Lebensdaten
1811 bis 1891
Geburtsort
München
Sterbeort
Feldafing (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Brauereibesitzer
Konfession
katholisch?
Normdaten
GND: 137335024 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sedlmayr, Gabriel (II)
  • Sedlmayr, Gabriel, der Jüngere
  • Sedlmayr, Gabriel, junior

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Zitierweise

Sedlmayr, Gabriel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd137335024.html [28.07.2017].

CC0

Sedlmayr, Gabriel der Jüngere

* 26. 2. 1811 München, 1. 10. 1891 Feldafing (Oberbayern), München, Alter Südlicher Friedhof.

  • Genealogie

    V Gabriel d. Ä. (s. 1); M Franziska Heiß; München 1840 Anna Rosalia (1818–92), T d. Johann Nepomuk Schwangart, Bierbrauer in M., u. d. Therese N. N.; 4 S Joseph (1845–71), Absolvent d. Polytechnikums in Stuttgart, Johann (1846–1900), Carl (1847–1915), Anton (1849–1920), die letzten drei ab 1874 gemeinsam Bes. d. Spatenbrauerei in M.; T Maria (1851–97, Hugo Oberhummer, 1844–1905, Kaufm., Inh. d. Kaufhauses Roman Mayr in M., KR, s. NDB X* u. 19*), Rosina (1854–1918, Friedrich v. Miller, 1840–1921, Goldschmied, Prof. an d. Kunstgewerbeschule in M., bayer. Maximiliansorden f. Wiss. u. Kunst, Dr. h. c., s. ThB; NDB 17*), Caecilia (1856–1916, Adolph Halbreiter, 1839–98, Bildhauer, Ziseleur, Prof. an d. Kunstgewerbeschule in Dresden, bayer. Prof., s. ADB 49), Helene (1858–1926, Wilhelm v. Miller, 1848–99, o. Prof. f. allg. Chemie an d. TH München, s. NDB 17), Lina (1860–1942, Max Schlagintweit, 1849–1935, bayer. Oberst, s. NDB 23*); E Maria Anna Oberhummer (1875–1905, Albert Jodlbauer, 1871–1945, o. Prof. f. Pharmakol. u. Toxikol. an d. Univ. München, s. NDB X)Hugo Mathias Oberhummer (1877-1941, Olga Louise Lindpaintner, 1884–1981, Stief-T d. Franz v. Stuck, 1863-1928, bayer. Personaladel 1905, Maler in M.), Kaufm. in M..

  • Leben

    Nach Gymnasialunterricht in München erhielt S. Privatunterricht in Physik und Chemie bei Prof. Johann Baptist Herrmann. Im Dez. 1825 begann er die Brauerlehre in München, seit 1827 absolvierte er seine Lehre im väterlichen Betrieb und erhielt zusätzlichen Chemieunterricht bei Prof. Kajetan Kaiser. Nach einer Studienreise zu bayer. Brauereien ging S. auf Wanderschaft durch mehrere europ. Länder, u. a. Holland und Belgien. 1832 hörte er Vorlesungen am Polytechnikum Wien, wo er den Brauerssohn Anton Dreher (1810–63) aus Schwechat bei Wien, seinen lebenslangen Freund, kennenlernte. Seit Nov. 1832 hörte S. Chemievorlesungen an der Univ. Berlin und nahm Unterricht in Englisch und Französisch sowie in Kaufmannslehre. Seine zusammen mit Dreher auf der Reise durch England und Schottland 1833/34 teilweise durch Industriespionage gewonnenen Erkenntnisse veränderten das dt. Brauwesen grundlegend. S. erlernte in England die Anwendung des Longschen Saccharometers zur Bestimmung des Würzegehaltes, wodurch eine Regulierung der Gärung des Bieres erfolgen konnte, sowie die ebenfalls in Deutschland bisher unbekannten Methoden des engl. Mälzungs- und Sudverfahrens. Umgekehrt machte S. das untergärige Sudverfahren des Münchner Bieres in England bekannt und begründete damit dessen späteren Weltruf. Noch 1834 erschien in London ein Buch, das die kontinentale untergärige Brauweise nach den Angaben S.s und Drehers beschrieb. Britische (Muir in Edinburgh, 1837) und später andere Brauereien wie 1845 Carlsberg in Kopenhagen ließen sich von der Spatenbrauerei untergärige Hefe schicken. Seit 1834 wieder im väterlichen Betrieb tätig, führte S. weitere, teilweise selbstentwickelte technische Verbesserungen, z. B. bei der Haltbarmachung von Getreide und der Kühlung des Bieres ein.

    1851 begannen in der Marsstraße, bis heute Standort des Unternehmens, die Bauarbeiten zu einer von S. selbst großzügig geplanten und modern eingerichteten Brauerei. Auf der Weltausstellung in Paris 1867 erhielt die Spatenbrauerei, inzwischen Münchens größte Brauerei, als einzige dt. Brauerei eine Goldmedaille. Mit der Übernahme der Kosten und der Bereitstellung von Räumlichkeiten förderte S. seit 1873 die Versuche Carl Lindes zur Entwicklung einer Kältemaschine, 1875 ging die erste dauerhaft funktionierende Maschine in der Spatenbrauerei in Betrieb. Diese Technik ermöglichte es, das Bier auch den Sommer über gleichtemperiert zu lagern und machte die Brauereien von Natureis und tiefen Felsenkellern unabhängig. Als S. aus gesundheitlichen Gründen 1874 die Brauerei an seine drei Söhne Johann, Carl und Anton übergab, hatte er aus dem kleinen innerstädtischen Betrieb ein Industrieunternehmen geschaffen und mit seinen technischen Neuerungen das dt. Brauwesen revolutioniert.

    S. war 1840–80 Mitglied des Zentralverwaltungsausschusses des Polytechnischen Vereins und erstellte zahlreiche Gutachten zum Brauereiwesen. 1841–46 Vorsteher des Gewerbevereins der Bierbrauer, 1845–69 (mit Unterbrechungen) Mitglied des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten, 1846–49 Mitglied der Handelskammer in Oberbayern, war er 1849–69 auch Abgeordneter des bayer. Landtages und 1862–75 Verwaltungsratsmitglied der bayer. Ostbahnen. Sein Brauunternehmen, das 1891 in London die erste Niederlassung im Ausland gründete und seit 1909 regelmäßig in die USA exportierte, fusionierte 1922 mit der Franziskaner-Leistbrauerei zur „Gabriel und Joseph Sedlmayr Spaten-Franziskaner-Leistbräu AG“. 1997 erfolgte der Zusammenschluß mit der „Löwenbräu AG“ zur Spaten-Löwenbräu-Gruppe. Sechs Jahre später wurde die Gruppe an „Interbrew Deutschland“ verkauft.

  • Auszeichnungen

    Goldene Bürgermedaille d. Stadt München (1881); bayer. Verdienstorden v. Hl. Michael (2. Kl., 1860; 1. Kl., 1867); KR (1880); Präs. d. Münchner Brauertags (1880).

  • Werke

    Über die Bierbrau-Verfahren in Altbayern u. über Bierkühlen v. Eisenblech, 1845; Entwicklung u. gegenwärtiger Stand d. Bierbrauereien in d. Stadt München, 1880.

  • Literatur

    D. Booth, The Art of Brewing, London 1834; G. Holzner, Mitt. über d. verstorbenen G. S., in: Zs. f. d. gesamte Brauwesen XV, 1892, S. 13–15, 25–28 u. 37 f.; Allg. Zs. f. Bierbrauerei u. Malzfabrikation XIX, 1891, S. 1057–59; Fritz Sedlmayr, Gesch. d. Spatenbrauerei, 2 Bde., 1934–51 (P); U. Laufer, G. S., Vater u. Sohn, d. gr. Pioniere d. bayer. Brauwesens, in: R. A. Müller (Hg.), Arbeitnehmer, Unternehmer, 1985, S. 284–94 (P); M. Hard, Machines are Frozen Spirit, 1994; W. Behringer, Die Spatenbrauerei 1397–1997, 1997 (P).

  • Portraits

    P Ölgem. v. J. Bernhardt, um 1840 (München, Spaten Brauereibeteiligung u. Immobilien KGaA).

  • Autor

    Peter Urbanek
  • Empfohlene Zitierweise

    Urbanek, Peter, "Sedlmayr, Gabriel" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 125-126 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd137335024.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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