Lebensdaten
1792 bis 1861
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Kaufmann ; hamburgischer Senator ; Handelspolitiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116479116 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Geffcken, Heinrich

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Zitierweise

Geffcken, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116479116.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hinrich (1748–1806), seit 1782 Teilhaber d. Drogenhandlung G. Lipman u. Geffcken in H., S d. Gewürzkrämers Joh. David in Neuhaus/Oste u. d. Adelheid Christina Sprado;
    M Susanne (1768–1829), T d. Kaufm. Franz Wilh. Hoppe in H. u. d. Susanna Steetz;
    B Johs. (1803–64), Dr. phil., D.theol., Diakon an St. Michaelis in H., Mitarbeiter am 1843 eingeführten neuen hamburg. Gesangbuch u. am allg. dt. ev. Gesangbuch, Vf. v. Schrr. üb. hamburg. kirchl. u. weltl. Anstalten u. v. Biogrr. hamburg. Geistlicher (s. L);
    Schw Henriette (⚭ Carl Phil. Kunhardt, 1782–1854, Teilhaber);
    Hamburg 1816 Elisabeth (1798–1889), T d. Pastors Joh. Gottlieb Merckel in Lüneburg u. d. Joh. Sophie Maria Winckler;
    3 S, 6 T, u. a. Heinrich (s. 2), Maria Elis. ( Emil von Melle, 1822–91, Kaufm. u. Senator in H.);
    N Otto Wilh. Kunhardt (1818–88), Teilhaber seit 1843;
    E Johannes (s. 3), Werner von Melle (1853–1937), Bgm. v. H.

  • Leben

    G. besuchte das Johanneum in Hamburg und trat 14jährig nach des Vaters Tode in die Lehre in der von seiner Mutter fortgeführten Drogenhandlung. Knappe Mußestunden benutzte er zur geistigen Fortbildung und zählte später zu den gebildetsten und interessiertesten Männern der Stadt. Seiner patriotischen Gesinnung wegen mußte er 1813 vor den Franzosen fliehen. Mit dem hanseatischen Jägercorps nahm er an dem Entsatz Hamburgs 1814 teil. 1816 übernahm er die väterliche Handlung G. Lipman & Geffcken unter unverändertem Namen für eigene Rechnung gemeinsam mit seinem Schwager C. Ph. Kunhardt und entwickelte das Unternehmen zu einem im Drogenhandel bedeutenden Im- und Exporthaus. Seit 1832 vertrat er die Bürgerschaft als „Bankbürger“ in der Verwaltung der Hamburger Bank von 1619. In dieser Stellung begann er, sich mit Fragen des öffentlichen Rechtes, des Bank-, Geld-, Steuer- und Zollwesens eingehend zu befassen, und galt bald als Fachmann für handelspolitische Fragen. Seit 1839 Mitglied der Commerz-Deputation, wirkte er als ihr Präses entscheidend auf den Stader-Zoll-Vertrag von 1844 ein. Gleichzeitig übernahm er die Oberaufsicht über das neugeschaffene Handelsstatistische Bureau. Der von ihm geförderte Antrag, die Israeliten zum „Ehrbaren Kaufmann“, der Versammlung hamburgischer Kaufleute, zuzulassen, wurde unter seinem Präsidium 1844 genehmigt. Damit war der erste Schritt zur Gleichberechtigung der Juden in Hamburg getan. G. gehörte der Rat- und Bürgerdeputation zum Wiederaufbau der Stadt nach dem Brande von 1842 an, deren weitschauende Planung die Umgestaltung der mittelalterlichen in eine moderne Stadt ermöglichte. 1845 erfolgte seine Berufung in den Senat. G.s nationalökonomische und handelspolitische Kenntnisse fanden ihren Niederschlag in Gutachten und Denkschriften. Er nahm an den Sachverständigenberatungen über Deutschlands Zoll- und Handelseinigung 1848 in Hannover und Frankfurt, 1851 gemeinsam mit Syndikus Edward Banks in Dresden und Frankfurt teil, wobei er sich rückhaltlos für das Prinzip des Freihandels und die Erhaltung Hamburgs als Freihafen einsetzte. Er gehörte den wichtigsten Deputationen zur Reform der Verfassung und durch Nachwahl der Constituante an. 1849 war er Mitglied der Neuner Kommission und der Verfassungskommission, welche 1859 die Wahlparagraphen vereinbarte, 1860 gehörte er der Senatskommission zur Redaktion der Verfassung an. Als Mitglied der Vertrauenskommission nach der Handelskrise von 1857 setzte er sich für die Stützung der großen Häuser ein, um nicht durch Verzetteln der Mittel das Unglück zu vergrößern. Als Präsident der Zoll- und Accise-Deputation hielt er im Dezember 1860 seine letzte große Rede. Als überzeugter Freihändler befürwortete er den Abbau wirtschaftlicher Beschränkungen, staatlicher Bevormundung, steuerlicher Belastung, soweit der Staat als Ganzes keinen Nachteil erleiden und die „Gesetze nicht durchlöchert“ werden würden. Sein Wirken machte ihn zum Wegbereiter neuzeitlichen wirtschafts- und handelspolitischen Denkens, das die Entwicklung Hamburgs zum Welthandelsplatz ermöglichte.

  • Literatur

    ADB VIII;
    [E. v. Melle], in: Staats- u. Gel.-Ztg. d. Hamburg. Unparteiischen Correspondenten, Hamburg, v. 9.1.1862 (Nekr.);
    Hamburg. Correspondent v. 24. u. 26.1.1904;
    P. E. Schramm, Hamburg, Dtld. u. d. Welt, 1943, S. 262 u. ö.;
    Dt.GB 13. - Zu B Johs.:
    Lex. d. hamburg. Schriftsteller II, 1854, S. 448;
    ADB VIII.

  • Portraits

    Lith.;
    Gruppenbild hamburg. Senatoren, 1860 (beide im Staatsarchiv Hamburg).

  • Autor/in

    Maria Möring
  • Empfohlene Zitierweise

    Möring, Maria, "Geffcken, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 127 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116479116.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Geffcken: Heinrich G., Senator der freien Stadt Hamburg, geb. daselbst am 24. Octbr. 1792, trug das Gepräge eines echten hanseatischen Bürgers und Senators. — Während Neigung und Befähigung ihn auf das Studium hinzuweisen schienen, war er durch den frühen Tod seines Vaters veranlaßt worden, sich dem Kaufmannsstande zu widmen. Schon in seinem 14. Jahre mußte er die Schule verlassen und als Handlungslehrling in das praktische Leben treten, aber er wußte eine so frühe unterbrochene wissenschaftliche Bildung aus sich selbst weiter auszubauen. Freilich mußte er dazu bei anstrengender Tagesarbeit dem Schlafe die frühen Morgenstunden abgewinnen. Oftmals wurde ihm dies recht schwer und der alte Handlungsdiener, von dem er sich wecken ließ, mußte ihm Abends versprechen, ihn jedenfalls zum Aufstehen zu zwingen, auch wenn er ihn am andern Morgen dieses Versprechens entbände. Aus der mit Fliesen gepflasterten Kammer, in welcher die Lehrlinge des Geschäfts schliefen, eilte er dann in das noch einsame Comptoir, um den Studien obzuliegen, die ihn eine, auch bei Kaufleuten großer Handelsstädte ungewöhnliche, wissenschaftliche Bildung gewinnen ließen. Geffcken's Jünglingsjahre fielen in die große Zeit, in welcher Deutschland das Joch der Fremdherrschaft abschüttelte. Der kurze Jubel über die erste Befreiung Hamburgs (März 1813) war verrauscht, die befreundeten Russen hatten die Stadt verlassen und die Franzosen zogen wieder ein. G., der durch seine inzwischen an den Tag gelegte deutsche Gesinnung sich gefährdet wußte, ging nach Schweden. Der Gang der Ereignisse veranlaßte ihn aber bald, nach Deutschland zurückzukehren, um sich dem Corps der freiwilligen Jäger anzuschließen, welches in Wismar aus geflohenen und vertriebenen Hamburger Bürgern zur Mithülfe an der Befreiung ihrer Vaterstadt zusammentrat. Mit diesem Corps, in dessen Mitte er auch bei einem Vorpostengefecht verwundet wurde, nahm er Theil an der Belagerung und Entsetzung Hamburgs von den Franzosen und mit demselben zog er ein in die zum zweiten Male befreite Stadt. Nach dieser Kriegsepisode unternahm G. eine abermalige Reise nach Schweden, auf der er fast ein Jahr zubrachte, und trat dann am 1. Januar 1816 als Theilnehmer in das elterliche Handlungshaus. Für dasselbe die sichere geschäftliche Grundlage zu gewinnen, war jetzt sein Bemühen; nur zeitweise, namentlich Sonntags, erlaubte er sich eine Beschäftigung mit Poesie und Wissenschaft. Er mußte aber wol finden, daß er sich dieser Beschäftigung, für die er die größte Neigung hatte, auch in beschränktem Maße nicht hingeben dürfe, wenn nicht die Arbeit seines Berufes darunter leiden sollte. In einem Gedichte nahm er von der Muse, „der er doch kein echter Sohn“, förmlichen Abschied und widmete sodann seiner geschäftlichen Thätigkeit seinen ganzen Fleiß bis zu dem Abschnitt seines Lebens, der ihn zur Wirksamkeit sür das Gemeinwohl berief. Die bürgerliche Verwaltung in den Hansestädten rekrutirt sich aus den weitesten Kreisen; von denen, die herangezogen werden, gelangen diejenigen, welche sich als befähigt und als opferbereit in Hingabe ihrer Zeit und Kräfte erweisen, zu den wichtigeren Aemtern. Als ein Mann der letztgenannten Art wurde G. erkannt. Verdient machte er sich namentlich als Mitglied der Behörde der Hamburger Giro-Bank, deren ausgebildete Einrichtungen (die dem späteren Giro-Verkehr der Reichsbank als Grundlage gedient haben) weiter zu vervollkommnen er sich bestrebte; sodann als Mitglied der Commerzdeputation (Handelskammer) und nach dem großen Brande als Mitglied der Raths- und Bürgerdeputation von 1842, welche den Wiederaufbau Hamburgs leitete. Während er an der Bank-verwaltung theilnahm, zog er das ganze Bankwesen in den Bereich seines Studiums, später die Zoll- und Besteuerungsfragen und andere Gegenstände der Volkswirthschaft und Handelspolitik. In diesen Fächern, in denen er die praktischen mit den theoretischen Kenntnissen verband, wurde er eine Specialität und eine Autorität, die weithin Geltung erhielt. Auch litterarisch wirkte er durch seine handelspolitischen Broschüren: „Die Stellung der Hansestädte“ und „Zur Bankfrage“. Im J. 1845 wurde G. zum Senator erwählt und trat nunmehr in einen noch größeren Wirkungskreis. Er hatte u. A. wesentlichen Antheil an der Denkschrift des Hamburger Senats über die Differentialzölle, welche die Prinzipien des freien Handels vertheidigt und der die Ehre widerfuhr, bei Aufhebung der englischen Navigationsacte für das Parlament in das Englische übersetzt zu werden. Bei den Berathungen über eine Zoll- und Handelseinigung Deutschlands, die 1848 in Frankfurt und 1851 in Dresden und Frankfurt stattfanden, war G. der Bevollmächtigte des Hamburger Senats und wußte die hamburgische Freihafenstellung für alle Eventualitäten zu wahren. In der großen Handelskrisis von 1857 gehörte er zu denen, die einen klaren Blick behielten und glücklich verhinderten, daß Staat und Gesetzgebung, wie von dem aufgeregten Handelsstande gewünscht wurde, in den sich natürlich entwickelnden Gang der Verhältnisse eingriffen. G. am 3. December 1861.

    • Literatur

      Heinrich G., ein Nekrolog, im Hamb. Correspondenten vom 9. Januar 1862.

  • Autor/in

    Emil , v. Melle.
  • Empfohlene Zitierweise

    Melle, Emil von, "Geffcken, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 493-494 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116479116.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA