Lebensdaten
1910 bis 1979
Geburtsort
Berlin-Charlottenburg
Sterbeort
Düsseldorf
Beruf/Funktion
Industrieller ; Staatssekretär
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 128974672 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mommsen, Ernst Wolf
  • Mommsen, E. W.
  • Mommsen, Ernst-Wolf
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Zitierweise

Mommsen, Ernst Wolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128974672.html [07.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst (1863–1930), Dr. med., Arzt u. Sanitätsrat in B., S d. Theodor (s. 1);
    M Clara (1875–1953), T d. Max Weber (1836–97) aus Erfurt, Jurist, nat.liberaler Politiker, Stadtrat, Landtags- u. Reichstags-abg., u. d. Helene Fallenstein (1844–1919);
    Om Max Weber (1864–1920), Nat.ökonom u. Soziologe, Alfred Weber (1868–1958), Soziologe (beide s. Bad. Biogr. NF I, 1982);
    Vt Wolfgang (s. 3);
    1) Berlin um 1938 Ruth Seegart, 2) Düsseldorf 1947 Eva verw. Cagliani (* 1908), T d. Pfarrers Franz Connor (1868–1940) aus Allenstein u. d. Lotte Ragnit (1882–1940); 1 Adoptiv-S.

  • Leben

    M. studierte 1930-35 in Heidelberg und Berlin Jurisprudenz und Volkswirtschaft. Nach der 2. juristischen Staatsprüfung (1938) war er kurze Zeit in einem Berliner Anwaltsbüro tätig. 1939 wechselte er zur Reichsgruppe Industrie in Berlin über. Nach Ausbruch des 2. Weltkriegs wurde er 1940 dem Reichsminister für Bewaffnung und Munition als Verbindungsmann der Industrie im Range eines Amtsgruppenchefs beigegeben. Das Kriegsende erlebte M. als enger Mitarbeiter von Albert Speer. Nach Verhaftung, Internierungslager und kurzer Tätigkeit in Hamburg wurde er 1948 in Düsseldorf Geschäftsführer der Gruppe Walzstahl der Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie und Verantwortlicher für die Vorbereitung des Gemeinsamen Marktes der Montanunion. Einem Zwischenspiel im Klöckner-Konzern (1952/53) folgte 1954 die Berufung in den Vorstand der mehrheitlich im Besitz der Familie Thyssen befindlichen Rhein. Röhrenwerke AG, Mühlheim. Innerhalb des sich formierenden Thyssen-Konzerns übernahm M. 1965 den Vorstandsvorsitz der Thyssen-Röhrenwerke AG in Düsseldorf. In den 50er Jahren zählte er zu den Protagonisten des Interzonen- und des Osthandels. Er vertrat die deutsche Eisen- und Stahlindustrie im Ostausschuß der Deutschen Wirtschaft und war stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Interzonenhandel beim Bundeswirtschaftsministerium.

    Seit Anfang der 60er Jahre fanden zwischen den westdeutschen Röhren Produzenten Gespräche über Kooperationen statt. Sie führten 1969 zur Arbeitsteilung zwischen Thyssen und Mannesmann und 1970 zur Fusion ihrer Röhrenwerke unter dem Namen Mannesmannröhren-Werke AG. M. zählte zu den Initiatoren, sah sich jedoch im letzten Augenblick durch seinen Konzernchef H. G. Sohl ausmanövriert. An die Spitze des neuen Röhrenwerks trat mit F. J. Weisweiler ein Vertreter von Mannesmann. Als ihn zur selben Zeit Verteidigungsminister Helmut Schmidt aufforderte, als Berater in seinem Ministerium tätig zu werden, akzeptierte M. dies nach amerikan. Vorbild ohne Bezahlung. Als Staatssekretär organisierte er seit April 1970 die Abteilung Rüstungsangelegenheiten, Wehrtechnik und Verteidigungswirtschaft mit industriellen Management-Methoden und moderner Kostenrechnung. Er folgte Schmidt im Juli 1972 ins Wirtschaftsministerium, schied aber im November desselben Jahres aus. Am 1.1.1973 wurde er überraschend Vorstandsvorsitzender der Fried. Krupp GmbH, Essen, trat jedoch Ende 1975 vorzeitig zurück, nachdem er der Regierung des Iran eine Beteiligung von 25 % an der Krupp Hüttenwerke AG eingeräumt hatte. 1976 schien für M. in der Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender des VEBA-Konzerns eine Rückkehr in die Politik als Wirtschaftsberater des Bundeskanzlers Schmidt möglich. Dieses Vorhaben scheiterte aber ebenso wie der Versuch, sich der Stadt Berlin als Wirtschaftsberater zur Verfügung zu stellen.

    Wie kaum ein anderer westdeutscher Unternehmer beteiligte sich M. öffentlich an der gesellschaftspolitischen Diskussion in Verbindung mit dem Wiederaufbau der 50er Jahre. Er beschäftigte sich kritisch mit der künftigen Rolle der Großunternehmen und der Unternehmer sowie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, der Menschenführung im Betrieb und dem Umweltschutz. In der Unternehmensführung vertrat er das Kollegialprinzip. Er entwickelte neue Strukturen der Integration von Wirtschaft und Technik im gesellschaftlichen Bewußtsein, die schon in der schulischen Erziehung eingebunden sein sollten. M. war Präsidiumsmitglied der Deutschen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft, zählte zu den Referenten der Ev. Akademie Loccum und gehörte dem Kuratorium der Friedrich-Ebert-Stiftung an. Als Vorsitzender des Gesprächskreises Wirtschaft und Politik dieser Stiftung trat er öffentlich für die erweiterte Mitbestimmung ein und wirkte als Mittler zwischen den Sozialpartnern.|

  • Auszeichnungen

    Dr. rer. pol. h. c. (TU München 1964); Ehrenmitgl. d. Iron and Steel Inst. of Japan (1965); Gr. Bundesverdienstkreuz (1972).

  • Werke

    u. a. Das Wettbewerbsproblem in d. Eisenschaffenden Industrie, in: F. Grosse, E. W. Mommsen u. Th. Wessels (Hrsg.), Der Wettbewerb in d. Grundstoffindustrie, 1954, S. 26-51;
    Elitebildung in d. Wirtsch., 1955;
    Die Aufgaben d. Wirtsch. in d. Zukunft u. d. Anforderungen an d. Schule, in: E. W. Mommsen (Hrsg.), Die Schule in d. industriellen Ges., 1961;
    Die Eisenschaffende Industrie im Interzonenhandel, in: Stahl u. Eisen 79, 1959, S. 1511 f.;
    Führungsprobleme in d. anonymen Wirtsch., in: Ev. Ak. Loccum (Hrsg.), Führung u. Autorität in d. modernen Wirtsch.ges., 1959;
    Unternehmenskonzentration u. Staatsaufsicht (Vortrag), 1960;
    Dtld.Europ. Industriemacht im Umbruch, in: R. Schwebler u. W. Föhrenbach (Hrsg.), Jahre d. Wende, Festgabe f. Alex Möller, 1968;
    Management-Aufgaben d. 70er Jahre (Vortrag), 1969;
    Erinnerungen u. Betrachtungen z. 12. Mai 1970;
    Selbstmord d. Unternehmer, in: Handelsbl. v. 23.10.1970;
    Das preuß. Erbe (Rede), 1973;
    Das moderne Großunternehmen zw. Ges.pol. u. Unternehmenspol., in: Das Unternehmen in d. Ges., 1974.

  • Literatur

    K. H. Herchenröder, Neue Männer an d. Ruhr, 1958, S. 109-45;
    F. Simoneit, Die neuen Bosse, 1966, S. 189-204;
    L. Brawand, Wohin steuert d. dt. Wirtsch.?, 1971, S. 142-55;
    W. Höfer, Menschen unserer Zeit, 1971;
    W. Müller-Haeseler, Der Grandseigneur d. Ruhr, Wanderer zw. Pol. u. Wirtsch., in: Die Weltwoche v. 4.7.1973;
    Gorzny.

  • Autor/in

    Gertrud Milkereit
  • Empfohlene Zitierweise

    Milkereit, Gertrud, "Mommsen, Ernst Wolf" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 28 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128974672.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA