Lebensdaten
1830 bis 1916
Geburtsort
Burgerbrug-Zyde (Niederlande)
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
Stahlindustrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119292076 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meyer, Gerhard Lucas
  • Meyer, Gerhard L.

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Zitierweise

Meyer, Gerhard Lucas, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119292076.html [17.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. ist seit d. 15. Jh. in Menslage b. Quakenbrück nachweisbar. V Johann, Webstoffhändler;
    M Margarete Hacker;
    1857 Emilie, T d. Advokaten N. N. Schimmelpfeng u. d. N. N. Köster;
    3 S, u. a. Gerhard (1865–1946), 1894-1921 kaufmänn. Dir. d. Peiner Walzwerks, Gen.dir. d. Ilseder Hütte, seit 1931 Vors. d. Vorstands, Wilhelm (1867–1929), Dr.-Ing. E. h., Rechtsanwalt, Justizrat, 1917-29 Vors. d. Aufsichtsrats d. Peiner Walzwerks u. d. Ilseder Hütte (beide s. Wenzel);
    E Gerhard (* 1906), Dr.-Ing., Vorstandsmitgl. d. Ilseder Hütte, Otto G. (* 1906), Dr.-Ing., Vorstandsmitgl. d. Peiner Maschinen- u. Schraubenwerke AG (beide s. Wi. 1973).

  • Leben

    Im Alter von zehn Jahren übersiedelte M. mit seinen Eltern in die angestammte Heimat der Familie auf den Meyerhof in Menslage. Dort gab ihm ein Theologe Privatunterricht. 1845-50 besuchte er die von Karl Karmarsch geleitete Höhere (Polytechnische) Gewerbeschule in Hannover. Danach übernahm er auf Wunsch des Vaters eine Handweberei zur Herstellung baumwollener Stoffe, gab sie jedoch nach kurzer Zeit an einen Verwandten ab, um sich mit einer kleinen chemischen Fabrik für Beinschwarz im westfäl. Haste selbständig zu machen. Als diese 1857 abbrannte, trat er als Teilhaber (bis 1879) in die seit 1720 bestehende Woll- und Produktengroßhandlung Naesemann & Schultz in Celle ein. Auch hielt er volkswirtschaftliche Vorträge und wurde Mitglied des 1859 gegründeten Deutschen Nationalvereins. Für diesen wurde er zum Münchener Handelstag 1862 abgeordnet und bis 1866 zum Mitglied der Hannoverschen Ständeversammlung gewählt.

    Ein für M.s Lebensweg bedeutsames Ereignis war im November 1860 seine Wahl in den fünfköpfigen Ausschuß der Aktionärsvertreter der Georgs-Marienhütte bei Osnabrück, der die Bilanzen zu prüfen und die Zukunftsaussichten des Hüttenwerks zu beurteilen hatte. Bei der Gründung der Hütte (1856) war aus M.schem Besitz ein kleiner Eisenhammer übernommen worden; die Lage des Unternehmens war kritisch, die Überprüfung dauerte bis 1863. Im Schlußbericht wurde als Hauptursache für die Schwierigkeiten die fehlende Eisenbahnverbindung zwischen Erzgruben und Hütte festgestellt. Inzwischen war von dem Celler Bankier Carl Hostmann seit Ende 1856 die Gründung der Bergbau- und Hüttengesellschaft zu Peine betrieben worden, die jedoch noch vor Fertigstellung der Hochöfen in Konkurs geriet. Als erfolgreicher Sanierer bei der Georgs-Marienhütte wurde M. nach dem Zusammenbruch des Hostmannschen Unternehmens Mitglied des Gläubigerausschusses. Aus der Konkursmasse war bereits 1858 die Aktiengesellschaft Ilseder Hütte gebildet worden. 1863 trat M. in deren Verwaltungsrat ein; im März 1868 wurde er Generaldirektor. Im Juni 1884 übernahm er als Vorsitzender des Verwaltungsrats die Leitung der Ilseder Hütte und baute sie zu einem Großunternehmen der deutschen Montanindustrie aus.

    Auch in Ilsede fehlte die Eisenbahnverbindung. Nach Eröffnung des Hochofenbetriebs erfolgte der Eitransport über eine Pferdebahn, notwendig war aber eine normalspurige, mit Lokomotiven betriebene Eisenbahn mit Anschluß an die Staatsbahn. Dazu wurde eine Eisenbahngesellschaft gebildet, deren|Vorsitz M. übernahm. Im Juli 1872 wurde die Peine-Ilseder Bahn in Betrieb genommen. Statt das Ilseder Roheisen weiterhin nach Westfalen zu verkaufen, setzte sich M. für den Bau eines Stahl- und Walzwerks ein. Die Aktiengesellschaft Peiner Walzwerk wurde am 7.4.1872 zunächst als selbständiges Unternehmen gegründet und nahm im Mai 1873 den Betrieb auf. Ende 1872 wurde das Erzfeld Sophienglück durch die Ilseder Hütte erworben und dadurch die Eisenerzversorgung gesichert. Allerdings trat nun das Problem der Brennstoffversorgung in den Vordergrund. Eine Lösung bot sich durch die Einführung des wärmewirtschaftlich günstigeren Thomas-Verfahrens an, für das das phosphorreiche Ilseder Roheisen besonders geeignet war. M. ließ das flüssige Roheisen zu dem etwa 6 km entfernten Thomas-Werk in Peine überführen, um so bedeutende Brennstoffmengen einzusparen. Auch erkannte er frühzeitig den Wert der Thomasschlacke als Dünger. Ilseder Hütte und Peiner Walzwerk wurden 1880 zu einem Unternehmen verschmolzen. In Personalunion hatten danach die jeweiligen Aufsichtsratsvorsitzenden der Ilseder Hütte auch den Vorsitz im Aufsichtsrat des Peiner Walzwerks inne.

    M. gehörte auch den Aufsichtsräten der Hannoverschen Bank (seit 1876, 1892 Vorsitzender) und der Hannoverschen Maschinenbau AG vormals Georg Egestorff (seit 1894) an. In den von ihm geleiteten Unternehmen schuf er Einrichtungen der betrieblichen Sozialpolitik und soziale Stiftungen. 1873-95 war er Mitglied der Handelskammer Hannover (1886 Vizepräsident, 1888 Präsident) und wurde auf deren Vorschlag in den Preuß. Volkswirtschaftsrat berufen. M. war 1894-1906 Vorsitzender des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, seit 1913 dessen Ehrenmitglied. Er gehörte 1894-98 dem Hannoverschen Provinziallandtag sowie den Hannoverschen Landessynoden 1893 und 1899 an. 1901 wurde er zum Mitglied des Preuß. Herrenhauses auf Lebenszeit berufen.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger v. Peine (1894) u. Celle (1905): Dr.-Ing. E. h. (TH Hannover 1910); GKR.

  • Literatur

    Stahl u. Eisen 37, 1917, S. 73-75;
    W. Treue, Die Gesch. d. Ilseder Hütte, 1960;
    ders., Die Ilseder Hütte u. d. Staat in d. Jahren 1916 bis 1919, in: ZUG 3, 1958, S. 129-40 (P v. G. L. M. u. Wilhelm M.).

  • Portraits

    Bildarchiv Stahleisen (Düsseldorf);
    Photobd. Aufsichtsrat u. Vorstand d. Ilseder Hütte – Salzgitter Hüttenwerk AG – Stahlwerke Peine-Salzgitter AG, 1856-1979 (Bücherei d. VDEh, Düsseldorf);
    Büste v. B. Elkan, 1913 (vor d. Hüttenkasino in Ilsede, Abb. in: Stahl u. Eisen 33, 1913, S. 928).

  • Autor/in

    Günter Bauhoff
  • Empfohlene Zitierweise

    Bauhoff, Günter, "Meyer, Gerhard Lucas" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 341 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119292076.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA