Lebensdaten
1915 bis 1990
Geburtsort
Essen
Sterbeort
East Hampton, Long Island (New York/USA)
Beruf/Funktion
Photograph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118827928 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Namuth, Hans

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Zitierweise

Namuth, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118827928.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolph (1889–1948) aus Lenne, Kaufm. in E., Leiter e. Molkerei;
    M Johanna Weiskirch (1888–1970) aus Frankfurt/Main;
    1943 Carmen P. de Herrera (* 1916, kath.) aus Deauville (Normandie);
    1 S Peter (* 1948), Photograph, 1 T.

  • Leben

    N., der nach dem Besuch der Realschule (1925–32) eine Buchhändlerlehre begann, wurde in seiner Jugend vom „Wandervogel“ geprägt. Als er 1933 antifaschistische Flugblätter verteilte, geriet er in Haft. Sein Vater, Mitglied der NSDAP und SA, erreichte im September seine Freilassung aus dem Gestapogefängnis in Recklinghausen und verschaffte ihm ein Touristenvisum für Frankreich. Dort schloß N., der zunächst als Tellerwäscher und Zeitungsverkäufer arbeitete, Freundschaft mit Georg Reisner (1911–40) und André Friedmann (1913–54); ersterer führte ihn in die Photographie ein, letzterem sollte er später in Spanien als „Robert Capa“ wieder begegnen. Seit 1935 hatten N. und Reisner zunehmend als Pressephotographen Erfolg, aber auch – während des Sommers auf Mallorca – als Porträtphotographen. Sie arbeiteten vor allem mit den Agenturen „Alliance Photo“ (Maria Eisner) und „Three Lions“ (Gebr. Löwenherz) zusammen sowie mit Henri Daniel und dessen Bruder Leon, der nach New York emigriert war. Im Auftrag der franz. Zeitschrift „Vu“ reisten die beiden im Juli 1936 über Mallorca nach Barcelona zur Arbeiter-Olympiade, wo sie vom Ausbruch des Bürgerkriegs überrascht wurden. Neun Monate photographierten sie für verschiedene Blätter direkt an den Kriegsschauplätzen, neben „Vu“ für „Life“, „Regards“,|die „Schweizer Illustrierte“ und die Photo-Jahresbände 1936-38 der „Arts et Metiers Graphiques“. Seit März 1937 wieder in Paris, eröffneten N. und Reisner ein Photostudio in Neuilly-sur-Seine. Um der Internierung zu entkommen – Reisner nahm sich im Lager „Les Milles“ bei Aix-en-Provence das Leben –, diente N., der sich selbst als „Überlebenskünstler“ bezeichnete, 1939/40 in der Fremdenlegion. 1941 emigrierte er in die USA, wo er sich zunächst als Sach- und Modephotograph etablieren konnte und für „Life“, „Harper's Bazaar“, „Vogue“, „Time“, „Newsweek“, „Look“, „Fortune“ und „Artnews“ arbeitete. Nach seiner Einbürgerung 1942 wurde er in die Armee eingezogen. Seit 1947 betrieb N., der sich an der New School for Social Research (New York) bei Joseph Breitenbach und Alexej Brodovitch weitergebildet hatte, in New York ein eigenes Photo- und Filmstudio (zusammen mit Paul Falkenberg). In Guatemala entstanden Porträtaufnahmen von Maya-Indianern, 1950-56 die berühmten Porträts, die den Aktionskünstler Jackson Pollock u. a. bei der Arbeit zeigen und den internationalen Durchbruch brachten. N. verzichtete auf Effekte und raffinierte Einstellungen. Vornehmlich bei den Künstlerporträts wählte er – in der Tradition der Neuen Sachlichkeit eines August Sander und Albert Renger-Patzsch – die Frontalperspektive. Im statisch unverwandten Blick auf das Objekt sowie in der Konzentration auf die unscheinbare Geste des Augenblicks versuchte N., das Wesen der Porträtierten sichtbar zu machen.

  • Werke

    u. a. (Bildbde.) Fifty-Two Artists, 1973;
    American Masters, 1973;
    Early American Tools, 1975;
    L'Atelier de Jackson Pollock, 1978;
    Pollock Painting, 1980;
    Artists 1950–81, A Personal View, 1981;
    Span. Tagebuch 1936, Fotografien u. Texte aus d. ersten Monaten d. Bürgerkriegs (mit G. Reisner), hrsg. v. D. Kerbs, 1986 (P). – Zahlr. Filme (mit Paul Falkenberg), u. a. über Willem de Kooning, Alfred Stieglitz u. Jackson Pollock. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Archive of American Art, Photographer Department, Mus. of Modern Art, New York.

  • Literatur

    Ausst.kat. München (Lenbachhaus) 1986 (W, L, P);
    Contemporary Photographers, 21988 (W, L, P);
    N. Kuhn, in: FAZ v. 23.10.1990;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Namuth, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 727 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118827928.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA