Lebensdaten
1848 bis 1904
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Handfeuerwaffenkonstrukteur
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119305062 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mannlicher, Ferdinand (bis 1892)
  • Mannlicher, Ferdinand Ritter von
  • Mannlicher, Ferdinand (bis 1892)
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Zitierweise

Mannlicher, Ferdinand Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119305062.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph M. (1809-66), k. k. Oberfeldkriegskommissär, S d. Joseph (1774–1844), Mil.verpflegsverwalter, u. d. Eleonora Baumgartner;
    M Albertine (1814–96, ev.), T d. Joh. Friedrich Haacke (1789–1850), preuß. Kriegskassenrendant, Rechnungsrat, u. d. Eleonora Amalie Jaeckel;
    Wien 1892 Cäcilie (1874–1934), T d. August Martin u. d. Cäcilie Gupp;
    2 T;
    E Hans Manndorff (* 1928), Ethnologe, Prof. in Wien.

  • Leben

    Von Mainz, wo sein Vater der österr. Garnison der Bundesfestung angehörte, kam M. 1857 mit seinen Eltern nach Wien. Sein Bildungsgang war zielstrebig auf das technische Fachgebiet ausgerichtet. Nach dem Studium des Maschinenbaus an der TH Wien trat er in die Dienste verschiedener damals noch privater Eisenbahngesellschaften; zuletzt war er im Konstruktionsbüro der k. k. privilegierten Nordbahngesellschaft tätig. 1878 schied er dort aus. Sein Entschluß, sich nunmehr ausschließlich mit der Konstruktion von Handfeuerwaffen zu befassen, dürfte auf einen Besuch der 1876 in Philadelphia (USA) veranstalteten „Jahrhundert-Ausstellung“ zurückzuführen sein. Er hatte dort Gelegenheit gehabt, sich durch das Studium der Akten des Patent Office und einer umfangreichen Modellsammlung mit dem letzten Stand der Konstruktionsprobleme vertraut zu machen. Die großen Fortschritte auf allen Gebieten der Technik führten zu einer relativ raschen Umstellung vom einschüssigen Hinterlader zum mehrschüssigen Repetiergewehr. M. richtete aus Eigenmitteln im 9. Wiener Gemeindebezirk eine Gewehr-Versuchsanstalt ein und erprobte hier die von ihm konstruierten Prototypen sowohl im Hinblick auf ballistische Eigenschaften als auch auf die praktischen Verwendungsmöglichkeiten. Damit erwarb er sich die praktischen Kenntnisse, wie sie vor allem sein ernsthaftester Konkurrent, Karl Sylvester Krnka, als Leutnant der Infanterie besaß. Das gleichzeitig vorgelegte Modell von Krnka hatte zwar einige technische Vorteile und niedrigere Gestehungskosten, es war jedoch durch das seitlich angebrachte Röhrenmagazin im Vorderschaft den ballistischen Eigenschaften der Konstruktion M.s mit dem Rahmenmagazin im Mittelschaft eindeutig unterlegen. Aus diesem Grunde wurde diese als Muster 86, (Kaliber) 11 mm, vom k. u. k. Technischen Militär-Comité für die Infanterieregimenter und Feldjägerbataillone angenommen. Schon zwei Jahre später mußte eine Umarbeitung auf das verkleinerte Kaliber 8 mm – Muster 88 – vorgenommen werden, der 1893 eine weitere zur Ladung von Patronen mit raucharmem Pulver folgte. Diese technischen und materialmäßigen Veränderungen führten zur Konstruktion des Musters 1895, das 1898 an die Truppe ausgegeben wurde. Mit diesem Repetiergewehrmodell ist die österr.-ungar. Armee im 1. Weltkrieg bewaffnet gewesen. Nach 1918 wurde es unverändert vom Bundesheer der 1. Republik übernommen. Erst 1930 machte die Einführung des Spitzgeschosses neuerliche technische Abänderungen notwendig, nach deren Durchführung die sog. S-Gewehre bis 1938 in Gebrauch waren. Alle diese Modelle (Muster) und deren Varianten für den Export sind ausschließlich in den Werken der Österr. Waffenfabriks-Gesellschaft in Steyr (Oberösterreich) sowie in der Filialfabrik in Budapest hergestellt worden. Über den Umfang des technischen Schaffens M.s gibt die große Auswahl der Militärwaffen eine Vorstellung, zu denen noch die bis in die Gegenwart in Steyr erzeugten Mannlicher-Jagdgewehre in 26 Kalibern hinzukommen.|M. hat zu seiner Zeit aktuelle Probleme bei der Fertigung des Repetiergewehrs nicht nur technisch-konstruktiv, sondern auch in Hinblick auf eine kostengünstige Massenerzeugung erfolgreich gelöst. Durch die Zusammenarbeit mit der Waffenfabrik Steyr wurde ein bis in die Gegenwart bedeutender Industriezweig geschaffen.|

  • Auszeichnungen

    Mitglied des Herrenhauses (1899), wurde M. mit zahlreichen österr., preuß., franz. und ital. Orden ausgezeichnet.

  • Werke

    Repetiergewehr M(uster), 1880 (Zylinderverschluß u. Patronenmagazin im Kolben);
    Repetiergewehr M. 81 (Zylinderverschluß u. ansteckbares Magazin);
    Repetiergewehr M. 82 (Abänderung);
    Repetiergewehr M. 82 (Patronenmagazin im Vorderschaft);
    Repetiergewehr M. 82 (an d. linken Verschlußhülse schräg aufsetzbares Patronenmagazin);
    Repetiergewehr M. 84 (Verbesserungen am Verschluß);
    Repetiergewehr M. 85 (Zylinderverschluß f. Geradezug u. festes Kastenmagazin: Prototyp f. alle späteren Modelle v. M[annlicher]);
    Repetiergewehr M. 86 (Erstes b. d. k. u. k. Infanterie u. d. Jägerbataillonen eingeführtes Repetiergewehr, Kaliber 11 mm Werndlpatrone);
    Repetiergewehr M. 88 (Kaliber 8 mm, 4 Züge, Einheitspatrone: Messinghülse u. Stahlmantel-Ogivalgeschoß);
    Repetiergewehr M. 88/90 (Berichtigte Visiereinrichtung f. d. neue Patrone mit rauchschwachem Pulver);
    Lizenzerzeugung d. Repetiergewehres M. 88 im Dt. Reich;
    Repetierkarabiner M. 90 (Geradezugverschluß);
    Varianten d. Kalibers f. d. Export nach Italien, Frankreich u. d. Schweiz;
    Repetiergewehr M. 94, M. 95 u. M. 96 (geringe Varianten d. M. 88, vor allem b. d. Schäftung, Gewicht usw.);
    Repetierpistole M. 96 u. Repetierpistole M. 1900 blieben nur Prototypen u. kamen nicht zur Erzeugung.

  • Literatur

    W. Lampel u. R. Mahrholdt, Waffenlex., Neuausg., 91981, S. 239-41;
    E. Hartmann, Kurzgefaßtes Mil.-Hand-Wb. f. Armee u. Marine, 1896, S. 577 (Mannlicher-Gewehr);
    A. Dolleczek, Monogr. d. k. u. k. österr.-ungar. blanken u. Handfeuer-Waffen etc., 1896, S. 114 f.;
    K. v. Kromar, Repetier- u. automat. Handfeuerwaffen d. Systeme Ferdinand Ritter v. M, 1900;
    J. Lugs, Handfeuerwaffen, 21969, bes. S. 194-98 (Konstruktionen), 444-48 (Biogr.);
    G. v. Alten u. H. v. Albert, Hdb. f. Heer u. Flotte, Enz. d. Kriegswiss. u. verwandter Gebiete VI, 1914, (S. 275: Kurzbiogr., W);
    E. Neumann, in: Schuß u. Waffe 8, 1914/15, S. 98-101;
    V. Schützenhofer, Josef Werndl, in: Bll. f. Gesch. d. Technik, 5. H., 1938, S. 42-58, bes. S. 51, 55-56, 58;
    R. Reisinger, in: Dt. Waffenjournal, 1982, S. 468 ff.;
    J. Mötz, Das Mannlicher Waffensystem Muster 1895, ebd., 1987, S. 518 ff., 674 ff., 792 ff.;
    ders., Mannlichers Waffenreihe M. 1895, in: Bll. f. österr. Heereskde. 1987, S. 15 ff.;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Walter Hummelberger
  • Empfohlene Zitierweise

    Hummelberger, Walter, "Mannlicher, Ferdinand Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 75 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119305062.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA