Lebensdaten
1852 bis 1940
Geburtsort
Langenburg (Hohenlohe)
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
evangelischer Kirchenhistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 138219885 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Karl Ferdinand Friedrich von
  • Müller, Karl
  • Müller, Karl Ferdinand Friedrich von
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Zitierweise

Müller, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138219885.html [22.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand Gottlob Jakob v. M. (1816-97), Stadtpfarrer u. Dekan in L., seit 1868 Feldpropst u. Prälat in Stuttgart (s. BJ II), S d. Johann Jakob (1786–1827), Bes. e. Kunst- u. Schönfärberei in Winnenden;
    M Marie (1825–62), T d. Karl Eberhard Schelling (1783–1854), Arzt, Obermedizinalrat in Stuttgart (s. Meusel, Gel. Teutschland), u. d. Friederike Vellnagel (1793–1850);
    Gr-Om Friedrich Wilhelm Schelling (1775–1854), Philosoph;– Berlin 1884 Berta (1864–1945), T d. Julius Weizsäcker (1828–89), Historiker (s. ADB 41), u. d. Agnes Rindfleisch (1835–65);
    3 S, 2 T, u. a. Agnes (1885–1922, Richard Siebeck, 1883–1965, Prof. f. Innere Med. in Bonn, Berlin u. Heidelberg);
    E Berta Siebeck (1912–89, Andreas Moritz, 1901–83, Gold- u. Silberschmied, s. NDB 18), Prof. f. engl. Philol. in Würzburg.

  • Leben

    M. studierte nach dem Besuch des Seminars in Urach (1866–70) Theologie in Tübingen|(1870-74), wo sein eigentlicher Lehrer der Kirchenhistoriker Carl Heinrich Weizsäcker war. Auf die Militär- (1874/75) und Vikariatszeit (1875/76) und die Promotion zum Dr. phil. (1876) folgte ein Studienaufenthalt in Göttingen bei Weizsäckers Bruder, dem Historiker Julius Weizsäcker. M. lernte hier aber auch Albrecht Ritschl kennen; er verdankte dieser Begegnung eine Befreiung aus dem „Dilemma zwischen einer unkritischen, konfessionellen bzw. biblizistischen Theologie und einem historisch-kritischen, zum Teil auch schon religionsgeschichtlichen Liberalismus“ (H. Rückert). Nach der Promotion zum Lic. theol. (1878) war M. Stadtpfarrverweser in Friedrichshafen und Stadtvikar in Ludwigsburg. Die Repetentenzeit am Ev. Stift in Tübingen (1878–80) bildete den Übergang vom Kirchendienst zur akademischen Laufbahn. Die Habilitation für Kirchengeschichte erfolgte im April 1880 in Berlin; hier wirkte M. 4½ Jahre lang (seit Dezember 1882 als beamteter ao. Prof.), 1884-86 ebenfalls als Extraordinarius in Halle. Ende 1886 folgte er der Berufung zum o. Professor nach Gießen als Nachfolger Adolf Harnacks, 1891 nach Breslau, 1903 schließlich an seine Heimatuniversität Tübingen (Emeritierung 1922). 1920 wurde M. zum Vorsitzenden des eben begründeten Vereins für württ. Kirchengeschichte gewählt.

    Ausgehend von Untersuchungen zum Spätmittelalter („Der Kampf Ludwigs des Baiern mit der röm. Curie“, 2 Bde., 1879/80; „Die Anfänge des Minoritenordens und der Bußbruderschaften“, 1885), hat M. in seinen Arbeiten zu den verschiedenen Epochen der Kirchengeschichte den Fragen des Rechts, des Aufbaus und der Verfasssung der Kirche einen hohen Stellenwert eingeräumt. Für die altkirchliche Zeit sind besonders die „Beiträge zur Geschichte der Verfassung der alten Kirche“ (1922), für Luther die Bücher „Luther und Karlstadt“ (1907) sowie „Kirche, Gemeinde und Obrigkeit nach Luther“ (1910) zu nennen. Für die Herausbildung der Struktur der luth. Landeskirchen ist auf den programmatischen Aufsatz „Die Anfänge der Konsistorialverfassung im luth. Deutschland“ (1908) zu verweisen. So hat M. wesentlich dazu beigetragen, in Auseinandersetzung mit Rudolph Sohm das Wesen und die Wirkung der Kirche nicht nur nach der Seite von Geist und Glauben, sondern auch als eine Erscheinung des Rechts, der Institution und der Ordnung verstehen und achten zu lehren. M.s Hauptwerk ist die bis ins 17. Jh. reichende „Kirchengeschichte“ (2 Bde., 1892/1919). Der ständigen Überarbeitung von Band I mit dem Endpunkt bei Kaiser Justinian (Mitte des 6. Jh.) widmete er seinen Lebensabend (21925-29, 31938-41).

    Für M. bildet die Kirchengeschichte trotz ihrer Eigenart nur einen Teil der allgemeinen Geschichte und kann nur in stetem Zusammenhang mit ihr geschrieben werden. Er ist daher Vertreter einer sog. profanen Kirchengeschichtsschreibung, wobei sich „profan“ nur auf die angewandte historische Methode bezieht, nicht aber als Bewertung einer inneren Einstellung zu verstehen ist. Auffallend ist die außerordentliche Zurückhaltung im Urteil; sie entspringt nicht einfach dem Streben nach Objektivität, sondern ist die Frucht einer letztlich theologischen Einsicht in die „Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit des geschichtlichen Augenblicks“ (Rückert).|

  • Auszeichnungen

    Dr. iur. h. c. (Bonn 1909); Mitgl. d. Ak. d. Wiss. in München (1888), Göttingen (1899) u. Berlin (1917).

  • Werke

    Weitere W Die Waldenser u. ihre einzelnen Gruppen bis z. Anfang d. 14. Jh., 1886;
    Calvins Bekehrung, in: Nachrr. v. d. Kgl. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, Philol.-hist. Kl., 1905, S. 188-255, 463 f.;
    Luthers Äußerungen üb. d. Recht d. bewaffneten Widerstands gegen d. Kaiser, in: SB d. Kgl. Bayer. Ak. d. Wiss., Phil.-philol. u. hist. Kl. 1915, Nr. 8;
    Die rel. Erweckung in Württemberg am Anfang d. 19. Jh., 1925;
    Aus d. akadem. Arbeit, Vorträge u. Aufsätze, 1930 (darin: „Selbstdarstellung“, S. 1-44; W-Verz.
    bis 1929, S. 343-48).

  • Literatur

    Festgabe K. M. z. 70. Gebtag, 1922 (P);
    W. Nigg, Die KGschreibung, 1934, S. 230 ff.;
    K. Bihlmeyer, in: HJb. 59, 1939, S. 564-67;
    H. Haering, in: Zs. f. württ. Landesgesch. 4, 1940, S. 467-70;
    J. Rauscher, in: Bll. f. württ. KG 44, 1940, S. 69-74;
    E. Wolf, in: Dt. Pfarrerbl. 44, 1940, S. 89 f.;
    H. v. Campenhausen, in: HZ 163, 1941, S. 445-47;
    H. Rückert, in: Vorträge u. Aufsätze zur hist. Theol., 1972, S. 374-85, 386-403;
    H. Dörries, in: Wort u. Stunde III, 1970, S. 421-57;
    RGG;
    W. Werbeck, in: TRE;
    BBKL.

  • Autor/in

    Wilfrid Werbeck
  • Empfohlene Zitierweise

    Werbeck, Wilfried, "Müller, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 436-437 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138219885.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA