Lebensdaten
1711 bis 1757
Geburtsort
Sankt Petersburg
Sterbeort
bei Wellemin (Böhmen)
Beruf/Funktion
preußischer Generalmajor
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 134165470 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Manstein, Christoph Hermann von
  • Mannstein, Christoph H. von
  • Mannstein, Christoph Hermann von
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Zitierweise

Manstein, Christoph Hermann von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd134165470.html [17.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst Sebastian (1678–1747), russ. Gen.-Lt. u. Gouverneur v. Reval, S d. Christoph Valentin, auf Juckstein, u. d. Dorothea Truchseß v. Wetzhausen;
    M Dorothea v. Ditmar;
    St. Petersburg 1741 Juliane (1723–68), T d. Joh. Wilhelm v. Finck (1686–1742), russ. Oberstallmeister u. meckl.-strelitz. Oberjägermeister, u. d. Elisabeth Juliane v. Maltzahn; Schwager Friedrich August v. Finck (1718–66), preuß. Gen.-Lt., kapitulierte 1759 b. Maxen („Finkkenfang“) (s. ADB V; Priesdorff I, S. 443-45, P);
    3 S, 5 T, u. a. Hermann Joh. Ernst (1742–1808), preuß. Gen.-Lt. u. Gen.-Adjutant (s. Priesdorff II, S. 429 f., P);
    Adoptiv-S Ludwig v. Steinmann (Türke, ca. 1730–1815), preuß. Oberst.

  • Leben

    Bis zu seinem 13. Lebensjahr wurde M. durch seinen Vater und auf der Schule in Narwa erzogen. 1726 erfolgte sein Eintritt in das preuß. Kadettenkorps, welches er 1730 verließ, um als Gefreitenkorporal in das Infanterie-Rgt. Markgraf Karl (Nr. 19) einzutreten. 1733 zum Fähnrich befördert, blieb er 1736 während eines Urlaubs bei seinem Vater und wurde als Hauptmann in ein Petersburger Grenadierregiment übernommen, ohne den formalen Abschied aus preuß. Diensten erhalten zu haben. In den Feldzügen gegen die Türkei (1736–39) machte er schnell Karriere und war bereits 1739 Oberstleutnant und Generaladjutant des Generalfeldmarschalls Burchard Christoph Gf. v. Münnich, des Präsidenten des Kriegskollegiums und Reorganisators des russ. Heereswesens. In dieser Stellung wurde er in die russ. Thronwirren verstrickt, so insbesondere durch die ihm übertragene Verhaftung des Hzg. Johann Ernst Biron von Kurland. Mit der Thronbesteigung der Kaiserin Elisabeth 1741 und dem Sturz seines Gönners Münnich verlor auch M. sein ihm kurz zuvor verliehenes Regiment und seine Güter. Bereits im Oktober 1742 erhielt er erneut ein Kommando (2. Moskauer Infanterie-Rgt.) in Livland und machte 1743 den Feldzug gegen Schweden mit. Nach einer niedergeschlagenen kriegsgerichtlichen Untersuchung bat M. 1744 vergeblich um seinen Abschied. Er nahm daher einen halbjährigen Urlaub und bewarb sich im Januar 1745 um preuß. Kriegsdienste. Er durfte als Volontär am Feldzug 1745 teilnehmen und wurde bald als Oberst und Generaladjutant (Patent vom 15.3.1745) in preuß. Dienste übernommen, da der König den gebildeten und polyglotten Soldaten vielseitig verwendbar fand. 1751 reichte M. dem König das Manuskript seiner Erlebnisse und Erfahrungen der russ. Dienstjahre ein; es zählt noch heute zu den informativsten Schriften über die russ. Verhältnisse jener Jahre. Der Bericht, der auch Voltaire zur Durchsicht vorgelegen hatte und 1753 die königl. Druckerlaubnis erhielt, war eine der wesentlichen Grundlagen des Rußlandbildes Friedrichs d. Gr. 1754 zum Generalmajor befördert, wurde M. 1756 nach der Kapitulation der sächs. Armee Chef des vormaligen kursächs. Infanterie-Rgt. v. Minckwitz. Er wurde bei Kolin (18.6.1757) verwundet und auf dem Rückweg nach Dresden von Panduren erschossen.

  • Werke

    Hist., pol. u. mil. Nachrr. v. Rußland v. J. 1727–44, 1771 (franz. 1771, 1772, 1860, engl. 1770).

  • Literatur

    ADB 20;
    (König), Biogr. Lex. aller Helden u. Mil.-personen, welche sich in preuß. Diensten berühmt gemacht haben III, 1788;
    v. Steinmann, Lebensgesch. Ludwigs v. Steinmann, in: Zs. f. Kunst, Wiss. u. Gesch. d. Krieges 12, 1828, S. 282-99;
    Großer Generalstab (Hrsg.), Die Kriege Friedrichs d. Gr. III: Der Siebenj. Krieg, III, 1901;
    C. Dufy, Russia's Military Way to the West, Origins and Nature of Russian Military Power 1700-1800, 1981;
    P. Broucek, Der Geburtstag d. Monarchie, Die Schlacht b. Kolin 1757, 1982;
    Priesdorff I, S. 401-04 (P).

  • Autor/in

    Joachim Niemeyer
  • Empfohlene Zitierweise

    Niemeyer, Joachim, "Manstein, Christoph Hermann von" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 82 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd134165470.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Manstein: Christof Hermann v. M., preußischer Generalmajor, wurde zu St. Petersburg am 1. September 1711 geboren. Sein Vater war russischer|General und M. war bestimmt, ebenfalls in russische Dienste zu treten; ein Freund seines Vaters aber beredete diesen, ihn nach Preußen zu schicken und so kam er, durch das Kadettenkorps, zunächst in die preußische Armee. 1730 ward er Fähnrich. Gelegentlich eines Besuches bei seinen Eltern vertauschte er jedoch den preußischen Dienst mit dem russischen; die Kaiserin Anna stellte ihn als Grenadiercapitän bei dem Regiment Sanct Petersburg an und M. fand sehr bald Gelegenheit, in den Kämpfen gegen Tataren und Türken sich auszuzeichnen. Als die Kaiserin 1739 zu Belgrad Frieden schloß, ernannte sie ihn zum Oberstlieutenant und zum Flügeladjutanten des Feldmarschalls Münnich. Nach dem Tode der Kaiserin (28. October 1740) wurde Herzog Biron von Curland Vormund ihres Nachfolgers Iwan und Regent. Münnich beschloß ihn zu stürzen und beauftragte M., sich seiner zu bemächtigen. Dieser erledigte sich seines Auftrages, indem er ihn in der Nacht vom 19. zum 20. November desselben Jahres verhaftete und nach Schlüsselburg brachte, mit großem Geschick. Iwan's Mutter, die Großfürstin Anna, welche dem Namen nach, und Münnich, welcher in der That nun die Regierung führten, belohnten ihn durch Ernennung zum Oberst, gaben ihm das Regiment Astrachan und verliehen ihm bedeutende Güter in Ingermannland. Im folgenden Jahre brach Krieg mit Schweden aus; M. kommandirte eine Brigade und focht in der Schlacht bei Wilmanstrand, wo Feldmarschall Lacy den Generalmajor Wrangel schlug. Erhaltene Wunden nöthigten ihn nach St. Petersburg zurückzukehren. Gleich darauf, am 6. December 1741 schwang sich die Kaiserin Elisabeth auf den Thron; Münnich wurde nach Sibirien verbannt und alle seine Anhänger mußten mit ihm leiden. M. verlor sein Regiment und seine Güter und mußte ein Garnisonregiment an der sibirischen Grenze übernehmen, doch gelang es ihm nicht lange nachher das Kommando desselben mit dem des in Livland stationirten 2. Moskauischen Regiments vertauschen zu dürfen. Mit diesem diente er 1743 auf der Flotte. Dann begegnete ihm ein neues Mißgeschick. Auf die Angebereien eines liederlichen Offiziers seines Regiments, der ihn des Verraths beschuldigte, ward er gefangen gesetzt und ihm der Prozeß gemacht. Es gelang ihm zwar seine Unschuld nachzuweisen, doch war ihm nun der russische Dienst verleidet und er forderte seinen Abschied. Dieser wurde ihm verweigert. M. nahm Urlaub, ging nach Deutschland, versuchte von hier aus vergeblich seine Entlassung durchzusetzen und trat schließlich, ohne dieselbe erhalten zu haben, am 15. März 1745 als Oberst und Generaladjutant des Königs in die preußische Armee, mit welcher er am Kriege von 1745 theilnahm. M. hat alle diese Verhältnisse in seinen, nach seinem Tode (1770) deutsch, französisch und englisch erschienenen Denkwürdigkeiten über seine Erlebnisse und über die militärischen und politischen Zustände Rußlands in den Jahren 1727—1744 dargestellt. — Friedrich der Große gebrauchte ihn zu allerlei Geschäften, auch nichtmilitärischen, und machte ihn 1754 zum General. Beim Einmarsch in Böhmen im J. 1756 nahm er Schloß Tetschen, trieb dann die vom Könige ausgeschriebenen Kontributionen ein und erhielt nach der Capitulation von Pirna das gefangen genommene Infanterieregiment v. Minkwitz, welches er während der Winterquartiere in Dippoldiswalde auf preußischen Fuß setzte. 1757 mußte er schon vor dem Einmarsch des Königs in Böhmen, um den Feind über die wahre Angriffsrichtung zu täuschen, am 5. April über Stolpen gegen Hainspach demonstriren und socht dann in der Schlacht bei Prag, zu deren Entscheidung er durch selbstständiges Vorbrechen beitrug. Bei Kolin, wo er auf dem linken Flügel des ersten Treffens eine Brigade kommandirte, trug sein unvorsichtiges, vom Könige nicht gewolltes Vorgehen gegen das Dorf Chocenitz, aus welchem er die Kroaten zu vertreiben vorhatte, die Mitschuld an dem Mißerfolge. Er verwendete zu dem Angriffe|die äußersten drei Bataillone des linken Flügels, die gar nicht unter seinem Befehle standen, zwei Bataillone seiner eigenen Brigade folgten, das Dorf wurde genommen, er konnte aber jenseits desselben kein Feld gewinnen, büßte von den 3000 Mann, die er ins Feuer geführt hatte, 1800 ein und mußte dann wieder zurückgehen. Einer erhaltenen Wunde wegen gebachte er sich nach Dresden zu begeben; der Transport aber, bei welchem er sich befand, wurde am 27. Juni bei Welmina von Laudon's Kroaten angegriffen und bei dem entstehenden Gefechte wurde M. erschossen. M. war ein sehr gebildeter Mann und tüchtiger Soldat, wenn auch etwas zu hitzköpfig, so daß der König ihn als „célèbre pour avoir engagé la bataille de Prague et avoir causé la perte de celle de Kollin“ bezeichnet (Oeuvres posthumes, T. 3, p. 180), man hatte große Hoffnungen auf ihn gesetzt.

    • Literatur

      Pauli, Leben großer Helden, 3. Theil. Halle 1759. — Hörschelmann, Leben und Charaktere preußischer Helden. Erfurt und Leipzig 1762.

  • Autor/in

    Poten.
  • Empfohlene Zitierweise

    Poten, Bernhard von, "Manstein, Christoph Hermann von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 248-250 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd134165470.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA