem Crucifix dem König den Bannfluch ins Antlitz, worauf dieser zu den Umstehenden gewandt ruhig sprach: „O bei der Seele Gottes, was ist das für ein Priester, der würde gern ein Märtyrer werden, wenn nur Jemand Lust hätte, ihn dazu zu machen“, worauf er sich abwandte, und das Zimmer verließ. Als die Breslauer Rathsherren dann dem Bischof wegen des dem Könige angethanen Schimpfes Vorstellungen machten, erklärte Jener, auch sie seien als Mitschuldige dem Banne verfallen und schmähte den König noch, den er nicht als König, sondern nur als ein Königlein gelten lassen wollte, da er in seinem Lande nicht einmal einen Erzbischof habe, sondern zu seiner Krönung erst einen solchen sich habe borgen müssen. Während der Bischof nach diesem Auftritt vor dem Zorn des Königs nach Neiße flüchtete, legte dieser Beschlag auf alle bischöflichen Einkünfte in den Gebieten von Breslau und Neumarkt, und die in Folge dessen von N. verhängten geistlichen Strafen, Interdikt und Bann blieben wirkungslos, ja sie konnten in Breslau nicht einmal publicirt werden. Und als dann auch gegen die Breslauer Rathsherren und die Geistlichen, welche trotz des Interdictes in Breslau Gottesdienst hielten, durch den Bischof eine Anklage wegen ketzerischer Aeußerungen erhoben ward, vermochte der mit dieser Untersuchung als Inquisitor betraute Dominicaner Johann v. Schwenkenseld wenig auszurichten, sondern mußte bald wieder unverrichteter Sache Breslau verlassen, und konnte nicht einmal die Gesangenhaltung eines Waldensischer Ketzereien sehr verdächtig scheinenden Mönches Martin von Grüssau durchsetzen. Die Lösung des Confliktes erleichterte sehr der Tod Nanker's am 10. April 1341. Markgraf Karl, der Sohn des Königs Johann, der an Stelle seines Vaters hier die Regierung führte, brachte es bald zu einem Ausgleiche, namentlich nachdem sein früherer Erzieher (1342) als Clemens VI. den päpstlichen Stuhl bestiegen hatte, und der nun zum Bischof gewählte Schlesier Preczlaw v. Pogarell hielt sich von allen polonisirenden Tendenzen fern.

    • Literatur

      Grünhagen, König Johann von Böhmen und Bischof Nanker von Breslau. Wien 1864. Sitzungsberichte der k. Akademie Bd. 47.

  • Autor/in

    Grünhagen.
  • Empfohlene Zitierweise

    Grünhagen, Colmar, "Nanker" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 243-245 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119308819.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA