Lebensdaten
1762 bis 1815
Geburtsort
Niederklobikau bei Merseburg
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Glasmaler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117091359 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mohn, Sigmund (oder?)
  • Mohn, Samuel
  • Mohn, Sigmund (oder?)
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Zitierweise

Mohn, Samuel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117091359.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Christian, Handarbeiter in Benkendorf b. Merseburg, Nachtwächter in N.;
    M Christine Neubert;
    1) Weißenfels 1787 Rosina, T d. Jägers Johann Christoph Löwe, 2) v. 1797 Franziska v. Seydlitz;
    4 S, 2 T, u. a. Gottlob Samuel (s. 2), Ludwig (1797–1857), Zeichner u. Radierer (s. ÖBL; ThB), Johann August (* 1800), Glasmaler in D.

  • Leben

    M. führte lange Zeit ein unstetes Wanderleben; er hielt sich zunächst als Musketier des sächs. Infanterieregiments Churfürst in Weißenfels auf. Danach lebte er bis 1802 in Halle, 1803 in Berlin, 1804 in Leipzig und Stettin, 1806 in Neubrandenburg, Doberan, Rostock|und Berlin und anschließend in Leipzig. Anfang 1809 ließ er sich in Dresden nieder. Zunächst wirkte M. als Porzellanhausmaler, wovon Porträtsilhouetten auf Tassen aus der Produktion der Manufakturen KPM in Berlin und Meißen aus der Marcolinizeit zeugen, die in den Kunstsammlungen von Schwerin und Dresden zu finden sind. Seit 1806 arbeitete er vorwiegend als Glasmaler und begann mit Opalgläsern. 1811 war seine Farben- und Brenntechnik so weit entwickelt, daß er sich auch an die Bemalung farbloser Kristallgläser heranwagen konnte. Damit wurde er zum Wiederentdecker der von dem Nürnberger Johannes Schaper im 17. Jh. erfundenen Transparenzmalerei auf Hohlgläsern, wobei die Farben nach dem Auftrag auf dem Glasmaterial mehrmals eingebrannt wurden. Mit Hilfe dieser Technik schuf M. ein reiches Programm von Porträt-, Wappen- und Landschaftsdarstellungen auf Glasbechern, u. a. Darstellungen der preuß. Kgn. Luise sowie zartfarbige Ansichten von Dresden, Leipzig, Meißen, Schandau und der Wartburg. Daneben bemalte er zahlreiche Trinkgläser mit floralen Motiven. Ein Großteil der Gläser wurde unter seiner Aufsicht von Familienangehörigen (vor allem von seinem Sohn Gottlob Samuel) und den Gehilfen W. und A. Viertel, C. v. Scheidt und unbekannten Monogrammisten bearbeitet. Zur Vergrößerung der Produktion führte er 1809 in seiner Werkstatt das Umdruckverfahren zur Vervielfältigung ein.

    M. stand auch in geschäftlicher Verbindung mit der Porzellanmanufaktur Meißen, welcher er ein Verfahren für die Herstellung von Umdruckdekor auf Porzellan mit Hilfe des Kupferdrucks anbot, das dort jedoch nicht angenommen wurde. Er war unentwegt auf der Suche nach Geldgebern, um seine Werkstattproduktion zur Fabrikation auszuweiten, junge Talente auszubilden und ein technisches Labor einzurichten. In den Jahren 1810, 1811 und 1814 stellte M. Gläser seiner Produktion in der Kgl. Sächs. Akademie der Künste aus. 1814 erteilte ihm der russ. Fürst und damalige Generalgouverneur von Sachsen, N. G. Repnin, umfangreiche Aufträge. Unter M.s künstlerischen Glasarbeiten sind nicht zuletzt die Fenster für die Schloßkirche in Schwerin (1806) hervorzuheben. Die letzten Lebensjahre waren überschattet vom Konkurrenzkampf mit seinen Gehilfen und Schülern Ch. Siegmund und W. Viertel.

    Ein bedeutender Teil von M.s künstlerischer Produktion wird im Dresdner Museum für Kunsthandwerk und im Prager Kunstgewerbemuseum (Schenkung G. E. Pazaurek) verwahrt. Die Bedeutung M.s in der Geschichte der Glasmalerei liegt in der ihm zu verdankenden Neubelebung einer Technik auf hohem künstlerischen Niveau, wobei es ihm gelang, die epochalen Fortschritte der Porzellanmalerei des 18. Jh. auf Kristallglas zu übertragen. M.s Gläser finden sich heute in nahezu allen großen Glassammlungen der Welt.

  • Literatur

    ADB 22;
    G. E. Pazaurek u. E. v. Philippovich, Gläser d. Empire- u. Biedermeierzeit, 21976, S. 154-77 (W-Verz.);
    I. Schlosser, Das alte Glas, 31984, S. 307 f.;
    G. Haase, Sächs. Glas – Gesch., Zentren, Dekorationen, 1988, S. 251-54;
    Auktionskat. Gal. J. Fischer, Heilbronn, 1989;
    M. Kovacek, Glas aus 5 Jhh., 1990, S. 112-19;
    ThB;
    Lex. d. Kunst IV, 1992.

  • Autor/in

    Peter Wirth
  • Empfohlene Zitierweise

    Wirth, Peter, "Mohn, Samuel" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 695 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117091359.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mohn: Samuel (oder Sigmund?) M. und sein Sohn Gottlob Samuel M. haben sich als Glasmaler durch technische Erfindungen um die Wiedererweckung einer in Vergessenheit gerathenen wichtigen Kunstübung verdient gemacht. Leider fehlt es über beide, besonders über den älteren M., an vollständigen und zuverlässigen Lebensnachrichten. Samuel M. starb, wie ich der von seiner Wittwe Johanne Francisca geb. v. Seydlitz veröffentlichten Todesanzeige und dem Verzeichniß der in Dresden vom 30. Juli bis 3. August 1815 Beerdigten (s. Dresdner Anzeigen 1815 Sp. 1230 und 1289) entnehme, am 26. Juli 1815 in Dresden „etliche 40 Jahr alt“. Nach einer Notiz aus dem Jahre 1819 soll er ein geborener Mecklenburger gewesen sein und längere Zeit als Soldat gedient haben; Andere geben an, daß er 1760 in Weißenfels geboren wurde und früher Tischler, dann sächsischer Soldat war; H .... r schreibt 1827, daß sein Sohn Gottlob Samuel M. zu Wiesenfeld (so!) geboren wurde, „wo sein Vater als fleißiger Zeichner und Porzellainmaler allgemein bekannt ist“, so daß man hiernach annehmen müßte, daß M. der Vater im J. 1827 noch lebte, und außerdem, daß er an den Erfindungen seines Sohnes keinen erheblichen Antheil hatte. — Gottlob Samuel M. wurde zu Weißenfels (wenn man Wiesenfeld in dem Artikel des Nekrologs der Deutschen, der im Uebrigen wol Anspruch auf Glaubwürdigkeit hat, als einen Druckfehler ansehen darf) am 4. November 1789 geboren, besuchte die Gymnasien zu Halle, Berlin und Stettin und hielt sich später in Berlin, dann abwechselnd in Leipzig und Dresden auf, nachdem er in der neuerbauten Kapelle zu Ludwigslust die Wappen Mecklenburgs und|Rußlands in Glasmalerei ausgeführt hatte. Im J. 1811 kam er nach Wien, angezogen von der dortigen Akademie. Hier wurde seiner Kunst die Unterstützung mächtiger Gönner zu Theil; im J. 1813 und von 1821 an wurde er mit der Anfertigung von Glasfenstern für die kaiserliche Burg zu Laxenburg beschäftigt; aber schon am 2. November 1825 starb er an letztgenanntem Orte. 1824 war er zur katholischen Kirche übergetreten.

    • Literatur

      Real-Encyklopädie, 5. Aufl., Bd. 6, Leipzig 1819. S. 474. (Hormayr's) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst, 26. Nov. 1824, S. 772; 2. Jänner 1826, S. 8. Prof. H ... r (= Heller) im Neuen Nekrolog der Deutschen, 3. Jahrg., 1825, Heft 2, Ilmenau 1827, S. 1561 ff. M. A. Gessert, Geschichte der Glasmalerei, 1839, S. 294 f. Nagler, Allgem. Künstlerlexicon. Bd. 9, 1840, S. 350 f. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Thl. 18, 1868, S. 435 ff. —

  • Autor/in

    d.
  • Empfohlene Zitierweise

    -d., "Mohn, Samuel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 61-62 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117091359.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA