Lebensdaten
um 1574 oder 1575 - 1637 oder 1638
Geburtsort
vermutlich Bremen
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11873508X | OGND | VIAF: 96193615
Namensvarianten
  • Munsterman, Ludwig
  • Munsterman, Ludewich
  • Munsterman, Lütke
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Zitierweise

Münstermann, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11873508X.html [13.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V vermutl. Johann, Tischlermeister („Snitker“) in B.;
    M N. N.;
    B vermutl. Tönnies, Tischler in B.;
    1) 1599 Katharina ( 1602), T d. Dirich Meier u. d. Anneke N. N., 2) 1605 Anna N. N.; wahrsch. 2 S, 1 T aus 1), Johann, Bildhauer, Mitarb. u. seit 1638 Leiter d. väterl. Werkstatt, Claus, Bildhauer, Mitarb. d. väterl. Werkstatt, Gesche ( Daniel Sasse, Drechslermeister in H.); mindestens 3 S, 2 T aus 2), u. a. Lüteke (Ludwig) (* 1616), Bildschnitzer in Oldenburg.

  • Leben

    Nach einer Ausbildung als Steinmetz und Bildhauer – vielleicht im heimatlichen Bremen und wahrscheinlich in Braunschweig, Hildesheim oder Magdeburg, den Zentren der norddeutschen städtisch-zünftisch organisierten Bildhauerkunst – wurde M. 1599 als Meister in die Drechslerzunft zu Hamburg aufgenommen. 1604 leistete er dort den Bürgereid. 1624-26 ist M. als Beigeordneter, 1628-35 als Ältermann des Amtes bezeugt. 1629 erwarb er ein Haus „auf der Kayen“. Hier befand sich offenbar die von ihm geleitete Bildhauerwerkstatt, in der er neben seinen Söhnen Johann und Claus auch den Gesellen Onno Dierksen beschäftigte. M. arbeitete fast ausschließlich für Auftraggeber in der Gfsch. Oldenburg-Delmenhorst: wohl zuerst (1612 und davor) für Gf. Anton Günther (1583–1667) in den Residenzen Oldenburg – am Schloß und für die vom Hof genutzte Lambertikirche - und Rastede; gleich darauf (bis 1618) für dessen Onkel, Gf. Anton II. (1550–1619), in seinen Residenzen Delmenhorst und Varel, wobei offenbar die Mutter Anton Günthers, Elisabeth von Schwarzburg-Sondershausen (1541–1612), und die Gemahlin Antons II., Sibylle Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg (1576–1630), entscheidende Impulse gaben. Gf. Anton II. beauftragte M. erstmals in der Schloßkirche in Varel mit einer umfassenden Neugestaltung des Kirchenraumes (Altar, Taufbecken, Kanzel, Orgel und Grafenstuhl, vor 1612-18). Das vorgegebene ikonographische Programm folgt – neben einer offenbar mit der Gemahlin geteilten ganz persönlichen Komponente, die eine unionstheologische Haltung gegen die vom Stammhaus vertretene luth.-orthodoxe Auffassung propagierte – einer theologischen Konzeption, die mit der prot. Lehre an der Univ. Helmstedt zu verbinden oder gar auf sie zurückzuführen ist und allen folgenden Aufträgen an M. in gleicher Weise zu Grunde lag. Im weiteren fungierte offenbar die oldenburg. Kirchenleitung mit ihren Konsistorialräten Mag. Hermann Velstein (1555–1634) und Dr. Gottfried Schlüter (1562–1637) als Vermittler und Förderer der Kunst M.s in den übrigen, auch zu Zeiten der sie verschonenden Kriegsläufte durchaus vermögenden Kirchspielen der Grafschaft, z. B. der Wesermarsch oder des Jeverlandes.

    M.s bildhauerisches Schaffen zeigt ein Höchstmaß an individueller Gestaltung. Zwar galt das durch den ital. geprägten Manierismus vorgegebene und postulierte Prinzip der figura serpentinata für Komposition und Betrachtungsweise der Skulptur – als Einzelstück wie in der Gruppe – in vermittelter Form auch für M. Sein persönlicher Gestaltungswille jedoch führte ihn weg vom kühl kalkulierten Maß klassisch idealisierter Schönheit hin zu einer bildnerischen Sprache von ekstatischer und exzentrisch-pointierter Ausdruckskraft. Der Stil und die besondere Ästhetik der Haarlemer Manieristen, wie Hendrik Goltzius, mögen vorbildhaft auf ihn gewirkt haben. Eingefügt wurden diese vorwiegend eigenhändigen Arbeiten der Plastik in einen Apparat von gekistelter Architektur und Ornamentik, wie er vor allem durch die „Säulenbücher“ z. B. des Wendel Dietterlind. Ä. (Architektura, 1598) oder die phantastischen, bühnenhaften Architektur-Kompositionen des Hans Vredemann de Vries mit den Mitteln der Druckgraphik weite Verbreitung gefunden hatte. M. setzte diese Eindrücke höchst wirkungsvoll in den kompliziert gebauten Bühnenräumlichkeiten seiner Altäre um. Die zentrale Darstellung der Einsetzung des Hl. Abendmahles erhielt durch eine entsprechende Lichtregie dramatisch gesteigerte Wirkung. Für die Ausführung dieser umfangreichen tektonischen und dekorativen Holzarbeiten wurden vor allem die Werkstattgenossen herangezogen. Integraler Bestandteil des künstlerischen Effekts war die in jedem Falle aufwendige Farbfassung, die mit dem Einsatz von Gold und Silber sowie Lüstrierungen in Krapp und Malachit neben einer Holzsichtigkeit der konstruktiven Glieder stilistisch etwa den Hausaltärchen der Münchener Schatzkammer für|die bayer. Herzöge Albrecht V. und Wilhelm V. zu vergleichen ist. Die Farbfassung entspricht also durchaus dem Geschmack der zeitgenössischen europ. Hofkunst; den Zunftregeln gemäß maßte sie an andere Meister vergeben werden. – Im Lauf der Jahrhunderte wurden viele Werke M.s durch Verfall und Unverstand vernichtet. Erst Albert E. Brinckmann leitete 1917 die Wiederentdeckung und Würdigung M.s ein; seit 1955 wurden durch die denkmalpflegerische Tätigkeit Herbert Wolfgang Keisers, des Direktors des Landesmuseums Oldenburg, die erhaltenen Hauptwerke M.s vor dem drohenden Untergang gerettet und damit das Werk eines einzigartigen Künstlers im Kreis der Bildhauer des deutschen Manierismus.

  • Werke

    Weitere W u. a. Eckwarden, Lambertikirche, Epitaph Siassen, 1631;
    Schwei, Secunduskirche, Kanzel, 1618;
    Hohenkirchen, Sixtuskirche, Altar, 1620, Kanzel, 1628;
    Tossens, Bartholomäuskirche, Taufe, 1623, Altar, 1631, Kanzeldeckel, 1632;
    Holle, Dionysiuskirche, Taufe, 1624 (heute Oldenburg, Landesmus.), Kanzel, 1637;
    Rodenkirchen, Matthäuskirche, Altar, Taufe, Kanzel, 1631, Epitaph Dethmers, 1637;
    Blexen, Hippolytuskirche, Vier Evangelistenfiguren zum Altar, 1637.

  • Literatur

    A. E. Brinckmann, Barockskulptur, 1917;
    M. Riesebieter, L. M., in: Jb. f. Kunstwiss., 1929, S. 1-60;
    H. W. Keiser, Ergebnisse d. Restaurierung an d. M.-Kanzel in d. Kirche zu Rodenkirchen (Wesermarsch), in: Dt. Kunst- u. Denkmalpflege 22, 1964, S. 112-20;
    ders., Bemerkungen z. Restaurierung d. M.-Altars in Hohenkirchen, in: Niedersächs. Denkmalpflege VI, 1965–69, 1970, S. 131 f.;
    J. Rasmussen (Hrsg.), Barockplastik in Norddtld., Ausst.kat. d. Mus. f. Kunst u. Gewerbe, 1977;
    W. Knollmann, D. J. Ponert, R. Schäfer, L. M., 1992;
    H. Reimers, L. M., Zwischen Askese u. gegenrefomator. Sinnlichkeit, 1993 (W-Verz., L);
    Biogr. Hdb. z. Gesch. d. Landes Oldenburg, 1992;
    ThB.

  • Autor/in

    Dietmar Jürgen Ponert
  • Empfohlene Zitierweise

    Ponert, Dietmar Jürgen, "Münstermann, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 545 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11873508X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA