Lebensdaten
1770 oder 1771 bis 1830
Beruf/Funktion
Mechaniker ; Instrumentenhersteller ; Oberspritzenmeister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11644889X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Repsold, Johann Georg

Verknüpfungen

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Zitierweise

Repsold, Johann Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11644889X.html [16.02.2019].

CC0

  • Leben

    Repsold: Johann Georg R., Mechaniker und Oberspritzenmeister in Hamburg. Geboren am 23. September 1771 zu Wremen im Hannoverschen, des dortigen Predigers Sohn, war R. schon als Knabe ein eifriger talentvoller Schüler der mathematischen Wissenschaft und ihrer Anwendungszweige, wobei er sich der gründlichen Unterweisung des damaligen Wasserbauconducteurs (späteren Direktors) Woltmann zu Cuxhaven erfreute. Als 18jähriger Jüngling ging er 1789 zu seiner Vervollkommnung nach Hamburg, wo er seitdem seine Heimath und ein noch wenig bebautes Feld seiner Thätigkeit fand. 1795 war er als|Geometer beschäftigt, 1796 als Hydrotechniker zum Conducteur der Elbdeputation, einer Behörde für Verbesserung der Schiffbarkeit des Elbstroms erwählt, worauf 1798 seine Anstellung als Spritzenmeister erfolgte, und 1809 ihm die Leitung des gesammten städtischen Löschwesens anvertraut wurde mit dem Titel Oberspritzenmeister, in welchem verantwortungsvollen Amte er bis an seinen Tod sich die größte Anerkennung erwarb. — Neben Verbesserung der Löschgeräthe, des Dienstes der Löschmannschaft u. dgl., organisirte er auch ein besonderes Rettercorps, vorzüglich zu Gunsten der bei einem Brande gefährdeten Menschenleben, welches Corps im Laufe der Jahre sehr viele Personen vor dem Flammentode bewahrt hat. — Repsold's Lieblingsstudium war die Astronomie, weshalb er sich schon um 1800 ein kleines Observatorium am Wall (am sog. Stintfang) erbaut und mit selbstgefertigten Instrumenten versehen hatte. Zur Zeit der französischen Herrschaft stand diese Privatsternwarte der Fortification im Wege, weshalb sie beseitigt werden mußte. Nach dem Frieden gelang es Repsold's, von Dr. v. Heß und Director Reinke unterstützten Bemühungen, den Bau einer Staatssternwarte zu Stande zu bringen, welche R. mit seinen Instrumenten ausrüstete. Diese wurden später von einem patriotischen Kaufmannsverein erworben und der Sternwarte als Eigenthum überwiesen. — Daneben hatte er eine Werkstätte zur Anfertigung optischer und physikalischer Instrumente errichtet, aus welcher wahre Meisterstücke hervor- und in alle Welt gingen, und seinen Ruf im Auslande bei allen Sachkennern begründeten. Für die hamburgischen Leuchtthürme in der Elbmündung und andere ähnliche Anstalten schuf er die brauchbarsten Geräthe, geeignet, das rettende Licht in bisher unerreichte Entfernungen zu bringen, weshalb man ihn „den umsichtigen Leiter des Lichtstrahls“ nannte. — Bei Ausübung seines Amtes fand der treffliche Mann am 14. Januar 1830 seinen rühmlichen tragischen Tod. — Aus einer Mittagsmahlzeit im Kreise befreundeter Honoratioren abgerufen zur Leitung der Bewältigung einer in der Hafengegend ausgebrochenen großen Feuersbrunst, bekämpfte R. mit gewohnter Kühnheit und Unerschrockenheit das verheerende Element. Auf seinem exponirten Posten wurde er, als schon der günstige Erfolg zweifellos war, von den Trümmern eines herabstürzenden Giebels erschlagen; sein neben ihm stehender, ihm assistirender Sohn, dessen tüchtige Haltung zu loben ein letztes, freudiges Wort des Vaters war, blieb unverletzt. — Die Trauer über seinen Verlust war bei Hamburgs Bevölkerung allgemein tief empfunden, und offenbarte sich würdig bei Beerdigung der Ueberreste des in allen Kreisen geehrten und beliebten Mannes. Den auf dem Sarge liegenden Commandeurhut des Verewigten schmückte eine Bürgerkrone in Eichenlaub mit der Inschrift „Dem Bürgerverdienste“. Wochenlang brachten die Zeitungen Artikel zu Repsold's Ehren, Nachrufe, Erinnerungen, Gedichte u. dgl. Von mehreren Porträts ist das Specktersche das beste, da es Repsold's Eigenschaften am treuesten widerspiegelt: Geist, Denkkraft, Herzensgüte, selbst Humor. — Der Hamburger Staat, dem R. fast 40 Jahre in löblichster Weise gedient, ehrte sein Andenken, indem ein einhelliger Beschluß des Senats und der Bürgerschaft „in dankbarer Anerkennung seiner großen und uneigennützigen Verdienste um die Wissenschaften und insbesondere um Hamburg“, seiner Wittwe lebenslänglich das volle Gehalt ihres verstorbenen Gatten als Pension verlieh. — Seine Mitbürger aber errichteten ihm, auf Anregung der patriotischen Gesellschaft, aus rasch gesammelten freiwilligen Beiträgen, ein Ehrendenkmal auf dem Wall neben der Sternwarte, welches auf einem Unterbau die wohlgetroffene Büste Repsold's (vom Bildhauer O. S. Runge) trägt, mit der Inschrift: „Erfindungsreich waffnete er die Wissenschaft, bekämpfend die Feuersbrunst, von Trümmern erschlagen“. — Auch zwei Medaillen wurden zu seinem ehrenvollen Gedächtniß geprägt. — Nach dem Urtheilseiner Zeitgenossen|war R. „anerkannt als erster Mechaniker Deutschlands, ausgezeichnet im ganzen Gebiete der Naturkunde, namentlich hochverdient um die astronomischen und geodätischen Wissenschaften, ein kraftvoller deutscher Mann, der unter schlichter Außenseite den edelsten gediegensten Charakter barg, ein liebenswürdiger Gesellschafter und ein wahrhaft frommer Christ.“ —

    • Literatur

      Nach archival. Quellen, Zeitungen u. s. w. — Vgl. auch den Neuen Nekrolog der Deutschen, 8. Jahrgang, Theil I, S. 54.

  • Autor/in

    Beneke.
  • Empfohlene Zitierweise

    Beneke, Otto, "Repsold, Johann Georg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 28 (1889), S. 233-235 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11644889X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA