Lebensdaten
1873 bis 1953
Geburtsort
Groß-Styrlack bei Lötzen (Ostpreußen)
Sterbeort
Düsseldorf-Benrath
Beruf/Funktion
Diplomat
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118737813 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lodan, Rolf (Pseudonym)
  • Oestling (Pseudonym)
  • Ostmann (Pseudonym)
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Zitierweise

Nadolny, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118737813.html [24.02.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1847–1944) aus G., Gutsbes., dessen Vorfahren bis in d. 14. Jh. als Landwirte in Ostpreußen nachzuweisen sind;
    M Agnes Trinker (1847–1910). aus Salzburger Emigrantenfam.;
    1905 Änny (1882-1977), T d. Berliner Kaufm. N. N. Matthiessen;
    S Burkard (1905–68, Isabella Peltzer. * 1917, Schriftst.), Schriftst. (beide s. Wi. 1968);
    E Sten (* 1942), Dr., Historiker u. Schriftst. (s. L).

  • Leben

    Nach der am Rastenburger Gymnasium 1892 abgelegten Reifeprüfung absolvierte N. bis 1895 ein Jurastudium in Königsberg. Dort schloß er sich dem „Verein deutscher Studenten“ an und begann nach dem Referendar- und dem Assessorexamen 1902 die konsularische Laufbahn im Auswärtigen Dienst, die ihn 1903-07 an das Generalkonsulat in St. Petersburg führte und die erste russ. Revolution und die Auswirkungen des russ.-japan. Krieges erleben ließ. Bereits vor dem 1. Weltkrieg mit Sondermissionen nach Persien, Bosnien und Albanien betraut, leitete N. seit Dezember 1914 die Sektion Politik des Generalstabes des Feldheeres, war an diversen Revolutionierungsbestrebungen in den besetzten Gebieten beteiligt und suchte seit Juli 1916 als deutscher Geschäftsträger in Persien die Verbindung nach Afghanistan und die pers. Unabhängigkeit zu sichern. Seit November 1917 kommissarischer Leiter der Ostabteilung des Auswärtigen Amtes, beteiligte er sich – trotz mancher Differenzen mit dem damaligen Staatssekretär Richard v. Kühlmann – an den Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk und an der Ausweisung des sowjetruss. Botschaftspersonals aus Berlin am Vorabend der Novemberrevolution. Zunächst Vertreter des Auswärtigen Amtes beim Reichspräsidenten, nahm der damals der DDP nahestehende N. als Chef des Ebertschen Präsidialbüros in der Zeit des innenpolitischen Umbruchs eine Schlüsselstellung ein. Seit Januar 1920 als Geschäftsträger mit der Leitung der Gesandtschaft Stockholm beauftragt, wechselte er im Mai 1924 mit dem persönlichen Rang als Botschafter nach Ankara, wo er vor allem die deutsch-türk. Wirtschafts- und Kulturbeziehungen förderte. Gleichzeitig fungierte er von Februar 1932 bis zum Oktober 1933 als Chef der deutschen Delegation bei der Genfer Abrüstungskonferenz, konnte aber den durch Hitler vollzogenen Austritt des Reiches aus der Abrüstungskonferenz und dem Völkerbund nicht verhindern.

    Nach einigen vergeblichen Bemühungen um den Moskauer Botschafterposten – eine solche war im November 1928 nach dem Tod Gf. Brockdorff-Rantzaus am Veto Gustav Stresemanns gescheitert und hatte zu einem Kompetenzkonflikt zwischen dem Außenminister und Reichspräsident v. Hindenburg geführt – gelangte N. im Herbst 1933 an sein Ziel, als er nach Moskau berufen wurde. Trotz einer auf der Rapallo-Tradition basierenden Instruktion mußte er aber bald erkennen, daß seine Versuche einer Normalisierung der durch die Nationalsozialisten belasteten deutsch-sowjet. Beziehungen und der beabsichtigte Ausbau des Berliner Freundschafts- und Neutralitätsvertrages am Widerspruch Außenminister v. Neuraths und Hitlers scheiterten. Daraufhin trat N. am 16.6.1934 zurück und betätigte sich seither als Gutsverwalter. Nach der Denunziation eines angeblich prosowjet. Vortrages über „Deutschland und der Osten“ in Tilsit wurde er am 13.4.1937 in den „dauernden Ruhestand“ versetzt. Möglicherweise noch kurzfristig an der Vorbereitung des Hitler-Stalin-Paktes beteiligt, agierte N. 1939-42 als Hauptmann und Major im Oberkommando der Wehrmacht im Stab des Admirals Canaris.

    Nach Kriegsende war der parteilose und politisch nicht kompromittierte N. zeitweise Präsident des Deutschen Roten Kreuzes und arbeitete am Institut für Völkerrecht in Berlin. Durch Kontakte mit deutschen Politikern und Repräsentanten der Besatzungsmächte und zahlreiche außenpolitische Memoranden suchte er nach 1945 auf vielfältige Weise – zunächst in der sowjet. Besatzungszone und dann als Mitstreiter der „Gesellschaft für|eine Wiedervereinigung Deutschlands“ und des „Deutschen Einheitsbundes“ auch im Westen – die deutsche Teilung zu verhindern und den Nationalstaat zu erhalten, dem er die Aufgabe einer Brücke zwischen Ost und West zuwies. Wegen seiner bis Herbst 1947 dauernden Verbindung mit der sowjet. Militäradministration in der Presse oft als russ. Agent diffamiert, blieb N. mit seinen Bemühungen angesichts des zum Kalten Krieg ausufernden Ost-West-Antagonismus und der Gründung der beiden deutschen Staaten der Erfolg versagt. – Dem ehrgeizig-eigensinnigen, im Auswärtigen Amt nicht unumstrittenen N. gelang weder der große politische Durchbruch, noch erfüllten sich seine Hoffnungen auf eine Übernahme des Außenministeriums. Der national-konservative Bismarckianer genoß jedoch als analytisch begabter Rußlandexperte hohes Ansehen. Als solcher hinterließ er ein vielfältig anregendes publizistisches Œuvre.

  • Werke

    Verkehr nach Rußland, Eine Slg. d. für d. Handels- u. Reiseverkehr nach Rußland zu beobachtenden Vorschriften, Im Anschluß an d. dt.-russ. Handelsvertrag bearb. u. mit Genehmigung d. Auswärtigen Amtes veröff., 1908, 21913;
    Germanisierung od. Slavisierung? Eine Entgegnung auf Masaryks Buch: Das neue Europa, 1928;
    Dtld. v. draußen u. unsere außenpol. Verantwortung, Ein Schulungsvortrag, 1934;
    Mein Beitrag, 1955 (Autobiogr., P), erweitert u. d. T.: Mein Beitrag, Erinnerungen e. Botschafters d. Dt. Reiches, 21985, hrsg. v. G. Wollstein (P);
    Völkerrecht u. dt. Frieden, 1949. – Bibliogr.: Verz. d. publizist. Arbeiten (Nachlaß Nadolny im Pol. Archiv d. Auswärtigen Amtes, erstellt durch H. Eilsberger).

  • Literatur

    S. Nadolny, Abrüstungsdiplomatie 1932/33, Dtld. auf d. Genfer Konferenz im Übergang v. Weimar zu Hitler, 1978;
    G. Wollstein, R. N., Außenminister ohne Verwendung, in: VfZ 28, 1980, S. 47-93 (Bibliogr.);
    H. v. Herwarth, Zwischen Hitler u. Stalin, 1982, S. 93-96;
    Das Dt. Führerlex., 1934 (P);
    Rhdb. (P);
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Altpreuß. Biogr. III.

  • Autor

    Wolfgang Müller
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Wolfgang, "Nadolny, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 692 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118737813.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA