Lebensdaten
1861 bis 1952
Geburtsort
Tristeldorf (Drstele u. Ptuje) bei Sankt Urban (Untersteiermark)
Beruf/Funktion
Slawist ; Literaturhistoriker ; Ethnograph
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118865668 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Murko, Matija
  • Murko, Mathias
  • Murko, Matija
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Murko, Mathias, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118865668.html [21.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Weinbauer in T.;
    M N. N.;
    Graz 1903 Jela (Gabriela), T d. Josef Sernec, Dr. iur., Advokat in Cilli (Steiermark);
    3 S, u. a. Vladimir (1906–86), Prof. f. Finanzwiss. an d. Univ. Laibach, Ivo (1909–84), Jurist u. Diplomat, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums zunächst in Pettau, dann in Marburg/Drau (Maribor) (1872–80), wo sein Interesse an Germanistik und Slawistik geweckt wurde, ging M. an die Univ. Wien, um diese Fächer zu studieren. Hier waren seine Lehrer Richard Heinzel und Erich Schmidt sowie Franz v. Miklosich. Trotz schwieriger materieller Verhältnisse – er mußte u. a. als Hauslehrer seinen Lebensunterhalt verdienen – promovierte M. 1886 „sub auspiciis imperatoris“ und erhielt den Goldenen Ring des Kaisers. Der im selben Jahr als Nachfolger Miklosichs auf den Lehrstuhl für slawische Philologie in Wien berufene Vatroslav Jagić verhalf M. zu einem Reisestipendium für Rußland, um seine Studien an der Univ. St. Petersburg zu vervollkommnen. Nach seiner Rückkehr 1889 trat M. in den Dienst des Wiener Außenministeriums (Presseabteilung) und war an verschiedenen Lehranstalten als Russischlehrer tätig. Im Wintersemester 1896/97 habilitierte er sich an der Univ. Wien mit der Arbeit „Deutsche Einflüsse auf die Anfänge der böhm. Romantik“ (1897). 1902-17 war er o. Professor für slawische Philologie in Graz, 1917-20 als Nachfolger August Leskiens in Leipzig, 1920-31 an der Karls-Universität in Prag an der neuerrichteten Lehrkanzel für südslawische Sprachen und Literaturen. Hier war er am Ausbau der slawistischen Studien wesentlich beteiligt, indem er die Zeitschrift „Slavia“ mitbegründete und 1929 den 1. internat. Slawistenkongreß in Prag organisierte. Nach der Emeritierung war er noch bis 1941 Vorstand des von ihm mitbegründeten „Slawischen Instituts“ (Slovanský ústav). M.s wissenschaftliches Werk zeugt von großer Vielfalt; seine Bedeutung liegt sowohl auf dem Gebiet der Volkskunde als auch der Literaturgeschichte, insbesondere der Volkslied- und der Wörter- und Sachenforschung, ferner als Biograph (Miklosichs Jugend- und Lehrjahre, in: Forschungen z. slaw. Lit.gesch., Festgabe f. R. Heinzel, 1898, S. 493-567) und als Organisator. In Graz konnte er seit seiner Ernennung zum o. Professor in der Zeitschrift „Wörter und Sachen“ wieder mit Freunden und Kollegen seiner Wiener Zeit wie dem Indogermanisten Rudolf Meringer und dem Archäologen Rudolf Heberdey zusammenarbeiten, er fand aber auch neue Kontakte etwa zu dem Germanisten Anton Schönbach und dem Volkskundler Viktor v. Geramb. In Leipzig zählte zu seinen Hörern u. a. Karl Heinrich Meyer.

    Methodisch verband M. die Erfahrungen des philologischen Kritizismus eines Miklosich oder Jagić einerseits und der germanistischen Scherer-Schule andererseits mit der Erforschung der individuellen und strukturellen kultur-, sozial- und geistesgeschichtlichen Tatsachen, auf denen die Volkskultur beruht. In seinem Werk können eine vom Interesse an Literaturgeschichte geprägte erste Periode (Die Geschichte von den sieben Weisen bei den Slaven, 1890; Geschichte der älteren südslaw. Literaturen, 1908, Neudr. 1971) und eine zweite, schwerpunktmäßig der Volksdichtung und -kunde gewidmete Periode unterschieden werden, aus der Werke wie „Zur Geschichte des volkstümlichen Hauses bei den Südslawen“ (1906) und „La poésie populaire épique en Yougoslavie au début du XXe siècle“ (1929) hervorgingen. M.s Hauptthese war, man müsse das Leben des Liedes in seinem Milieu verfolgen und von der Textexegese zum lebendigen Wort und zur Melodie, zur Liedüberlieferung, zum Studium der Funktion des Sängers und des epischen Milieus fortschreiten, Fragen, nach deren Klärung auch die Germanisten und Romanisten verlangten. M. unternahm bis ins hohe Alter Studienreisen in die serbokroat. Länder, um mit Phonograph und Photoapparat die epische Volksdichtung vor Ort näher zu untersuchen.

    Politisch gehörte M. zu den herausragenden Vertretern des Austroslawismus, die den österr. Staat bejahten und im Rahmen des Habsburger-Reiches eine positive nationale und kulturelle Entwicklung der österr. Slawen erwarteten. Nationalen Phantastereien – sowohl slawisch-nationalen im Sinne Kollars als auch pangermanischen des Dritten Reichs – war er abgeneigt. Er war sich darüber im klaren, „daß die slawischen Völker weder in der geschichtlichen Zeit noch ihrer kulturellen Seite nach je eine Einheit gebildet haben und diese auch nicht bilden werden“.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Prag 1908, Laibach 1951); Mitgl. d. Sächs. Ak. d. Wiss. (1918), d. Ak. d. Wiss. d. UdSSR (1925), d. Poln. (1929) u. d. Slowen. Ak. d. Wiss. (1940).

  • Werke

    Weitere W Die Bedeutung d. Ref. u. Gegenref. f. d. geistige Leben d. Südslaven, 1927;
    Rozpravy z oboru slovanského národopisu (Abhh. aus d. Gebiet d. slaw. Volkskde.), 1947;
    Paměti, 1949 (slowen., 1951, Autobiogr.). – Hrsg.: Slavica, 1933-41 (mit K. H. Meyer). |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Univ.bibl. Laibach; Nat.-mus. Prag.

  • Literatur

    A. Slodnjak, in: Slavistična Revija V-VII, 1954, S. 41-75;
    J. Matl, in: NÖB 13, 1959, S. 173-83 (P);
    G. Wiemers, M. M. im Spannungsfeld d. Leipziger Univ. 1917-1920, in: SB d. Sächs. Ak. d. Wiss., Philolog.-hist. Kl., Bd. 128, H. 2, 1988, S. 21-54;
    Enciklopedija Slovenije IV, S. 239 f.;
    Slawistik in Dtld. v. d. Anfängen bis 1945, hrsg. v. E. Eichler u. a., 1993, S. 279-81;
    Biographisches Lexikon Südosteuropa;
    Biographisches Lexikon Böhmen.

  • Autor/in

    Heinz-Dieter Pohl
  • Empfohlene Zitierweise

    Pohl, Heinz Dieter, "Murko, Mathias" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 612 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118865668.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA