Lebensdaten
1748 bis 1833
Geburtsort
Badenheim bei Bad Kreuznach
Sterbeort
Badenheim bei Bad Kreuznach
Beruf/Funktion
Musterbauer ; Dichter
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118837664 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maus, Isaak
  • Maus, Isaac
  • Maus, Jsaak

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Zitierweise

Maus, Isaak, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118837664.html [17.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm Heinrich (1712–68), Bauer in B., S d. Isaak ( 1751), Bauer u. Schultheiß in Duchroth (Nahetal);
    M Anna Katharina Dietz (1714–1802);
    B Christian (1743–1807), Sekr. Friedrich Karl v. Mosers, dann Kammerrat in Darmstadt;
    Bosenheim 1776 Catharina Elisabeth (1754–1824), T d. Bauern Joh. Wilhelm Cornelius in Bosenheim u. d. Anna Margaretha Schick;
    3 S, 7 T, u. a. Wilhelm (1777–1849), Bauer u. Bgm. in Bosenheim, Konrad (1791–1843), Bauer u. Bgm. in B.;
    E Peter (1812–73), Bauer in Armsheim;
    Ur-E Johannes (1845–1922), Bauer ebd., alle Bauerndichter.

  • Leben

    M., siebtes und letztes Kind wohlhabender Bauern in der Rheinpfalz, mußte den elterlichen Hof beim Tod des Vaters übernehmen. Drei ältere Brüder waren durch Tod, einer durch Heirat in einen Nachbarort für diese Aufgabe ausgefallen; Christian Maus hatte sich geweigert, Bauer zu werden. Zuerst mit Hilfe eines Knechtes, bald allein mit Hilfe seiner Frau und der Kinder betrieb M. bis ins hohe Alter eigenhändig seinen beträchtlichen Hof und brachte es zu großer Wohlhabenheit. Zeitlebens scheint er nie weiter von Badenheim weggekommen zu sein als bis Mainz und Darmstadt – sein Zugang zur (gebildeten) Welt waren Korrespondenz, Literatur und Besucher von weither.

    M. zog in zweierlei Hinsicht die Aufmerksamkeit seiner Zeitgenossen auf sich. Zum einen war er ein „Naturdichter“, der nach bescheidener Dorfschulausbildung, angeregt durch Gesangbuchlektüre, selbst zu dichten begann. Geschult von dem Anakreontiker J. N. Götz und anfangs protegiert von F. L. G. v. Goeckingk, R. Z. Becker und J. F. Schlez, beteiligte er sich am geselligen Dichtvergnügen seiner gebildeten Zeitgenossen und unterhielt nach Art der Zeit einen ausgebreiteten Briefwechsel mit namhaften Korrespondenten. Die rund 310 lyrischen Gedichte und Versepisteln, die er schrieb, sind fast vollständig in den drei Gedichtbänden von 1786, 1819 und 1821 enthalten, die er auf Subskription herausgab und deren große Subskribentenzahl von dem Echo zeugt, das er wegen der Qualität seiner Gedichte und auf Grund seines bildungsexotischen Markenzeichens „Bauersmann in Badenheim“ fand. Zum anderen gelang es M., durch Tüchtigkeit in seinem Bauernberuf – spätere Angebote zu Studium oder Verwaltungskarriere lehnte er ab – und eine gewinnende Persönlichkeit auch nach dem Bekanntwerden seiner geistigen Interessen in seinem Dorf sozial integriert zu bleiben und sogar besondere Anerkennung zu finden. Als Beleg dafür, daß ein Überschuß an Bildung und die freie Entfaltung einer Persönlichkeit nicht zu Unzufriedenheit, Untüchtigkeit im Beruf und sozialer Desintegration führen mußten, wurde M. zum Gegenbild von „Kleinjogg“ Guyer und zur Symbolfigur für eine Volksaufklärung, die über den Utilitarismus einer rein berufsbezogenen „Volks“-Bildung hinausgehen wollte. Selbst an der Volksaufklärung durch literarische Beiträge mitzuwirken, lehnte M. wegen möglicher sozialer Mißhelligkeiten ab; seine Schrift „Etwas über Ackerbau und Landwirthschaft“ (1788) richtet sich weniger an lernwillige Bauern als gegen wohlmeinende Stubenökonomen. In praktischer Reformtätigkeit hingegen engagierte er sich und war von 1809 bis 1825 Maire bzw. Bürgermeister von Badenheim und 1818-25 Mitglied des Rheinhess. Provinzialrates.

    Obwohl M.s Denken in der Aufklärung wurzelte, war seine Haltung gegenüber der Franz. Revolution zwiespältig. In aller Öffentlichkeit begrüßte er sie zunächst emphatisch, scheint sich aber von ihr distanziert zu haben, als die franz. Besatzungsmacht von der Bevölkerung der Rheinpfalz den Eid auf die Republik erzwingen wollte. Für beide Haltungen wurde er zur Rechenschaft gezogen; zu seiner (und anderer Leidensgenossen) Verteidigung schrieb er 1794 seine „Apologie“. Ob er tatsächlich auch der Autor von „Ein überrheiner Bauersmann an seinen Churfürsten“ (1792) und „Gedanken eines pfälz. Bauers über die gegenwartigen kriegerischen Zeitläufte“ (1793), zwei ihm zugeschriebenen wichtigen Flugschriften der Mainzer Republik, ist, bleibt ungeklärt. – Ein Teil seiner Gedichte ragt durch Natürlichkeit und Witz aus dem Mittelmaß der Gesellschaftsdichtung etwa des Gleim-Kreises heraus; die drei genannten politischen Prosaschriften gehören zu den besten des Revolutionszeitalters.

  • Werke

    u. a. Gedichte u. Briefe, 1786;
    Versuch e. Apologie d. Dt. Bürger u. Landleute, welche nach d. Franzosen Verlangen u. gezwungen d. Freiheitseid geleistet haben, 1794;
    Poet. Briefe, 1819 (P;
    Titelaufl. 1821);
    Lyr. Gedichte, 1821;
    Leben u. Nachlaß, hrsg. v. H. Sander. I-II, 1845 (P;
    Titelaufl. 1846);
    „Der Pflüger hat den Dichterspleen …“, Gedichte, ausgew. u. eingel. v. R. Siegert, 1985.

  • Literatur

    K. Monath, I. M., 1979 (P);
    R. Siegert, I. M., Mit e. Personalbibliogr. (auch hs. Nachlaß, P), in: Internat. Archiv f. Soz.gesch. d. dt. Lit. 10, 1985, S. 23-93;
    ders., I.-M.-Gen.register, 1986 (mit Nachträgen u. Genealogie).

  • Autor/in

    Reinhart Siegert
  • Empfohlene Zitierweise

    Siegert, Reinhart, "Maus, Isaak" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 445 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118837664.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA