Weyde, Edith

Lebensdaten
1901 – 1989
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Kürten (Bergisches Land)
Beruf/Funktion
Chemikerin ; Erfinderin
Konfession
keine Angabe
Namensvarianten

  • Weyde, Edith

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Zitierweise

Weyde, Edith, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142029.html [22.01.2026].

CC0

  • Weyde, Edith

    | Chemikerin, Erfinderin, * 17.9.1901 Prag, † 10.2.1989 Kürten (Bergisches Land), ⚰Kürten, Ehrengrab.

  • Genealogie

    V Hans (Johann) (1870–1960), aus Krumau (Český Krumlov), Dr. phil., Gymn.lehrer in P. u. Aussig, 1906 Dir. d. Staatsoberrealschule in Bergreichenstein, (s. Dt.-österr. Künstler- u. Schriftst.lex., hg. v. H. Cl. Kosel, II, 1906; Aussiger Bote 1960, S. 190 f.);
    M Rosa Schmidt (1876–1960);
    1 B Rudolf (Rudi) (1903–56), 1 Schw Berta Früchtl, in Wien.

  • Biographie

    Nach dem Abitur 1919 und einer Tätigkeit als Laborantin in ihrem Wohnort Aussig studierte W. seit 1923 Chemie an der TH Dresden (Dipl.-Ing. 1925). Bei dem Gründer und Direktor des Photographischen Instituts, Robert Luther (1868–1945) wurde sie mit „Luminiszenzerscheinungen organischer Metallverbindungen im Röntgenlicht“ 1927 zum Dr.-Ing. promoviert. Auf Empfehlung Luthers erhielt sie eine Anstellung als Chemikerin im photographisch-photochemischen Labor der I. G. Farben (später: BASF) in Oppau bei Ludwigshafen, wo Grundlagenforschung betrieben wurde. W. arbeitete u. a. an der Entwicklung von silberlosen photographischen Materialien mit. Als das Labor wegen der Weltwirtschaftskrise verkleinert wurde, wechselte sie 1932 in das Labor für Papierproduktion des Agfa Photopapierwerks nach Leverkusen. Aufgrund von Reklamationen setzte W. 1933 die Substanz „ST 47“ in der Produktion ein, um die Graufärbung der Photoabzüge bei der neu eingeführten Schnelltrocknung in Großlabors zu verhindern. ST 47 wurde nicht patentiert, sondern geheim gehalten und brachte Agfa für Jahrzehnte einen Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig machte die Substanz Lupex-Photopapiere beständig gegen Einflüsse des tropischen Klimas.

    W.s wichtigste Entdeckung geht ebenfalls auf die Bearbeitung von Reklamationen zurück: Flecken an den Papierrändern und gelegentlich verschwommene negative Bilder auf der Rückseite von Photoabzügen stammten vom unbelichteten Silbersalz, das im Fixierbad wegen unzureichender vorheriger Wässerung von vorhandenen Entwickler-Resten zu Silber reduziert wurde. W. erkannte darin ein neuartiges photographisches Prinzip, mit dem sich die zeitaufwendige Prozedur des Negativ-Positiv-Prozesses auf einen einzigen Arbeitsgang verkürzen ließ. Negativ und Positiv entstehen beim Diffusionstransfer fast simultan; damit gelang der erste Schritt zur Sofortbildphotographie. W. kannte weder die Beobachtungen des Diffusionsvorgangs von Raphael Eduard Liesegang (1869–1947) noch die Arbeiten Andrè Rotts (1897–1981) beim Konkurrenten Gevaert in Belgien, der sich das Verfahren des Diffusionstransfers (DTR) 1939 in England patentieren ließ. Bereits 1937 oder 1938 machte W. Sofortbilder von ihren Mitarbeiterinnen. 1942 brachte Agfa „Veriflex“ als erstes DTR-Material heraus.

    1949 kam mit „Agfa Copyrapid“ und dem von Walter Eisbein (1904–1979), Mitbegründer der Fa. Trikop, später Develop, erfundenen und vertriebenen „Develop“ -Gerät ein erstes modernes Photokopierverfahren auf den dt. und europ. Markt (seit 1952 in Nordamerika und spätestens seit 1953 in Japan), mit dem man ohne Vorkenntnisse direkt auf dem Schreibtisch photokopieren konnte. 1958 brachte Agfa zur Erstellung von Offsetdruckplatten weitere DTR-Produkte heraus und 1967 Professional Proofing Paper (später „Copyproof“) für die Druckvorstufe. 1963 war die Wachstumsspitze für Copyrapid erreicht.

    W. arbeitete nach ihrer Pensionierung 1966 in ihrem privaten Labor bis 1982 weiter für Agfa. Zu ihren Leistungen gehörten die Mitentwicklung des Agfacolor-Papiers und -prozesses sowie die Erforschung von Umwelteinflüssen auf Photographien und Filme. Sie schuf einen heute noch in Photoarchiven genutzten Indikator für Schadstoffe sowie Mittel zur Vorbeugung und Behebung von Schäden. Während ihrer 50jährigen Arbeit für Agfa war sie an rund 300 Patentanmeldungen maßgeblich beteiligt.

  • Auszeichnungen

    |Silberne Ges.medaille d. photograph. Ges. Wien (1953);
    Kulturpreis d. Dt. Ges. f. Photogr. (1963);
    Ehrenmitgl. d. Soc. of Photographic Scientists and Engineers in Washington, D. C. (1965) u. d. Royal Photographic Soc. London (1973);
    Diesel-Medaille in Silber (1965).

  • Werke

    |Patente: Verfahren z. Herstellung photograph. Bilder, DRP 607 265, 1933;
    Verfahren z. Vermeidung v. Farbschleiern b. d. chromogenen Entwicklung, DRP 743 262, 1938 (mit E. Trabert);
    Verfahren z. beschleunigten Herstellung e. photograph. Positivbildes nach e. Vorlage, DRP 887 733, 1941 (alle ursprüngl. f. d. I. G. Farben);
    Vorrichtung z. Übertr. photograph. Bilder, DRP 973 796, 1941 (mit R. A. Kremp).

  • Literatur

    |A. Rott, Photographic Silver Halide Diffusion Processes, 1972;
    Vier J.zehnte Bildübertragung durch Diffusion, Meilensteine in d. Fotografie, Kat. Zilvermus. Sterckshof, 1978 (P);
    N. N., E. W., d. Erfinderin d. Photokopie, in: Hist. Bürowelt 40, 1994, H. 12, S. 21 (P);
    Chemikerinnen, es gab u. gibt sie, hg. v. Ges. Dt. Chemiker Fachgruppen, 2003, S. 20–22;
    Ch. Blasberg, Frauen, Leben in Leverkusen, 2005;
    K. Urbons u. J. Ehlen (Hg.), E. W., wie e. Erfinderin aus d. Rheinland d. Welt veränderte, 2016 (W, P);
    Qu Gesch. d. Agfa-Gevaert AG, Bd. V a, 1984 (Agfainterne Publ. aus d. Nachlaß).

  • Autor/in

    Klaus Urbons
  • Zitierweise

    Urbons, Klaus, "Weyde, Edith" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 4-5 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142029.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA