Lebensdaten
1856 bis 1935
Geburtsort
Camberg
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119063190 | OGND | VIAF: 313573777
Namensvarianten
  • Meurer, Christian

Quellen(nachweise)

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Meurer, Christian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119063190.html [27.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Peter (1816–94), Schuhmacher, S d. Handwerkers Wilhelm (1784–1856) u. d. Katharina Langhard (* 1784);
    M Maria Anna Johanna (1820–1903), T d. Handwerkers Philipp Adam König (1782–1858) u. d. Maria Anna Usinger (1791–1877);
    1899 Hedwig (* 1880), T d. Franz Loës (1845–1908), Kaffeegroßhändler in Mannheim, u. d. Emma Nortz zu Ruppertsberg (1857–1936);
    1 S (früh †), 1 T.

  • Leben

    M., der nach dem Willen des Vaters Schuhmacher werden sollte, verdankte den Besuch des Gymnasiums in Montabaur der Förderung durch kath. Geistliche. Er studierte seit 1876 ein Semester Theologie und Philosophie in Bonn und sieben Semester Philologie in Freiburg (Breisgau). 1880 legte er in Karlsruhe das philologische Staatsexamen ab und kehrte nach Freiburg zurück, um Rechtswissenschaft zu studieren. Im selben Jahr erwarb er in Würzburg den Dr. phil. aufgrund der Arbeit „Das Verhältnis der Schillerschen zur Kantschen Ethik“, 1882 den Dr. iur. mit der Dissertation „Der Begriff des kirchlichen|Strafvergehens nach den Rechtsquellen des Augsburgischen Bekenntnisses in Deutschland“. Anschließend legte M. das Referendarexamen in Colmar ab, wo er den Rechtshistoriker Richard Schröder als väterlichen Freund gewann, und war bis 1885 Hauslehrer beim Fürsten Hatzfeldt in Trachenberg (Schlesien). In dieser Zeit entstand das zweibändige Werk „Der Begriff und Eigenthümer der heiligen Sachen“ (1885), von dem ein Teil im Frühjahr 1885 der Breslauer Juristenfakultät als Habilitationsschrift vorgelegt wurde. M. erhielt die Venia legendi für Kirchenrecht mit Rechtsphilosophie und Rechtsenzyklopädie; sie wurde später für Völkerrecht erweitert. Seit 1885 wirkte M. als Privatdozent in Breslau. 1888 folgte er dem Ruf auf ein Extraordinariat für Kirchenrecht in Würzburg (o. Prof. 1891), 1895 erhielt er Völkerrecht als zweites Nominalfach, 1934 wurde er emeritiert.

    M.s Schaffen galt ursprünglich überwiegend dem (bayer.) Staatskirchenrecht, darin vor allem dem Recht der kirchlichen Stiftungen, Pfründen und Baulast, seit dem 1. Weltkrieg zunehmend dem Völkerrecht, wo er mit Studien zum Recht des Krieges und des Friedens, namentlich der friedlichen Streiterledigung, der Einschränkung der kriegerischen Gewaltanwendung und der gerechten Friedensordnung, hervortrat. 1922-25 war er im parlamentarischen Untersuchungsausschuß zur Nachprüfung deutscher Kriegsverbrechen tätig und erstattete vier Gutachten. Seine Publikationen sind ausgezeichnet durch scharfe Erfassung des jeweiligen Rechtsinstituts, übersichtliche Darstellung, leicht verständliche Sprache, Zuverlässigkeit in den Einzelheiten, Erhellung des geltenden Rechts aus seiner Entwicklung, den Blick für die Bedürfnisse der Praxis sowie umsichtige Kritik des geltenden Rechts. M., eine stark national eingestellte und dem System der Staatskirchenhoheit verpflichtete Persönlichkeit, galt als Autorität für weite Gebiete des Völkerrechts und als einer der führenden Fachleute für Staatskirchenrecht in seiner Zeit. Er war auch ein begabter und beliebter akademischer Lehrer und in erheblichem Maße in der Verwaltung der Universität tätig (u. a. fünfmal Dekan, zweimal Rektor).

  • Werke

    Weitere W u. a. Der Begriff d. hl. Sachen u. d. Kirchenguts, 1885;
    Völkerrechtl. Schiedsgerichte, 1890;
    Bayer. Kirchenvermögensrecht, 3 Bde., 1899/1901/1919;
    Die Jurist. Personen nach dt. Reichsrecht, 1901;
    Die Haager Friedenskonferenz, 2 Bde., 1905/07;
    Die Genfer Konvention u. ihre Reform, 1906;
    Luftschiffahrtsrecht, 1909;
    Kirchenstiftung u. Kirchengemeinde, 1910;
    Der Modernisteneid u. d. bayer. Plazet, 1911;
    Das kath. Ordenswesen nach d. Recht d. dt. Bundesstaaten, 1912;
    Der Volkskrieg u. d. Strafgericht üb. Löwen, 1914;
    Der Lusitania-Fall, 1915;
    Das Programm d. Meeresfreiheit, 1918;
    Der Codex iuris canonici u. d. bayer. Staatskirchenrecht, 1918;
    Die Grundlagen d. Versailler Friedens u. d. Völkerbund, 1920.

  • Literatur

    H. Planitz (Hrsg.), Die Rechtswiss. d. Gegenwart in Selbstdarst.: Ch. M., 1929, S. 125-52 (W-Verz., P);
    B. Widmann, in: Zs. f. Völkerrecht 16, 1931, S. 1 ff.;
    H. Bell, Geheimrat M. im Völkerrechtsausschusse d. Reichstags, ebd., 1931, S. 5 ff.;
    K. Rudloff, in: Camberg, 700 J. Stadtrechte, 1981, S. 370 f.;
    O. Renkhoff, Nassau. Biogr., 1985, S. 261 f.;
    D. Blumenwitz, Der Würzburger Rechtsgelehrte Ch. M. (1856-1935) u. seine Bemühungen um d. Frieden in d. Welt, in: Information d. Bayer. Julius-Maximilians-Uni v. Würzburg 6/22 v. 23.8.1988, S. 11-13;
    Kürschner, Gel.-Kal., 1931;
    Kosch, Kath. Dtld.;
    BBKL.

  • Autor/in

    Georg May
  • Empfohlene Zitierweise

    May, Georg, "Meurer, Christian" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 267 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119063190.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA