Lebensdaten
1891 - 1984
Geburtsort
Jersitz Kreis Posen
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Betriebswirtschaftler ; Hochschullehrer ; Wirtschaftswissenschaftler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118732862 | OGND | VIAF: 110022035
Namensvarianten
  • Mellerowicz, Konrad
  • Mellerowicz, Conrad
  • Mellerowicz, K.

Objekt/Werk(nachweise)

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Mellerowicz, Konrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732862.html [07.12.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Ignaz, Fabrikinsp. in Beuthen;
    M Agnes Wawzyniak;
    1918 Agnes Stamm;
    S Harald (* 1919), Dr. med., Prof. f. Sportmed. in B. (s. Wi. 1985);
    E Holger, Dr. med., Orthopäde in B.

  • Leben

    M. begann seine berufliche Laufbahn im väterlichen Werk als Industriekaufmann. Nach anfänglichem Studium der Philosophie und der Neuphilologie entschied er sich – im Anschluß an die Militärzeit im 1. Weltkrieg – für das Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Handels-Hochschule Berlin, das er 1921 als Diplom-Handelslehrer abschloß. Danach studierte er Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Berlin und Hamburg, promovierte 1923 in Hamburg zum Dr. rer. pol. und entschloß sich, Hochschullehrer zu werden. Die 20er Jahre waren die erste große Blütezeit der noch jungen, aufstrebenden Betriebswirtschaftslehre. Besonders drei Schulen erwarben sich damals bei der Konstituierung des Faches große Verdienste: die Kölner Schule um Eugen Schmalenbach, die Frankfurter um Fritz Schmidt und die Berliner um Heinrich Nicklisch und Friedrich Leitner. M. war Schüler Leitners und mehrere Jahre lang dessen wissenschaftlicher Mitarbeiter. Er habilitierte sich 1926 an der Wirtschafts-Hochschule Berlin, übernahm im selben Jahr die Vertretung eines Lehrstuhls, wurde 1934 Ordinarius und 1938 Nachfolger Leitners auf dem Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Industrielle Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschafts-Hochschule Berlin, die nach dem 2. Weltkrieg in die Humboldt-Universität eingegliedert wurde. Bis Anfang 1950 konnte M. sich auf dem Ost-Berliner Lehrstuhl halten, hatte aber zuletzt große Schwierigkeiten, weil er unerschrocken für die politische Unabhängigkeit von Forschung und Lehre eintrat und die Freiheit des Wortes im Hörsaal vorlebte. Nachdem er Ost-Berlin schweren Herzens fluchtartig hatte verlassen müssen, bot ihm die TU Berlin einen Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre der Industrie an, den er bis zu seiner Emeritierung (1963) innehatte. Haupt- und Doktorandenseminare hielt M. bis kurz vor seinem Tode.

    An der TU Berlin erwarb sich M. große Verdienste um die Entwicklung des Wirtschaftsstudiums, das bis zu seinem Kommen auf die Heranbildung von Wirtschaftsingenieuren beschränkt gewesen war. Viele seiner Hörer waren ihm nach West-Berlin gefolgt, und so konnte er die Einführung der Studienrichtung „Diplom-Kaufmann“ durchsetzen, ferner – gegen z. T. erbitterten Widerstand von vielen Seiten – die Gründung einer Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Deren Weg von einer kleinen Fachschaft zu einer der stärksten Fakultäten an der TU Berlin bezeugt die Persönlichkeit und das Durchsetzungsvermögen M.s.

    M. leistete Beiträge von außerordentlicher Bedeutung zu verschiedenen Bereichen der Betriebswirtschaftslehre und veröffentlichte dazu eine Vielzahl grundlegender, immer wieder aufgelegter Werke: die „Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“ (1929, 141975), „Kosten und Kostenrechnung“ (1933, ⁵1973), „Betriebswirtschaftslehre der Industrie“ (1957, ⁷1981, Japan. Übers.), „Planung und Plankostenrechnung“ (1961, ³1979). Als Krönung seiner Lebensarbeit betrachtete er selbst die 3bändige „Unternehmenspolitik“ (1963/64, ¾1978) und vor allem sein letztes Werk „Sozialorientierte Unternehmensführung“ (1975, ²1976).

    M.s größtes Verdienst um die Betriebswirtschaftslehre lag wohl in seinem leidenschaftlichen und letztlich erfolgreichen Eintreten für eine reale, auf echte betriebliche Problemstellungen bezogene Auffassung des Faches. M. hat sehr früh die Grenzen einer primär mathematisch orientierten Betrachtungsweise erkannt und es vorgezogen, die Betriebswirtschaftslehre als anwendungsbezogene Führungslehre weiterzuentwickeln. Dabei hat er den Kontakt mit bedeutenden Unternehmern und Unternehmensleitern – mit der Praxis schlechthin – besonders gepflegt. Als Gutachter und Berater wurde er hoch geschätzt.

    M., der sich nie einseitig spezialisierte, war ein glänzender Lehrer, der die Begeisterung|für sein Fach auf seine Hörer zu übertragen verstand. Viele seiner Schüler erreichten hervorragende Positionen in der Wirtschaft, einige führen seine betriebswirtschaftlichen Grundauffassungen als Hochschullehrer weiter. Anläßlich seines 100. Geburtstages stiftete sein Sohn Harald einen Konrad-Mellerowicz-Preis für bedeutende Arbeiten auf dem Gebiet der Betriebswirtschaftslehre.|

  • Auszeichnungen

    Dr. rer. pol. h. c. (Linz 1983);
    Ehrensenator d. TU Berlin;
    Goldener Ehrenring d. Dt. Ges. f. Betriebswirtsch.

  • Werke

    Weitere W Neubildungen im gewerbl. Arbeitsgenossenschaftswesen Dtld.s in d. Nachkriegszeit, insbes. d. Bauarbeiterproduktivgenossenschaften, Diss. Hamburg 1923;
    Grundlagen betriebswirtsch. Wertungslehre, 1926;
    Die öffentl. Banken in d. dt. Bankwirtsch., 1934;
    Grundfragen u. Technik d. Betriebsabrechnung, 1949, ³1962 (mit H.-G. Abromeit u. a.);
    Neue Handwerksbuchführung – Buchführung f. Steuer u. Kalkulation, 1950 (mit F. Volkmann);
    Kapitalverkehr, 1950;
    Zahlungsverkehr, 1950;
    Der Wert d. Unternehmung als Ganzes, 1952;
    Wert u. Wertung im Betrieb, 1952;
    Bestimmungsfaktoren d. Kreditfähigkeit, 1954, ²1957 (mit H. Jonas);
    Markenartikel – Das Ökonom. Gesetz ihrer Preisbildung u. Preisbindung, 1955, 21963;
    Abschreibungen in Erfolgs- u. Kostenrechnung, 1957;
    Forschungs- u. Entwicklungstätigkeit als betriebswirtsch. Problem, 1958;
    Der Markenartikel als Vertriebsform u. als Mittel z. Steigerung d. Produktivität im Vertriebe, 1959;
    Die Handelsspanne b. freien, gebundenen u. empfohlenen Preisen, 1961;
    278 Aufsätze u. Stichworte in Zeitschriften u. Sammelwerken. – Bibliogr. d. Veröffentlichungen u. Auf-satzslgg., hrsg. v. A. Peeckel, 1990.

  • Literatur

    Aktuelle Betriebswirtsch., FS z. 60. Geb.tag, 1952 (P);
    Betriebswirtsch.lehre u. Wirtsch.praxis. FS z. 70. Geb.tag. 1961 (P);
    Zs. f. Betriebswirtsch. 1966, 1971, 1976, 1981 (Würdigungen z. 75., 80., 85. u. 90. Geb.tag);
    Wi. 1973.

  • Autor/in

    Dietger Hahn
  • Empfohlene Zitierweise

    Hahn, Dietger, "Mellerowicz, Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 21-22 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732862.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA